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| FL18 - Frontline18 .:. Forum > 21.02.1916 |
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Thema: 21.02.1916 |
 | Jvonne |
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Deutsche Offensive gegen Verdun
Am 21. Februar 1916 setzten in den frühen Morgenstunden(08.12 Uhr) die deutschen Artillerievorbereitungen zu beiden Seiten der Maas auf einer Breite von rund 40 Kilometern ein, hielten nicht nur ohne Unterbrechung an, sondern steigerten sich immer mehr, um zwischen 16.00 und 17.00 Uhr vor Anbruch der Winterdämmerung ihren ersten Höhepunkt und Abschluß zu erreichen. Dann stürzte die Infanterie von einer Linie nordwestlich Orncs bis südwestlich von Flabas aus ihren Gräben durch die Sturmgassen in den eigenen Hindernissen. Der Befehl der 5. Armee sah vor, daß die drei Korps am ersten Tag nur Patrouillen entsenden sollten, um getreu der Falkenhaynschen Absicht vorsichtig vorzufühlen, wie weit die eigene Artillerie den Sturmweg freigeschossen hatte. Zwei Armeekorps hielten sich an diesen Auftrag und warfen die Masse ihrer Truppen erst am folgenden Tag in den Kampf. Am rechten Flügel ließ das VII. Reservekorps dagegen bereits am 21. Februar seinen Stoßtrupps die eigentlichen Angriffstruppen folgen und stellte damit den Ausblutungsplan schon am ersten Tag in Frage. Auf jeden Fall hatte man sieh auf deutscher Seite das Terrain, das den französischen Forts vorgelagert war, nach zehnstündigem Trommelfeuer leichter passierbar vorgestellt. Es zeigte sich hier bereits, daß die Artillerie zwar mit Geschützsalven, wie sie bisher noch nie dagewesen waren, »geklotzt«, dabei aber oftmals das Punktschießen aus dem Auge verloren hatte. Obwohl das gesamte französische Grabensystem unter dem Geschoßhagel eingeebnet, die Wälder zu einem Wirrwarr von zersplittertem Holz und die Dörfer zu Ruinen oder bloßem Schutt geworden waren, fanden sich dennoch überall verrammelte Waldstellungen, verschachteltes Gestrüpp mit Hindernissen und Maschinengwehrnestern, die noch einsatzbereit waren und den Angreifern große Verluste bereiteten. Hinzu kam, wie schon erwähnt, daß die Franzosen gerade in den letzten Wochen und Tagen vor Beginn der Offensive an ihren Feldstellungen vor den einzelnen Werken noch erhebliche Verbesserungen vorgenommen hatten, die den Deutschen teilweise oder gänzlich verborgen geblieben waren. Die dadurch möglichen, unerwarteten Feuerüberfälle der Verteidiger verursachten zusätzliche schmerzliche Opfer unter den anstürmenden Truppen.
Trotzdem gelang den zunächst angreifenden deutsehen Soldaten der Durchbruch durch das erste Stellungssystem; aber die zweite Linie wehrte sich so erfolgreich, daß bis zum Abend nur an einer Stelle ein tiefer Einbruch erzielt werden konnte. Auf französischer Seite war es vor allem das 30. Korps, das den deutschen Stoß auffing und drei Tage lang das Eintreffen der eigenen Verstärkung deckte. Als außergewöhnlich tapfer erwiesen sich während des in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Artillerie-Trommelfeuers die zwei Jäger-Bataillone des Oberstleutnant Driant, die im Caures-Wald in ihren Stellungen ausharrten und jeden Fußbreit Boden zäh verteidigten. Von den deutschen Truppen tat sich das VII. Rescrve-korps besonders hervor, das vor allem wegen seines massierten Infanterieeinsatzes den Haumont-Wald nahm. Im Vergleich zur hohen Verlustrate waren jedoch selbst bei ihm, aber erst recht bei den beiden benachbarten Korps, die Geländegewinne viel zu gering. So endete eigentlich schon der erste Angriffstag mit einer großen Enttäuschung für die deutsche Seite: Trotz der nicht zu verkennenden Anfangserfolge war die sogenannte »alles vernichtende Wirkung« der Artillerie ausgeblieben. Die französischen Stellungen mußten - wie in jeder anderen Schlacht auch - durch die Infanterie regelrecht erobert werden. Nach Falkenhay ns Plan sollte aber diese nur »dosiert« eingesetzt werden und in gänzlich umgepflügte und so gut wie waffenleere Räume einmarschieren. Die Materialschlacht hatte zu arbeiten, nicht die Schlacht der Menschen. Das war nicht gelungen, so daß man den ganzen ersten Tag der Offensive fast umsonst aus 1.400 Rohren gefeuert hatte. Dies führte einerseits zu der Erkenntnis, daß man die Wirkung der eigenen Artillerie überschätzt hatte, zumal es ihr auch nicht gelungen war, die gegnerischen Geschütze hinreichend auszuschalten. Andererseits war aber auch spätestens jetzt das Überraschungsmoment gänzlich verlorengegangen. General Herr, der damalige Gouverneur von Verdun, fand weiterhin Zeit, mit Hilfe seiner Reserven und neu herbeigeholter Verstärkungen die vorderen Stellungen noch widerstandsfähiger zu machen. Die französische Paradefestung wurde also tatsächlich schon zu Beginn der Schlacht für die Franzosen zur nationalen Prestigefrage.
Doch der gewaltige Beschüß durch die deutsche Artillerie ging an den folgenden Tagen weiter, und auch die Infanterie der beiden anderen Angriffskorps begann nun, in gewohnter Manier zu stürmen.
Am 22. Februar leisteten vor allem die Jäger Driants im Caures-Wald den nunmehr zahlenmäßig überlegenen Angreifern weiterhin erbitterten Widerstand, obwohl sie von zwei Seiten eingeschlossen waren. Erst als Driant fiel, gingen seine Männer auf Beaumont zurück.
Während des 23. Februars steigerte sich der Kampf weiter. Die Lage wurde trotz tapferer Gegenwehr für die Franzosen sehr ernst: Nach blutigen Kämpfen gelang es den Deutschen, dem gegnerischen Infanterie- Regiment 351 den Ort Brabant abzuringen. Die Verteidiger setzten sich in der folgenden Nacht in den Ruinen von Samogneux fest. Weiter im Osten tobten die Gefechte noch heftiger: Erfolglosen Gegenangriffen der Franzosen im Caures-Wald standen deutsche Attacken im Herbebois gegenüber. Die französische 51. Infanterie-Division mußte zwar den Rückzug antreten; aber auch die Deutschen bezahlten ihr Vordringen in Richtung auf den Fosses-Wald mit hohen Verlusten. Immerhin konnten sie in der Nacht noch Samogneux nehmen. Am Abend verlief die Front von Ornes über Beaumont nach Samogneux.
Am 24. Februar vermochten die deutschen Truppen noch einmal Verstärkungen heranzuholen. Ihre Führung forderte die letzten Anstrengungen von ihnen, und so gelang es, trotz heftigen französischen Artilleriebeschusses, vor allem vom linken Maas-Ufer her, die Höhe 344 östlich von Samogneux, den Fosses-Wald, den Chaume-Wald und den Ort Ornes zu nehmen. An diesem Tag trafen allerdings auch die ersten französischen Verstärkungen unter Befehl von General Balfourier ein, der zunächst das Kommando über das Gebiet von der Maas bis zur Woevre-Ebene übernahm. Zur selben Zeit wurde beschlossen, General Petain mit seiner 2. Armee, die momentan in Reserve lag, nach Verdun zu verlegen. Schon am folgenden Tag, mit seinem Eintreffen in Verdun, wurde Petain auch der Oberbefehl über den gesamten Abschnitt übertragen. Er und andere, ihm unterstellte Generale begaben sich unmittelbar an die Front und sorgten so mit dafür, daß auf französischer Seite jeglicher Gedanke an einen begrenzten oder gar totalen Rückzug von der Maas ausgelöscht wurde. Aber die Deutschen griffen weiterhin an, auch wenn sie bis Ende Februar nur noch eine frische Division als Verstärkung erhielten.
Der 25. Februar brachte den ersten Höhepunkt der Schlacht, der zugleich aber auch die erste große Krise für beide Seiten bedeutete: Obwohl die französische 37. Infanterie-Division, die mit der Verteidigung des Talou-Rückens und des Dorfes Louvemont beauftragt war, dem deutschen Ansturm immer noch widerstand, gelang es den Angreifern schließlich doch, rechts davon zunächst den Vauche-Wald zu besetzen. Außerdem drangen sie gegen das Dorf Douaumont vor. Aber mehr noch: Die Deutschen vermochten durch mehrere, im Grunde genommen zufällige und überraschende Handstreiche das stärkste Festungswerk des Raumes Verdun, das Fort Douaumont, praktisch ohne Kampf zu besetzen. Die psychologische Wirkung dieser Eroberung war in Frankreich bedeutend. Falkenhayn wurde erneut bestätigt: Von französischer Seite aus würde man noch stärker als bisher gewillt sein, alles an Truppen, was irgendwie verfügbar war, in den »unersättlichen Höllenschlund« von Verdun zu werfen. Doch den Siegern dieser Tage ging es auch nicht besser: Von einem dosierten Einsatz menschlicher Kräfte konnte keineswegs die Rede sein, mithin auch nicht vom Gelingen der Materialschlacht. Im Gegenteil: Das Kampfgeschehen begann, sich alsbald gegen die Angreifer zu wenden. Deren Kommandeure forderten immer wieder, daß ihre Truppen abgelöst werden müßten. Dies geschah jedoch so gut wie nicht, weil nur wenige Reserven vorhanden waren und der Plan Falkenhayns diese auch nicht für erforderlich hielt. Da die vorne eingesetzten Regimenter jedoch seit vier Tagen ununterbrochen gekämpft hatten, waren sie zahlenmäßig zu schwach und physisch am Ende. An ein weiteres Vorstoßen war somit nicht zu denken. Das erklärt, warum die Angreifer die großen Chancen, die sich ihnen aus dem kampflosen Rückzug der Franzosen von einigen wichtigen Höhen nordwestlich von Douaumont und aus der Inbesitznahme des Forts selber boten, nicht nutzen konnten. Sie blieben an diesem Tag zwischen der eroberten Superfestung und dem Pfeffer-Rücken liegen. Auch die Attacken gegen das Dorf Douaumont scheiterten am französischen Widerstand, vor allem an dem der 31. Brigade. Die erwähnte Räumung weiter nördlich war nur durchgeführt worden, um nicht abgeschnitten zu werden.
Diese Situation war typisch und die logische Folge der in Theorie und Praxis widersprüchlichen deutschen Operationspläne. Nach Falkenhayns Vorstellungen sollte die zermürbende Offensive schnell oder langsam, auf jeden Fall aber nur mit begrenzten eigenen Kräften geführt werden. Die Artillerie hatte praktisch alleine die Last des Kampfes zu tragen, die Infanterie dagegen sozusagen nur die reifen Früchte zu ernten. Jetzt versagte jedoch die deutsche Feuerunterstützung - allerdings nicht schuldhaft, wegen schlechter Ausbildung, Unsicherheit oder schwacher Führung, sondern weil sie nicht die Wirkung erzielen konnte, die von ihr gefordert wurde. Die Infanterie wiederum kam zwar relativ sparsam zum Einsatz, mußte aber dennoch von vornherein hohe Verluste hinnehmen, weil eben die eigenen Geschütze ihnen nicht die vorhergesagten entscheidenden Breschen schlagen konnten. Hinzu kam, daß die Sturmtruppen selbst dort, wo es die Lage erlaubt hätte, nicht hinter den verhältnismäßig langsam nach vorne wandernden Feuerwellen ihrer Artillerie zurückblieben. Sie lehnten sich auch zu Recht gegen das Paradoxe dieses Verlangens auf. Der Infanterist war und ist durch überfallartiges Vorpreschen und eigene Feuerunterstützung auf Zupacken und Erobern der gegnerischen Stellungen eingestellt. Nur Zeitsparen und Deckungssuche helfen ihm dabei, schlimmere Verluste zu vermeiden. In Verdun sollte alles umgekehrt verlaufen: Die stürmenden Truppen hatten nur allmählich vorzugehen, und - wenn die Lage es gebot - auf freiem Feld oder an einem Vorderhang - wie auf einem Präsentierteller - so lange liegenzubleiben, bis das eigene Geschützfeuer eine Fortführung der Attacke erlaubte. Hielten sich die Infanteristen nicht an diesen Plan, liefen sie entweder in das eigene Feuer hinein, das gerade weiter nach vorne verlagert worden war, oder sie wurden Opfer eines kampfbereiten Gegners, den die deutschen Geschütze noch nicht voll erreicht hatten.
Wenn der Einsatz der Technik und der entsprechende Einfluß auf die Menschen die Erwartungen nicht erfüllte, gab es nur die Möglichkeiten, entweder die Schlacht abzubrechen oder sie mit Infanterie-Angriffen herkömmlicher Art, also mit stärkstem Aufgebot von Soldaten, vielen Reserven und einem Vorgehen, dem tempomäßig keine Zügel angelegt waren, fortzuführen. Daran hinderte die zuständige deutsche Führung auf Weisung ihres Generalstabschefs jedoch die örtlichen Stäbe ständig und nachdrücklich. Sie riskierte kaum etwas und wollte dennoch - trotz gegenteiliger Bekundungen und des Falkenhaynschen Planes - Verdun überrennen. Das waren zu viele Wünsche auf einmal, als daß auch nur ein Teil von ihnen hätte in Erfüllung gehen können.
In der Zwischenzeit nützten die Franzosen die Gelegenheiten, die ihnen die deutschen Schwächen boten: Sie schafften vor allem Artillerie herbei, so daß sie bald über mehr als 1.900 Geschütze verfügten und damit erheblich stärker als die Angreifer waren. Außerdem hatten sie den Vorteil, beinahe überall aus gut geschützten Stellungen feuern zu können.
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Der deutschen Materialschlacht stemmte sich also eine ebensolche französische entgegen, so daß von einem dosierten Einsatz der Soldaten weniger als je zuvor die Rede sein konnte. Hinzu kam, daß die Franzosen fast alle ihre Kräfte aus der Woevre-Ebene in den Ring um Verdun warfen. Ferner wurde die noch im Süden stehende II. Armee General Petains nun blitzschnell mit allen erdenklichen Mitteln herbeigeführt. Auch Unmengen von Material liefen zu. Das alles erfolgte über die einzige Straße, die noch offengeblieben war und wegen ihres schlechten Zustan-des dauernd instand gesetzt werden mußte. Sie erhielt später den bezeichnenden Namen: »Voie sacree«, also: »Heilige Straße«.
Noch am 25. Februar 1916 verlegten die französischen Verteidiger ihre Front in der Woevre-Ebene, die dort einen sehr gefährdeten Vorsprung bildete und nur von schwachen Kräften gehalten wurde, an den Fuß der Maas-Höhen zurück. Diese Absetzbewegung verschleierten sie mit Hilfe von Deckungstruppen, die zudem durch Rückzugsgefechte Zeit für den Ausbau der neuen Stellungen schufen. Die erste Phase der Schlacht um Verdun endete am 4. März, als das völlig zerstörte Dorf Douaumont fest in deutsche Hand gelangte. Damit kam die Offensive jedoch fast völlig zum Erliegen, weil die 5. Armee auch ihrerseits schon ausgeblutet war und ihre nur gering oder nicht verwundeten Soldaten an totaler Erschöpfung litten. Hinzu kamen erhebliche Probleme im Nachrichten- und Meldewesen, von denen vor allem die Verständigung mit der eigenen Artillerie betroffen war. Außerdem mußten die Deutschen daran denken, ihre Geschütze wegen der relativ weit vorgeschobenen eigenen Front Stellungswechsel machen zu lassen. Das war aber wegen des fast nur noch aus Trichtern bestehenden, völlig verschlammten Geländes so gut wie unmöglich. Viele Kanonen und Mörser blieben stecken, waren somit dem gegnerischen Feuer ausgeliefert und fielen aus. Besonders schwer wog der hohe Verlust an Pferden, die allein in der Lage waren, die Artillerie zu bewegen.
Das größte Hindernis für ein weiteres Vorstürmen der deutschen Truppen stellte indessen das flankierende Geschützfeuer der Franzosen vom linken Maas-Ufer dar. So entschloß sich die deutsche Oberste Heeresleitung, diese Gefahr zunächst auszuschalten. Dies war zwar von Fachleuten bereits zu Beginn der Schlacht um Verdun gefordert, von Falkenhayn jedoch abgelehnt worden. Es paßte nicht in sein Konzept. Außerdem hätte es zusätzliche Kräfte erfordert und damit die Entwicklung an anderen Frontabschnitten nachteilig beeinflußt. So blieb es bei der schmaleren Angriffsfront östlich der Maas. Als diese dann aber zum Stillstand kam, zeigte sich erneut, wie sehr der deutsche Generalstabschef zum Gefangenen seines eigenen Planes geworden war: Er brach die Schlacht nicht ab, wie es nur konsequent gewesen wäre, sondern ließ jetzt auf dem linken Maas-Ufer weitere Truppen eingreifen. Damit gab er zu, daß die bisherigen Verluste im Angriffsstreifen rechts des Flusses zu großen Teilen die Folge einer falschen Konzeption waren. Ferner nahm Falkenhayn damit bewußt weitere hohe Verluste an eigenen Gefallenen, Verwundeten und Gefangenen sowie vermehrte Schwachpunkte an anderen Frontabschnitten in Kauf. Wenn die Ausblutungs-Theorie überhaupt je einen Sinn gehabt hätte, dann verlor sie spätestens Anfang März 1916 ihren Sinn, als das Ringen um Verdun praktisch in eine »normale Abnutzungsschlacht« einmündete.
Nach entsprechenden Artillerievorbereitungen griffen vom 6. März 1916 ab die deutsche 22. Reserve-Division und die 12. Division zwischen Forges und Bethincourt die 67. französische Division an. Der erstgenannte Ort wurde am selben Tag genommen; aber dann blieb die Offensive schon am Hohen Gänse-Rücken stecken. Dieserfiel-ebenso wieder Raben-Wald-zwar am 7. März in deutsche Hand. Doch dann kam eszum Stillstand: Das Dorf Cumieres wurde heftig umkämpft, blieb jedoch vorläufig noch in französischem Besitz. Ähnliche Szenen spielten sich weiter westlich ab, wo die Höhe »Toter Mann« zum ersten Mal in den Annalen der Schlacht um Verdun auftauchte.
Am 8. März verlief das Kampfgeschehen nahezu völlig umgekehrt: Auf dem linken Maas-Ufer eroberten die Franzosen den Raben-Wald zurück. Dagegen starteten die Deutschen erstmals wieder östlich des Flusses einen größeren Angriff mit Teilen von fünf Armeekorps, der allerdings nur wenig vorankam. Der einzige Erfolg dieses wiederum für beide Seiten sehr verlustreichen Gefechtes bestand darin, daß die Deutschen bis an den Rand des Dorfes Vaux gelangten.
Am 9. März vermochten die deutschen Truppen dann auch auf den Hängen des Toten Mannes Fuß zu fassen. Auf ihrem äußersten linken Angriffsflügel war ihnen dagegen noch kein Erfolg bei der Eroberung von Fort Vaux beschieden.
Am folgenden Tag besetzten sie allerdings wieder den Raben-Wald und zwangen die Franzosen, ihre Stellungen auf die Linie Bethincourt-Toter Mann - Südrand des Raben-Waldes - Südrand des Waldes von Cumieres zurückzunehmen. Das Ringen um Dorf und Fort Vaux hielt dagegen unverändert an. Um diese Zeit trat eine Zäsur in den Kämpfen um Verdun ein: Die Deutschen mußten ihre großangelegten Angriffe zunächst einmal beenden. General Joffre, Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte, rief daher seinen Soldaten in und um Verdun zu: »Seit drei Wochen erfolgt gegen euch der fürchterlichste Ansturm, den der Gegner bisher gegen uns gewagt hat. Deutschland rechnete mit dem Erfolg dieser Anstrengung, die es für unwiderstehlich hielt und für die es seine besten Truppen und seine wirksamste Artillerie bereitgestellt hatte. Es hoffte, die Einnahme von Verdun würde den Mut seiner Verbündeten wieder festigen und die neutralen Länder von der deutschen Überlegenheit überzeugen. Es hatte die Rechnung ohne Euch gemacht. Das Vaterland richtet seine Blicke auf Euch. Ihr werdet zu denen gehören, von denen es heißen wird: >Sie haben den Deutschen den Weg nach Verdun gesperrt«.
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In den folgenden Wochen und Monaten traten an Stelle der Offensiven auf breiter Front zahlreiche räumlich begrenzte Attacken, die allerdings kaum weniger heftig waren. In ihrem Verlauf konnte die 12. Reserve-Division des Kronprinzen am 14. März die Höhe 265, die den Nordteil des Toten Mannes bildet, einnehmen. Am Südteil dieses Hügels widerstanden die Franzosen dagegen zunächst allen weiteren Anstürmen.
Am 20. März 1916 vermochten dann Truppenteile die Wälder von Avocourt und Malancourt zu besetzen. Schlesische Einheiten eroberten am 31. März das Dorf Malancourt und am 8. April Bethincourt.
Auf dem rechten Maas-Ufer umgingen die Deutschen zunächst Dorf und Fort Vaux und drangen durch den Caillette-Wald bis zur Bahnstrecke Vaux - Fleury vor, wurden aber kurz darauf von der französischen 5. Division wieder zurückgedrängt.
In der zweiten Märzhälfte 1916 versuchten die Deutschen ihr Glück mit Hilfe neuer Kommandostrukturen: Am 19. März übernahm General von Mudra alle Truppen rechts der Maas als »Angriffsgruppe Ost« (geläufigste Bezeichnung), und am 28. März entstand links der Maas eine »Angriffsgruppe West« (General von Gallwitz). Daraufhin kam es am 9. April wieder zu einem Großangriff: Westlich der Maas stürmten insgesamt fünf deutsche Divisionen gegen die französischen Stellungen an, ohne jedoch entscheidend durchbrechen zu können. Lediglich auf dem Toten Mann mußten die Franzosen mit ihrer 42. Division dem Angreifer die Nordosthänge der südlichen Höhe 295 überlassen. Östlich der Maas konzentrierte sich die deutsche Offensive auf den Pfeffer-Rücken, ohne daß ihr allerdings Erfolg beschieden war. Auf dem linken Flügel konnte das Dorf Vaux Haus für Haus genommen werden. Am 10. April erließ General Pelain seinerseits einen berühmt gewordenen Tagesbefehl: »Der 9. April ist ein glorreicher Tag für unsere Waffen. Die gewaltigen Angriffe der Soldaten des Kronprinzen sind überall abgeschlagen worden. Infanteristen, Artilleristen. Pioniere und Flieger der II. Armee haben an Heldenmut miteinander gewetteifert. - Ehre ihnen allen! Die Deutschen werden ohne Zweifel erneut angreifen. Jeder arbeite und sorge dafür, den gleichen Erfolg wie gestern zu erzielen. - Nur Mut: Wir werden sie schon kriegen!«
Das änderte jedoch nichts daran, daß er am 1. Mai den Oberbefehl über die mittlere französische Heeresgruppe übernehmen mußte, während General Nivelle die II. Armee von ihm erhielt. Bereits Mitte April wurde auf deutscher Seite General von Mudra durch General von Lochow ersetzt. Im Mai 1916 erneuerten die Deutschen noch einmal ihre Offensivanstrengungen, und zwar vor allem auf dem linken Maas-Ufer. Hauptziel war weiterhin der Südteil des Toten Mannes. Um ihn weniger verlustreich nehmen zu können, erschien es nötig, die Angriffe noch mehr als bisher nach Westen auszudehnen, um die Höhe 304 - ein französischer Stützpunkt und ein wertvoller fester Beobachtungspunkt-in eigenen Besitz zu bringen. Diese blutigen Kämpfe bescherten schließlich der Kronprinzen-Armee in der ersten Maihälfte Teilerfolge auf der Höhe 304 und am 20. Mai den Besitz des eigentlichen Gipfels vom Toten Mann (Höhe 295).
Am 22. Mai 1916 griff die 5. französische Division des Generals Mangin auf dem rechten Maas-Ufer in Richtung Douaumont an, um die eigenen Truppen westlich des Flusses vom deutschen Druck zu entlasten. Diese Offensive war nur begrenzt erfolgreich, indem es gelang, kurzzeitig in das Fort Douaumont einzubrechen: Die Deutschen konnten nachhaltig Widerstand leisten und die Franzosen am folgenden Tag sogar wieder verdrängen. Insgesamt gesehen, erreichte dieser Angriff jedoch sein Ziel: Die Deutschen mußten Truppen vom linken Maas-Ufer abziehen. Hier flauten die Kämpfe zunächst ab, ohne allerdings gänzlich aufzuhören. Als sich wenig später an der Somme eine britisch-französische Großoffensive ankündigte, versuchten die Truppen des Kronprinzen ein letztes Mal mit äußerster Kraftanstrengung, Verdun zu nehmen, bevor dieser Frontabschnitt Truppen an den neuen Schwerpunkt abzugeben haben würde. Doch die Franzosen hielten stand. Die Deutschen nahmen jedoch nach erneuten heftigen Bemühungen von fünftägiger Dauer am 7. Juni das Fort Vaux, das kapitulierte, drangen gleichzeitig von Douaumont aus gegen das Zwischenwerk Kalte Erde vor und besetzten am 9. Juni das Gehöft (Ferme) von Thiaumont, während das gleichnamige Werk noch in französischer Hand blieb.
Auch auf dem linken Maas-Ufer hatten die deutschen Truppen noch einmal mit einer Offensive begonnen: Schon am 31. Mai drangen sie durch das Maas-Tal bis zum Bahnhof von Chattancourt vor, wurden dort jedoch sofort wieder durch einen französischen Gegenangriff bis Cumieres zurückgedrängt. Kurz darauf gelang zwar die endgültige Besetzung des Gipfels der Höhe 304, aber deren Südhänge blieben in der Hand der Franzosen.
Rechts der Maas versuchten die Angreii'er noch einmal, die letzten Hindernisse vor Verdun zu durchbrechen. Dieses waren auf der linken Seite vor allem das Fort Souville und auf dem rechten Flügel insbesondere die Werke von Thiaumont und Kalte Erde. Etwa 70.000 Mann wurden aufgeboten. Nach einer fast dreitägigen gewaltigen Artillerievorbereitung und intensivem Einsatz von Gas stürmten dann am 23. Juni die deutschen Soldaten, in der Mehrzahl Bayern, aus der Linie Vaux - Fleury - Thiaumont nach Süden. Die Zwischenwerke Thiaumont und Kalte Erde konnten erobert werden; aber noch am selben Tag führten die Franzosen einen erfolgreichen Gegenangriff durch. Er brachte Kalte Erde und die Hochebene bis zum Werk Thiaumont erneut in die Hand der Verteidiger. Im Zentrum der Offensive gelang es den Deutschen allerdings, in Fleury Fuß zu fassen. Auf der linken Seite scheiterten sie dagegen vor Souville. Am 11. Juli griffen hier deutsche Truppen ein letztes Mal in größerem Rahmen an, beschränkten sich aber auf den Abschnitt Damloup - Fleury. Trotz der am l. Juli begonnenen Sommer-Offensive der Westalliierten setzten sie immerhin etwa 40.000 Soldaten ein, um Verdun vielleicht doch noch in ihren Besitz bringen zu können. Es gelang ihnen dabei, sogar über Fleury hinaus vorzustoßen und in die Weinberg-Schlucht westlich des Dorfes einzudringen. Auch weiter östlich erreichten sie den Rand des Forts Souville. Fehlende Reserven und eine »übermenschliche« französische Abwehrleistung verhinderten jedoch den letzten Durchbruch, der hier so greifbar nahe war wie nie zuvor. Man hat das deutsche Scheitern in diesem Abschnitt später zutreffend mit dem Auslaufen einer starken Woge an der Küste eines Meeres verglichen. Die erneuten blutigen Verluste auf beiden Seiten und die immer stärker anlaufenden Kmäpfe an der Somme entwickelten sich zu dann den entscheidenden Hindernissen, um das Ringen um Verdun im bisherigen Ausmaß fortzusetzen.
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Dennoch gingen die nun schon fast fünf Monate dauernden Kämpfe weiter. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Wälder südlich von Vaux, durch die das Fort Souville hätte umgangen werden können, auf das Dorf Fleury, das einige Male abwechselnd ganz oder teilweise den Deutschen oder den Franzosen gehörte, bevor es dann im Oktober endgültig in französischer Hand blieb, und um das Werk Thiaumont, das ebenfalls mehrfach den Besitzer wechselte.
Wie sehr Ratlosigkeit über die Art des weiteren Vorgehens bei Verdun die deutsche Seite ergriffen hatte, wird u. a aus vielen Veränderungen in den militärischen Strukturen und Führungspositionen deutlich: So wurde z.B. am 13. Juli der Kommandeur der Angriffsgruppe West, General von Gallwitz, durch General von Francois ersetzt. Am 23. August mußte Schmidt von Knobeisdorf gehen, nachdem der Kronprinz bei seinem Vater entsprechend interveniert hatte. Sein Nachfolger wurde General von Lüttwitz, der allerdings schon wieder am 25. November General von Lochow weichen mußte.
Nur sechs Tage später war auch Falkenhayn am Ende und wurde durch Hindenburg und Ludendorff (3. Oberste Heeresleitung) abgelöst. Ebenfalls in der zweiten Jahreshälfte 1916 wurde in Form von Heeresgruppen eine zusätzliche Kommandoebene eingeführt. Dabei erhielt die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz den Oberbefehl vor allem über die 3. und 5. Armee. General von Gallwitz bekam die 5. Armee (18. Dezember). Sein Chef des Generalstabes wurde General von Ledebur. Gleichzeitig erfolgte der Befehl zur Einstellung der Kämpfe um Verdun. Doch zwischenzeitlich lag die Initiative ohnehin eindeutig beim Gegner.
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