Deutsches Unterseeboot Typ 'UB'
Historischer Hintergrund
In Anbetracht der langen Bauzeiten großer U-Boote beschäftigte sich die deutsche Marineführung bereits frühzeitig mit Entwürfen für ein kleine U-Boote mit kurzer Bauzeit. Diese sollten nach der geplanten Eroberung der belgischen und französischen Kanalhäfen den Nachschubverkehr zwischen England und Frankreich stören.
Am Anfang der Entwicklung dieses sogenannten "Unterseebootes Typ B" – oder kurz UB - stand ein äußerst simples Boot mit minimaler Bauzeit, welches ausschließlich in Küstengewässern zum Einsatz kommen sollte. Durch stetige Weiterentwicklung entstand daraus aber schließlich ein handliches Allzweck-U-Boot, das wohl zu den erfolgreichsten seiner Zeit zählt.
Die Geschichte der Boote der Typen UB I bis UB III verlief dabei nahezu identisch zu den minenlegenden U-Booten der Typen UC I bis UC III. Tatsächlich verwendeten beide Baureihen sogar teilweise die gleichen Bauteile und wurden nebeneinander auf denselben Helligen gebaut.
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'UB 5' vom Typ UB-I
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Projekt 32: Der Typ UB-I
Am 18. August 1914 wurde der Unterseeboots-Inspektion vom Reichsmarineamt (RMA) die Aufgabe gestellt, zu untersuchen, ob es möglich wäre, eine größere Zahl kleiner U-Boote mit einem Fahrbereich von 500 sm und zwei Torpedorohren in so kurzer Zeit fertigzustellen, daß ihr Einsatz noch während des Krieges gerechnet werden könne. Dabei muß man bedenken, daß die deutsche Militärführung zu diesem Zeitpunkt noch mit einer Kriegsdauer von wenigen Monaten bis maximal einem Jahr rechnete! Da man den Bau solcher U-Boote seitens der U-Boot-Inspektion für nicht zweckmäßig hielt, wurde der Plan jedoch erst einmal abgelehnt.
Dennoch lief die Planung weiter, da immer mehr belgische Kanalhäfen in deutsche Hände fielen, die perfekte Einsatzbasen für den projektierten Bootstyp darstellen würden. Am 30. September 1914 konnte ein endgültiger Entwurf dem RMA vorgelegt werden. Er sah ein Boot von 142 ts Tauchverdrängung mit zwei 45 cm-Torpedorohren und einem Maschinengewehr vor, welches bahnverladefähig sein sollte. Darauf wurde am 5. Oktober erstmals eine Serie von fünfzehn Booten dieses Typs bestellt. Von diesen wurden UB 1 bis UB 8 bei der Germania Werft Kiel und UB 9 bis UB 15 bei der AG Weser Bremen geordert. Am 25. November folgten noch UB 16 und UB 17 bei der AG Weser, nachdem beschlossen worden war, UB 1 und UB 15 nach ihrer Fertigstellung als Unterseeboote 10 und 11 an die österreichisch-ungarische Marine abzugeben.
Die vertragliche Bauzeit betrug vier Monate, doch UB 1 konnte nach nur 75 Tagen abgeliefert werden. Das letzte der siebzehn Boote folgte im Mai 1915. Die Masse der Boote wurde per Bahn nach Antwerpen transportiert, dort zusammengebaut und dann über Schelde und Gent-Brügge-Kanal ans Meer transportiert. UB 1, UB 15, UB 16 und UB 17 kamen von Pola aus im Mittelmeer zum Einsatz.
UB 8 wurde 1915 an Bulgarien abgegeben und mußte bei Kriegsende an Frankreich abgegeben werden. Von den restlichen Booten gingen sieben verloren, fünf wurden nach Kriegsende verschrottet, ein Boot wurde beim deutschen Rückzug aus Flandern gesprengt und drei gingen als Reparationen an Frankreich.
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'UB 40' aus dem Typ UB-II 1916
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Projekt 39: Der Typ UB-II
Die Boote des Typs UB-I hatten sich zwar als sehr gelungene Konstruktion erwiesen, aber es wurde schnell klar, daß ein größeres Boot bessere Ergebnisse liefern würde. Vor allem ein größerer Fahrbereich wurde von der Front verlangt. Außerdem hatte der Einwellenantrieb der UB-I-Boote des öfteren dazu geführt, daß sie bei einem Motorausfall schnell zum Spielball der Wellen wurden.
Darauf antwortend legte die Unterseeboots-Inspektion im April 1915 das "Projekt 39" vor, welches einen Zweiwellenantrieb, höhere Überwassergeschwindigkeit und einen stark vergrößerten Fahrbereich besitzen sollte. Auch die Bewaffnung wurde verstärkt, zum einen durch den Übergang auf 50 cm-Torpedos, zum anderen durch den Einbau einer 5 cm-Deckskanone.
Ursprünglich war keine Bahnverladefähigkeit gefordert worden. Später jedoch, als der U-Bootkrieg im Mittelmeer immer mehr Bedeutung erhielt, wurden die Boote dennoch mit der Bahn nach Pola überführt. Hierfür mußten die Boote noch längsgeteilt werden, da der Druckkörperdurchmesser für das Profil der Bahn zu groß geworden war.
Anfangs wurden je sechs Boote bei Blohm & Voss Hamburg (UB 18 bis UB 23) und der AG Weser Bremen (UB 24 bis UB 29) bestellt. Später folgte eine zweite Bauserie bestehend aus UB 30 bis UB 41 (Blohm & Voss) und UB 42 bis UB 47 (AG Weser), die eine 8,8 cm Bordkanone führten. Ein gleichartiges Geschütz ersetzte 1916/17 die 5 cm-Waffen der ersten Serie.
Im Einsatz erwiesen sich diese Boote als recht erfolgreich und erreichten zum Teil beachtliche Versenkungsziffern. UB 43 und UB 47 wurden 1917 als U 43 und U 47 von der k.u.k. Marine übernommen und nach dem Krieg als Reparation an Italien übergeben. Von den restlichen Booten gingen zwei nach Kriegsende nach Frankreich und vier nach Großbritannien. Ein fünftes für England bestimmtes Boot sank während der Auslieferung.
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'U 68' vom Typ UB-III im Jahre 1917
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Projekt 44: Der Typ UB III
Die geforderte Freigabe des uneingeschränkten U-Bootkrieges im Frühjahr 1916 machte die Forderung nach einem schnell zu bauenden U-Boot wieder dringlich. Mit dem Typ UB-II hatte man ein mittleres Küsten-U-Boot zur Hand, welches jedoch aufgrund seinen eingeschränkten Fahrbereiches nur im Kanal und in einigen Teilen des Mittelmeers eingesetzt werden konnte. Darum forderte das RMA die Entwicklung eines neuen Typs, der die Reichweite hatte um auch in den Gewässern rund um England zu operieren. Als Vorbild dienten dabei der U-Minenleger-Typs UC-II, bei dem jedoch das Vorschiff neu gestaltet werden mußte, um statt der Minenschächte einen Torpedoraum für vier 50 cm Torpedorohre aufzunehmen. Im übrigen wurde an dem bewährten Vorbild nur wenig geändert.
Von diesem Typ übernommen wurde der Kommandoturm mit zwei Sehrohren (wie auf den großen U-Booten), der einen druckfesten Abschluß zwischen Zentrale und Turm besaß. Auch die Maschinen waren mit jeweils 550 PS deutlich stärker, um so eine größere Überwasser-Geschwindigkeit zu erhalten. Der Entwurf erhielt die Bezeichnung "Projekt 44" und später UB-III.
1916 wurden 24 dieser Boote bestellt, und zwar gingen die Aufträge für UB 48 bis UB 53 an Blohm & Voss, UB 54 bis UB 59 an AG Weser, UB 60 bis UB 65 an die AG Vulcan und UB 66 bis UB 71 an die Germania Werft Kiel. Anfang 1917 wurden weitere 16 Boote dieses Typs bestellt, nämlich UB 72 bis UB 74 an die AG Vulcan, UB 75 bis UB 79 an Blohm & Voss und UB 80 bis UB 87 an die AG Weser. Nach den großen Erfolgen des uneingeschränkten U-Bootkrieges wurden Anfang 1918 weitere Boote dieses Typs geordert: UB 88 bis UB 102 bei AG Vulcan, UB 103 bis UB 117 bei Blohm & Voss und UB 118 bis UB 132 bei AG Weser. Diese U-Boote waren die idealen Boote für den Handelskrieg in europäischen Gewässern und trugen nicht unerheblich zu den großen Erfolgen der U-Bootwaffe in den Jahren 1917-18 bei. UB 50 kann für sich in Anspruch nehmen, daß letzte Schiff des 1. Weltkrieges versenkt zu haben: Am 8. November 1918 versenkte es in der Straße von Gibraltar das britische Linienschiff Britannia.
Genau wie die anderen U-Boote mußten auch die des Typs UB-III nach Kriegsende ausgeliefert werden und wurden von den Siegern abgewrackt. Weitere 37 Boote dieses Typs (UB 133 bis UB 169) befanden sich bei Kriegsende in Bau und wurde auf den Hellingen abgebrochen.
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U-Boote des Typs UB-III im Bau bei der AG Vulcan, Hamburg
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Schlussbetrachtung
Am Anfang dieser Entwicklung stand ein kleines U-Boot von weniger als 150 ts, das mehr auf Ökonomie als auf Kampfleistungen ausgelegt war. Dennoch war der Typ durch ständige Weiterentwicklung äußerst erfolgreich und der letzte Typ dieser Serie, UB-III kann sogar als direkter Vorfahre des legendären Typ VII der Kriegsmarine zwanzig Jahre später betrachtet werden.
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Technische Daten
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UB I
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UB II
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UB III
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| Verdrängung:
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130 ts/140 ts
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260 ts/290 ts
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520 ts/650 ts
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| Länge:
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28,1 m
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36,1 m
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55,3 m
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| Breite:
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3,2 m
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4,4 m
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5,8 m
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| Tiefgang:
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3,0 m
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3,7 m
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3,7 m
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| Besatzung:
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14
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22
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34
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| Bewaffnung:
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zwei 45 cm-TR (Bug;
2 Torpedos)
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zwei 50 cm-TR (Bug;
6 Torpedos)
eine 5cm L/40
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fünf 50 cm-TR (4 Bug, 1 Heck;
10 Torpedos)
eine 8.8cm L/30 oder 10,5cm L/45
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| Antrieb:
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ein Daimler oder Körting 4zyl-Diesel
(60 ePS) und ein Elektromotor (120 WPS) auf einer Wellen
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zwei Benz, Daimler oder Körting 6zyl-Diesel
(270 ePS) und zwei Elektromotoren (280 WPS) auf zwei Wellen
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zwei MAN, AEG, Körtig oder Benz 6zyl-Diesel
(1100 ePS) und zwei Elektromotoren (790 WPS) auf zwei Wellen
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| Fahrstrecke:
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1500 sm/5 kn über Wasser
(45 sm/4 kn getaucht)
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8.200 sm/5 kn über Wasser
(45 sm/4 kn getaucht)
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9.100 sm/6 kn über Wasser
(55 sm/4 kn getaucht)
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Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von Björn "Makin" Busse.
20. Oktober 2005 - 19:16 ( Team FL18 - Frontline18 )
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