Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Die Schlacht von Tannenberg

:: Die Schlacht von Tannenberg ::

Die Schlacht von Tannenberg

Defensive im Osten

Nach dem Ausbruch des Krieges Anfang August 1914 nahmen die deutschen Truppen im Osten eine defensive Position ein, man sah dort vorläufig nur einen Nebenkriegsschauplatz. Sie sollten die Stellung gegen die Russen so gut es ging halten, während im Westen die Entscheidung gegen Frankreich gesucht wurde. War Frankreich besiegt, sollten die Truppen vom westlichen Kriegsschauplatz nach Osten verlegt werden und gegen die Russen kämpfen. Dabei setzte man darauf, daß die riesige russische Armee Zeit brauchen würde, um mobil zu machen. In Ostpreußen hielt nur die deutsche 8. Armee Wache, um etwaige russische Angriffe so lange wie möglich durch hinhaltenden Widerstand aufzuhalten.
Auf russischer Seite liefen die Vorbereitungen jedoch schneller als vermutet an. Das russische Große Hauptquartier Stawka mit dem Oberkommandierenden Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch, einem Onkel des Zaren Nikolaus II., brachte schon bald die 1. und 2. Armee an der Nordwestfront in Position. Sie sollten die deutsche 8. Armee zerschlagen, Ostpreußen besetzen und dann den Angriff gegen die untere Weichsel und Pommern vorbereiten. Gleichzeitig sollten auf Drängen der Westalliierten die russische 9. und 10. Armee in Richtung Thorn und Posen vorstoßen, um möglichst viele deutsche Kräfte zu binden. Diese Zersplitterung der Kräfte stellte sich im Nachhinein als fatal heraus.
Die russischen Truppen waren zahlenmäßig stark überlegen, jedoch schlechter ausgerüstet und geführt als die deutschen Armeen. Außerdem war die Moral nach den inneren Unruhen und Niederlagen der vergangenen Jahre nicht gerade sehr hoch, die unwissenden Bauernsoldaten und Leibeigenen vertrauten häufig ihren adeligen Offizieren nicht.


Russische Soldaten auf dem Vormarsch

Der russische Angriff auf Ostpreußen

Seit dem 17. August stieß die russische 1. Armee unter General von Rennenkampf nordöstlich, die 2. Armee unter General Somsonov südwestlich der Masurischen Seen vor. Ihre Absicht war es, die deutsche 8. Armee doppelseitig zu umfassen und einzukesseln. Beide russischen Befehlshaber waren jedoch persönlich verfeindet und arbeiteten nur äußerst ungern zusammen. Die Deutschen konzentrierten sich zunächst auf die 1. Armee, mit der sie am 20. August in der Schlacht von Gumbinnen aufeinandertrafen, die auf beiden Seiten schwere Verluste forderte. Die Lage wurde für die Deutschen schnell kritisch, so daß sie dringend Verstärkungen anforderten, um Ostpreußen halten zu können. Als der Oberbefehlshaber der deutschen 8. Armee, Generaloberst von Prittwitz, die Nachricht vom Vorrücken der russischen Narev-Armee erhielt, wollte er die Schlacht von Gumbinnen abbrechen und sich auf die Weichsel zurückziehen. Er wurde sofort seines Postens entbunden und durch den eigentlich schon pensionierten Generaloberst von Hindenburg ersetzt, sein Stabschef wurde Generalmajor Ludendorff.


Generaloberst Paul von Hindenburg

Die Schlacht von Tannenberg

Hindenburg konzentrierte sofort alle seine Truppen in der Gegend von Allenstein, um die zahlenmäßig stärkere 2. russische Armee aufzuhalten. Die deutsche Funkaufklärung konnte die russischen Funksprüche entschlüsseln, so daß die Verteidiger über die meisten Absichten der Angreifer im Bilde waren. Aus Frankreich trafen zwei Armeekorps Verstärkungen ein, da man meinte, die Entscheidung im Westen sei bereits gefallen – ein folgenschwerer Fehler, wie sich später herausstellte: die abgezogenen Truppen fehlten dann bei der Marneschlacht.
Ein deutsches Korps unter General von Francois wurde nach Südwesten geworfen, um den linken Flügel von Samsonovs Streitkräften anzugreifen. Ein weiteres Korps hielt die Stellung im Zentrum, um die Russen auf dem Weg nach Norden aufzuhalten, während General Mackensen mit zwei weiteren Korps gegen die russische rechte Flanke vorrückte. Samsonov stieß in Unkenntnis der Lage weiter in den sich abzeichnenden Kessel vor, in dem Glauben, daß Rennenkampf mit seiner 1. Armee weiterhin nach Südwesten vorankomme. Tatsächlich aber war die russische Front bei Gumbinnen stehengeblieben, um sich von der dort geschlagenen Schlacht zu erholen.

Am 22. August stießen die russischen Vorausabteilungen auf die deutschen Linien, zwölf Divisionen (oder drei Armeekorps) waren tief nach Ostpreußen hinein vorgerückt und schickten sich an, die sich vermeintlich zurückziehenden Deutschen zu verfolgen. Währenddessen fing die deutsche Funkaufklärung einen russischen Funkspruch ab, daß die 1. Armee vorerst nicht in Richtung der 2. Armee vorstoßen würde, sondern nach Westen in Richtung Königsberg. Offenbar wollte von Rennenkampf seinem alten Feind Samsonov nicht zur Hilfe kommen, sondern auf eigene Faust Ostpreußen erobern. Das bedeutete für die Deutschen, daß man nicht befürchten mußte, von hinten angegriffen zu werden. Da ließ Hindenburg die Falle zuschnappen.
Die beweglicheren Deutschen durchbrachen am 27. August auf dem linken Flügel mit Hilfe ihrer starken Artillerie die russischen Linien und schnitten Samsonovs schwerfällige Armee von ihren Nachschublinien ab, drei russische Korps waren in einem riesigen Kessel gefangen. Ausbruchs- oder Entsatzversuche blieben erfolglos, 30.000 russische Soldaten wurden getötet, 92.000 gerieten in Gefangenschaft, etwa 10.000 entkamen der deutschen Umklammerung. General Samsonov wählte den Freitod, statt in Gefangenschaft zu gehen. Den Deutschen fielen riesige Mengen Kriegsmaterial in die Hände, unter anderem 500 Geschütze. Der Rest der russischen Streitkräfte zog sich hinter die Narev zurück. Es sollte die einzige gelungene Einkreisungsschlacht des Krieges bleiben.

Die russische 1. Armee blieb nach der Niederlage ihrer Kameraden zunächst vor Königsberg stehen. Die Deutschen nutzten dieses Zögern, stellten sich neu auf und griffen am 8. September an. In der Schlacht bei den Masurischen Seen wurde auch die russische Memel-Armee zerschlagen und erlitt Verluste von etwa 100.000 Mann, konnte sich aber der Einkreisung und völligen Vernichtung durch Rückzug nach Osten entziehen. Nach dem Verlust von etwa 220.000 Soldaten und 600 Geschützen brachen die Unternehmungen der russischen Nordwestfront völlig zusammen, ihr Oberbefehlshaber General Schilinski wurde abgelöst.


Die Schlacht auf der Karte: die Deutschen (rot) weichen von Nordosten zurück und kesseln
die von Süden herankommenden Russen (blau) ein (Karte des japanischen Generalstabs)

Auswirkungen

Mit der Niederlage von Tannenberg hatte die russische Armee die Initiative im Norden verloren und konnte nicht mehr an einen Vorstoß nach Deutschland hinein denken. Im weiteren Verlauf des Herbstes erlitten die Russen auch empfindliche Niederlagen in Polen, die sie weitere 530.000 Mann an Verlusten kosteten. Das Kräfteverhältnis an der Ostfront war zugunsten der Deutschen verändert worden, die jetzt die Initiative ergriffen und sie bis Kriegsende weitgehend behielten. Auch glich der deutsche Sieg die schweren Niederlagen der Österreicher in Galizien aus. Mit dem Scheitern der russischen Angriffspläne war ein großer Teil der Stoßkraft der Zarenarmeen verpufft, und die Seeblockade der Mittelmächte verhinderte eine Stärkung der Russen durch Nachschublieferungen der Westmächte. Die zahlenmäßige Überlegenheit der Russen, an der sich bis Kriegsende nichts änderte, wurde durch ständigen Munitionsmangel und schlechte Führung entwertet, die Mittelmächte gewannen langsam aber stetig immer mehr an Boden. Der Mangel an Kriegsindustrie und Nachschubgütern führte dazu, daß die Kampfkraft der russischen Heere immer mehr dahinschwand und sie trotz heroischer Gegenangriffe fortgesetzte Niederlagen erlitten. Dadurch sank die Moral der Soldaten immer tiefer, das widerum bereiteten den Nährboden für die Revolution, die ihrerseits zum vollständigen Zusammenbruch der Armee führte und den Krieg im Osten endgültig zugunsten der Mittelmächte entschied.
Hindenburg wurde durch die gewonnene Schlacht zum Mythos, und 1927 wurde ein großes Denkmal bei Tannenberg zum Gedenken an das Ereignis eingeweiht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges sollte keine russische Armee mehr deutschen Boden betreten.


Von den Russen zurückgelassenes Material

13. April 2004 - 14:03
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die Schlacht von Tannenberg
Antwort erstellen
 Autor Thema: Die Schlacht von Tannenberg
SturmSoldat
15.04.2004 um 23:01 QuoteProfileSend PM

Clan: [-|FS|-]
Postings: 90

Wiedermal ein super Bericht hab mir au mal überlegt einen Bericht über Tannenberg zu schreiben, hab aber net sonderlich viel Material gefunden kA wieso, vllt auf den falschen seiten gesucht...egal noch 2 Fragen.

1. Ich glaube, nachdem Russland den Waffenstillstandsvertrag mit den Mittelmächten geschlossen, wurden doch die ganzen Armeen etc nach Frankreich geschickt. Hat das nicht gereicht???

2. Passt zwar net zum Thema aber egal was hat China während dem ersten WK gemacht?
__________________

!!!Besucht uns!!!
 
Wilmo
15.04.2004 um 23:11 QuoteProfileSend PM

Clan: Sturmfront-Kaarst
Postings: 2569

FCK
1. jo, das haben die Deutschen gemacht, aber gegen die geballte Macht der USA hatten die Mittelmächte keine Chance

2. ich glaub ?1911? wurde die Republik ausgerufen und darauf folgten innere Unruhen bzw. Bürgerkrieg
__________________
Wir wissen, wo ein Krieg beginnt, aber wir wissen nicht, wo er endet - Otto von Bismarck

played for myChanges - BF2 EPS VII
 
Jagdpanther
16.04.2004 um 09:46 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 3348

He's watching YOU...
Die Deutschen verlegten tatsächlich alle verfügbaren Truppen aus dem Osten an die Westfront und machten einen sehr achtenswerten Versuch, die französische Armee doch noch zu zerschlagen. Mittlerweile waren aber die Amerikaner da, und das war das entscheidende Hindernis: die Offensiven der Deutschen blieben trotz einiger Erfolge kurz vor Paris stehen. Dann folgte der alliierte Gegenangriff, der die Lage der ausgebrannten deutschen Armeen unhaltbar werden ließ und den Waffenstillstand erforderlich machte, fasr gleichzeitig gab es schwere Rückschläge an den anderen Fronten begleitet von revolutionären Unruhen in Flotte, Heer und Bevölkerung. Der Krieg konnte nicht mehr weitergeführt werden.
Dennoch kann sich Deutschland zumindest damit schmücken, Rußland in die Knie gezwungen zu haben, auch wenn es den eigentlichen Sieg verfehlte. Die Russen zogen Lehren aus der Niederlage und bauten in der Zeit zwischen den Kriegen ihre Rüstungsindustrie gewaltig aus, ebenso wie ihr Verkehrsnetz. Im Zweiten Weltkrieg konnten sie dann zusammen mit den Lieferungen der Westmächte genug Kriegsmaterial bereitstellen, um den deutschen Angriff zu stoppen.
__________________
Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
Frank Theisen
08.11.2004 um 20:06 QuoteProfileSend PM

Clan: -=DHA=- Die Hungrigen Adler
Postings: 115

Zu Anfang solte ich erstmal sagen : Klasse Artikel! - einfach spitzenklasse!
__________________
Grüße Franky
 
Frank Theisen
08.11.2004 um 20:52 QuoteProfileSend PM

Clan: -=DHA=- Die Hungrigen Adler
Postings: 115

Und wie in Ausgabe 01/2004 der "Militärgeschichte" des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) nachzulesen ist würde ich gerne noch ein paar fakten erwähnen, die den Artikel jedoch in keinsterweise kritisieren sollen.
Zuersteinmal is gesagt, dass das ganze Tannenberg-Manöver, wie vielleicht vermutet ein ausgeklügelter plan hindenburgs war, sondern ein Alternativplan von Oberstleutnant Hoffmann und Generalmajor Ernst Grünert zu prittwitz´ rückzugstrategie. nach der kommandoübergabe an hindenburg und ludendorff (hindenburg überliess die armeeführung ludendorff) setzte ludendorff mit glück hoffmanns riskanten plan ,die geographische trennung der russischen armeen von samsonow und rennenkampf um.

Neben der problematischen logistischen situation und der fehlenden moral der russischen truppen,sowie der miserablen aufklärung, die auf deutscher seite durch die genannte funkspruchaubhörung und luftaufklärung durch flug-apparate und zeppeline zu einem deutlichen informationsvorsprung führte, erschwerte zudem der unwillen von rennenkampf und samsonov zusammenzuarbeiten (jeder wollte ja der sieger sein der ostpreußen erobert) die russische lage.

Und hier nch ein paar Daten zur Armeestärke:
8.Armee: 170 Infanteriebattaillone, 82 Kavallerieschwadrone
Armee von Samsonow :178 Infanteriebataillone, 111 Kavallerieschwadrone

Diese Tatsache zeigt das die ganze Operation leicht hätte nach hintenlosgehen können. Bei einer zusammen geführten russischen armee hätte das stärkeverhältniss sogar 1:4 ausgesehen.

Als abschliessendes Wort will ich nocheinmal auf Jagdpanthers herausragende Artikel hinweisen, die es immer wieder lohnt zu lesen .

Edit by Gamma: ich habs mal ein wenig formatiert

[Editiert von Gamma am 11.Nov.2004 um 00:16]
__________________
Grüße Franky
 
Gamma
11.11.2004 um 00:17 QuoteProfileSend PM

Moderator

Clan: Kein Clan
Postings: 5428

Das die Schlacht bei Tannenberg in der Hauptsache durch Aufklärung und durch ne Menge Glück aufgegangen ist, war ja bekannt. Um Schlachtglück mit Risiko gehts ja in jedem Krieg.
__________________
Dicke Kinder sind schwerer zu kidnappen!
 
[ Antwort erstellen ]
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net