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FL18 - Frontline18 .:. Die Reise des deutschen Ostasiatischen Kreuzergeschwaders

:: Die Reise des deutschen Ostasiatischen Kreuzergeschwaders ::

Die Reise des deutschen Ostasiatischen Kreuzergeschwaders



Die Seestreitkräfte in Ostasien und im Pazifik

Das Deutsche Reich hatte mit dem Boxeraufstand in den Jahren 1899/1900 in China einen Kohlenstützpunkt erworben, den Hafen von Kiotschau auf der Halbinsel Shantung mit dem Dorf Tsingtau. Das Gebiet wurde von China für 99 Jahre gepachtet, ein Kriegshafen wurde errichtet und das Dorf zu einer Stadt mit 200.000 Einwohnern (1914) ausgebaut. Zu Kriegsausbruch war sie Liegeplatz des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders, das aus den Panzerkreuzern Gneisenau und Scharnhorst sowie den Kleinen Kreuzern Emden, Leipzig und Nürnberg bestand, dazu kamen sieben Kanonenboote und ein Torpedoboot (S 90) sowie der österreichisch-ungarische Kreuzer Kaiserin Elisabeth.


Kiautschou Besetzung 1897 (zeitgenössische Postkarte) (Quelle: www.deutsche-schutzgebiete.de)

Die Lage bei Kriegsausbruch

Zu Ausbruch des Krieges befanden sich die beiden Panzerkreuzer zusammen mit den Kleinen Kreuzern Emden und Nürnberg in Ponape auf den Karolinen, einer deutschen Kolonie tief in der Südsee. Der Geschwaderchef, Vizeadmiral Graf Spee, fürchtete aber, dort bald von überlegenen britischen Streitkräften angegriffen zu werden. Der Rückweg nach Tsingtau war ihm durch den Kriegseintritt Japans versperrt, und auf den Südseeinseln gab es nur wenig Kohlen, welche er als Treibstoff benötigte. Er beschloß deshalb, sein Geschwader an die Südwestküste Südamerikas zu verlegen, um dort Handelskrieg zu führen. Das befreundete Chile konnte ihn mit Kohlen versorgen, und die Gegend war weit von britischen Stützpunkten entfernt. Er detachierte den Kleinen Kreuzer Emden, um im Indischen Ozean Handelskrieg zu führen. Auf dem Weg durch den Pazifik stießen die beiden Kleinen Kreuzer Dresden und Leipzig bei den Osterinseln zu ihm. Er erfuhr, daß bereits ein britisches Kreuzergeschwader vor der Küste Chiles operierte, und entschloß sich, sie anzugreifen. Ende Oktober 1914 standen seine Schiffe vor der Küste, und die Leipzig brach absichtlich die Funkstille, um die Briten glauben zu machen, es befände sich nur ein deutsches Schiff in diesem Gebiet.


SMS Scharnhorst, Flaggschiff von Vizeadmiral Graf Spee (Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Die britischen Kreuzer

Der britische Geschwaderchef Konteradmiral Sir Christopher Craddock hatte mit seinem Geschwader nach Ausbruch des Krieges zuerst vor der brasilianischen Küste Präsenz gezeigt und dann den Befehl erhalten, durch die Magellanstraße nach Chile zu gehen, um deutsche Kreuzer abzufangen. Von seinem Stützpunkt auf den Falklandinseln brach er mit dem alten Linienschiff Canopus, den Panzerkreuzern Good Hope und Monmouth sowie dem Kleinen Kreuzer Glasgow und dem Hilfskreuzer Otranto nach Chile auf. Die langsame Canopus wurde bei Valparaiso zurückgelassen, während die Kreuzer weiter nach Norden vorstießen. Die vorausfahrende Glasgow fing vor Coronel die Funksprüche der Leipzig auf und schloß auf die Anwesenheit eines deutschen Kleinen Kreuzers, Graf Spees List hatte funktioniert.


HMS Good Hope, Sir Christopher Craddocks Flaggschiff

Die Seeschlacht von Coronel

Am 1. November 1914 meldete ein deutscher Dampfer Graf Spee das Eintreffen der Glasgow vor Coronel. Der Vizeadmiral ließ sofort Kurs auf die Stadt nehmen. Zur selben Zeit traf Craddock mit seinem Geschwader dort ein, um nach der Leipzig zu suchen, beide Verbände bekamen sich gegen 16.00 Uhr in Sichtweite und waren überrascht, mehr als ein feindliches Schiff vorzufinden. Die deutschen Panzerkreuzer waren gegenüber ihren britischen Gegnern deutlich im Vorteil, sie besaßen mehr schwere Geschütze und waren moderner, zudem waren ihre Besatzungen hervorragend ausgebildet. Darüberhinaus verfügten die Deutschen über ein modernes Feuerleitsystem, welches die Briten noch nicht besaßen. Durch das herrschende schwere Wetter konnten die Briten auch nur Teile ihrer Artillerie einsetzen. Trotzdem entschied sich Craddock, den Kampf anzunehmen. Kurz vor 18.00 Uhr versuchte er, an den Gegner heranzuschließen, was ihm aber nicht gelang. Graf Spee hielt sich außer Reichweite, auch weil seine Besatzungen durch die hinter den Briten untergehende Sonne geblendet wurden. Nach Sonnenuntergang ließ er endlich heranstaffeln und eröffnete das Feuer. Innerhalb kurzer Zeit schossen die Deutschen die britischen Kreuzer zusammen, um 18.50 Uhr schor die Monmouth brennend aus der Gefechtslinie aus und wurde später von der Nürnberg versenkt. Aufgrund schwerer Regenböen blieb das Ende des britischen Flaggschiffes Good Hope bei den Deutschen unbemerkt, die mitsamt Besatzung und Konteradmiral Craddock durch einen Treffer ins Munitionsmagazin explodierte. Die Otranto und die Glasgow konnten sich in der fallenden Dunkelheit absetzen und entkommen. Die Deutschen hatten kaum Schäden erlitten und lediglich zwei Verwundete zu beklagen, während die beiden britischen Panzerkreuzer mit Mann und Maus untergingen.


SMS Leipzig (Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Britische Verstärkungen

Zwar hatte Graf Spee einen großen Sieg errungen, aber seine Position war dennoch nicht gestärkt worden. Er hatte einen großen Teil seiner 21 cm-Munition verschossen, und Kohlen waren knapp. Es war auch klar, daß die Briten auf den Vorfall reagieren würden: zum ersten Mal seit über 100 Jahren hatte ein britisches Geschwader ein Seegefecht verloren. Mit Sicherheit würden sie Verstärkung schicken, Chile war nicht mehr sicher. Zwar brachte er einen kanadischen Segler auf und konnte dessen Kohlenvorräte übernehmen, aber dennoch würde der Brennstoff nicht mehr lange reichen. Nach einer Besprechung mit den Kommandanten der Schiffe am Morgen des 6. Dezember 1914 entschloß man sich, die Falklandinseln anzugreifen, um die dortige Telegraphenstation zu zerstören, den Gouverneur gefangenzunehmen und die Kohlenvorräte zu erbeuten. Unverzüglich nahm man also Kurs auf das Archipel.

In der Zwischenzeit waren die Briten nicht untätig geblieben. Zwei schnelle Schlachtkreuzer, die Invincible und die Inflexible, eilten unter dem Kommando von Admiral Sir Doveton Sturdee in den Südatlantik, um die Deutschen zur Strecke zu bringen. In der Zwischenzeit war die Canopus ebenfalls zu den Falklandinseln gegangen, um die Hauptstadt Port Stanley gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu verteidigen, insgesamt sechs Kreuzer hatten die Briten zusammengezogen. Am 7. Dezember trafen die Schlachtkreuzer Sturdees in Port Stanley ein.


HMS Invincible

Die Schlacht bei den Falklandinseln

Am Morgen des 8. Dezember war das deutsche Geschwader nicht mehr weit von den Falklandinseln entfernt, Graf Spee befahl der Gneisenau und der Nürnberg einen Erkundungsvorstoß. Währenddessen nahmen die beiden Schlachtkreuzer im Hafen von Stanley Kohlen. Die Briten entdeckten die deutschen Vorausstreitkräfte um 7.50 Uhr und waren völlig überrascht, die Schlachtkreuzer hatten zur Kohlenübernahme alle Feuer gelöscht und konnten nicht sofort auslaufen. Die Canopus eröffnete gegen 8.30 Uhr das Feuer, traf aber nicht. Die Deutschen machten die beiden feindlichen Schlachtkreuzer aus und gaben Alarm, das Geschwader floh in südlicher Richtung von den Inseln fort. Die Schlachtkreuzer machten schnellstens Dampf auf und verfolgten den Gegner. Sie waren schneller, schwerer bewaffnet und besser gepanzert als die Deutschen, und ihre 30,5 cm-Geschütze hatten eine sehr viel größere Reichweite. Sie waren Graf Spee bald auf den Fersen, und er begriff, daß seine Schiffe keine Chance hätten, wenn er sie zusammenhielt. So beschloß er, seine Panzerkreuzer zu opfern, um den drei Kleinen Kreuzern das Entkommen zu ermöglichen. Diese flüchteten, verfolgt von den Kreuzern Glasgow, Cornwall und Kent, in südwestlicher Richtung.

Die Schlachtkreuzer eröffneten um 13.20 Uhr aus 14.000 Metern Entfernung das Feuer auf Scharnhorst und Gneisenau, außerhalb der deutschen Geschützreichweite. Gegen 15.00 Uhr gelangen ihnen entscheidende Treffer, um 16.17 Uhr versank die brennende Scharnhorst mit der ganzen Besatzung und Vizeadmiral Graf Spee. Die Gneisenau hielt sich etwas länger, aber gegen 17.30 Uhr lag sie im konzentrierten Feuer der Schlachtkreuzer und des Panzerkreuzers Carnavon und konnte nur noch fünf Knoten laufen. Der Kommandant befahl die Selbstversenkung. Von den Kleinen Kreuzern entkam nur die Dresden ihren Verfolgern, die Kent zerstörte die Nürnberg, und Glasgow und Cornwall versenkten die Leipzig. Die Dresden wurde im März 1915 bei den Juan-Fernandez-Inseln von der Glasgow gestellt und mußte sich selbst versenken.


HMS Glasgow

Das Schicksal der Emden

Die Emden führte währenddessen sehr erfolgreich Handelskrieg im Indischen Ozean und versenkte oder kaperte innerhalb von zwei Monaten 23 Handelsschiffe mit einer Gesamttonnage von 101.182 BRT. Auf der Reede von Penang in Malaya versenkte sie außerdem im Überraschungsangriff den russischen Kreuzer Schemtschug und den französischen Zerstörer Mousquet. Viele alliierte Kriegsschiffe waren hinter ihr her, und der Seeverkehr wurde empfindlich gestört; so stellte etwa die australische Regierung die Verschiffung von Truppen nach Europa vorläufig ein. Am 9. November 1914 versuchte die Emden, auf den Cocos-Inseln die dortige Telegraphenkabelstation zu zerstören. Nachdem sie ihr Landungskorps an Land gesetzt hatte, begegnete sie dem australischen Kreuzer Sydney. Dieser war schneller und schwerer bewaffnet als die Emden und schoß sie aus sicherer Entfernung zusammen. 134 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben, der Rest geriet in britische Gefangenschaft. Das Landungskorps des Kreuzers von 47 Mann schlug sich in einer abenteuerlichen Aktion an Bord des gekaperten Schoners Ayesha durch den Indischen Ozean, bis sie einem deutschen Dampfer begegneten, der sie nach Arabien brachte. Von dort aus gelangten sie durch türkisches Gebiet bis nach Konstantinopel und schließlich zurück nach Deutschland.


Die Emden versenkt den russischen Kreuzer Schemtschug (Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Die Belagerung Tsingtaus

Der deutsche Marinestützpunkt im Fernen Osten konnte sich gegen die Übermacht der heranrückenden Japaner nicht lange halten. 4.800 Mann deutsche Besatzung standen 65.000 Japanern gegenüber, die mit starken Flotteneinheiten und Belagerungsgeschützen die Stadt angriffen. Am 26./27. September 1914 versuchten die Japaner, die Stadt zu stürmen, wurden aber unter schweren Verlusten abgewiesen. Ein weiterer Eroberungsversuch zum Geburtstag des japanischen Kaisers am 31. Oktober scheiterte ebenfalls. Den Deutschen ging allerdings bald die Munition aus, und sie ergaben sich am 7. November 1914 unter ehrenvollen Bedingungen. Alle noch im Stützpunkt vorhandenen Schiffe versenkten sich selbst. Die Besatzung wurde bis Kriegsende in Japan gefangengehalten.


Feldskizze - Vergeblicher Sturmangriff der Japaner und Engländer auf Tsingtau (zeitgenössische Postkarte) (Quelle: www.deutsche-schutzgebiete.de)
Anmerkung: Die Internetseiten "www.deutsche-schutzgebiete.de" und "www.kaiserliche-marine.de" waren für diesen Artikel sehr hilfreich.

22. Dezember 2003 - 00:32
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die Reise des deutschen Ostasiatischen Keuzergeschwaders
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 Autor Thema: Die Reise des deutschen Ostasiatischen Keuzergeschwaders
Brain
23.12.2003 um 17:38 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 35

Wie immer ein toller und interessanter Artikel.
 
Snapmaster@1918
02.01.2004 um 10:13 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 1

echt toll...
weiter so, die history section wird immer besser!
 
Kaiserjäger
13.01.2004 um 12:51 QuoteProfileSend PM

Clan: Kommando Sniper Feuersturm
Postings: 370

Kann ich mich nur anschliessen.
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Jedesmal wenn ich einen Engländer abgeschossen habe ist mein Jagdsinn für eine Viertelstunde besänftigt.
 
Sgt. Hellsing II
13.01.2004 um 21:53 QuoteProfileSend PM

Clan: -XI- Panzer_Raise
Postings: 119

Hellsing
Mir gefällt die Feldskizze... Frag mich ob man die als Postkarte noch wo bestellen kann... na joa, vielleicht bei Close Up posters...
__________________
Ein Schrei wenn ich eure Welt betrete, ein Schrei-Gesang wenn ich sie wieder verlasse.
- Zerstörerischer Dämon -
 
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