 |
 |
|
| FL18 - Frontline18 .:. Britische Flußkanonenboote der "Insect"-Klasse |
 | :: Britische Flußkanonenboote der "Insect"-Klasse :: |  |
|  |
|
 |
Britische Flußkanonenboote der "Insect"-Klasse
|
|
|
Anfang 1915 versuchten die verantwortlichen Stellen in Großbritannien verzweifelt, einen Weg zu finden, um den immer verlustreicher werdenden Stellungskrieg an der Westfront wieder in Bewegung zu bringen. Dabei wurden drei Alternativen erwogen, die allesamt darauf abzielten, einen der Verbündeten Deutschlands aus dem Krieg zu werfen: Eine Landung an der österreichisch-ungarischen Adriaküste, eine gemeinsame Heeresoperation mit Serbien entlang der Donau oder ein amphibischer Angriff auf die Dardanellen. Wie allgemein bekannt sein dürfte, fiel die Entscheidung schließlich auf Drängen des Marineministers Churchills zugunsten der Dardanellenlandung. Dennoch sollten die Vorbereitungen für die Donauoperation weiterlaufen, um die serbischen Verbündeten zu unterstützen.
Das größte Problem stellte dabei die k.u.k. Donauflottille mit ihren stark gepanzerten und bewaffneten Donaumonitoren dar, die auf dem Fluß nahezu uneingeschränkt agieren konnten. Um ihnen zu begegnen , wurden im Februar 1915 zwölf "Large China Gunboats" bei der Yarrow-Werft in Auftrag gegeben. Nach der Fertigstellung sollten sie dann im Schlepp bis Saloniki (Griechenland) fahren, dort zerlegt werden und schließlich in Einzelteilen über Land an einen Nebenfluß der Donau gebracht werden, wo der Wiederaufbau erfolgte.
Der ungewöhnliche Name "Large China Gunboats" sollte dabei den vorgesehenen Einsatzort der Boote verschleiern, zumal zum gleichen Zeitpunkt bei Yarrow auch zwölf konventionelle Flußkanonenboote für den Einsatz in Mesopotamien unter der Bezeichnung "Small China Gunboats" gebaut wurden.
|
|
|

HMS 'Cockchafer' mit ihren auffälligen Flaklafetten für die 15,2cm-Geschütze.
|
|
|
|
Als Hauptbewaffnung für die Boote wurden zwei 15,2 cm-Geschütze verlangt, die einerseits stark genug waren, die Panzerung der Donaumonitore zu durchschlagen, und andererseits weitreichend genug, um den Vormarsch eines Landheeres an der Donau wirksam zu unterstützen. Durch diese ausgesprochen schwere Bewaffnung mußten die Boote zwangsläufig recht groß werden (etwa 650 ts, was für ein Flußkampfschiff enorm ist). Dennoch blieb der Tiefgang mit 1,20 m akzeptabel, da die beiden Schrauben nicht wie üblich außen am Rumpf, sondern versenkt in Tunneln montiert waren - ein Patent von Yarrow, das auch in den gleichzeitig gebauten konventionellen "Small China Gunboats" der 'Fly'-Klasse und den Binnenminensuchern der 'Dance'-Klasse zu finden war.
Alle zwölf Boote dieser Klasse waren nach Insektenarten benannt, so daß sich auch im Dienstgebrauch die Bezeichnung 'Insect'-Klasse einbürgerte, anstatt der üblichen Benennung nach dem zuerst vom Stapel gelaufenen Schiff des Typs. Eine durchaus übliche Praxis in der Royal Navy.
|
|
|

HMS 'Scarab' Anfang der 30er Jahre auf dem Yangtze
|
|
|
|
Das ganze Bauprogramm lief nach Plan und die ersten Boote waren sogar schon in Malta eingetroffen, als der Zusammenbruch Serbiens im November 1915 den ganzen Plan hinfällig machte. Daher wurden die nun scheinbar überflüssigen Boote gleichmäßig auf drei Kriegsschauplätze verteilt: Vier Boote (Aphis, Bee, Ladybird und Scarab) wurden zum Schutz des Suez-Kanals in Port Said stationiert, weitere vier (Gnat, Mantis, Moth und Tarantula) wurden nach Mesopotamien verlegt, währen die restlichen vier (Cicala, Cockchafer, Cricket und Glowworm) spezielle Luftabwehrlafetten mit 54° Rohrerhöhung für ihre 15,2 cm-Geschütze erhielten, um an der britischen Ostküste als schwimmende Flakstellungen gegen Zeppeline zu dienen.
Bei Kriegsende verlegten die Ostküstenboote dann nach Nordrußland auf die Dvina, um die alliierte Intervention dort zu unterstützen, während Aphis und Ladybird (erstere später ersetzt durch Glowworm) als einzige ihrer Klasse tatsächlich die Donau hinauffuhren, um die Übergabe der österreichischen Donaumonitore an Rumänien und Serbien zu überwachen.
Im Gegensatz zu vielen Kriegbauten war für die Flußkanonenboote der 'Insect'-Klasse ihre Karriere mit dem Ende des Krieges noch lange nicht vorbei: In den 20er und 30er Jahren operierten die meisten von Hongkong aus an der chinesischen Südküste und auf dem Yangtze. Erst 1940 erzwang der Kriegseintritt Italiens eine Rückverlegung der Boote ins Mittelmeer, wo sie mit großem Erfolg vor Nordafrika und bei der Invasion Italiens eingesetzt wurden. Drei von ihnen gingen dabei durch Luft- und U-Boot-Angriffe verloren. Lediglich Cicala und Moth verblieben in Hong Kong, wo sie im Dezember 1941 japanischen Luftangriffen zum Opfer fielen. Letztere wurde von den Japanern wieder repariert und als Suma in Dienst gestellt.
Die letzten vier überlebenden Boote (Aphis, Cockchafer, Scarab und Tarantula) wurden schließlich in den Jahren 1946-49 verschrottet oder als Zielschiffe versenkt.
|
|
|

HMS 'Cockchafer' 1943 vor der italienischen Küste
|
|
|
| Technische Daten |
Abmessungen
Verdrängung: 645 ts
Länge über alles: 72,4 m
Breite: 11,0 m
Tiefgang: 1,2 m
Besatzung: 53
Bewaffnung
zwei 15,2 cm L/40 (auf vier Booten in Flaklafetten)
zwei 12pdr
Antrieb
Zwei Dreifach-Expansionsmaschinen auf zwei Wellen, 2 Yarrow-Kessel
Leistung
Gesamtleistung: 2.000 PSi
Höchstgeschwindigkeit: 14 kn
|
|
 |
 |
 |
|
|
 |
|