Französisches Gewehr Mle 1886 M93 "Lebel"
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Das in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts von Nicolaus Dreyse entwickelte Zündnadelgewehr war der erste Schritt zu dem modernen Mehrlade-Repetiergewehr. Die frühen Mehrladegewehre verschossen jedoch noch Patronen mit einem Kaliber von ungefähr 11 mm und waren allesamt mit Schwarzpulver geladen. Der nächste Schritt zum modernen Gewehr war die Entwicklung von "kleinkalibriger" Munition. Eines der ersten Gewehre, das kleinkalibrige Munition verschoß, war das portugiesische Kropatschek 1886 mit der Patrone 8x60 mm R, die Patrone war jedoch noch mit Schwarzpulver geladen. Schwarzpulver war zwar relativ einfach und billig herzustellen, hatte allerdings den Nachteil einer hohen Rauchentwicklung und geringer Rasanz. 1884 entwickelte der Franzose Paul Vielle die Nitro-Zellulose (auch "Schießbaumwolle" genannt). Französische Militärs erkannten die Nützlichkeit der Nitro-Zellulose als Treibmittel für Gewehrpatronen, und setzten im Jahr 1884 eine Kommission zur Entwicklung eines neuen Infanteriegewehres und der dazugehörigen Munition ein. Nach einem Mitglied dieser Kommission, Nicolas Lebel, wurde das Gewehr später auch "Lebel" genannt. 1886 gelangte die Kommission schließlich zum Abschluss und das neue Infanteriegewehr wurde bei der französischen Armee in Dienst gestellt.
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Das Mle 1886 M93 Lebel in der Draufsicht
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Das Fusil d' Infanterie Mle 1886 war das fortschrittlichste Gewehr der damaligen Zeit, was aber hauptsächlich auf die neuartige Munition zurückzuführen war. Das Gewehr selbst war ein Fusion von bewährten Bauelementen, so stammte der Verschluss vom Vorgänger, dem "Mle 1874 Gras" und wurde leicht modifiziert übernommen, das Magazin stammte vom portugiesischen Kropatschek Gewehr.
Das Röhrenmagazin fasste acht Patronen. Ein Magazin mit dieser Kapazität war zwar kein Nachteil, doch war das Laden extrem zeitaufwendig - während ein französischer Soldat eine Patrone in das Magazin lud, hatte sein deutsches Gegenüber sein Gewehr 88 schon vollständig geladen - und es verlagerte sich nach jedem Schuss der Schwerpunkt des Gewehres nach hinten und beeinflusste so die Zielgenauigkeit. 1893 wurden einige Veränderungen an Verschluss und Schaft durchgeführt, was zu der Bezeichnung "Fusil d' Infanterie Mle 1886 m(odifé) 93" führte.
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Die 8 mm Patrone (Cartouche Mle 1886 M, das M bezeichnet die Geschossart) war, wie schon erwähnt, die erste Patrone mit Spitzgeschoss die mit raucharmen Pulver geladen war. Dies verhalf ihr zu eine gestreckteren Flugbahn als bei damals gebräuchlichen Patronen, und damit zu einem Reichweitenvorteil. Da die Patrone in ein Röhrenmagazin ähnlich dem der Vetterli und Winchestergewehre geladen wurde, mussten Vorkehrungen getroffen werden, damit sich die Patronen im Magazin nicht selbst entzündeten; so versah man den Patronenboden mit einem Rand um das Zündhütchen.
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Die Patrone des Lebel
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die anderen Nationen jedoch den Vorsprung der Franzosen ausgeglichen, sie mit moderneren Waffen sogar überholt. Dennoch wurde das Lebel bis 1917 weitergefertigt, insgesamt fast vier Millionen Exemplare wurden in den Arsenalen von St. Etienne, Tulle und Châtellerault hergestellt. Das Nachfolgemodell, das "Berthier" und dessen Nachfolger, das MAS 36, konnten das Lebel bis nach dem 2. Weltkrieg nie ganz ersetzten. Obwohl die Infanteriebewaffnung der französischen Armee völlig unzureichend und veraltet war, wurden von 1936 bis 1940 noch ca. 250.000 Lebels auf das Mle 1886 M93 R 35, einer verkürzten Version mit einem drei Patronen fassenden Röhrenmagazin, umgebaut. Denn der Bau der Maginot-Linie verschlang das nötige Geld für eine nötige Neubewaffnung der Armee.
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Ein Mle 1886 M93 R35
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| Technische Daten |
Eingeführt: 1886
Länge: 130,7 cm
Lauflänge: 80 cm
Gewicht (ungeladen): 4,2 kg
Munition: 8x50R Lebel
Magazinkapazität: acht Schuß
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