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FL18 - Frontline18 .:. Unternehmen Albion: Die Landung auf den baltischen Inseln

:: Unternehmen Albion: Die Landung auf den baltischen Inseln ::

Unternehmen Albion: Die Landung auf den baltischen Inseln

Der Krieg im Ostseeraum

Bei Kriegsausbruch stand die russische Marine im ersten Stadium eines Neuaufbaues. Die verheerende Niederlage von Tsushima 1905 gegen die Japaner hatte Rußland des größten Teiles seiner Ostseeflotte beraubt, es standen dem Zaren vornehmlich kleinere und ältere Schiffe in geringer Zahl zur Verfügung: einige veraltete Linienschiffe und Panzerkreuzer, die die Schlacht irgendwie überstanden hatten. Dazu kam eine große Zahl von Torpedobooten und Zerstörern sowie zahlreiche Minenschiffe. Ein Neubauprogramm war bereits angelaufen, und die vier neuen Schlachtschiffe der Gangut-Klasse näherten sich der Fertigstellung und kamen nach und nach an die Front. Dennoch waren die Russen den Deutschen hoffnungslos unterlegen, sie konnten nicht darauf rechnen, den Seeweg durch die Ostsee gegen die deutsche Übermacht freizukämpfen und die gegnerische Seeblockade zu brechen. Sie verlegten sich darauf, ihre im Russisch-Japanischen Krieg gesammelten Erfahrungen mit Minen auszunutzen und in ihrem Schutz defensive Operationen durchzuführen.
Die Deutschen dagegen verlegten bei Kriegsbeginn alle kampfkräftigen Schiffe in die Nordsee, um einen erwarteten britischen Vorstoß abzuwehren. In der Ostsee blieben nur einige wenige ältere Schiffe zurück, vornehmlich betagte Kreuzer und veraltete Panzerkreuzer. Diese Schwäche auf beiden Seiten bestimmte die Kriegführung maßgeblich. Es kam kaum zu größeren Gefechten, jede Seite unternahm vornehmlich kurze Vorstöße ins gegnerische Gebiet. Die Kampfhandlungen beschränkten sich auf kurze, meist unentschiedene Scharmützel, wenn sich Kriegsschiffe bei Vorstößen zufällig begegneten. Die Ostsee wurde von beiden Seiten intensiv vermint, um die Bewegungsfreiheit des Gegners einzuschränken und ihm größtmögliche Verluste beizubringen. Auch U-Boote spielten eine gewisse Rolle, vermochten aber keiner Seite wirkliche Vorteile zu verschaffen. Im Winter waren aufgrund der Vereisung des Meeres keine Kampfhandlungen möglich.

Entscheidenden Einfluß auf die Seekriegsführung hatte die Lage an Land. Die Deutschen rückten im Verlauf des Krieges unaufhaltsam nach Osten vor und eroberten nach und nach die russischen Flottenstützpunkte im Baltikum, so daß der Aktionsradius der russischen Schiffe immer kleiner wurde. Bald schon konzentrierten sich die Gefechte auf den Rigaer Meerbusen, wo die Deutschen versuchten, ihre angreifenden Truppen von See her zu unterstützen und zu versorgen. Die Russen trachteten natürlich danach, dies zu verhindern, und konzentrierten ihre Flotte in diesem Gebiet.


Karte des Seeraumes um die baltischen Inseln

Der Angriffsplan

Im Sommer 1917 waren die deutschen Heeresverbände bis kurz vor Riga vorgerückt und planten, mit einem neuen Angriff den Rest Lettlands zu erobern und dann durch Estland in Richtung St. Petersburg vorzustoßen. Zu diesem Zweck war es erforderlich, die Estland und Lettland vorgelagerten Inseln Ösel, Dagö und Moon zu erobern, um die Flanke der vorrückenden Armeen vor russischen Angriffen von See her zu schützen und die eigenen Truppen mit Hilfe der Flotte zu unterstützen. Außerdem sollte mit der Landung der Zugang zum Rigaer Meerbusen geöffnet werden, der durch russische Küstenbatterien und Minenfelder in der Irbenstraße versperrt war. Um den Gegner zu überraschen, mußte der Vorstoß durch die minenverseuchten Gewässer durchgeführt werden, damit der Plan nicht durch vorhergehende Minenräumoperationen verraten wurde. Der Befehlshaber der Ostseestreitkräfte, Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, lehnte den Angriff als nicht durchführbar ab, aber Admiral Scheer entschloß sich dennoch dazu und stellte zu diesem Zweck Teile der in der Nordsee stationierten Hochseeflotte in die Ostsee ab: das III. und IV. Geschwader mit zehn modernen Schlachtschiffen sowie die II. Aufklärungsgruppe mit fünf modernen Kleinen Kreuzern traten zu den Ostseestreitkräften, die aus drei Kleinen Kreuzern und einem Minenleger bestanden. Das Kommando führte Vizeadmiral Schmidt an Bord des Schlachtkreuzers Moltke, der als Flaggschiff des Landungsverbandes diente. Dazu kamen einundvierzig Torpedoboote und Zerstörer mit dem neuen Kleinen Kreuzer Emden (Nachfolger des zu Kriegsbeginn versenkten Vorgängers) als Führungsschiff sowie zahlreiche Minensuch- und Räumboote, welche die 42. Infanteriedivision bei der Überfahrt vor gegnerischen Minenfeldern schützen sollten. Sechs U-Boote waren ebenfalls in das Kampfgebiet beordert worden. Das Unternehmen wurde am 11. September 1917 endgültig beschlossen, eine Woche nachdem die deutschen Truppen Riga genommen hatten.
Die Russen hatten in diesem Seegebiet die beiden Linienschiffe Grazdanin (die frühere Cesarevic) und Slava stehen, zu denen die beiden Panzerkreuzer Admiral Makarov und Bajan kamen. Sie wurden von Vizeadmiral Bachirev kommandiert. Außerdem standen ihnen neben dem Zerstörer Novik mehrere moderne Zerstörer der Grom-Klasse zur Verfügung, die von Konteradmiral Stark befehligt wurden. Zudem befanden sich drei britische U-Boote der C-Klasse in dem Gebiet. Auch die Flotte war bereits von den politischen Umwälzungen im Lande erfaßt worden, es hatte Meutereien gegeben und hohe Offiziere waren getötet worden. Darunter litten Kampfkraft und Effizienz der Verbände beträchtlich.


Der russische Zerstörer Novik

Die Landung auf Ösel

Die amphibische Unternehmung gegen die Inseln begann am 11. Oktober 1917, als die Transportflotte aus 19 Dampfern mit zusammen 153 664 BRT den Hafen von Libau verließ. Die aus Südwesten während der Nacht anlaufenden Deutschen mußten langsam vorrücken, um Minenfelder rechtzeitig erkennen und räumen zu können. Dadurch entstand ein Zeitverlust, der den Terminplan durcheinanderbrachte, so daß Vizeadmiral Schmidt schließlich befahl, ohne Minenräumerunterstützung schnell ins Einsatzgebiet vorzustoßen, um den Überraschungseffekt nicht zu verlieren. Glücklicherweise gab es keine Schäden, obwohl die Schiffe mitten durch ein Minenfeld liefen. Beim Einnehmen der Bombardementpositionen am Morgen des 12. Oktober erhielten die Schlachtschiffe Bayern und Großer Kurfürst Minentreffer, die sie aber nicht ernsthaft beschädigten. Alsbald lagen die deutschen Transportschiffe vor der Tagga-Bucht auf der Insel Ösel und begannen mit dem Ausschiffen der Truppen, nachdem die Großkampfschiffe die feindliche Küstenartillerie niedergekämpft hatten. 23000 Soldaten und 5000 Pferde nebst großer Mengen Gerät wurden an Land gesetzt. Als die Russen die Nachricht von der deutschen Landung erhielten, versuchten die beiden Zerstörer General Kondratenko und Progranicnik zur Aufklärung durch den Soelo-Sund zwischen Ösel und Dagö hindurch gegen die Landungsflotte vorzurücken, wurden jedoch durch Beschuß der Emden zurückgetrieben. Daraufhin schickten die Russen das Kanonenboot Grozjascij und die Zerstörer Novik, Grom, Zabijaka, Izjazlav und Desna zur Verstärkung, welche allerdings auch vor dem Feuer der deutschen Schiffe abdrehen mußten. Die Deutschen führten am nächsten Tag einen Gegenstoß mit ihren Torpedobooten, jedoch wurden sie ihrerseits durch das Feuer schwerer russischer Schiffe zurückgetrieben.

Am 14. Oktober griffen die Russen erneut durch den Soelo-Sund an, diesmal mit den Zerstörern Pobeditel, Grom, Zabijaka und Konstantin. Sie gerieten in das Feuer des Schlachtschiffes Kaiser und der sie verfolgenden II. deutschen Torpedobootflottille und mußten unverrichteter Dinge umkehren. Die Grom wurde dabei so schwer beschädigt, daß sie aufgegeben werden mußte und von den Deutschen geentert wurde. Sie sank allerdings bei dem Versuch, sie abzuschleppen.


Auf dem Marsch ins Zielgebiet: Ein Zeppelin auf einem Aufklärungsflug
überquert den deutschen Verband

Der Kampf um den Rigaer Meerbusen

Am gleichen Tage begannen weiter südlich die Deutschen damit, den Weg durch die Irbenstraße zwischen Ösel und dem lettischen Festland von Minen zu säubern, wobei sie von den drei Kleinen Kreuzern der VI. Aufklärungsgruppe und den Schlachtschiffen Friedrich der Große, König Albert und Kaiserin gedeckt wurden. Die drei Großkampfschiffe beschossen mit ihrer schweren Artillerie Ziele an Land, um die Invasionstruppen bei ihrem Vorgehen zu unterstützen. Die starken russischen Küstenbatterien bei Zerel an der Südspitze Ösels behinderten die Räumarbeiten und verhinderten noch einen Durchbruch. Das russische Linienschiff Grasdanin versuchte von drei Zerstörern begleitet einen Gegenangriff, mußte sich aber vor der feindlichen Übermacht zurückziehen. Bereits am Vortage hatte der Panzerkreuzer Bajan das Gleiche versucht, mit demselben negativen Ergebnis.
Am 16. Oktober hatten die Deutschen die Minensperren der Irbenstraße durchbrochen, und die vorrückenden Landtruppen hatten die Küstenbatterie Zerel weggenommen. Die Kreuzer Kolberg und Straßburg drangen in die Rigaer Bucht ein und griffen den Hafen von Arensburg auf Ösel an. Sie wurden am nächsten Tag durch die Schlachtschiffe König und Kronprinz verstärkt, die gegen den Moonsund vorstießen und dort die russischen Linienschiffe Slava und Grasdanin sowie den Panzerkreuzer Bajan zum Kampf stellten. Die Slava wurde durch das Feuer der König schwer beschädigt und versuchte zu flüchten. Aufgrund der erlittenen Schäden war aber Wasser ins Schiff eingedrungen und erhöhte den Tiefgang so sehr, daß ihm der Weg nach Norden durch die flachen Gewässer des Moonsundes versperrt war. Das Schiff wurde von der Besatzung gesprengt, während die Grasdanin und die Bajan mit zwei bzw. einem erhaltenen Treffer nach Norden entflohen. Bei der Verfolgung lief das deutsche Torpedoboot S 64 auf eine Mine und wurde versenkt. Vizeadmiral Schmidt sah von einer weiteren Verfolgung ab, um seine Schiffe nicht im stark verminten Sund zu gefährden. Das russische Flottenkommando CENTROBALT gab nach dieser Niederlage am 18. Oktober den Befehl, den Moonsund zwischen den Inseln und Estland zu räumen. Nachdem am 19. Oktober unter dem Schutz der Emden deutsche Truppen nach Dagö übergesetzt waren, war der Kampf entschieden, und die Deutschen konnten die Besetzung der Inseln am 20. Oktober abschließen. Die U-Boote beider Seiten kamen nicht zum Schuß, bis auf ein britisches Boot, daß einen deutschen Transporter beschädigte.


Das russische Linienschiff Slava

Nachwirkungen

Die Landung auf den baltischen Inseln war aus deutscher Sicht sehr erfolgreich verlaufen. Man hatte in minenverseuchten Gewässern eine erfolgreiche amphibische Unternehmung durchgeführt und dank der eigenen großen Übermacht praktisch ohne eigene Verluste die feindliche Flotte vertrieben, dabei hatte man auch einige gegnerische Schiffe zerstört. Der Rigaer Meerbusen war jetzt für die deutsche Schiffahrt geöffnet, und die Flotte konnte die Landtruppen durch Küstenbeschießungen unterstützen und gegnerische Nachschubtransporte unterbinden. Die Russen dagegen hatten ihre vorgeschobenen Positionen auf den Inseln und die Minensperren im Rigaer Meerbusen verloren und waren in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt worden.
Die kurz nach der Landung beginnende Oktoberrevolution lähmte die russische Flotte bald vollständig und ließ auch den letzten Kampfgeist der russischen Landtruppen erlöschen, so daß die Deutschen die vollständige Seeherrschaft in der ganzen Ostsee erlangten. Die neue Sovietregierung schloß im Dezember 1917 Frieden mit den Deutschen, die das gesamte Baltikum besetzten. Mit ihrer Hilfe gelang es den Balten, sich von Rußland zu lösen und eigene Staaten zu gründen. Auch das vom Bürgerkrieg erfaßte Finnland befreite sich mit deutscher Unterstützung von den Soviets und erlangte die Unabhängigkeit.
Das Unternehmen Albion stellte die einzige erfolgreiche deutsche Landungsunternehmung größeren Stils während des Krieges dar und war die größte in der bisherigen deutschen Geschichte, die aus ihr gezogenen Erfahrungen und Lehren wurden aber schnell vergessen. Als im Zweiten Weltkrieg erneut deutsche Landungsunternehmungen durchgeführt oder geplant wurden, standen keine geeigneten Landungsfahrzeuge oder Taktiken zur Verfügung, da man die Möglichkeit eines amphibischen Angriffs nicht in Betracht gezogen hatte. Dies führte mit zum Scheitern des geplanten Landungsunternehmens in England und wirkte sich ungünstig auf den weiteren Kriegsverlauf aus.


Wappen der Kaiserlichen Marine (Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

08. April 2004 - 14:20
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Unternehmen Albion: Die Landung auf den baltischen Inseln
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 Autor Thema: Unternehmen Albion: Die Landung auf den baltischen Inseln
Easy69
16.04.2004 um 11:16 QuoteProfileSend PM

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Easy
Vom feinsten ;-))
Hab mich zwar auch mit der Geschichte des 1 WK beschäftigt, aber das war mir alles neu.
Weiter so ;-))
Greets
Easy
 
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