 |
 |
|
| FL18 - Frontline18 .:. Österreichisch-ungarische Zerstörer der "Tátra"-Klasse |
 | :: Österreichisch-ungarische Zerstörer der "Tátra"-Klasse :: |  |
|  |
|
 |
Österreichisch-ungarische Zerstörer der "Tátra"-Klasse

Zerstörer 'Huszár'
|
|
|
|
Aufgrund seiner inselreichen Küste und der geschützten Lage der Adria war Österreich-Ungarn seit jeher einer der eifrigsten Verfechter des Torpedoboots gewesen. Seine Kombination aus niedrigen Baukosten, geringen Abmessungen, großer Beweglichkeit und hoher Schlagkraft war geradezu ideal für den Bedarf der K.u.K. Kriegsmarine geeignet, während sein größter Nachteil - mangelnde Seefestigkeit - in der Adria kaum eine Rolle spielte. Dementsprechend bemühte sich Österreich-Ungarn durch den gezielten Ankauf von Booten der führenden ausländischen Werften (Normand, Schichau, Thornycroft, Yarrow) und Nachbau und Weiterentwicklung dieser auf heimischen Werften, stets am Puls der Zeit zu bleiben und keine wichtige Entwicklung zu verpassen.
Allerdings erkannte man um die Jahrhundertwende, daß eine solche Sammlung von unterschiedlichen Zerstörern und Torpedobooten, von denen kaum mal zwei oder drei dem gleichen Typ angehörten, in taktischer Hinsicht äußerst ungünstig war. Daher wurden bei Yarrow in England zwei hochmoderne Boote, ein Zerstörer von 400 ts und ein Hochsee-Torpedoboot von 200 ts, bestellt und dann auf heimischen Werften in Serie gebaut. Dazu kam noch ein Küstentorpedoboot nach Entwürfen des Stabilimento Tecnico Triestino. So entstanden ab 1905 die Zerstörer der Huszár-Klasse (12 Stück) und die Torpedoboote der Kaiman- und der Tb I-Klasse (24 bzw. 12 Stück), die zusammen bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg die Torpedowaffe der K.u.K. Kriegsmarine bildeten.
Die Huszár-Klasse und ihre kleineren "Geschwister" waren zu ihrer Zeit hervorragende Entwürfe, aber da es aus finanziellen und politischen Gründen keine Folgebauten gab, während die technische Entwicklung immer rasanter voranschritt, begann die österreichisch-ungarische Torpedowaffe in den Folgejahren doch merklich zu veralten.
|
|
|

Rißzeichnung der 'Tátra'
|
|
|
|
Erst nach einer öffentlichen Kampagne des Marinekommandanten Graf Montecuccoli und einer Intervention des Kronprinzen Franz Ferdinand beim Kaiser, erhielt die Marinesektion im Jahre 1911 endlich die notwendigen Mittel für ein umfangreiches Modernisierungsprogramm. Dazu gehörten unter anderem sechs Zerstörer und zwölf Hochsee-Torpedoboote.
Auf Kiel gelegt wurden die neuen Zerstörer aus politischen Gründen bei der relativ unerfahrenen ungarischen Danubius-Werft in Porto Ré. Dadurch zog sich der Bau länger als erwartet hin und die Turbinen mußten mehrfach nachgebessert werden, bis zu zufriedenstellend funktionierten. Tatsächlich dauerte es bis Dezember 1914, bis die letzten Kinderkrankheiten abgestellt waren!
Die sechs Boote liefen zwischen November 1912 und Dezember 1913 vom Stapel und erhielten die Namen Tátra, Balaton, Csepel, Lika, Orjen und Triglav - allesamt Namen von Bergen, Seen und Inseln der Donaumonarchie. Ihre Bewaffnung und ihre Geschwindigkeit entsprach weitestgehend dem internationalen Standard. Ungewöhlich hingegen war dagegen, daß das jeseits mittlere 6,6 cm-Geschütz in einer Flugabwehrlafette montiert war - ein vorrausschauender Entschluß, wenn man sich die stetig größer werdende Bedeutung des Luftkrieges im Weltkrieg ansieht.
Eigentlich sollten unter dem Bauprogramm von 1914 sechs weitere Boote dieser Klasse folgen, jedoch erzwang der Kriegsausbruch eine Stillegung der kaum fortgeschrittenen Bauten. Nach dem Verlust zweier Boote der Tatrá-Klasse wurde dieser Entschluß im Januar 1916 aber teilweise revidiert und vier Ersatzbauten bei Danubius in Auftrag gegeben: Triglav (II), Lika (II), Dukla und Uzsok. Von den ursprünglichen Booten unterschieden sie sich nur durch einen geringfügig verlängerten Rumpf.
|
|
|

'Dukla' im April 1918
|
|
|
|
Im Krieg bildeten die Boote der Tátra-Klasse die 1. Torpedodivision. Zusammen mit den Rapidkreuzern waren sie die bei weitem aktivsten Einheiten der K.u.K. Kriegsmarine während des Krieges: Sie eskortierten Großkampfschiffe, beschossen Häfen und Eisenbahnstrecken an der italienischen Küste und griffen mehrfach die Blockadestreitkräfte in der Otranto-Straße an.
Alle ihre Einsätze aufzuzählen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, darum sei nur angemerkt, daß den Booten dieser Klasse im Laufe des Krieges die Zerstörer Turbine (it), Borea(it), die Frachter Carrocio (it), Gallinara (it), Palatino (it), das Unterseeboot Monge (fr) und mehrere britische Trawler zum Opfer fielen. Im Gegenzug gingen Triglav und Lika am 29.Dezember 1915 auf einer Minensperre vor Durazzo verloren und Csepel verlor am 4. Mai 1916 durch einen Torpedo des französischen Unterseebootes Bernoulli ihr Heck, konnte aber noch eingeschleppt werden.
Nach dem Kriegsende gingen die überlebenden Boote überwiegend an Italien, lediglich die Uzsok wurde als Matelot Leblanc an Frankreich übergeben. Je nach Erhaltungszustand blieben sie dort bis 1939 in Dienst.
|
|
|

'Csepel' nach Torpedierung durch das französische U-Boot 'Bernoulli'.
Es grenzt an an ein Wunder, daß der achtere Torpedorohrsatz nicht explodiert ist!
|
|
|
| Technische Daten |
Abmessungen
Verdrängung: 850 t
Länge über alles: 83,5 m
Breite: 7,8 m
Tiefgang: 2,4 m
Besatzung: 105 (2.Gruppe 115)
Bewaffnung
zwei 10 cm L/50
sechs 6,6 cm L/45 (zwei davon in Luftabwehrlafetten)
zwei 45 cm Zwillings-Torpedorohre
Antrieb
Zwei AEG-Curtis-Turbinen auf zwei Wellen, 6 Yarrow-Kessel
Leistung
Gesamtleistung: 20.500 WPS
Höchstgeschwindigkeit: 32,6 kn
|
|
 |
 |
 |
| Autor |
Thema: Österreichisch-ungarische Zerstörer der "Tátra"-Klasse |
 | Radetzky |
|
|
|
Clan: european.Xtreme.elite
Postings: 570
|
wow, ordentlich langer und informativer Text! man merkt dir liegt das Thema 
@Para: dein Lieblingsthema ist doch die Schifffahrt. Ich rätsle seit ein paar Tagen (Seit dem ich "Piave 1918" lese) warum die KuK Kriegsmarine zwar einmal kurz "vorbeigekommen" ist um die Offensive(n) zu unterstützen, aber nie wirklich n "run" auf Venedig gemacht hat? n paar von der Viribus Unitis- und Radetzky-klasse und Venedig unter dauerfeuer nehmen müsste doch eigentlich eien irrsinnigen moralischen Sieg einfahren, vorallem nach der geglückten 12. Isonzoschlacht wo die Italiener nicht wussten wo vorn und hinten war. Wollte Ö-U nicht riskieren die halbe Flotte zu verlieren, Mangel an Treibstoff, Munition an was lag es? Warum dachte man auch zB nicht an eine Landung in Venedig durch Landeeinheiten um den Flaschenhals Piave oder Isonzo zu umgehen?! Weil dann die Versorgung per Luft bzw See erfolgen musste? war die KuK Marine nicht in der lage dazu?! naja, Fragen über Fragen halt 
[Editiert von Radetzky am 11.Oct.2004 um 21:09]
__________________
Austriae est imperare orbi universo
Motto einer Österreichischen Minensucheinheit im Kosovo:
"Wer suchet der findet, wer drauftritt verschwindet."
|
 | Asperagus |
|
|

Clan: Kein Clan
Postings: 2747
|
Ohne euch Ösis jetzt beleidigen zu wollen: Genau davon
| Radetzky hat folgendes geschrieben: |
@Para: war die KuK Marine nicht in der lage dazu?!
[Editiert von Radetzky am 11.Oct.2004 um 21:09] |
gehe ich aus. Höchstwahrscheinlich wäre für eine solche Operation - wie schon so oft zuvor (Balkan-Front, italienische Front) - massive deutsche Unterstützung notwendig gewesen, weil es die KuK-Marine alleine nicht geschafft hätte, und unsere Seestreitkräfte waren ja anderweitig "gebunden" - wenn man jahrelanges Liegen in den Häfen denn so nennen kann (abgesehen von Skagerrak und ein paar Kreuzer-Operationen sowie den U-Booten).
|
 | Parabellum |
|
|

Clan: Team Frontline18
Postings: 5411
|
Radetzky, Du bist nicht der erste, der der K.u.K. Marine diesen Vorwurf macht. Bereits die Zeitgenossen haben kritisiert, warum die Flotte italienische Landtruppen bis Monfalcone (Vorort von Triest) marschieren ließ, ohne wenigstens einen Versuch zu unternehmen, die Italiener unter Beschuß zu nehmen.
Eine wirklich hieb- und stichfeste Antwort kann ich Dir nicht geben, aber es hing wohl mit mehreren Faktoren zusammen:
- das Verhältnis zwischen Armee und Marine war in der K.u.K. Monarchie denkbar schlecht, da die Armee keine Gelegenheit ausließ, ihren Etat auf Kosten der Flotte zu vergrößern (siehe die Affäre Spaun oder den Vorstoß Montecuccolis). Eine Landungsoperation hätte aber in jedem Falle einen gemeinsamen Einsatz von Armee und Flotte verlangt.
- es wurden mehrfach Küstenbeschießungen zur Unterstützung der Armee durchgeführt. Allerdings wollte man dafür nicht die modernen Schiffe der Radetzky und Viribus Unitis-Klasse einsetzen (zu hohes Verlustrisiko), sondern griff nur auf alte Linienschiffe und Küstenpanzer zurück. Deren 24cm-Geschütze hatten aber eine wesentlich kürzere Reichweite und reichten kaum wesentlich über die direkte Küstenlinie hinaus.
- die Italiener hatten in den späteren Kriegsphasen massen von kleinen Schnellbooten mit Torpedos ( die sogenannten MAS), die jede Operation an der Feindesküste für größere Schiffe zu einem Risiko machten.
- zu guter Letzt mag auch eine Rolle gespielt haben, daß die Italiener ebenfalls keinen maritimen Finger krümmten, um ihre Landtruppen zu unterstützen.
Nur ein paar Ideen, aber ob das die Gründe sind, kann ich Dir leider nicht sagen...
| Asperagus hat folgendes geschrieben: | | Höchstwahrscheinlich wäre für eine solche Operation - wie schon so oft zuvor (Balkan-Front, italienische Front) - massive deutsche Unterstützung notwendig gewesen, weil es die KuK-Marine alleine nicht geschafft hätte, und unsere Seestreitkräfte waren ja anderweitig "gebunden" - wenn man jahrelanges Liegen in den Häfen denn so nennen kann (abgesehen von Skagerrak und ein paar Kreuzer-Operationen sowie den U-Booten). |
Ich denke nicht, daß die K.u.K. Marine auf deutsche Hilfe angewiesen war. Sie war immerhin die drittgrößte Flotte des Mittelmeeres und ziemlich gut ausgebildet!
Daß die Deutschen ihren Verbündeten zu Land so massiv unterstützen mußten, lag einfach daran, daß Österreich-Ungarn einen Dreifrontenkrieg führen mußte (Galizien - Italien - Balkan)!
Was das 'jahrelange Liegen in den Häfen' angeht: Das ist durchaus eine Form der Kriegsführung ("Fleet in being"-Taktik). Solange die Deutschen ihre Schlachtflotte "Gewehr bei Fuß" hielten, mußten das auch die Briten tun und konnten weder im Mittelmeer, noch an anderen Stellen wesentliche Flottenverbände einsätzen. Beide Flotten neutralisierten sich quasi gegenseitig.
Eine ähnliche Situation ergab sich in der Adria mit italienischer und österreichisch-ungarischer Flotte.
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
|
 | Asperagus |
|
|

Clan: Kein Clan
Postings: 2747
|
| Parabellum hat folgendes geschrieben: |
[quote="Asperagus"]Höchstwahrscheinlich wäre für eine solche Operation - wie schon so oft zuvor (Balkan-Front, italienische Front) - massive deutsche Unterstützung notwendig gewesen, weil es die KuK-Marine alleine nicht geschafft hätte, und unsere Seestreitkräfte waren ja anderweitig "gebunden" - wenn man jahrelanges Liegen in den Häfen denn so nennen kann (abgesehen von Skagerrak und ein paar Kreuzer-Operationen sowie den U-Booten). |
| Parabellum hat folgendes geschrieben: |
Ich denke nicht, daß die K.u.K. Marine auf deutsche Hilfe angewiesen war. Sie war immerhin die drittgrößte Flotte des Mittelmeeres und ziemlich gut ausgebildet!
Daß die Deutschen ihren Verbündeten zu Land so massiv unterstützen mußten, lag einfach daran, daß Österreich-Ungarn einen Dreifrontenkrieg führen mußte (Galizien - Italien - Balkan)!
Was das 'jahrelange Liegen in den Häfen' angeht: Das ist durchaus eine Form der Kriegsführung ("Fleet in being"-Taktik). Solange die Deutschen ihre Schlachtflotte "Gewehr bei Fuß" hielten, mußten das auch die Briten tun und konnten weder im Mittelmeer, noch an anderen Stellen wesentliche Flottenverbände einsätzen. Beide Flotten neutralisierten sich quasi gegenseitig.
Eine ähnliche Situation ergab sich in der Adria mit italienischer und österreichisch-ungarischer Flotte. |
Siehst du Para, genau deshalb bist du so wertvoll wie ein kleines Steak: Die anschaulich formulierte "Ermahnung" auf Posts wie den meinigen folgt stets auf dem Fuße.
|
 | Parabellum |
|
|

Clan: Team Frontline18
Postings: 5411
|
Asperagus, warum habe ich bei Dir nur immer das Gefühl, Du weißt schon im Vorraus, wie meine Antworten aussehen...?
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
|
 | Asperagus |
|
|

Clan: Kein Clan
Postings: 2747
|
| Parabellum hat folgendes geschrieben: | | Asperagus, warum habe ich bei Dir nur immer das Gefühl, Du weißt schon im Vorraus, wie meine Antworten aussehen...? |
Nun, du bist eben ein guter Menschenkenner, Para.
|
| [ Antwort erstellen ] |
|
|
 |
|