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FL18 - Frontline18 .:. 9. November 1918 - Der Kaiser dankt ab

:: 9. November 1918 - Der Kaiser dankt ab ::

9. November 1918 - Der Kaiser dankt ab

Zusammenbruch der Front und Beginn revolutionärer Unruhen

Nachdem sich an allen Fronten die Niederlage für die Mittelmächte abzeichnete, wurden die revolutionären Unruhen im Reich immer stärker. Schon seit Monaten versuchten linksextreme Gruppierungen, einen Aufstand gegen die kaiserliche Regierung zu inszenieren, mit einiger Aussicht auf Erfolg: die Verhältnisse in Deutschland wurden durch unzureichende Nahrungsmittelversorgung und die drückende Kriegsmüdigkeit immer unerträglicher. Anfang November vereinbarten die USPD (die Keimzelle der KPD), der linksgerichtete Spartakusbund und revolutionäre Kräfte der Berliner Arbeiterschaft einen Schlag gegen die Monarchie. Er sollte ursprünglich am 4. November durchgeführt werden, wurde aber dann auf den 11. verschoben. Dies ließ den Sozialdemokraten, die sich anschickten, die Macht im Reichstag zu übernehmen, genug Zeit, einen eigenen Coup vorzubereiten. Am 7. November drohten die mitregierenden Sozialdemokraten mit ihrem Austritt aus dem Kabinett, sollte der Reichskanzler Max von Baden nicht innerhalb von 24 Stunden den Kaiser und den Kronprinzen zur Abdankung veranlassen.


Meuternde Matrosen in Kiel

Der 9. November und die Folgen

Am 9. November 1918 verstärkten sich die Demonstrationen und Versammlungen bewaffneter Arbeiter in Berlin, bereits elf Tage zuvor war in Kiel der Aufstand der Matrosen der Hochseeflotte ausgebrochen und fachte die revolutionären Umtriebe in Deutschland an. Wie eine Welle verbreiteten sich die Unruhen von den meuternden Marinestützpunkten tiefer ins Reich hinein und zogen auch bald die Soldaten an der Front in Mitleidenschaft. Überall entstanden wie ein Jahr zuvor in Rußland revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse, befördert durch das Ultimatum der Sozialdemokraten, gab die Reichsregierung den Thronverzicht Wilhelms II. und des Kronprinzen bekannt. Zwar hatte der Kaiser noch nicht abgedankt, nach der Bekanntgabe der Regierung tat er es aber doch und verließ Deutschland fast unbemerkt. Von einem Fenster des Reichstagsgebäudes aus verkündete der Abgeordnete Phillip Scheidemann um 14.00 Uhr die deutsche Republik. Wenig später, um 16.00 Uhr, proklamierte Karl Liebknecht vom Portal IV des Berliner Stadtschlosses, das noch heute im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR zu sehen ist, die "Freie Sozialistische Republik" (Diese Proklamation wurde später von der DDR-Geschichtsschreibung als Beginn des "sozialistischen Deutschland" ausgeschlachtet). Der Machtkampf zwischen den bürgerlichen Kräften, geführt von den Sozialdemokraten unter Ebert und den linksextremen Sozialisten unter Liebknecht, hatte begonnen.


Ausrufung der Republik vor dem Reichstagsgebäude am 9. November gegen 14.00 Uhr

Die Rede Scheidemanns im Wortlaut

"Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die vier Kriegsjahre, grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Blut hat bringen müssen, der unglückselige Krieg ist zu Ende. Das Morden ist vorbei. Die Folgen des Kriegs, Not und Elend, werden noch viele Jahre lang auf uns lasten. Die Niederlage, die wir unter allen Umständen verhüten wollten, ist uns nicht erspart geblieben. Unsere Verständigungsvorschläge wurden sabotiert, wir selbst wurden verhöhnt und verleugnet. Die Feinde des werktätigen Volkes, die wirklichen inneren Feinde, die Deutschlands Zusammenbruch verschuldet haben, sind still und unsichtbar geworden. Das waren die Daheimkrieger, die ihre die Eroberungsforderungen bis zum gestrigen Tage ebenso aufrechterhielten, wie sie den verbissensten Kampf gegen jede Reform der Verfassung und besonders des schändlichen preußischen Wahlsystems, geführt haben. Diese Volksfeinde sind hoffentlich für immer erledigt. Der Kaiser hat abgedankt. Er und seine Freunde sind verschwunden, über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt. Prinz Max von Baden hat sein Reichskanzleramt dem Abgeordneten Ebert übergeben. Unser Freund wird eine Arbeiterregierung bilden, der alle sozialistischen Parteien angehören werden. Die neue Regierung darf nicht gestört werden, in ihrer Arbeit für den Frieden und der Sorge um Arbeit und Brot. Arbeiter und Soldaten, seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt: Unerhörtes ist geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk. Alles durch das Volk. Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht. Seid einig, treu und pflichtbewußt. Das alte und morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik!"


Karl Liebknecht verkündet die Freie sozialistische Republik
am 9. November gegen 16.00 Uhr vom Berliner Stadtschloß aus

Revolutionäre Kämpfe und Sieg des bürgerlichen Lagers

Die Bürgerlichen strebten eine Republik nach demokratischen Gesichtspunkten an, die Sozialisten dagegen eine Sowjet- oder "Räte"-Republik nach russischem Vorbild. Im Verlauf der nächsten Wochen kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen im ganzen Reich zwischen revolutionären Kräften auf der einen und Regierungstruppen und Freikorps auf der anderen Seite. Schließlich setzten sich die Bürgerlichen durch und schlugen den Aufstand nieder. Im Verlauf der revolutionären Unruhen dankten auch alle anderen gekrönten Häupter in Deutschland, die Bundesfürsten, einer nach dem anderen ab und machten Platz für eine neue demokratische Verfassung.


Spartakisten hinter Barrikaden im Zeitungsviertel in Berlin, 1919

Nationalversammlung und der Weg der ersten deutschen Demokratie

Im Februar 1919 wurde in Weimar, fern vom unruhigen Berlin, die Nationalversammlung einberufen, welche sich an die Ausarbeitung einer neuen demokratischen Verfassung für das Reich machte und sie im Juli 1919 in Kraft setzte. Sie galt als die freiheitlichste Verfassung überhaupt - aber gerade das war auch einer ihrer Schwächen. Die Demokratie hatte in Deutschland keine große Anhängerschaft, zu sehr war man an den alten Obrigkeitsstaat gewöhnt oder sehnte eine kommunistische Ordnung herbei. Die Feinde der Demokratie von rechts und links arbeiteten ständig daran, die neue Republik zu Fall zu bringen, und durch die freiheitliche Verfassung konnte die Regierung nichts dagegen unternehmen, da grundsätzlich die Vertretung jeder politischen Ansicht gestattet war. Als die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Deutschland mit voller Wucht traf, überwogen die antidemokratischen Kräfte im Parlament bald die republiktreuen, was in der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gipfelte, welche die Republik in eine totalitäre Diktatur verwandelten. So endete die erste deutsche Republik, die gerade vierzehn Jahre zuvor in Weimar so hoffnungsvoll begonnen hatte.


Der Anfang vom Ende der Republik: Fackelzug der
triumphierenden Nationalsozialisten am 30. Januar 1933

09. November 2004 - 12:01
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > 9. November 1918 - Der Kaiser dankt ab
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 Autor Thema: 9. November 1918 - Der Kaiser dankt ab
yonn
09.11.2004 um 23:33 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 11

sehr schöner artikel, alle achtung! nur ein sache hätte ich zu bemängeln. die mittelmächte unterlagen nicht an allen fronten, russland hatte ja mit dem frieden von brest-litowsk praktisch kapituliert... das wär aber auch schon alles!
 
Jagdpanther
10.11.2004 um 00:26 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 3348

He's watching YOU...
Will sagen "an allen verbliebenen Fronten"... so besser?

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf meinen Artikel vom Vorjahr verweisen: \"Der 11. November 1918 - 85 Jahre Waffenstillstand und das Ende des Krieges\"

[Editiert von Jagdpanther am 10.Nov.2004 um 00:30]
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Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
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