Die Woche vom 26. Oktober bis 1. November 1914
Montag, 26. Oktober 1914:
Westfront:
- Schlacht an der Yser: Der deutsche Vormarsch kommt ins Stocken. Ein Versuch Pervyse zu erobern wird zurückgeschlagen.
- Heftige Kämpfe um Ypern, La Bassee und Arras, ohne daß es dabei zu entscheidenden Geländegewinnen kommt.
Kolonien:
- Nach Gefechten mit Unionstruppen zieht sich das Freikorps von General Maritz nach Deutsch-Südwestafrika zurück.
- Britische und französische Truppen erobern Duala, die Hauptstadt von Kamerun.
Dienstag, 27. Oktober 1914:
Westfront:
- Schlacht an der Yser: Durch französische Verbände verstärkt, hält die belgische Armee weiterhin die Linie Nieuwpoort - Diksmuide.
- Neuve Chapelle wird von den Deutschen erobert.
- Östlich von Nancy gelingt es den Franzosen, die Deutschen zur Rücknahme ihrer Front zu zwingen.
Ostfront:
- Russische Truppe rücken ohne wirksamen Widerstand bis auf eine Linie Petrokov - Radom vor.
Kolonien:
- General Beyers' Freikorps unterliegt einer Unionsarmee unter Befehl von Präsident Botha bei Commissie Drift.
Krieg zur See:
- Der erst seit einem knappen halben Jahr in Dienst stehende britische Dreadnought HMS Audacious sinkt auf einer deutschen Mine vor der irischen Küste. Der vorbeifahrende Passagierliner RMS Olympic (das Schwesterschiff der Titanic) versucht sie noch in den nächsten Hafen zu schleppen, scheitert aber und kann nur die Besatzung bergen.
Obwohl amerikanische Journalisten an Bord der Olympic in US-Zeitungen über den Untergang schreiben und sogar Photos abdrucken, versucht die britische Admiralität bis 1918 das Unglück zu verschleiern.
- Der französische Dampfer Amiral Ganteaume sinkt im Kanal. Die 2.200 belgischen Flüchtlinge an Bord werden unter fast unglaublichen Umständen von der Kanalfähre The Queen gerettet.
Diplomatie & Politik:
- Portugal beruft seine Reservisten ein.
Zivilleben:
- Das Osmanische Reich sperrt die Dardanellen für Handelsschiffe.
Mittwoch, 28. Oktober 1914:
Westfront:
- Schlacht an der Yser: Die Deutschen erobern Lombartzyde zurück.
- Neuve Chapelle fällt wieder in britische Hände.
Ostfront:
- Die Russen erobern Lodz zurück.
Krieg zur See:
- Der Kreuzer SMS Emden erscheint überraschend vor Penang (Britisch-Malaya) und versenkt dort die beiden Wachschiffe, den russischen Kreuzer Zhemchug und den französischen Zerstörer Mousquet.
Zivilleben:
- Das Urteil über die Attentäter von Sarajevo wird gesprochen: Der minderjährige Todesschütze Gavrilo Princip wird zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Gegen seine insgesamt 14 Helfer werden fünf Todesstrafen, eine lebenslängliche Haftstrafe und acht Haftstrafen zwischen sieben und 20 Jahren ausgesprochen
Donnerstag, 29. Oktober 1914:
Westfront:
- Ende Schlacht an der Yser: Die Deutschen erobern Ramskapelle. Daraufhin öffnen die Belgier die Schleusen des Yserkanals und überfluten auf ca. zwei Kilometer Tiefe das Land zwischen dem Kanal und der Eisenbahn Nieuwpoort - Diksmuide. Daraufhin wird ein Großteil der deutschen 4. Armee nach Ypern abgezogen.
- Heftige Gefechte um Festubert nahe La Bassee.
Naher Osten:
- Mit den Türken verbündete Beduinenstämme plündern Dörfer im ägyptisch-türkischen Grenzgebiet.
Krieg zur See:
- Die türkische Flotte mit dem Schlachtkreuzer Sultan Yavuz Selim (ex dt. Goeben), den Kreuzern Midilli (ex dt. Breslau), Hamidiye und Medjidieh und einigen Zerstörern beschießt die russischen Schwarzmeerhäfen Sewastopol, Odessa, Feodosia und Noworossisk, obwohl zwischen den beiden Staaten kein Kriegszustand herrscht.
Offiziell wird der Vorfall mit einer Agression seitens der russischen Schwarzmeerflotte begründet.
Freitag, 30. Oktober 1914:
Westfront:
- Schlacht um Ypern: Durch die beginnende Verlegung der deutschen 4. Armee erhöht sich der Druck auf die belgischen und britischen Verteidiger der Stadt.
- Entlang der Aisne gewinnen die Deutschen langsam an Boden und drängen die französischen Verteidiger zurück.
Ostfront:
- Die Deutschen werden bei Bakalaryewo geschlagen und müssen sich weiter vor den Russen zurückziehen.
Kolonien:
- Die südafrikanischen Freikorps sammeln sich in Schuit Drift, um ihr weiteres Vorgehen gegen die Unionstruppen abzusprechen.
Krieg zur See:
- Durch das Logbuch eines aufgebrachten deutschen Blockadebrechers erfahren die Briten das Versteck der SMS Königsberg: Um seinen zahlreichen Jägern zu entgehen, hatte der Kreuzer sich einige Kilometer flußaufwärts auf dem Rufiji (Deutsch-Ostafrika) verborgen.
Diplomatie & Politik:
- Als Protest auf die Flottenaktion vom Vortag verlangen die Botschafter der Entente-Staaten in der Türkei ihre Pässe .
Zivilleben:
- Der deutsche Dichter Ernst Stadler (*11.8.1883) fällte bei den Kämpfen um Zandvoorde (Belgien). Thomas Mann schreibt in Erinnerung an ihn: "Es gibt nur einen wirklich ehrenhaften Platz heute, und es ist der vor dem Feind."
Samstag, 31. Oktober 1914:
Westfront:
- Belgische und französische Truppen erobern Ramskapelle zurück.
- Schlacht um Ypern: Deutsche Truppen durchbrechen die britischen Verteidigungsstellungen und erobern Gheluvelt. Erst der selbstmörderische Einsatz des Worcester Regiment, dessen Gewehrfeuer so heftig ist, daß die Deutschen es für Maschinengewehrfeuer halten, kann den Fall der Stadt verhindern.
Ostfront:
- Die Russen erobern Czernowitz zurück.
Balkanfront:
- Italienische Truppen besetzen die albanische Insel Saseno. Ein Protest der albanischen Regierung wird sowohl von Italien als auch von der Entente ignoriert.
Kolonien:
- Zum Geburtstag von Kaiser Yoshihito unternehmen die Japaner einen vergeblichen Generalsturm auf Tsingtao.
Krieg zur See:
- Der zum Seeflugzeugtender umgebaute Kreuzer HMS Hermes sinkt nahe Dover auf einer deutschen Mine.
Sonntag, 1. November 1914:
Westfront:
- Schlacht um Ypern: Blutige Gefechte um Messines, Hollebeke und Wytschaete, die schließlich alle mit deutschen Siegen enden.
Ostfront:
- Auf Befehl Feldmarschall Hindenburgs ziehen sich deutschen Truppen in Polen weiter zurück.
Kolonien:
- Das Fort Bismarck, die stärkste der fünf Befestigungen von Tsingtao, wird durch das konzentrierte Feuer von sechs japanischen 28 cm-Haubitzen und den Geschützen des britischen Linienschiffs HMS Triumph zusammengeschossen. Damit ist der Fall der Stadt nur noch eine Frage der Zeit.
Krieg zur See:
- Schlacht vor Coronel (Chile): Das britische Südamerikageschwader (zwei Panzerkreuzer, ein Kleiner Kreuzer, ein Hilfskreuzer unter Rear Admiral Sir Cradock) versucht das deutsche Ostasiengeschwader unter Vizeadmiral Graf von Spee (zwei Panzerkreuzer, drei Kleine Kreuzer, ein Hilfskreuzer) am Vordringen in den Atlantik zu hindern.
In der ungleichen Schlacht erleidet die Royal Navy ihre erste Niederlage seit 110 Jahren und verliert zwei Panzerkreuzer. RAdm. Cradock geht mit seinem Flaggschiff Good Hope unter.
Diplomatie & Politik:
- Der britische Botschafter verläßt Konstantinopel.
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