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FL18 - Frontline18 .:. Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil I: Von der Krim nach Lissa

:: Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil I: Von der Krim nach Lissa ::

Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil I: Von der Krim nach Lissa

Der Ausgangspunkt: Seekrieg zur Zeit der Segelschiffe

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich das Segelkriegsschiff auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. Seit 200 Jahren hatte sich die Kriegführung kaum verändert, wie auch die daran teilnehmenden Schiffe. Kernstück jeder Flotte war nach wie vor das Linienschiff, das wie alle anderen Schiffe dieser Zeit natürlich aus Holz bestand. Ihre Aufgabe war es, in großen Flotten zusammengefaßt gegnerische Linienschiffe zu zerstören und die Seeherrschaft zu erringen. Die verwendeten Waffen waren klassische glattrohrige Vorderladerkanonen, die sich in Jahrhunderten kaum verändert hatten. Charakteristisch für diese Waffen war, daß ihre Zielsicherheit und Reichweite sehr zu wünschen übrig ließ. Aus diesen Gründen waren stets viele dieser Waffen auf einem Schiff vorhanden, um die Wahrscheinlichkeit eines Treffers zu erhöhen, und die Gefechtsentfernungen waren klein - am liebsten schoß man auf "Pistolenschußweite", d.h. unter 50 Meter. Bei dieser Entfernung konnte man praktisch nicht mehr vorbeischießen.

Die Geschütze waren stets an den Breitseiten der Schiffe angeordnet, damit man möglichst viele von ihnen im Schiff unterbringen konnte. Sie hatten nur einen sehr eingeschränkten Richtbereich, so daß das Feuer der Schiffe jeweils kaum nach vorn oder achteraus gerichtet werden konnte. Besonders tödlich war aus diesem Grunde ein Manöver, wenn ein Linienschiff seine Breitseite der Vorder- oder Rückseite eines Gegners zuwenden konnte: die Kanonenkugeln durchschlugen das Schiff der Länge nach und richteten dabei schwerste Schäden an, ganz zu schweigen von den Verlusten an Menschenleben. Gleichzeitig konnte das dergestalt längsschiffs bestrichene Schiff das Feuer nicht erwidern, da seine Geschütze dem Gegner abgewandt waren. Aus diesem Grunde war die bevorzugte Gefechtsformation der Linienschiffe die Kiellinie, in der man hintereinander fuhr und dem Gegner stets die Breitseite zuwandte. Eine Seeschlacht sah dann meistens so aus, daß die gegnerischen Flotten nebeneinander her segelten und versuchten, sich gegenseitig die Takelage zu zerschießen. War ein Schiff erst einmal entmastet, konnte es sich nicht mehr rühren und bequem geentert werden. Ein Schiff durch Kanonenfeuer versenken zu wollen hatte nur wenig Sinn, die bis zu 1,50 m starken Eichen- oder Mahagonibordwände trotzten in der Regel auch schwerstem Beschuß. Allerdings stellten Holzsplitter eine erhebliche Gefahrenquelle dar, wenn Einschläge sie in den Batteriedecks oder auf dem Oberdeck mit hoher Geschwindigkeit umherschwirren ließen. Nur höchst selten sank ein Schiff infolge von Geschützfeuer, und dann meistens dadurch, daß es in Brand geriet.


Die Seeschlacht bei Kap Trafalgar

Die Engländer übten während der Kriege, die der Französischen Revolution folgten (1789-1815), die Seherrschaft aus und verteidigten sie verbissen gegen alle Bemühungen Frankreichs und auch Spaniens, sie zu brechen. Ein wichtiger Gesichtspunkt dabei war, daß die Engländer stets auf die Rümpfe zielten und damit schwere Verluste unter den gegnerischen Besatzungen verursachten, so daß sich die Schiffe nachher leichter entern ließen. Hinzu kamen die besser ausgebildeten britischen Besatzungen, eine Reihe technischer Vorteile wie eine deutlich höhere Feuergeschwindigkeit und die Führungsqualitäten einer ganzen Reihe von fähigen Admirälen, allen voran Horatio Nelson, der in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 die vereinigten französischen und spanischen Flotten vernichtete und England für ein Jahrhundert die Vorherrschaft zur See sicherte.

Die Linienschiffe dieser Zeit wurden maximal etwa 4000 ts groß und besaßen meistens zwei Kanonendecks, die schwersten Ausführungen sogar drei. Auf ihnen waren aus Stabilitätsgründen die schwersten Kanonen unten aufgestellt, nach oben hin wurden sie immer kleiner. Im untersten Batteriedeck eines erstklassigen Linienschiffes standen 32-Pfünder Kanonen, das Mitteldeck enthielt in der Regel 24-Pfünder, und das oberste Deck trug 12- oder 18-Pfünder. Bis zu 120 Kanonen konnte ein erstklassiges Dreidecker-Linienschiff tragen, Regelfall war aber der etwa 74 Kanonen tragende Zweidecker. Ein solches Schlachtschiff hatte bis zu 800 Mann Besatzung. Höhepunkt der Segelkriegsschiffe war wohl der spanische Vierdecker Santissima Trinidad mit 130 Geschützen, der ganz aus Mahagoni gebaut war. Während der Schlacht von Trafalgar wurde er von den Briten geentert und ging aufgrund schwerer Schäden in dem der Schlacht folgenden Sturm unter.
Wer ein derartiges Linienschiff besichtigen will, sollte nach Portsmouth in Südengland fahren, wo Nelsons Flaggschiff bei Trafalgar, der 100 Kanonen tragende Dreidecker Victory, noch heute aufbewahrt wird.


HMS "Victory" in Portsmouth, England

Die ersten Dampfschiffe

So standen die Dinge zu Beginn des 19. Jahrhunderts, und so sollte es auch noch eine Weile bleiben. Zwar war bereits 1765 die Dampfmaschine erfunden worden, jedoch sollte noch einige Zeit vergehen, bis sie auch als Antriebssystem Verwendung fand. Das lag vor allem daran, daß sie noch einiger technischer Verbesserungen bedurfte, ehe sie zuverlässig und leistungsfähig genug war, um den Anforderungen zuerst der zivilen Schiffahrt und dann des Militärs zu entsprechen. Das erste zivile Dampfschiff, die amerikanische Clermont, fuhr erst 1807 und besaß eine 20 PS-Dampfmaschine, mit der sie eine Geschwindigkeit von 3,7 Knoten erreichte. Schon 1814 wurde das erste Dampf-Kriegsschiff gebaut, die ebenfalls amerikanische Demologos. Sie bestand aus zwei Rümpfen, zwischen denen ein Schaufelrad angebracht war, um es vor Treffern zu schützen, und sollte im Krieg gegen die Engländer gegen die britischen Blockadeflotten eingesetzt werden, die Amerikas Handel lähmten. Der Krieg endete allerdings, bevor das Schiff fertiggestellt war, und es wurde nicht vollendet.

Noch konnte sich der Dampfantrieb nicht durchsetzen, da er gegenüber dem Segelantrieb noch zu viele Nachteile aufwies: großes Gewicht bei geringer Leistung, hoher Brennstoffverbrauch und damit Abhängigkeit von Stützpunkten, geringe Betriebssicherheit, technische Unzuverlässigkeit und hohe Verwundbarkeit. Ganz besonders die Schaufelräder der ersten Dampfschiffe stellten ein Problem dar: sie verdeckten wertvollen Platz in der Breitseite und waren obendrein äußerst anfällig gegen Beschuß. Es sollten noch Jahrzehnte vergehen, ehe ernsthaft an eine Verwendung von Dampfschiffen im Seekrieg gedacht werden konnte, und nach wie vor bestimmten die vom Brennstoff unabhängigen Segelschiffe das Bild der Kriegsflotten.


Französisches Dampflinienschiff "Napoléon" von 1850

Das Sprenggeschoß

Ein erster Wandel kam aus einer ganz anderen Ecke: 1819 erfand der französische Artillerieoffizier Henri-Joseph Paixhans das Brisanzgeschoß, besser als Sprenggranate bekannt. Dies war ein sprengstoffgefülltes Geschoß, das beim Aufschlag explodierte. Sie erhöhte die Feuerkraft der Geschütze so gewaltig, daß erstmals Kriegsschiffe einer ernsthaften Gefahr durch Beschuß ausgesetzt waren. An erster Stelle rangierte dabei die Brandgefahr in den ganz aus Holz gebauten Schiffen. Ein weiterer Schritt war die Entwicklung zum gezogenen Hinterladergeschütz, das Treffsicherheit und Reichweite ganz wesentlich verbesserte und obendrein leichter zu bedienen war. Die drallstabilisierten Granaten waren durch ihre längliche Form schwerer als die bisherigen Kugeln und konnten einen Aufschlagzünder an der Spitze tragen, was ihren Einsatz ganz wesentlich vereinfachte. Der Wert dieser neuen Waffen erwies sich erstmals im April 1849 im Deutsch-Dänischen Krieg, als das dänische Holzlinienschiff Christian VIII. vor Eckernförde im Feuer einer preußischen Küstenbatterie versank. Als Antwort mußten erstmals seit Jahrhunderten die konstruktiven Anforderungen an ein Kriegsschiff überdacht werden. Man war vor allem auf einen verbesserten Schutz gegenüber den erheblich verstärkten Waffen aus. Dabei verfiel man nach verschiedenen Versuchen auf die Idee, das Holzschiff mit darauf aufgebrachten Eisenplatten zu schützen. Die konservativen Strömungen in den Marinen der Welt verhinderten jedoch zunächst eine konkrete Ausführung dieser Pläne. Einen ersten Schritt in diese Richtung stellte das amerikanische Projekt der Stevens Battery von 1854 dar, die ein rein dampfgetriebenes Panzerschiff zum Schutz von Küsten und Häfen vorsah. Es besaß bereits einen modernen Schraubenantrieb, einen eisernen Panzer, verzichtete auf eine Takelage und war seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, jedoch wurde es wegen Geldmangels nie fertiggestellt.

Technologiesprung im Krimkrieg

1853 brach der Krimkrieg aus, in dem Rußland zunächst die Türken angriff, welche ihrerseits von England und Frankreich Unterstützung erhielten. Die Russen setzten in einem Angriff auf ein in Sinope liegendes türkisches Geschwader erstmals die Brisanzgranate im Gefecht ein und schossen die gegnerischen Schiffe in kürzester Zeit zusammen. Als französische und britische Flotten im Schwarzen Meer erschienen und Sewastopol angriffen, waren auch sie dem Beschuß durch Sprenggranaten durch die Festungsgeschütze ausgesetzt, die sich auf die hölzernen Schiffe geradezu verheerend auswirkten. Um die russischen Batterien niederkämpfen zu können, gaben Engländer und Franzosen neuartige Schiffe in Auftrag - die Engländer experimentierten mit ganzen Schwärmen kleiner Kanonenboote, die Franzosen setzten auf einen konservativeren Entwurf. Es handelte sich um sogenannte Panzerbatterien ("batteries flottantes" = schwimmende Batterien), von denen drei (Devastation, Lave und Tonnante) 1855 an einem Angriff auf die russische Seefestung Kinburn teilnahmen.Sie waren etwa 1800 ts groß und nur für den Küsteneinsatz konzipiert, eine Dampfmaschine mit 225 PS verlieh ihnen eine Geschwindigkeit von vier Knoten. Ihre Geschütze waren traditionell in der Breitseite aufgestellt und wurden von einem starken kombinierten Holz-Eisenpanzer geschützt. Obwohl die Batterien zahlreiche Treffer erhielten und erhebliche Mannschaftsverluste erlitten, überstanden sie den Beschuß aus russischen 15 cm-Geschützen und vermochten die gegnerischen Batterien zum Schweigen zu bringen. Auch die Dampfschiffe bewiesen ihren Wert: sie konnten unabhängig vom Wind an den gegnerischen Zielen vorbeidampfen und auf sie gezieltem Feuer ausweichen, während die Segelschiffe oft genug bei Flaute von Schleppern auf ihre Positionen gebracht werden mußten, wo sie dann ein unbewegliches Ziel für gegnerische Geschütze boten. Damit war der Weg für die Zukunft vorgezeichnet, das dampfgetriebene Panzerschiff war die neue Waffe der Wahl.


Die schwimmende Batterie "Tonnante"

Das Zeitalter der Panzerschiffe

Alle führenden Marinen arbeiteten nun mit Hochdruck daran, ein hochseefähiges Panzerschiff zu konstruieren - die "batteries flottantes" waren ja nur ein Notbehelf gegen ein unbewegliches Landziel gewesen. Die traditionellen Linienschiffe waren durch die neuen Entwicklung weitgehend entwertet worden, so daß sich die Gelegenheit zu einer Verschiebung des Machtgefüges auf See bot. Besonders der ambitionierte französische Kaiser Napoleon III. träumte von einer Vormachtstellung seines Reiches zur See. Einen ersten Schritt stellte die französische Panzerfregatte Gloire - das erste echte Panzerschiff überhaupt - dar, die 1859 vom Stapel lief, bald gefolgt von der britischen Warrior von 1860, die noch heute in Portsmouth unweit der Victory besichtigt werden kann. Die Gloire besaß nach wie vor einen hölzernen Rumpf, der mit Schmiedeeisen gepanzert war, und entsprach in ihrem Bau noch ganz den traditionellen Vorgaben: die Geschütze waren nach wie vor in der Breitseite aufgestellt, und die Segeltakelage trug weiterhin die Hauptlast des Antriebes. Die Warrior war insoweit deutlich fortschrittlicher, als daß ihr Rumpf ganz aus Schmiedeeisen bestand. Beide Schiffe besaßen allerdings einen Dampfantrieb und eine einzelne Schraube. Sie wiesen zwar einige neue Entwicklungen auf, waren aber in vieler Hinsicht noch der Tradition verhaftet. Der entscheidende Schritt sollte erst etwas später erfolgen, wiederum auf der anderen Seite des Atlantiks.


Die "Gloire" von 1859, das erste Panzerschiff der Welt

Der amerikanische Bürgerkrieg

1861 zerfielen die USA in die der Union treubleibenden Nordstaaten und die von ihr abfallenden Südstaaten, die eine eigene Konföderation gründeten. Präsident Abraham Lincoln versuchte die Einheit des Landes zu retten und beschloß, die Abtrünnigen mit Gewalt in die Union zurückzuzwingen, was zu einem vierjährigen blutigen Bürgerkrieg führte. Da der Süden so gut wie keine Marine besaß und stark von Exporten abhängig war, verhängte der Norden eine strenge Seeblockade gegen die Konföderierten. Auch wenn manches Schiff durch die Sperren schlüpfen konnte, darbten die Südstaaten doch immer mehr unter dem Ausbleiben von Handelseinnahmen und Importen von wichtigen Rüstungs- und Versorgungsgütern dahin. Es wurde daher beschlossen, ein eigenes Panzerschiff zu bauen, um die Blockade zu sprengen. In Norfolk, dem wichtigsten Kriegshafen der Konföderierten, lag das ausgebrannte Wrack der Dampffregatte Merrimack, das die Unionstruppen bei ihrem Abzug hatten zurücklassen müssen. Es wurde bis auf die Wasserlinie abgeschnitten, um eine möglichst kleine Zielfläche zu bieten, und mit einer aus Eisenbahnschienen zusammengeschraubten schrägen Kasematte versehen, die zusätzlich von 50 cm Fichtenholz und 10 cm Eichenholz verstärkt wurde. Am Bug wurde ein eiserner Keil befestigt, der als Rammsporn dienen sollte. Bewaffnet war es mit breitseits aufgestellten gezogenen Dahlgren-Kanonen, sechs vom Kaliber 22,8 cm, zwei von 17,8 cm und zwei von 15,2 cm. Es verfügte zum Antrieb lediglich über eine 1200 PS starke Dampfmaschine, die es auf bis zu neun Knoten brachte. Das neue Schiff mit 4500 ts Verdrängung erhielt den Namen CSS Virginia. Im Norden erfuhr man von diesen Plänen und begann, ein eigenes Panzerschiff zu bauen - die nach revolutionären Entwürfen erstellte USS Monitor. Auch sie lag tief im Wasser, um dem Gegner ein möglichst kleines Ziel zu bieten, und war mit 987 ts viel kleiner als die Virginia. Anders als diese war sie keine Behelfskonstruktion, sondern wurde speziell für den vorgesehenen Zweck konstruiert. Als erstes Schiff überhaupt verfügte sie über einen um 360° drehbaren Geschützturm, in welchem zwei glattrohrige 28 cm-Vorderladerkanonen standen. Das Schiff besaß ebenfalls einen Rammsporn und trug einen 127 mm starken Seitenpanzer aus Eisen mit einer dicken Holzunterlage, der Geschützturm besaß einen 203 mm dicken Eisenpanzer. Es wurde in Rekordzeit fertiggestellt, so daß nicht einmal Zeit für eine Probefahrt blieb und die letzten Handgriffe der Arbeiter ausgeführt wurden, als die Monitor bereits nach Norfolk unterwegs war.

Der Süden gewann das Rennen um das erste Panzerschiff vor Norfolk. Am 8. März 1862 lief die Virginia zum Angriff auf die Blockadeflotte des Nordens im Sund von Hampton Roads an, die aus normalen Kriegsschiffen bestand. Sie wandte sich zuerst der 24-Kanonen-Fregatte Cumberland zu, welche die Virginia auf kürzeste Distanz mit schwerem Feuer eindeckte - ohne jeden sichtbaren Erfolg. Das Panzerschiff rammte seinen Bug in die Seite des Unionsschiffes, so daß es versank. Ähnlich erging es der Fregatte Congress, die ebenfalls auf Kernschußweite auf das Südstaatenschiff feuerte, wieder ohne jedes Ergebnis. Sie lief auf eine Untiefe und wurde von der Virginia zu einem brennenden Wrack zusammengeschossen. Daraufhin ergriffen die übrigen Unionsschiffe die Flucht. Bereits am nächsten Tage waren sie jedoch wieder da, und mit ihnen die inzwischen eingetroffene Monitor. Jetzt gerieten die beiden Panzerschiffe aneinander und umkreisten sich gegenseitig, wobei jeder versuchte, den Gegner zu rammen. Mit ihren Geschützen konnten sich die beiden Kontrahenten nichts anhaben, die Kugeln sprangen einfach von den dicken Eisenpanzern ab, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Das Gefecht endete unentschieden, jedoch zog die Virginia sich zurück, weil sie den Kampf nicht gewinnen konnte. Die Aktion endete mit dem Sieg des Nordens, der trotz der erlittenen Verluste die Blockade aufrechterhalten konnte. Die Virginia kam im weiteren Verlauf des Krieges nicht mehr zum Einsatz, da die Monitor und ihre inzwischen fertiggestellten Schwesterschiffe auf See auf sie warteten und die Konföderierten ihr einziges Panzerschiff nicht riskieren wollten. Als die Nordstaaten Norfolk von Land her einnahmen, wurde es durch die zurückweichenden Konföderierten gesprengt.

Im weiteren Verlauf des Bürgerkrieges setzte der Norden nun verstärkt auf die neuen Panzerschiffe, die ohne weiteres auch Küstenbefestigungen niederkämpfen konnten und von denen über 50 gebaut wurden. Insbesondere bei Landungsaktionen und den Kämpfen auf dem Mississipi spielten sie eine Rolle, wobei ihnen immer wieder vereinzelte Panzerschiffe des Südens begegneten, die aber stets unterlegen blieben. Mit den Monitoren war ein neuer Panzerschifftyp geboren: das "Turmschiff", das seine Geschütze nicht mehr auf althergebrachte Weise in der Breitseite mit sich trug, sondern auf wenige schwere Waffen in einem drehbaren Geschützturm setzte.


Das Gefecht vor Hampton Roads

Neue Panzerschiffe

Die Entwicklung in der Neuen Welt erwies sich als Schrittmacher für den technischen Fortschritt anderer Länder. Auch Großbritannien begann mit dem Bau von Monitoren, die vor allem zur Küstenverteidigung vorgesehen waren.
Zu dieser Zeit nahm ein Wettlauf zwischen Geschützen und Panzerung seinen Anfang, der bis zum Exzess getrieben wurde. Immer größere Geschützkaliber wurden in die Kriegsschiffe eingebaut, und gleichzeitig versuchte man, sich mit immer stärkeren Panzern gegen ihre Auswirkungen zu schützen. Da die Metallurgie bislang kaum Fortschritte gemacht hatte, war ein verbesserter Schutz nur mit Hilfe immer dickerer Eisen- und Holzschichten möglich. Es wurde bald offensichtlich, daß man nicht mehr das ganze Schiff mit einem so schweren Panzer ausstatten konnte, allein schon aus Gewichtsgründen. Deshalb wurden nur Teile des Schiffes mit einem vollständigen Schutz versehen, während andere Teile notwendigerweise ungeschützt oder weniger geschützt bleiben mußten. Immer noch suchte man jedoch nach einem tragfähigen Entwurf für ein Hochseepanzerschiff, wobei sich insbesondere die Takelage als hinderlich erwies, da sie den Drehkreis der Geschütze behinderte und den Einbau eines Drehturms praktisch unmöglich machte. Noch konnte man aber nicht auf sie verzichten, da der Dampfantrieb noch keine ausreichenden Reichweiten zuließ. Man setzte jetzt auf eine Neuentwicklung, das sogenannte "Kasemattschiff". In ihm waren die schweren Geschütze in einer schwergepanzerten Kasematte mittschiffs untergebracht, die nicht so viele konstruktive Schwierigkeiten aufwarf wie ein Drehturm und durch den kleineren geschützten Bereich Gewicht einsparen half. Allerdings hatten die in ihr aufgestellten Waffen wiederum einen eingeschränkten Richtbereich, so daß man gezwungen war, wieder auf viele kleinere Waffen statt auf wenige große zu setzen. Um die Zahl der Geschütze (und damit das Gewicht) zu reduzieren, wurden sie häufig auf drehbare Lafetten gesetzt, die aus mehr als einer Stückpforte feuern konnten, z.B. konnte ein in der Ecke der Kasematte aufgestelltes Geschütz nach vorn bzw. achtern oder querab feuern. Mit dem Kasemattschiff hatte man vorerst eine befriedigende Lösung für die meisten sich stellenden Probleme des Kriegsschiffbaus gefunden: sie waren hinreichend seetüchtig, gut geschützt, und die Takelage wurde durch die Geschütze kaum gestört. Allerdings ließ die Schlagkraft aufgrund der eher kleinen Geschütze zu wünschen übrig. Aufgrund der Tatsache, daß die schwer gepanzerten Schiffe sich als sehr standfest erwiesen hatten, verfügte beinahe jedes Kampfschiff dieser Epoche über einen Rammsporn, um den Gegner auch durch Rammstoß versenken zu können. Es setzte ein regelrechter Rüstungswettlauf zur See ein, jede Nation versuchte die anderen mit immer mehr und immer besseren Panzerschiffen zu übertrumpfen. Die alten Holzschiffe blieben dabei vorerst weiter im Dienst, ganz besonders die noch am ehesten kampffähigen Linienschiffe. Der französischen Gloire von 1859 folgten weitere Schiffe, unter ihnen die ganz aus Eisen gebaute Couronne und die beiden Panzerfregatten der Magenta-Klasse, die sogar als einzige Panzerschiffe zwei übereinanderliegende Batteriedecks besaßen. Mit den zehn verbesserten Panzerschiffen der Provence-Klasse verfügte Frankreich 1867 über sechzehn moderne Panzerschiffe. Die Briten zogen mit ihren Fregatten der Defence- und Minotaur-Klasse nach und bauten im Bau befindliche hölzerne Linienschiffe zu Panzerschiffen um. Auch andere Marinen bemühten sich um die neuen Schiffe: Österreich legte bis 1864 sieben neue Panzerschiffe auf Stapel, und Italien stellte nach und nach zwölf Panzerkorvetten und Batterieschiffe in Dienst. Auch Rußland, die Türkei, Spanien und Preußen begannen eigene Panzerschiffprojekte.


Das englische Kasematt-Panzerschiff "Sultan" von 1870 unter vollen Segeln

Die Seeschlacht von Lissa

Mit dem Aufkommen des Dampfantriebes hatten die verschiedenen Marinetaktiker begonnen, neue Schlachttaktiken für den Einsatz ganzer Flotten zu entwickeln. Da die neuen Schiffe nicht mehr auf den Wind angewiesen waren, glaubte man bei der Gestaltung der Gefechtsformationen gänzlich freie Hand zu haben. Es wurden die verschiedensten Ansichten vertreten: einige wollten die alte Linientaktik beibehalten, andere vertraten Dwarsformationen, mit denen man das Feuer besser voraus und achteraus richten konnte und die den Einsatz des Rammsporns ermöglichten.

In diese Zeit der Unsicherheit fiel der Krieg Italiens gegen Österreich-Ungarn 1866. Die Italiener besaßen eine Flotte aus zwölf brandneuen Panzerschiffen, davon sieben große Panzerfregatten, die den von der dalmatischen Adriaküste aus operierenden Österreichern stark überlegen war. Allerdings ließen der Ausbildungsstand der Mannschaften und die Führungsqualitäten der Admiräle einiges zu wünschen übrig. Auf österreichischer Seite dagegen oblag der Oberbefehl dem tatkräftigen Konteradmiral Wilhelm von Tegetthoff, und die österreichische Flotte suchte trotz ihrer Unterlegenheit den Kampf mit dem Gegner. Italien versuchte mit einer amphibischen Landung auf der Adriainsel Lissa Mißerfolge an Land propagandistisch auszugleichen. Nach drei Tagen ergebnisloser Operationen, während derer sie viel von ihrer Munition sinnlos verschossen, sichteten die Italiener am 20. Juli 1866 die von Norden anlaufende österreichische Flotte, die in drei aufeinanderfolgenden halbmondförmigen Dwarsformationen auf sie zulief, die sieben Panzerschiffe vorweg. Die italienischen Schiffe formierten sich in Kiellinie, um den Angriff abzuwehren. Dabei entstand wegen Mißverständnissen zwischen den Befehlshabern eine breite Lücke in der Linie, durch die die Österreicher hindurchstürmten und sich in mehrere Gruppen aufteilten. Die Schlacht entwickelte sich zu einem wilden Nahgefecht, während dem es den Österreichern gelang, zwei italienische Panzerschiffe, unter ihnen das Flaggschiff Re d'Italia, u.a. durch Rammstoß zu versenken. Die Italiener ergriffen die Flucht unter Zurücklassung von fast 700 Toten und Verwundeten, während die Österreicher gerade 38 Tote und 138 Verwundete zu beklagen hatten.

Die Schlacht wurde in den folgenden Jahren von den Seekriegswissenschaftlern akribisch untersucht. Der Rammsporn schien die entscheidende Waffe zu sein, da kein Schiff durch Geschützfeuer verlorengegangen war, nicht einmal eines der veralteten hölzernen Schiffe, die beide Seiten ins Gefecht geführt hatten. Auch hatte sich die von den Österreichern gewählte Dwarsformation der Kiellinie als überlegen gezeigt. Da es in den nächsten 30 Jahren zu keinem größeren Treffen auf See kam, beherrschten die aus der Schlacht von Lissa gezogenen Lehren das Denken der Seekriegsstrategen bis ins ausgehende 19. Jahrhundert hinein.


Die Seeschlacht von Lissa auf dem Höhepunkt: die "Re d'Italia" sinkt durch Rammstoß des österreichischen Flaggschiffs "Ferdinand Max"

Fortsetzung in Teil II: Von Lissa zum Skagerak


16. April 2005 - 03:22
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil I: Von der Krim nach Lissa
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 Autor Thema: Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil I: Von der Krim nach Lissa
Kaiserjäger Goldi
02.08.2005 um 01:04 QuoteProfileSend PM


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Viribus Unitis
nett das hätte man der "wasa" mal zeigen sollen...

aber dass die monitor keine übungfahrt unternommen hat stimmt ned
bei der is sie sogar fast abgesoffen...
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Parabellum
02.08.2005 um 10:05 QuoteProfileSend PM


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Kaiserjäger Goldi666666 hat folgendes geschrieben:
aber dass die monitor keine übungfahrt unternommen hat stimmt ned bei der is sie sogar fast abgesoffen...

Falsch und richtig: Das Schiff hat vor der Indienststellung am 25. Februar 1862 eine Testfahrt mit Werftpersonal und dem Konstrukteur Ericsson gemacht. Die eigentliche (militärische) Besatzung ist jedoch ohne Übungsfahrten direkt quasi von der Werft ins Gefecht gefahren!

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Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
=DFL= Feldwebel Schultz
04.08.2005 um 10:08 QuoteProfileSend PM

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Legion Etrangere
Hab grad n Buch über Lissa gelesen. Dieses Turmschiff der Italiener sieht nett aus.
Haste paar Infos drüber?
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Parabellum
04.08.2005 um 10:27 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
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Zur Affondatore? Ja habe ich, aber daheim.
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
=DFL= Feldwebel Schultz
21.09.2005 um 21:27 QuoteProfileSend PM

Clan: DFL - L´Legion Etrangere
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Legion Etrangere
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Hat sich erledigt...

[Editiert von Tirpitz am 21.Sep.2005 um 21:28]
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