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| FL18 - Frontline18 .:. Die Militärluftschiffe von Groß-Basenach |
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Die Militärluftschiffe von Groß-Basenach
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Mit der Aufstellung der "Versuchskompanie für Motorluftschiffahrt" unter Major Hans Groß im Jahre 1906 begann in Deutschland erstmals der Aufbau einer echten Luftschiffflotte. Zuvor hatte es zwar vereinzelte Versuche mit zivilen Luftschiffen von Zeppelin und Parseval gegeben, aber erst die Versuchskompanie machte Luftschiffe zu einem festen Bestandteil des deutschen Heeres (die Marine zog erst im Frühjahr 1913 nach).
Allerdings beließ es das Kaiserliche Heer in der allgemeinen Luftschiffbegeisterung der damaligen Zeit nicht bei der Aufstellung einer Luftschiffeinheit, sondern beschloß selber in die Konstruktion und Fertigung von Luftschiffen einzusteigen. Zu diesem Zweck wurden Mitte 1906 der bekannte Ballonbauer Nikolaus Basenach und der Ingenieur Paul Sperling beauftragt, ein halbstarres Versuchsmodell auf Basis der erfolgreichen französischen Lebaudy-Entwürfe zu entwickeln.
Die Entscheidung für die halbstarre Bauart war maßgeblich von Major Groß beeinflußt worden, der – nicht ganz zu unrecht – Starrluftschiffe als zu windempfindlich und zu teuer ansah und auf die leichte Transportier- und Lagerbarkeit eines halbstarren Schiffes nach Ablassen des Traggases hinwies. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges erfolgreiches Starrluftschiff (die beiden Zeppelin-Luftschiffe LZ 1 und LZ 2 konnten aufgrund ihrer Unfallstatistik keinesfalls als erfolgreich gelten), während Santos-Dumont und Lebaudy in Frankreich mehrere halbstarre Luftschiffe gebaut hatten.
Dieses erste "Militär-Versuchsluftschiff" (kurz MV) hatte eine Hülle von 1.800 cbm Volumen in Form einer kurzen Zigarre und mit einigem Abstand eine offene Gondel. Die Seitensteuerung erfolgte mit einem Ruder unterhalb des Ballonhecks während man für die Höhensteuerung ein bewegliches Gewicht unter der Hülle verwendete. Als Antrieb diente ein einzelner Antoinette-Motor von 25 PS Leistung. Nach dem Zusammenbau bei den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin machte das MV am 7. Mai 1907 seinen Erstflug. Die insgesamt 67 Testfahrten zwischen April und Oktober 1907 erbrachten vielversprechende Ergebnisse, so daß die OHL den Bau weiterer Luftschiffe verlangte.
Da Sperling mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen war, liefen alle folgenden Entwürfe unter der Bezeichnung "Typ Militär-Groß-Basenach" und erhielten ein Kürzel aus dem Buchstaben 'M' und einer römischen Zahl. Tatsächlich sind diese Bezeichnungen jedoch kaum aussagekräftig, da alle folgenden Modelle mehrfach umgebaut wurden und so wurde oft ein ein Kleinbuchstabe als Suffix ergänzt.
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'MV' im Jahre 1907. Der hier zu sehende Knick im vorderen Hüllendrittel ist typisch für die frühen Groß/Basenach-Entwürfe.
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Das erste Einsatzluftschiff von Groß und Basenach war das beim Luftschiffer-Battaillon in Berlin-Reinikendorf gebaute M I. Es besaß eine langgezogene Hülle von 5.000 cbm Volumen mit zwei starren Höhenflossen am Hüllenheck. Die Höhensteuerung erfolgte wie beim MV mittels eines beweglichen Gewichtes. Der Kiel war nicht wie üblich ein Teil der Hülle, sondern in kurzem Abstand darunter montiert. Mit einer starren Seitenflosse im hinteren Bereich und einem großen Seitenruder sorgte er auch für die Seitenstabilität und –steuerung. Außerdem trug er die beiden Motoren. Die Gondel diente alleine der Unterbringung der Besatzung und war in einigem Abstand unter dem Kiel aufgehängt.
In dieser Form machte M I am 30. Juni 1908 seine erste Fahrt. Bereits am folgenden Tag jedoch wurde es über Berlin-Charlottenburg durch starke Thermik von 300 auf 1.750 m hochgerissen. Ein Großteil der Besatzung wurde durch den starken Druckabfall ohnmächtig und das Luftschiff machte schließlich in Grunewald eine Bruchlandung. Ein weiterer Unfall fand im November 1908 statt, als M I bei einer Nachtfahrt in der Nähe von Wollin durch starke Winde in Richtung Ostsee abgetrieben und auf die See gedrückt wurde.
Beide Unfälle wurden auf mangelnde Richtungsstabilität zurückgeführt und so wurden 1909 zwei starre Höhenflossen am Hüllenheck montiert (Umbenennung in M I b. In dieser Form wurde das Luftschiff am 1. Dezember 1909 offiziell vom Kaiserlichen Heer übernommen und nahm an zusammen mit Z II und P II am großen Luftschiffmanöver im April 1910 teil.
1912/13 erfolgte noch mal ein Umbau bei dem die Hülle um knapp 6 m verlängert wurde (was das Volumen auf 5.500 cbm brachte und den Namen in M I c änderte). Danach verliert sich die Spur des Luftschiffes.
1909 wurden zwei weitere Luftschiffe von Groß-Basenach gebaut, von denen das erste eine um 500 cbm vergrößerte Version von M I war. Die erste Fahrt erfolgte am 26.04.1909 und erbrachte eine ebenso schlechte Steuerbarkeit wie beim Vorgänger. Denoch war das Luftschiff an den Luftschiffmanövern im Mai 1909 (mit P I) und im Oktober/November 1909 (mit Z II, P I und P II) beteiligt. 1911/12 eine Vergrößerung der Hülle auf 5.600 cbm und eine Umbenennung in M II b, aber bereits im folgenden Jahr wurde es durch einen Brand vernichtet.
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'M I c' nach der Vergrößerung 1911/12. Man sieht deutlich die neueingebauten Zwischensegmente.
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Wesentlich vielversprechender war dagegen das zweite 1909 gebaute Luftschiff M III (Erstfahrt 31.12.09): Durch einen Volumenanstieg auf 7.800 cbm besaß es eine höhere Traglast und Prallhöhe und der Einbau von vier Motoren (von denen je zwei gekoppelt einen Propeller antrieben) machte M III mit 59 km/h zum schnellsten Luftschiff ihrer Zeit. Es besaß leider immer noch den unbefriedigenden abgesetzten Kiel zur Seitenstabilisierung und –steuerung, aber wenigstens für die Höhensteuerung hatte man eine andere Lösung gefunden: Zwischen zwei Tanks in der Hülle wurde Ballastwasser umgepumpt – ein ziemlich zeitraubendes Verfahren. Die wesentlich einfachere Lösung durch bewegliche Höhenflossen an Heck und/oder Bug, wie sie Zeppelin und Parseval verwendeten, lehnten Groß und Basenach ab, da sie bei Stillstand des Luftschiffes unwirksam war und man die Bedeutung von Luftschiffen als stationären Beobachtungsplattformen überschätzte.
Am 13. September 1911 kam es beim Entleeren von M III in Berlin-Tegel zu einem Brand, der das Luftschiff bis auf die Gondel vernichtete. Unter dem Namen M III b und unter Verwendung der alten Gondel wurde es dann mit einer neuen Hülle von 9.000 cbm wieder aufgebaut. Nebenbei stieg durch die günstigere Form der vergrößerten Hülle die Geschwindigkeit auf 68 km/h.
Das letzte und eindeutig erfolgreichste Luftschiff von Groß/Basenach war M IV welches am 11. März 1911 seine erste Fahrt absolvierte. Mit ihm waren die Konstrukteure wieder zum Entwurf des MV zurückgekehrt, mit dem Kiel als integralem Teil der Hülle. Die Gondel war nun integraler Teil des Kiels und saß an dessen vorderem Ende. Die Hülle selber war ein kompletter Neuentwurf in der gerade Zigarrenform wie sie auch Zeppelin und Schütte-Lanz verwendeten. Im Gegensatz zu diesem gab es jedoch weiterhin keine Höhen- oder Seitenruder an der Hülle. Stattdessen wurde das System des Balastwasser-Umpumpens für die Höhensteuerung beibehalten und die Seitensteuerung erfolgte durch ein kleines Seitenruder am hinteren Ende des Kiels. Im Kiel waren auch die beiden 200 PS starken Körting-Motoren montiert - einer direkt hinter der Gondel, einer im hinteren Drittel – die jeweils ein Propellerpaar antrieben.
Die Hülle hatte anfangs ein Volumen von 11.000 cbm und besaß ein vom Fahrtwind aufgeblasenes Ballonett im Inneren um sie straff zu halten. Bei einem Umbau im Sommer 1913 wurde sie dann auf 13.500 cbm vergrößert und ein Bombenschacht für 100 kg-Bomben eingebaut.
Ein Jahr später folgte ein zweiter Umbau bei dem die Hülle auf 19.000 cbm vergrößert wurde. Außerdem wurden die beiden Körting-Motoren durch drei 160 PS-Maybach-Motoren ersetzt. Das vordere Propellerpaar war von da an separat motorisiert, während das hintere weiterhin von einem einzelnen Motor angetrieben wurde. Grund für diesen Motorentausch war weniger eine Leistungssteigerung, als das Bestreben durch getrennte Steuerung der beiden vorderen Propeller die Steuerbarkeit zu verbessern.
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'M IV' an der Ostseeküste
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Als einziges Luftschiff von Groß-Basenach wurde M IV c auch während des Ersten Weltkrieges eingesetzt: Zwischen September und Dezember 1914 wurde es von der Heeresluftschiffwaffe über der Ostfront eingesetzt. Mit Jahresbeginn 1915 wurde das Luftschiff dann an die Marine übergeben und als Seeaufklärer über der Ostsee eingesetzt. Dabei griff M IV c am 10.9.1915 ein feindliches U-Boot mit Bomben an, das jedoch tauchte und so nicht identifiziert werden konnte. Da mittlerweile bessere Luftschiffe zur Verfügung standen, wurde M IV c schließlich Anfang November 1915 nach 24 Einsatzfahrten in Kiel abgerüstet und zur Materialgewinnung verschrottet.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß keines der Luftschiffe von Groß und Basenach wirklich gelungen war. M IV c genoß zwar durch seine verhältnismäßig hohe Geschwindigkeit (bis zu 81 km/h) und seine Robustheit einen guten Ruf, aber es litt ebenso an schlechter Steuerbarkeit wie seine Vorgänger.
Letzten Endes waren es wohl nur die Beziehungen von Major Groß in der OHL, die überhaupt den Bau Luftschiffe in heereseigenen Werkstätten ermöglicht hatten. Als jedoch Zeppelin, Schütte-Lanz und Parseval immer mehr Erfolge und technische Neuerungen vorweisen konnten, während Groß-Basenach weiter mit grundlegenden Fehlern zu kämpfen hatte, sank naturgemäß das Interesse der Heeresleitung und es wurde Ende 1913 zurecht beschlossen, den Luftschiffbau von nun an kommerziellen Firmen zu überlassen.
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| Technische Daten von M IV c |
Bauart: Halbstarres Kielluftschiff
Länge: 120,7 m
Durchmesser: 16,1 m
Volumen: 19.000 cbm
Motorisierung: 3x 160 PS Maybach
Geschwindigkeit: 82 km/h
Prallhöhe: ca. 2.300 m
Reichweite: unbekannt
Nutzlast: ca. 4 t
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| Autor |
Thema: Die Militärluftschiffe von Groß-Basenach |
 | =DFL= Feldwebel Schultz |
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Clan: DFL - L´Legion Etrangere
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Hey, Danke für den klasse Artikel. hatte leider erst jetzt gelegenheit, ihn zu lesen.
War sehr lehrreich. Schliesslich waren die Teile nicht sehr Leistungsstark. Warum also wurden sie trotzdem gebaut? Nur Beziehungen?
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