Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Britische Handgranate No.5 Mark I "Mills Bomb"

:: Britische Handgranate No.5 Mark I "Mills Bomb" ::

Britische Handgranate No.5 Mark I "Mills Bomb"

William Mills wurde im Jahre 1856 als Sohn eines Schiffkonstrukteurs in Sunderland geboren. Bedingt durch die elterliche Prägung schlug er in jungen Jahren eine Laufbahn in der Marine ein. Es folgte eine Ausbildung zum Schiffsingenieur. Zu Mills ausgeprägtem Hang zur Metallurgie gesellte sich in vorteilhafter Weise ein besonderer Erfindungsgeist.
Er gründete Englands erste Aluminiumgießerei und leistete landesweit beachtete Pionierarbeit im Umgang mit Schmelz- und Gussverfahren für metallische Legierungen. Bevor er sich mit der Mills Bomb in aller Welt einen Namen machte, hatte er keinerlei Erfahrungen im Umgang mit Sprengstoffen oder Munition. Auf die Idee, eine Handgranate zu entwickeln kam er eher zufällig.

Die Belgier Albert Dewandre und Leon Roland, seines Zeichens Hauptmann der belgischen Armee, hatten vor dem Krieg Entwürfe für eine Handgranate mit Zeitzünder entwickelt. Das Problem war allerdings, dass die Granate alles andere als produktionsreif war. Zudem war Hauptmann Roland beim Einmarsch der deutschen Truppen in Kriegsgefangenschaft geraten.
Das Konzept einer "sicheren" Granate war für die damalige Zeit revolutionär. Die seinerzeit in Groß Britannien gebräuchlichen Handgranaten hatten entweder eine Zündschnur, welche unter Gefechtsbedingungen in Brand gesetzt werden musste, oder sie enthielten einen Aufschlagzünder, der mittels eines Perkussionszündhütchens beim Aufprall auf einen festen Untergrund die Explosion auslösen sollte. Beide Systeme hatten eines gemeinsam, sie waren für den Benutzer wie für den Betroffenen gleichermaßen gefährlich. Die weit verbreitete Abneigung der Frontsoldaten gegen diese Art von Kampfmitteln kam also nicht von ungefähr.

Anlässlich eines Treffens im Jahre 1914 stellte Albert Dewandre William Mills seine Arbeiten vor. Mills zeigte sich begeistert und war überzeugt, dass der Entwurf mit seiner Hilfe umsetzbar sei und die Granate mit wenig maschinellem Aufwand hergestellt werden konnte. Durch Mills schöpferische Arbeit wurde das ursprüngliche Konzept derart verändert, dass man zu guterletzt von einem eigenständigen Entwurf sprechen kann. William Mills hatte letztendlich den Genius, aus einer hervorragenden Idee ein anwendbares Produkt zu entwickeln.

Mills legte seine Granate im Januar 1915 vor.
Sie bestand aus einem gusseisernen Korpus der zwecks besserer Fragmentierung mittels längs- und querlaufender Rillen segmentiert war. Die äußere Erscheinung ähnelte einer Ananas. So sollte sie bei der Detonation in Splitter optimaler Größe zerfallen. Die Rillen hatten leider nur wenig Einfluss auf das Splitterbild, in der Regel gab es ein paar größere Splitter und dutzende kleinerer. Die Wirkung auf das Ziel war entsprechend unberechenbar. Die Öffnung zur Befüllung mit Sprengstoff befand sich im oberen Bereich und wurde mit einer Messingschraube verschlossen. Der Detonator wurde durch eine weitere untere Öffnung mittig im Granatkörper angebracht und beherbergte ein Perkussionszündhütchen mit Verzögerungsbrandsatz. Die untere Öffnung wurde mittels einer Messingbodenplatte verschlossen, welche mit dem Herstellerkürzel und dem Herstellungsdatum gekennzeichnet war. Das von oben angebrachte Schlagstück wurde mittels einer Feder mit der Wucht von 15 kg auf das Zündhütchen getrieben. Das Schlagstück wurde seinerseits von einem Sperrbügel gehalten, welcher mit einem Ende in einer Ausbuchtung des Granatkörpers eingelegt war. Der Bügel wurde nun wiederum mit einem Abrisssplint gesichert, an welchem sich der Abrissring befand. Die Granate wurde mit der ganzen Hand umfasst, wobei die Regulation besagte, daß der Sperrbügel innerhalb der Handfläche zu liegen hatte. Wurde nun der Splint abgezogen, war die Granate zwar wurfbereit, dennoch immer noch sicher, da Feder und Schlagstück vom Bügel gehalten wurden. Beim Wurf löste sich der Bügel im Flug und die Granate detonierte nach fünf Sekunden Verzögerung.


No.5 Mark I Granate im Detail

Die Granate wurde von offizieller Seite begeistert angenommen und erhielt die Bezeichnug No.5 MK1. Sie wurde im Frühjar 1915 erstmalig an die Truppe ausgegeben. Anfängliche Lieferengpässe führten aber dazu, daß bis Mitte Juli erst 16.000 Stück ausgeliefert wurden. Mittlerweile beliefen sich die Bestellungen jedoch auf stattliche 5.000.000 Stück. Daraufhin nahm sich das "Department of Trench Warfare" der Sache an und verteilte die Produktion auf Lizenznehmer, die entweder Teile oder komplette Granaten fertigten. Außerdem wurden landesweit Stationen zur Befüllung mit Sprengstoff eingerichtet. Im Oktober 1915 konnten daher bereits wöchentlich über 120.000 Stück hergestellt werden, wobei sich über 20 verschiedene Hersteller an der Produktion beteiligten, unter ihnen auch Mills eigener Betrieb in Birmingham.


No.5 MK1, die "Mills Bomb"

Anfänglich gab es bei der Truppe Probleme im Umgang mit der Granate. Wenn der Sperrbügel fälschlicherweise mit den Fingern umfasst wurde, konnte bei gezogenen Splint bereits ein leichtes Lockern der Hand dazu führen, dass das Schlagstück abschlug, obwohl der Sperrbügel noch anlag. Dies führte zu hunderten von Unfällen. Ferner wurden die Granaten in Kisten gestapelt und über gepflasterte Straßen oder unwegsames Gelände zur Front transportiert, was oft dazu führte, dass der Bügel der einen den Splint der anderen Granate herauszog. Dies wurde kurzerhand durch komplettes Umlegen der beiden Splintenden behoben. Allerdings musste vor Gebrauch der Mills Bomb, wie sie bei der Truppe hieß, jeder einzelne Splint im Graben mit bloßen Fingern wieder gerade gebogen werden. Später ging man dazu über, Granaten und Detonatoren getrennt zu transportieren und die Granate erst kurz vor dem Einsatz zu komplettieren. Ferner wurden verhältnismäßig viele Blindgänger bemerkt, was aber nicht zuletzt auf den unsachgemäßen Gebrauch durch die Truppe zurückzuführen war.

Von offizieller Seite wurde folgerichtig erkannt, dass eine spezielle Schulung für den Umgang mit dieser Art von Kampfmitteln von Nöten war. Bei umfangreichen Lehrgängen wurde der richtige Umgang und Gebrauch der Handgrante vermittelt. Der einfache Soldat konnte sich zum "Bomber" qualifizieren. An der Front wurden Gruppen gebildet, in denen mehrere Bomber, gemeinsam mit Gewehr- und Lewis MG Schützen, begleitet von Munitions- und Granatenträgern, als sogenannte "Bombing Parties" die feindlichen Schützengräben aufrollten.
Die Die Mills Granate etablierte sich somit im Gewirr der Schützengräben zum universellen Einsatzmittel, wobei förmlich um jede Ecke des Grabens und in jeden Unterstand Handgranaten geworfen wurden. Unter der großen physischen Belastung dieser Angriffe geriet der exzessive Gebrauch der Handgranate beinahe zum Selbstzweck. Auf deutscher Seite sprach man in diesem Zusammenhang von "Granatfieber".


Britische "Bombing Party"

Die No. 5 MK1 war nicht zum Abschuss als Gewehrgranate vorgesehen. Eine im Bodenbereich verstärkte Version wurde daher als No. 23 eingeführt. Diese wurde mit einer an der Bodenplatte angeschraubbaren, kalibergroßen Eisenstange mittels einer Platzpatrone direkt aus dem Gewehrlauf verschossen. Dies führte jedoch zu unverhältnismäßig hohen Laufverschleiss.


No.23 als Gewehrgranate

Die Lösung war ein auf das Gewehr aufpflanzbarer Granatbecher mit 2,5 inch Durchmesser. Ein entsprechender Treibteller ließ sich in die Bodenplatte der im Jahre 1917 eingeführten Granate No. 36 verschrauben. Auch hier fand eine Platzpatrone als Treibmittel Verwendung. Für Gewehrgranaten wurde ein Zünder mit 7 Sekunden Verzögerung verwendet. Sowohl die No. 23 als auch die No. 36 sehen der No. 5 zum Verwechseln ähnlich. Die Granate No. 36 verblieb bis in die 70er Jahre im Einsatzgebrauch.


Granatbecher mit Tasche


No.36 Granate, segmentiert

Es wird geschätzt, dass während des Ersten Weltkrieges auf britischer Seite rund 70 Millionen Mills Granaten und weitere 35 Millionen Granaten der etwa 50 weiteren Typen eingesetzt wurden.

William Mills erhielt für die Verdienste für sein Vaterland 1922 die Ritterwürde. Er verstarb im Jahre 1932.

Technische Daten
Gewicht: ca. 650 g
Länge: 9,7 cm
Durchmesser: 5,8 cm
Wurfweite: 20 - 30 m, als Gewehrgranate bis 200 m
Zündverzögerung: 5 sek, bzw. 7 sek als Gewehrgranate
Kennzeichnung: Bodenstück, Herstellerkürzel und Baujahr; Grantkörper, farblich umlaufende Markierung kennzeichnet die Füllung grüner Ring für Amatol, rosa Ring für Ammonal oder Bellit

19. September 2004 - 11:43
( Trenchnut )

Deutsche Foren >> Kommentare > Britische Handgranate No.5 Mark 1 "Mills Bomb"
Antwort erstellen
 Autor Thema: Britische Handgranate No.5 Mark 1 "Mills Bomb"
heni2000
07.10.2004 um 14:18 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
Postings: 198

heni2000
Die hat aber gewicht 650 g
__________________



 
Parabellum
07.10.2004 um 14:55 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Es soll ja auch schön BUMM machen...
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
Kaiserjäger Goldi
07.10.2004 um 17:44 QuoteProfileSend PM


Clan: [BEF]
Postings: 6163

Viribus Unitis
kommt die?
__________________


 
Radetzky
07.10.2004 um 19:48 QuoteProfileSend PM

Clan: european.Xtreme.elite
Postings: 570

das ist bestimmt bombenfest im DevPlan enthalten
__________________
Austriae est imperare orbi universo
Motto einer Österreichischen Minensucheinheit im Kosovo:
"Wer suchet der findet, wer drauftritt verschwindet."
 
Parabellum
07.10.2004 um 20:05 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Fällt Euch eine bekanntere britische Handgranate ein?
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
Asperagus
14.10.2004 um 16:09 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 2747

Nein. Ob eure Version auch so ein nettes "Pling!" von sich gibt, wenn der Sicherungsbügel abspringt, wie die im neuen WW1-Mod für Half Life, "The trenches"?

 
Sentenza
14.10.2004 um 17:20 QuoteProfileSend PM

Clan: 0
Postings: 1344

<ot>
ah, ein TT spieler!
richtig geil, das mit dem repetieren auf secondary fire, ne?
</ot>
__________________
See the most beautiful jetfighter aircraft in action.

 
Asperagus
14.10.2004 um 22:10 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 2747

Cpt. Sentenza hat folgendes geschrieben:
<ot>
ah, ein TT spieler!
richtig geil, das mit dem repetieren auf secondary fire, ne?
</ot>


<ot>
Jawoll, ein recht amüsanter Mod für Zwischendurch!
</ot>
 
SquireJames
16.10.2004 um 13:35 QuoteProfileSend PM

Clan: The Birmingham Pals
Postings: 336

Pte.Burden
Interesting fact for you

Only one Regiment in the British Army was allowed to throw "Grenades" : The Grenadier Guards. Every other regiment threw the same piece of equipment (the Mills) but it was called a "Bomb". Hence Mills Bomb.

Also while every man carried two Mills Bombs, only the Bombers in the section were selected to throw them. Throwing Mills Bombs isn't easy (i know, i've done it and failed miserably!) and they were potentially very dangerous. Rifle bombers were another specialist "class" , as until the introduction of the No.23 Grenade, using rifle grenades damaged the rifle, as they used a metal shaft inserted in the barrel to fir the grenade, so some rifles had their stocks painted green to show they were for firing grenades only. After the introduction of the No.23 , you could simply attach the grenade to the baseplate that is fixed on the end of the muzzle, load a bormite (i think) charge in the breech, and fire the grenade without damaging the barrel.

So, thats my knowlege of the Mills Bomb, and personal experience!

Squire James
__________________
Let my Armies be the rocks and the trees, and the birds in the sky - Charlemagne
 
[ Antwort erstellen ]
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net