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FL18 - Frontline18 .:. Die deutschen Kolonien - Samoa

:: Die deutschen Kolonien - Samoa ::

Die deutschen Kolonien - Samoa

Zum Zeitpunkt des ersten Kontaktes mit den weißen Entdeckern war die Inselgruppe Samoa bereits seit über 1500 Jahren von Polynesiern besiedelt. Es wird angenommen, daß die polynesische Besiedlung der Pazifikinseln von Samoa ausging, die Inseln gelten als die "Wiege Polynesiens". Sie bildeten in der Theorie einen souveränen Staat, allerdings ohne jede Zentralmacht - lokale Clanhäuptlinge (Matai) regelten die Angelegenheiten der Bewohner untereinander, einen obersten Häuptling oder gar König gab es nicht.

Wie auch beim Erwerb Neuguineas war es die Gier der zivilisierten Welt nach Kopra und anderen Kokosprodukten, die den Weg zur Kolonisierung Samoas ebneten. Auch dort war es die hamburgische Firma Goddefroy & Söhne, die 1860 als erste ein Handelskontor eröffnete und das Geschäft mit Kopra zur Ölherstellung im souveränen Staat Samoa ankurbelte. Schon vorher hatten sowohl Deutschland als auch die Vereinigten Staaten und Großbritannien Konsulate eröffnet. 1865 erfolgte die Anlage erster deutscher Kokosplantagen, und im Jahr 1878 besuchte das deutsche Kriegsschiff SMS Bismarck auf seiner Weltumrundung die Inselgruppe. Schon im nächsten Jahr wurde ein Handels- und Freundschaftsvertrag zwischen dem Königreich Samoa und dem Deutschen Reich geschlossen, und auch andere Mächte begannen sich zunehmend für Samoa zu interessieren.


Johan Cesar Godeffroy (*1813 +1885), Begründer des Südseegeschäfts Hamburger Kaufleute

In diesen Jahren fand, wie auch anderswo, ein regelrechter Wettlauf um die Kolonisierung der Inseln statt, an dem neben Deutschland auch Großbritannien und die USA teilnahmen. Man trachtete danach, Verträge mit den Inselbewohnern abzuschließen, was sich auf Samoa allerdings schwierig gestaltete, da es gar keine Zentralmacht gab. Also schürten die Kolonialmächte den Ehrgeiz der Stammeshäuptlinge, sich zum König aufzuschwingen, und hatten damit auch Erfolg, jedenfalls gab es bald verbindliche Ansprechpartner, die für ganz Samoa sprechen konnten. Mit diesem Vorgehen erweckten die Kolonialherren allerdings auch etwas, was sie nicht bezweckt hatten, nämlich das Entstehen eines samoanischen Nationalgefühls.

Die Deutschen sicherten sich Handelsinteressen, während die Amerikaner auf der Insel Tutuila in Pagopago einen Flottenstützpunkt errichteten. 1884 ließ der deutsche Konsul Dr. Stübel den Hafen der Hauptstadt Apia auf der Insel Upolu von deutschen Marineinfanteristen besetzen, um einer englischen Besetzung zuvorzukommen, es kam in der Folgezeit zu einem regelrechten Kleinkrieg, bei dem auch scharf geschossen wurde. Es bildeten sich zwei Parteien auf den Inseln, die einen der Ihren als Oberherrscher installieren wollten, die einen wurden von Briten und Amerikanern unterstützt, die anderen von den Deutschen. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen, in die auch die Soldaten und Kriegsschiffe der Kolonialmächte eingriffen. Insgesamt kam es im Zeitraum zwischen 1880 und 1899 zu nicht weniger als vier blutigen Bürgerkriegen, in denen mal die eine, mal die andere Partei die Oberhand behielt. Die Truppen und Kriegsschiffe der konkurrierenden Kolonialmächte waren dabei stets mit von der Partie, sie unterstützten ihre jeweiligen Verbündeten mit Nachschub, aber auch mit Waffengewalt und beschossen zuweilen Widerstandsnester von See aus. Am 10. November 1884 z.B. schloß der deutsche Konsul einen Vertrag mit dem von den Deutschen unterstützten Häuptling Malietoa zwecks "Herstellung größerer Rechtssicherheit und Strafpflege", natürlich mit dem Hintergedanken der Durchsetzung deutscher Interessen. Die Deutschen erlangten einen gewichtigen Einfluß im Lande, auch bei der Gesetzgebung. Als flankierende Maßnahme kaufte ein Hamburger Konsortium den englischen Aktienanteil an der Firma Godeffroy & Söhne für zwei Millionen Mark wieder zurück, um eventuelle Loyalitätskonflikte der Firma zu vermeiden. Der Streit eskalierte im nächsten Jahr weiter, die Deutschen warfen den Briten Intrigen zur Erlangung der Inseln vor und schickten ein Detachement des Kanonenbootes SMS Albatros an Land, welches die deutsche Flagge hißte - ein Vorgang, der einen empörten Notenwechsel zwischen London und Berlin hervorrief.


Briefmarke Deutsch-Samoa

Mittlerweile war die Firma Godeffroy in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hatte ihre Plantagen an eine Gesellschaft verkauft, die nach dem Tode des Firmeninhabers zur "Deutschen Handels und Plantagengesellschaft" wurde. Die deutschen Rechte auf den Inseln nahmen immer mehr zu, so eröffnete 1887 ein deutsches Postamt. Im selben Jahr scheiterten die deutschen Kanonenboote SMS Adler und SMS Eber im Orkan auf einem Riff vor Apia, wobei 93 Mann der Besatzungen den Tod fanden. 1889 vernichtete ein Orkan drei deutsche und drei amerikanische Kriegsschiffe im Hafen von Apia, ein britisches Schiff entkam. Am 14. November 1899 schließlich wurden sich die Kolonialmächte nach einem letzten blutigen Bürgerkrieg der Samoaner, in dessen Verlauf Apia von der deutschfreundlichen Partei geplündert und von amerikanischen und britischen Schiffen beschossen wurde, endlich über die Aufteilung der Inselgruppe einig: Deutschland erhielt die beiden großen westlich des 171. westlichen Längengrades gelegenen Inseln Sawaii und Upolu, während die Vereinigten Staaten die östlich dieser Linie gelegene Insel Tutuila und einige kleinere Inseln erhielten, England verzichtete und erhielt stattdessen einige der Salomoneninseln von Deutschland. Der von den Deutschen unterstützte Häuptling Mata'afa wurde zum König gekrönt und schloß einen Schutzvertrag mit dem Deutschen Reich ab. Das Königtum wurde abgeschafft, und am 4. März 1900 wehte die deutsche Flagge über Samoa.


Die Flagge Deutsch-Samoas

In den nun folgenden fast fünfzehn Jahren deutscher Kolonisierung machten sich die Deutschen bei der Bevölkerung im Gegensatz zu vielen anderen Kolonialherren dieser Zeit nicht unbeliebt. Zwar bestand natürlich eine gewisse Bevormundung, doch sie hielt sich in Grenzen und die Inselbewohner wurden weitgehend in Ruhe gelassen - auch deshalb, weil sie Weisungen "von oben " als etwas völlig Unbekanntes empfanden und meistens ignorierten. Sie erfreuten sich während dieser Zeit auch eines beträchtlichen Wohlstandes und behielten die Kolonialherren in recht guter Erinnerung. Dazu trug auch der Umstand bei, daß es zwischen beiden Ländern bereits jahrzehntelange Handelsbeziehungen gab und daß der deutsche Gouverneur strikte Quarantäneregelungen in Kraft setzte, um die jahrhundertelang isolierten Inselbewohner nicht Krankheiten von außerhalb auszusetzen, gegen die sie keine Abwehrkräfte besaßen. Auch sonst legten die Deutschen einen hohen Wert auf medizinische Versorgung, das erste Krankenhaus wurde ebenfalls während der deutschen Zeit eröffnet, ebenso wie die erste Schule. Verantwortlich für diese Entwicklung war der erste deutsche Gouverneur, Dr. Wilhelm Heinrich Solf, der von 1900 bis 1910 amtierte und in späteren Zeiten als geradezu legendär empfunden wurde. Nicht wenige Deutsche heirateten Einheimische, andere lebten nach samoanischer Sitte ohne Trauschein zusammen, bis kurz vor Kriegsausbruch ein rassistisch motiviertes Gesetz erlassen wurde, das solches unterband. Noch heute gibt es zahlreiche Nachfahren solcher Verbindungen, die deutsche Namen tragen und zum Teil auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Insgesamt kann man bei der deutschen Herrschaft auf Samoa fast von einem "sanften Kolonialismus" sprechen: die Einwohner blieben vor radikalen Einschnitten in Lebensweise und Kultur verschont, so daß die samoanische Kultur und Tradition bis heute einen hohen Grad von Eigenständigkeit bewahrt, die einheimische Kultur wurde durch die Fremdherrschaft nicht wie auf den meisten anderen Südseeinseln geschwächt, sondern gestärkt. Die eigentliche Herrschaft der Deutschen beschränkte sich auf die Hauptstadt Apia, im Rest des Landes schalteten und walteten die Matai weitgehend ungehindert. Den lokalen Häuptlingen wurde zwar von der Regierung eine Art Dorfschulze zur Seite gestellt, welcher eine gewisse Polizeigewalt ausübte, aber tatsächlich wenig zu sagen hatte. Die deutsche Verwaltung stand dieser völlig ungewohnten Ignoranz gegenüber der "Obrigkeit" etwas ratlos gegenüber, erkannte jedoch, daß es sich dabei nicht um Aufsässigkeit handelte. Die deutschen Siedler und Beamten legten im allgemeinen einen hohen Wert auf die Anpassung an die landesüblichen Sitten und zwangen den Eingeborenen nicht die ihren auf. Zudem genossen die Samoaner innere Autonomie, d.h. die weitaus meisten Entscheidungen auf den Inseln fällte das samoanische Parlament, das solange Handlungsfreiheit hatte, wie es die deutsche Herrschaft nicht in Frage stellte. Auch stellte man die Eingeborenen nicht zur Arbeit auf den Plantagen ab, sondern importierte zu diesem Zweck chinesische und melanesische Arbeiter aus Tsingtau und Neuguinea. Auf die Landwirtschaft wurden Abgaben erhoben, eine Kopfsteuer wurde eingeführt, und den Samoanern war der Handel verboten (was sie ohnehin nicht betrieben), sonst erlegte man den Eingeborenen kaum Lasten auf.


Fita-Fita, die eingeborene Polizeitruppe im Dienste des Reiches

Mit Ausbruch des Krieges war es damit allerdings vorbei. Am 29. August 1914 erschienen britische und französische Schiffe vor Apia und landeten 1400 Soldaten, wogegen die kleine deutsche Polizeitruppe nichts unternehmen konnte. Der Gouverneur Dr. Erich Schultz-Ewerth verweigerte die Kapitulation und wurde als Kriegsgefangener nach Fiji überstellt. Die Inseln wurden unter neuseeländische Verwaltung gestellt, und ein Teil der deutschen Siedler wurde gefangen genommen, ein anderer nach Neuseeland gebracht. Sie alle mußten die Inseln 1917 endgültig verlassen, was ihre einheimischen Nachkommen und Familien vor die Entscheidung stellte, sie zu begleiten oder zu bleiben. In den Jahren 1918 und 1919 schleppten neuseeländische Besatzungssoldaten die Spanische Grippe auf Samoa ein, die etwa 10.000 Opfer forderte und mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Inseln hinwegraffte. Sie prägte das Bild der Ureinwohner von ihren neuen Herren entscheidend mit, noch Jahrzehnte später wurde die deutsche Kolonialzeit verklärt. Nach dem Krieg gelangten die Inseln als Mandatsgebiet des Völkerbundes an Neuseeland. Die neue Herrschaft, die keine Rücksicht mehr auf die kulturellen Gegebenheiten mehr nahm, wurde von den Eingeborenen als drückend empfunden und löste Beschwerden Samoas über die neuseeländische Verwaltung aus. Entsprechend verstärkte sich auch der Drang nach der Wiedererlangung der eigenen Souveränität, bereits 1903 war eine gewaltlose Unabhängigkeitsbewegung gegründet worden, welche nun mit Macht die Selbständigkeit Samoas propagierte. So kam es, daß bereits 1961 der ehemals deutsche Teil Samoas als erster polynesischer Staat in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Ostsamoa ist bis heute als Amerikanisch-Samoa Teil der USA.


Die deutschen Samoainseln 1914 (Klicken zum Vergrößern)
Hinweis: Die Seite "www.deutsche-schutzgebiete.de" war für die Erstellung dieses Artikels von großem Wert.

27. Juni 2005 - 01:27
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die deutschen Kolonien - Samoa
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 Autor Thema: Die deutschen Kolonien - Samoa
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Admiral Graf Spee
17.07.2005 um 16:00 QuoteProfileSend PM

Clan: t.A.T.u.
Postings: 3314

Jagdpanther hat folgendes geschrieben:
das nimmt ja schon fast Spee-artige Formen an!

Hey ich bin kein Feind
__________________
Ich ......dein Kamerad
Wir bleiben Kameraden



"Man muss das Wahre immer wiederholen,weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von Einzelnen, sondern von der Masse.In Zeitungen und Enzyklopedien,auf Schulen und Universitäten,überall ist der Irrtum obendrauf,und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität,die auf seiner Seite ist ."

Goethe am 16.Dezember 1828 zu Eckermann
 
nA
17.07.2005 um 21:15 QuoteProfileSend PM

Clan: 0
Postings: 3500

Wie man s nimmt
Ich will trotzdem samoanisches Bier haben und probieren!
 
mysquirrel
17.07.2005 um 21:19 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 1759

Mein ich das nur oder ist das schon der 2 Thread der auf Bier hinausläuft? ... gut das ich kein Bier trinke sonst würd ich mit euch mitquaschen. ^^
__________________



 
nA
18.07.2005 um 13:28 QuoteProfileSend PM

Clan: 0
Postings: 3500

Bier ist n Grundnahrungsmittel falls du das vergessen hast!
 
desert_jin
06.11.2005 um 05:20 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 1744

Das wusst' der arme Jung' net mal...
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