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| FL18 - Frontline18 .:. Britischer Grabenmörser 3in Stokes Trench Mortar Mark I |
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Britischer Grabenmörser 3in Stokes Trench Mortar Mark I
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Mörser sind eine uralte Waffe und erschienen erstmals um 1420 bei Belagerungen: Während die spätmittelalterlichen Bombarden steinerne oder eiserne Vollkugeln gegen Festungsmauern schossen, um diese zum Einsturz zu bringen, warfen die Mörser Brand- und Sprenggeschosse im hohen Bogen über die Befestigungswälle, um die Verteidiger im Inneren zu schädigen.
Mit der Entwicklung immer leistungsfähigerer Festungen kamen Mörser im Verlaufe des 19. Jahrhunderts dann zunehmend außer Gebrauch. Eine gutverteidigte Festung durch Beschuß zu erobern war mittlerweile nahezu unmöglich geworden, so daß nach dem Krimkrieg (1854-56) und dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65) praktisch alle Staaten ihre verbliebenen Mörser verschrotteten.
Die italienischen und deutschen Befreiungskriege sowie der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 schienen diese Ansicht zu bestätigen, während man die Lehren aus der Belagerung von Port Arthur 1904/05 weitestgehend ignorierte. So kam es, daß 1914, als der Erste Weltkrieg bereits nach wenigen Monaten im Grabenkrieg erstarrte, kaum eine Seite noch Mörser besaß, um die immer stärker werdenden Feldbefestigungen des Gegners zu knacken. Lediglich die deutsche Armee hatte die Lehren von Port Arthur verstanden und in Form der berühmten 'Minenwerfer' umgesetzt.
Entsprechend hektisch waren die Versuche der Entente-Mächte Ende 1914 eine brauchbare und transportable Steilfeuerwaffe an die Front zu bringen. So holten die Franzosen beispielsweise uralte Mörser aus dem Krimkrieg aus den Arsenalen und die Briten entwickelten improvisierte Granatwerfer auf der Basis einseitig zugeschweißter Wasserrohre. Letztere erwiesen sich jedoch als eine größere Bedohung für die Soldaten als für den Gegner: Von den ersten elf ausgelieferten Exemplaren explodierten acht beim ersten Schuß!
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Zwei Reenactor mit einem Nachbau des Stokes Mark I mit einfachem Zweibein
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Die Rettung aus dieser Notlage kam interessanterweise weder aus den Werkstätten der Armeen noch von einem der etablierten Waffenhersteller, sondern von einem britischen Industriellen namens Wilfried Scott-Stokes. Dieser leitete die kleine Firma Ransome & Rapier in Ipswich, die Eisenbahnzubehör herstellte.
Obwohl er sich bis dahin nicht mit Militärtechnik beschäftigt hatte, schloß er aus den Nachrichten die täglich von der Front in Frankreich kamen auf den Bedarf eines "tragbaren Geschützes" für die Infanterie zur Bekämpfung von MG-Nestern. Bereits im Dezember 1914 präsentierte er dem verblüfften Munitionsministerium einen voll funktionstüchtigen Prototypen seiner Waffe.
Diese Waffe, die später nach ihrem Erfinder als Stokes-Mörser bezeichnet wurde, war im Grunde nichts mehr als ein glattes Rohr von 7,6cm Durchmesser und 130cm Länge mit einer Metallkappe am unteren Ende. In dieser saß ein starrer Schlagbolzen. Das geschlossene Ende saß auf einer flachen Bodenplatte, während der Rest des Rohres von einem einfachen Zweibein abgestützt wurde. Zum einfacheren Transport ließ sich der Mörser in drei Komponenten zerlegen: Lauf mit Verschlußstück (19,5kg), Bodenplatte (12,2kg) und Zweibein (16,8kg).
So einfach, wie der Mörser gebaut war, so einfach funktionierte auch das Laden und Abfeuern: Die eigentlichen Treibladungen lagen in mehreren Ringen um das hintere Ende der Granate. Ließ man sie nun in den Lauf rutschen, so schlug eine kleine Zündladung im Granatenboden auf den starren Schlagbolzen, zündete und löste damit wiederum die Treibringe aus.
Die vom Stokes-Mörser verfeuerten Geschosse waren einfache Sprenggranaten mit Aufschlagzünder von etwa 5 kg Gewicht. Zwei Versionen wurden ausgeliefert: Die Mark I mit 1 kg Trojan oder TNT als Sprengladung und einem Aufschlagzünder Mark IV und die sandgefüllte Mark III mit einer kleinen Schwarzpulverladung als Übungsgranate. Erstere war grau mit einem gelben oder roten Band (je nach Sprengstoff), letztere dunkelblau mit der weißen Aufschrift "Practice". Auch Rauchgranaten und Brandgeschosse mit weißem Phosphor wurden in begrenztem Umfang getestet, ebenso Gasgranaten, aber nicht regelmäßig eingesetzt.
Die Reichweite wurde bei beiden Granaten durch die Anzahl der Treibringe (1-4) und die Neigung des Laufes eingestellt, wobei das effektive Maximum bei etwa 730m lag. Die Minimalreichweite waren etwa 90m.
Eine besonders geschätzte Eigenschaft des Stokes war seine hohe Feuergeschwindigkeit. Die normale Kadenz lag bei etwa 6-10 Schuß pro Minute, aber mit einer eingespielten Bedienungsmannschaft ließen sich kurzzeitig sogar bis zu 30 S/min erreichen. Allerdings wurde empfohlen nach jeweils etwa 5 Schuß den Lauf auszuwischen, damit er sich nicht mit Rückständen der Treibladung zusetzte und womöglich einen Rohrkrepierer verursachte.
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Eine Rißzeichnung des Stokes mit verstellbarem Zweibein
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Grundsätzlich war die britische Armee von der neuen Waffe vollauf begeistert, aber da man ein baldiges Ende des Krieges erwartete, wurde eine Serienproduktion vorerst abgelehnt. Somit dauerte es bis Frühling 1915, bis schließlich wenigstens die Fertigung in Kleinserie und mit niedriger Priorität als 3in Stokes Trench Mortar Mark I genehmigt wurde und erst im Herbst 1916 kamen größere Mengen an die Front.
Der erste dokumentierte Kampfeinsatz des Stokes-Mörsers fand im September 1916 bei Loos statt und von da ab war er ein ständiger Begleiter der "Tommies" an der Westfront. Die Frontsoldaten liebten diese Waffe für ihre Zuverlässigkeit und Wirksamkeit, während das Oberkommando weiterhin schwereren Waffen mit höherer Reichweite Priorität einräumte. Die Folge war ein permanenter Mangel an dieser Waffe, der noch dadurch verschärft wurde, daß ein Teil der Produktion an die französische Armee (als Mortier de 76mm Stokes Mle 1915) und später auch an die American Expeditionary Force geliefert wurde.
Dennoch standen bei Kriegsende jeder britischen Division 24 Stokes-Mörser und 12 schwerere Mörser (6in Newton und 9.45in 'Flying Pig') zur Verfügung.
Nach dem Krieg wurde die Produktion des Stokes-Mörsers nahezu unverändert fortgesetzt. Die einzigen Verbesserungen waren Stabilisierungsflossen für die Granaten und ein höhenverstellbares Zweibein. Da die Produktion seines Nachfolgers, des Ordnance ML 3in mortar von 1936, nur langsam anlief, zogen die meisten britischen Einheiten noch mit diesem Mörser in den Zweiten Weltkrieg und einige Commonwealth-Einheiten behielten ihn sogar noch bis Ende der 40er Jahre. Noch heute sind praktisch alle im Dienst stehenden Mörser Weiterentwicklungen des klassischen Stokes-Mörsers - durchaus ein Beweis für die schlichte Genialität dieser Erfindung.
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Portugiesische Soldaten mit einem Stokes Mark I um 1918
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| Technische Daten |
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Kaliber: 7,6 cm
Rohrlänge: 1,30 m
Seitenrichtbereich: 11°
Höhenrichtbereich: +45° bis +80°
Waffengewicht: 48,5 kg mit Zweibein und Bodenplatte
Geschoßgewicht: 5,3 kg
Effektive Reichweite: 730m
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| Autor |
Thema: Britischer Grabenmörser 3in Stokes Trench Mortar Mark I |
 | NOCKZ |
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Clan: Anti - Clan
Postings: 626
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| Zitat: |
Letztere erwiesen sich jedoch als eine größere Bedohung für die Soldaten als für den Gegner: Von den ersten elf ausgelieferten Exemplaren explodierten acht beim ersten Schuß!
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Klingt böse, sehr böse...
Netter Artikel!
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Früher oder später sterben wir alle - ihr früher, ich später ;-)
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 | Kaiserjäger Goldi |
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Clan: [BEF]
Postings: 6162
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toll
gut recherchiert
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 | Wilmo |
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Clan: Sturmfront-Kaarst
Postings: 2569
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Wird also für die Briten der Mörser einfach übernommen? Oder gibts am bestehenden Mörser Detailänderungen?
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Wir wissen, wo ein Krieg beginnt, aber wir wissen nicht, wo er endet - Otto von Bismarck

played for myChanges - BF2 EPS VII
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 | Asperagus |
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Clan: Kein Clan
Postings: 2747
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| Wilmo hat folgendes geschrieben: | | Wird also für die Briten der Mörser einfach übernommen? Oder gibts am bestehenden Mörser Detailänderungen? |
Wieso solls da Änderungen geben? Optisch unterscheiden sich die Stokes-Version der Briten und die der Franzosen wohl nicht, wenn man vom größeren Rohrdurchmesser beim französischen Modell absieht.
Daß das Dev-Team wegen einem 0,5 cm geringeren Rohrdurchmesser extra ein neues Modell anfertigt bzw. das alte verändert, glaub ich kaum.
Wirkungsmäßig wirds wohl auch keinen Unterschied geben - der war in der Realität wohl auch nicht sonderlich bemerkenswert.
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 | Admiral Graf Spee |
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Clan: t.A.T.u.
Postings: 3314
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Das Farbfoto da oben , ist das soetwas wo die den WK I nachspielen ???
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Ich ......dein Kamerad
Wir bleiben Kameraden 

"Man muss das Wahre immer wiederholen,weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von Einzelnen, sondern von der Masse.In Zeitungen und Enzyklopedien,auf Schulen und Universitäten,überall ist der Irrtum obendrauf,und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität,die auf seiner Seite ist ."
Goethe am 16.Dezember 1828 zu Eckermann
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 | Tommson |
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Clan: GebJgBtl. 231
Postings: 355
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hatten die deutschen eigentlich nichts vergleichbares in der hinsicht?
die müssen doch auch erkannst haben dass die dinger gut sind oder? und erbeutet werden sie doch auch welche haben?!
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 | Parabellum |
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Clan: Team Frontline18
Postings: 5411
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Doch, die hatten eine ganze Menge sogenannter "Minenwerfer". Der entsprechnde Artikel ist bereits in Arbeit...
@Wilmo & Asperagus:
Die Franzosen haben unter anderem den ganz normalen englischen Stokes verwendet. Insofern könnten wir den Stokes durchaus 1:1 übernehmen. Andererseits wäre es durchaus reizvoll, den Franzosen tatsächlich mal ein heimisches Produkt zu spendieren...
[Editiert von Parabellum am 27.Nov.2004 um 16:58]
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Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
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