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FL18 - Frontline18 .:. Britische Feldkanonen Ordnance QF 18pdr und Ordnance QF 13pdr

:: Britische Feldkanonen Ordnance QF 18pdr und Ordnance QF 13pdr ::

Britische Feldkanonen Ordnance QF 18pdr und Ordnance QF 13pdr

Bei Beginn des zweiten Burenkrieges 1899 war das standardmäßige britische Feldgeschütz der Ordnance BL 12pdr, eine robuste Waffe die jedoch keine Rücklaufbremsen aufwies und einen umständlichen vollen Schraubverschluß besaß. Ihre Reichweite war auch eher enttäuschend. Dennoch war das Geschütz bis zu diesem Zeitpunkt gegen schlechtausgerüstete und undisziplinierten Gegner in den Kolonialkriegen vollauf ausreichend gewesen. Die Buren jedoch hatten aus dem ersten Burenkrieg 1880/81 gelernt und in der Zwischenzeit moderne Schnellfeuergeschütze bei Creuzot in Frankreich und Krupp in Deutschland gekauft. Diese neuen Waffen waren ihren britischen Gegenstücken im Bezug auf Feuergeschwindigkeit und Reichweite so deutlich überlegen, daß der Director-General of Ordnance (Chef des Artillerie-Beschaffungsamtes), General Sir Henry Brackenbury, heimlich 108 moderne 15pdr Schnellfeuergeschütze bei Erhardt in Deutschland ankaufte. Damit war das Problem zeitweilig gelöst, aber auf die Dauer mußte natürlich dringend ein heimischer Ersatz beschafft werden.


BL 12pdr

Zu diesem Zwecke wurde am Ende des Burenkrieges eine Komission gegründet, die die Anforderungen an ein neues Feldgeschütz für berittene und Fußartillerie festlegen sollte. Als besonders wichtig wurden hierbei eine hohe Feuergeschwindigkeit und Robustheit für den Einsatz unter härtesten Bedingungen erachtet. Der Ersatz der alten BL 12pdr sollte binnen drei Jahren abgeschlossen sein.
Die Firmen Vickers und Armstrong sowie die staatlichen Royal Ordnance Factories legten schließlich jeweils zwei Entwürfe vor: Einen leichten von 12,5-13,5lb (5,7-6,1kg) Geschoßgewicht und einen schwereren mit 18-18.5lb (8,2-8,4kg) Geschoßgewicht. Im Vergleich erwiesen sie sich als praktisch ebenbürtig, so daß schließlich die Entscheidung getroffen wurde, die besten Eigenschaften der eingereichten Entwürfe zu einem zu vereinigen: Von Armstrong das Rohr, von Vickers die Wiege mitsamt Rücklaufbremse und vom Royal Arsenal in Woolwich die Lafette.
Somit blieb nur noch die Frage, ob man lieber einen 12,5pdr oder einen 18,5pdr haben wollte und das erwies sich als die eigentliche Hürde, denn jeder - ob Militär, Politiker oder Journalist - meinte mitreden bei der Frage zu müssen. Schließlich würde die Entscheidung von Premierminister Arthur Balfour in einem Kompromiß getroffen: Die ursprüngliche Forderung hatte auf eine Geschütz für berittene und Fußartillerie gelautet. Also sollte die Royal Horse Artillery den beweglicheren 12,5pdr erhalten und die Royal Artillery den weiterreichenden 18,5pdr.


13pdr im Imperial War Museum, London

Im Sommer 1904 begann schließlich die Auslieferungen der ersten Geschütze, die aus Vereinfachungsgründen nun als 18pdr und 13pdr bezeichnet wurden, an die britische Armee. Beide verwendeten die gleiche einfache Stangenlafette, die zwar viel Gewicht einsparte aber auch die Rohrerhöhung auf maximal 16° beschränkte. Die Seitenrichtung von 8° geschah durch Verschieben des vorderen Lafettenendes auf der Achse. Auf dem Marsch hing die Lafette an einer Protze mit 24 Schuß, die von sechs oder acht Pferden gezogen wurde.
Ursprünglich hatten beide Geschütze Drahtrohre, aber 1906 wurde die Produktion auf Mantelrohre mit austauschbarer Seele umgestellt, was sich später als großer Vorteil angesichts des unerwartet hohen Rohrverschleißes im Kriege erwies. Das Kaliber betrug 83,8mm beim 18pdr und 76,2mm beim 13pdr. Beide Varianten besaßen einen unterbrochenen Schraubverschluß mit Perkussionszündung. Der über dem Rohr montierte Rückholmechanismus bestand aus einer hydraulischen Bremse und einem federbelasteten Vorholer.


18pdr im Imperial War Museum, London

Die Proktionszahlen von 18pdr und 13pdr bis 1914 waren recht beeindruckend: Für die britische Armee wurden insgesamt 846 18pdr und 245 13pdr hergestellt. Außerdem hatten auch die Dominions Australien, Neuseeland, Südafrika und Kanada die Waffe als ihr Standardgeschütz übernommen und zusammen etwa 280 18pdr in Großbritannien fertigen lassen. Dazu kamen nochmal 99 18pdr und 21 13pdr die in Indien für den Bedarf der indischen Armee gebaut wurden.

Zusammen mit der 4.5in Haubitze bildeten diese beiden Geschütze die Artillerieausstattung der British Expeditionary Force, als sie nach Frankreich übersetzte. Anfangs bewährten sich beide durchaus gut, doch als der Krieg Ende 1914 in den Gräben steckenblieb machten sich bald die mangelnde Reichweite des 13pdr bemerkbar. Daher wurde schon bald die Einstellung der Produktion beschlossen und die vorhandenen Geschütze wurden zur Heimatverteidigung nach England zurückverschifft.
Mit der Eröffnung eines weiteren Kriegsschauplatzes im Nahen Osten gegen das Osmanische Reich, wo verhältnismäßig schwache Verbände eine sehr bewegliche Kriegsführung praktizierten, kamen dann schließlich doch noch einige 13pdr unter den ursprünglich geplanten Bedingungen zum Einsatz und bewährten sich zufriedenstellend.


Kanadischer 18pdr auf dem Schießplatz

Der 18pdr hatte sich mittlerweile an der Westfront einen hervorragenden Ruf erworben und war zum Rückgrat der britischen Artillerie geworden. Dennoch gab es kritische Stimmen, die die Beschränkung der Reichweite durch die Bauart der Lafette bemängelten. Als wesentlich problematischer erwies sich jedoch die extrem hohe Belastung der Rücklaufmechanismen unter Kriegsbedingungen, die mit beunruhigender Regelmäßigkeite zu Brüchen der Vorholfedern führte. Daher wurde im Herbst 1916 ein neues hydropneumatischer Rücklaufsystem eingeführt. Die neugebauten Geschütze mit die pneumatischem Vorholer und verlängerter Wiege wurden fortan als 18pdr Mark II bezeichnet, während das ursprüngliche Modell die Bezeichnung Mark I erhielt. Wurden alte 18pdr mit dem neuen Rücklaufsystem nachgerüstet, so hießen sie 18pdr Mark I*.
Das Problem der eingeschränkten Reichweite sollte schließlich 1917 durch die Einführung einer neuen Kastenlafette für 30° Rohrerhöhung gelöst werden (18pdr Mark III), doch weitere Forderungen nach einem modernen Asbury-Verschluß wie in der 6in 26cwt-Haubitze und einer automatischen Kompensation des Rohrrücklaufs bei großen Richtwinkeln verzögerten den Baubeginn immer weiter. Die ersten Exemplare der endgültigen Version kamen schließlich einige Wochen vor dem Waffenstillstand als 18pdr Mark IV an die Front und der Typ blieb bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges hinein das Rückgrat der Royal Artillery.
Insgesamt fertigten britische Firmen während des Krieges 8.393 18pdr aller Versionen. Dazu kamen noch 851 bei der amerikanischen Bethlehem Steel Company gefertigte Geschütze für Großbritannien. Diese Firma erhielt von der US-Regierung 1917 auch einen Auftrag über 2.686 18pdr, die jedoch auf das amerikanische Standardkaliber von 75mm umgebaut werden sollten. Bis Kriegsende waren 724 davon als 75mm M1917 fertiggestellt, jedoch erreichte keiner davon je die AEF in Frankreich. Stattdessen wurden sie eingelagert und 1940 schließlich zur Verstärkung der Küstenartillerie nach England geschickt.


13pdr 9cwt Flugabwehrkanonen auf Thornycroft Typ J Lastwagen

Im Sommer 1916 bekam die 13pdr/18pdr-Familie noch einmal überraschenden Zuwachs: Bereits Ende 1914, als die Mängel des 13pdr als Feldgeschütz offenbar wurden, hatte man viele der von der Front zurückgezogenen Geschütze mitsamt Wiege auf neue Lafetten mit 80° Rohrerhöhung gesetzt und so zu Flugabwehrkanonen umgebaut. Ihr geringes Gewicht und die großen Vorräte an passender Schrapnell-Munition ließen diese Maßnahme als durchaus sinnvoll erscheinen. Tatsächlich erwiesen sie sich als Interimslösung brauchbar. Gegen modernere und schnellere Flugzeugtypen brauchte man auf die Dauer aber eine Waffe mit höherer Mündungsgeschwindigkeit. Der naheliegende Versuch, den 18pdr dafür in gleicher Weise umzubauen, scheiterten jedoch an dessen schlechteren ballistischen Eigenschaften.
Im August 1915 machte der Director of Artillery schließlich den Vorschlag, das Rohr des 18pdr auszubohren und mit einer neuen Seele im Kaliber 76,2mm (also dem des 13pdr) zu versehen. Die Kammer blieb in gleicher Größe, um weiterhin die stärkeren Treibladungen des 18pdr aufzunehmen. Im Oktober wurde beschlossen, 50 Rohre testweise umzubauen und auf die Lafette der 13pdr Luftabwehrkanone zu setzen. Um Verwechslungen mit dem adaptierten 13pdr zu vermeiden, erhielt die neue Waffe den Namen 13pdr 9cwt.
Im Einsatz zeigten sich zwar einige Schwächen - die Säulenlafette mußte verstärkt werden und der Rohrrücklauf wurde um fast 90cm erhöht, um die Rückstoßkräfte zu verringern - aber ansonsten wurde das Geschütz von der Truppe mit Begeisterung aufgenommen. Viele der 13pdr 9cwt wurden auch auf Thornycroft oder Peerless Lastwagen montiert, um ihre Beweglichkeit zu erhöhen.
Da sich das zweckentworfene 13pdr 20cwt Geschütz bis 1918 verzögerte und selbst dann die Produktion nur langsam anlief, blieb der 13pdr 9cwt bis 1921 bei der Royal Army als mittelschweres Luftabwehrgeschütz im Einsatz. Die Royal Canadian Army musterte ihre letzten Exemplare sogar erst 1930 aus.

Technische Daten
QF 13pdr
QF 18pdr Mk.I
13pdr 9cwt AA
Kaliber: 7,62 cm 8,38 cm 7,62 cm
Rohrlänge: 1,86 m 2,46 m 2,46 m
Gewicht: 1.014 kg 1.280 kg ? kg
Geschoßgewicht: 5,67 kg 8,40 kg 5,90 kg
Mündungsgeschwindigkeit: 510 m/s 490 m/s 655 m/s
Reichweite: 5.400 m 5.960 m 5.790 m
(Steighöhe)
Rohrerhöhung: -5° bis 16° -5° bis 16° 0° bis 80°
Seitenrichtung: 360°

28. Januar 2005 - 12:23
( Parabellum )

Deutsche Foren >> Kommentare > Britische Feldkanonen Ordnance QF 18pdr und Ordnance QF 13pdr
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 Autor Thema: Britische Feldkanonen Ordnance QF 18pdr und Ordnance QF 13pdr
Curd_Duca
05.02.2005 um 06:29 QuoteProfileSend PM

Clan: none
Postings: 33

Klasse, immer wieder klasse... !
 
Die Granate
05.02.2005 um 10:16 QuoteProfileSend PM

Clan: BAC
Postings: 1175

Yo,diese vielen Flugabwehrgeschütze könnten noch in den Mod kommen*träum*
 
heni2000
05.02.2005 um 17:44 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
Postings: 198

heni2000
hmm als ich im Imperial War Museum war habe ich dieses geschütz nicht beachtet oder es war nicht da hmm hier der Eingang zum Museum. lol findet 18pdr !


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Parabellum
05.02.2005 um 18:23 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Gefunden!

Wer übrigens mal ein paar 13pdr in Action sehen will, der sollte am 2.Samstag im Juni in London sein. Dann wird nämlich der Geburtstag und die Krönung von Königin Elizabeth II. mit dem "Trooping the Colours" gefeiert und dazu gehört ein 41-Schuß-Salut aus einer Batterie 13pdr der Royal Horse Artillery!

[Editiert von Parabellum am 05.Feb.2005 um 18:35]
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Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
heni2000
05.02.2005 um 22:58 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
Postings: 198

heni2000
Jetzt wo du es sagst kommt mir die 13pdr bekannt vor
die haben mal etwas über diese kanonen gesagt (bei Hochzeit? oder Geburtstag? na egal) war bei einer Royality Sendung.
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