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FL18 - Frontline18 .:. Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil II: Von Lissa zum Skagerak

:: Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil II: Von Lissa zum Skagerak ::

Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil II: Von Lissa zum Skagerak

Das Barbetteschiff

Nach der Schlacht von Lissa wurden von den Franzosen neue Wege beschritten, die begrenzte Feuerkraft der Schiffsbewaffung zu erhöhen. Sie schufen zu diesem Zweck ab etwa 1867 Schiffe, die schwer gepanzerte, oben offene kreisförmige Brustwehren (sog. Barbetten) auf dem Oberdeck besaßen, über die schwerste Geschütze, die auf Drehscheiben montiert waren, wie in einer Festung hinwegfeuerten. Ein zusätzlicher Vorteil war, daß die Geschütze einen großen Richtbereich hatten und sowohl nach der Breitseite wie recht voraus oder achteraus schießen konnten. Diese Entwicklung blieb zunächst auf Frankreich beschränkt, das einige Panzerkorvetten und 1879 das Panzerschiff Amiral Duperré in dieser Bauart vom Stapel ließ. Erst ab diesem Zeitpunkt folgten die anderen Marinen dieser Entwicklung. Parallel dazu entwickelte sich das Konzept des Reduits, das der Barbette stark ähnelte: eine mittschiffs aufgestellte schwer gepanzerte Wanne, die an ihren Enden zwei drehbare Geschützsstellungen aufwies. Aus Gewichtsgründen blieb der Rest des Schiffes weiterhin nur leicht gepanzert. Häufig war dieses Reduit quer oder diagonal aufgestellt. Später wurden diese Barbetten und Reduits noch dadurch verbessert, daß man die Geschütze in gepanzerten Hauben unterbrachte. Dies verbesserte den Schutz für die Geschützbedienungen beträchtlich.

Die neue Entwicklung nahm schnell ihren Lauf. So legten die Franzosen schon 1865 die drei Schiffe der Océan-Klasse auf Stapel, die neben einer Kasematte mit sechs Geschützen auch vier Barbetten besaßen. Schon 1868 folgte die verbesserte Richelieu, die 1870 um die sieben kleineren Einheiten der Alma-Klasse vermehrt wurden. Die Briten zogen 1867 mit den reinen Kasemattschiffen der Audacious- und Swifture.Klassen nach und auch die Italiener gingen daran, ihre zerschlagene Flotte wieder aufzubauen.

Daneben wurden auch weiterhin Monitore zur Küstenverteidigung gebaut, und ein neuer Schiffstyp, der sogenannte "Panzerwidder", machte sich breit. Seine Hauptbewaffnung bestand aus einem Rammsporn, der sich bei Lissa als so wirkungsvoll erwiesen hatte, die Geschütze stellten lediglich eine Zweitbewaffnung dar. In der Folgezeit bewährten sich diese Schiffe jedoch nicht, so daß sie bald wieder verschrottet oder umgebaut wurden.


Die "Amiral Duperré" (Stapellauf 1879), eines der ersten Barbetteschiffe

Der Zitadellpanzer und der Weg zum Turmschiff

Parallel dazu nahm die Entwicklung des mit Geschütztürmen ausgestatteten Schiffes ihren Lauf. Der Geschützturm hatte bereits im amerikanischen Bürgerkrieg seinen Wert erwiesen, war aber problematisch beim Einbau in Hochseeschiffe. Noch spielte der Segelantrieb eine große Rolle, und die Takelage behinderte den Drehkreis der Türme. Als Fehlkonstruktion erwies sich das britische Turmschiff HMS Captain von 1870, das zwar zwei drehbare Geschütztürme aufwies und ganz aus Eisen bestand, jedoch mit dem Waffeningenieur Coles von einem nautischen Laien konstruiert wurde, der nicht genug Wert auf die nötige Seefähigkeit legte. Die Türme waren im Zwischendeck montiert und feuerten durch Aussparungen in der Bordwand zu den Breitseiten hin. Diese Lösung erwies sich als nicht seetauglich, bereits im ersten Sturm ging die Captain mit dem größten Teil der Besatzung und ihrem Konstrukteur unter, ein Ereignis, daß ein gewisses Mißtrauen gegenüber den neuen Turmschiffen schuf.

Das Reduitschiff stellte zwar bereits eine große Verbesserung dar, jedoch blieben immer noch erhebliche Teile des Schiffes ungeschützt. Mit dem Fortschreiten der Metallurgie wurde es möglich, das bisher verwendete Gußeisen erst durch Schmiedeeisen und dann durch immer härteren Stahl, häufig unterlegt mit Holz, zu ersetzen. Das half Gewicht einsparen, da der Stahl nicht so dick sein mußte wie das weichere Eisen. Man konnte deshalb die Panzerung ausdehnen und ging dazu über, die Wasserlinie mit einem schmalen Gürtelpanzer zu schützen, sowie alle lebenswichtigen Systeme des Schiffes in einer schwer gepanzerten "Zitadelle" zusammenzufassen. Allmählich fiel mit der immer weiter fortschreitenden Verbesserung der Dampfmaschinen auch die Takelage weg, so daß es immer weniger Beschränkungen für die Aufstellung der Geschütze gab. Ein neuer Schiffstyp, der die bisherigen Errungenschaften in sich vereinte, machte sich immer weiter breit: er besaß einen Wasserlinien- und Zitadellpanzer, zwei Geschütztürme oder Barbetten mit ein bis zwei Geschützen und keine Takelage mehr, dazu kam ein Rammbug. Dieses verbesserte Turmschiff wies den Weg in die Zukunft und wuchs in der Größe immer mehr an - die alten Panzerschiffe hatten lediglich bis zu 4000 ts gehabt und waren damit kaum größer als traditionelle Holzlinienschiffe, während die neuen Typen bis zu 7500 ts aufbrachten.


HMS "Dreadnought" von 1875, eines der besten frühen Turmschiffe

Torpedo und Torpedoboot

In den frühen 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Kriegsschiffentwicklung ohnehin schon immer neue Kapriolen schlug, nahm die Entwicklung einer revolutionären Waffe ihren Anfang: die des Whitehead- oder Fischtorpedos. Diese Waffe war von dem österreichischen Ingenieur Johann Luppis erfunden und von dem britischen Ingenieur Whitehead verbessert worden. Erste Versuche mit Unterwassersprengladungen, die an Stangen am Bug befestigt waren und unter dem gegnerischen Schiff zur Explosion gebracht werden sollten, hatte es schon im amerikanischen Bürgerkrieg gegeben und hatten in Versuchen mit sogenannten Spierentorpedobooten ihren Fortgang genommen. Trotz vereinzelter Erfolge konnte sich diese Waffe aber aufgrund ihrer Umständlichkeit nicht durchsetzen. Der Ansatz, einen Sprengkörper in einem unabhängigen Unterwassergeschoß unterzubringen, versprach schon deutlich mehr Potential. Die ersten Torpedos waren noch sehr langsam und besaßen nur eine geringe Reichweite, mit der Zeit wuchsen allerdings sowohl Zuverlässigkeit als auch Geschwindigkeit und Reichweite. Erste Erfolge stellten sich ein, und es wurde deutlich, daß ein einziges dieser Unterwassergeschosse ausreichte, jedes Kriegsschiff dieser Zeit zu vernichten. Bald wurden flinke, kleine Schiffe gebaut, die hauptsächlich mit Torpedoabschußvorrichtungen ausgerüstet waren - das Torpedoboot war geboren und wurde zur tödlichen Gefahr für alle Kriegsschiffe. Man reagierte darauf, indem man die angestrebten Gefechtsentfernungen vergrößerte, um die Chance zu verringern, überraschend von Torpedobooten angegriffen zu werden. Das erforderte allerdings eine neue Bewaffnung mit weiterreichenden Geschützen. Die strategischen Konzepte dieser Zeit gingen davon aus, daß dem Rammangriff und dem Torpedoboot die größte Bedeutung zufallen würden, so daß man Konzepte entwarf, wie man mit diesen Bedrohungen fertigwerden konnte. In Frankreich gingen viele Seestrategen sogar so weit, das Zeitalter des Panzerschiffs für beendet zu erklären und nur noch auf Torpedoboote zu setzen (die sogenannte "jeune école"). In der Folge baute Frankreich tatsächlich eine Unzahl kleiner Torpedofahrzeuge, nur um später festzustellen, daß mit den empfindlichen kleinen Booten lediglich Küstenschutzeinsätze möglich waren und man die Hochsee dem Gegner überlassen mußte.


Das französische Hochsee-Torpedoboot "Capitaine Cuny" (1886)

Das Schnellfeuergeschütz

In den 1870er Jahren kamen erste Schnellfeuergeschütze auf, die vor allem dazu gedacht waren, gegnerische Torpedoboote abzuwehren. Da die Torpedoboote allerdings immer größer und stabiler wurden, sah man sich genötigt, das Kaliber dieser Waffen zu erhöhen. Man ging dazu über, die Panzerschiffe neben den schweren Geschützen auch mit einer Batterie Schnellfeuergeschütze auszurüsten, um den Angriff von Torpedobooten auf kurze Entfernung mit einem Hagel von leichten Granaten abwehren zu können. Man bezeichnete diese Zusatzbewaffnung als Mittelartillerie (im gegensatz zur schweren Artillerie der Hauptbewaffnung). Gleichzeitig baute man spezielle Schiffe, die vorwiegend dazu gedacht waren, gegnerische Torpedoboote zu vernichten: sie waren etwas größer als diese, ähnlich schnell und mit mehreren Schnellfeuergeschützen und oft auch Torpedos ausgestattet - die ersten Torpedobootzerstörer, später Zerstörer genannt.

Die Seeschlacht vor dem Yalu

In den Jahren 1894 und 1895 kam es zwischen Japan und China zu einem Krieg um den Besitz Koreas, wobei auch die Flotten beider Seiten aneinandergerieten. Die Chinesen versuchten, die Japaner am Übersetzen ihrer Armeen auf das asiatische Festland zu hindern, während die Japaner ihrerseits danach trachteten, die chinesische Seemacht zu zerstören. So stießen beide gegnerischen Flotten auf der Suche nach dem Gegner am 17. September 1894 nahe der Mündung des Flusses Yalu, der China und Korea voneinander trennt, miteinander zusammen. Die Chinesen besaßen nur ältere Schiffe, hauptsächlich Kreuzer und zwei in Deutschland gebaute Panzerschiffe mit schweren Barbettegeschützen, die allesamt noch nicht mit Schnellfeuerwaffen ausgestattet und den Japanern an Geschwindigkeit unterlegen waren, dafür besaßen sie mehr schwere Geschütze. Die Japaner führten lediglich Kreuzer und veraltete Panzerschiffe heran, die nur wenige schwere Geschütze hatten, aber sämtlich mit Schnellfeuerwaffen armiert und schnell waren. Die Chinesen liefen in einer Dwarsformation auf den Gegner zu, da ihre Geschütze meist nach vorn feuerten, die Japaner dagegen bildeten zwei Divisionen - eine langsamer, eine schnell - die getrennt operierten und in Kiellinie liefen. Im Verlauf des Gefechtes gewannen die Japaner rasch die Oberhand, sie manövrierten mit ihrer überlegenen Geschwindigkeit die langsameren Chinesen aus und überschütteten sie mit einem Hagel von Granaten aus den Schnellfeuerwaffen, während sie den Gegner umkreisten. Mehrere chinesische Schiffe wurden versenkt, die übrigen schwer beschädigt, der größte Teil von ihnen floh. Lediglich den beiden Panzerschiffen vermochten die Japaner nicht beizukommen: sie trotzten auch schwerstem Beschuß, konnten nicht zum Rückzug gezwungen werden und trafen mit ihren schweren Geschützen die Japaner empfindlich. Obwohl ihre Aufbauten total zerstört wurden, blieb der schwer gepanzerte Schiffskörper mit den lebenswichtigen Systemen intakt. Die Analyse dieses Gefechtes ergab lediglich, daß Schnellfeuerwaffen einen erheblichen Vorteil auch gegen größere Schiffe bieten konnten. Auch erwiesen sich vollgepanzerte Geschütztürme als notwendig, die Chinesen hatten mit ihren frei an Deck oder in Barbetten relativ ungeschützt aufgestellten Geschützen schwere Personalverluste hinnehmen müssen. Später verbesserte sich die Feuerleitung der schweren Waffen erheblich, so daß die Schnellfeuerwaffen mit ihrer kurzen Reichweite wieder an Bedeutung verloren.


Das chinesische Panzerschiff "Ting Yuen" (1881)

Das Linienschiff

In den Jahren ab etwa 1890 setzte sich in der ganzen Welt ein recht einheitlicher Typ von Panzerschiff durch, das sogenannte Linienschiff (in Anlehnung an die klassischen Holzlinienschiffe von einst). Die Baumerkmale waren überall gleich: es besaß einen schweren Gürtel- und Zitadellpanzer, mehrere in gepanzerten Drehtürmen vorn und achtern aufgestellte schwere Geschütze (meist im Kaliber 30,5 cm, aber auch verschiedene andere zwischen 24 und 33 cm) und eine Batterie leichter Schnellfeuergeschütze an jeder Längsseite. Ihr starker Dampfantrieb verlieh ihnen eine Höchstgeschwindigkeit von 15-18 Knoten, die Takelage war endgültig weggefallen. An diesem um 10.000 ts großen Standardtyp - dem "Einheitslinienschiff" - sollte sich für etwa 15 Jahre nicht viel ändern. Alle größeren Seemächte, das waren vor allem die europäischen Großmächte und die Vereinigten Staaten sowie Japan - bauten solche Schiffe in immer größeren Zahlen als Kern ihrer Schlachtflotten. Als Standardtaktik hatte sich nach Jahren des Experimentierens wieder die klassische Kiellinie durchgesetzt (daher auch der Name Linienschiff), die am meisten Vorteile bot. In diese Zeit fiel mit dem Regierungsbeginn des flottenbegeisterten deutschen Kaisers Wilhelm II. auch der Beginn einer ernstzunehmenden deutschen Schlachtflotte - die in den frühen 1890er Jahren fertiggestellten vier Linienschiffe der Brandenburg-Klasse, die ersten deutschen Linienschiffe, waren für ihre Zeit schon recht fortschrittlich und bildeten den Grundstock einer Seestreitmacht, die ständig wuchs. Währenddessen bahnte sich im Fernen Osten ein weiterer Konflikt an: die Japaner hatten zwar die Chinesen besiegt, wurden aber durch die Russen um die Früchte dieses Sieges gebracht. Beide Länder wetteiferten um die Vorherrschaft im Fernen Osten, ein Krieg war nur eine Frage der Zeit.


Das deutsche Linienschiff SMS "Hessen" der "Braunschweig"-Klasse von 1903

Die Seeschlacht von Tsushima

1904 brach der lange erwartete Krieg mit einem Überraschungsangriff der Japaner los. Sie landeten einmal mehr in Korea, marschierten auf den russischen Stützpunkt Port Arthur und begannen mit einer Belagerung, während die japanische Flotte den Hafen blockierte. Dabei machten die Japaner erstmals unangenehme Bekanntschaft mit einer neuen, durch die Russen favorisierten Waffe: der Seemine. Diese ermöglichte es erstmals, größere Seegebiete gegen Durchfahrt zu sperren, und sie kostete die Japaner viele Schiffe. Die in Port Arthur eingeschlossenen russischen Schiffe versuchten die hohe See zu erreichen, wurden jedoch in der unglücklich verlaufenen Schlacht im Gelben Meer zersprengt und zum Rückzug gezwungen - die Japaner besaßen die Seeherrschaft im Gelben Meer und konnten ungestört Truppen und Nachschub von Japan aufs asiatische Festland bringen. Während der Krieg an Land sowohl um die Festung Port Arthur wie auch in der Mandschurei tobte, versuchten die Russen, das Blatt zu wenden und schickten die russische Ostseeflotte unter dem tatkräftigen Admiral Rojestwenskij um die ganze Welt, um im Gelben Meer die japanische Seemacht zu vernichten. Jedoch waren die Besatzungen ungeübt, und die lange Reise wirkte sich ungünstig auf die Maschinen der Schiffe aus, die sich allmählich verbrauchten.

Am 27. Mai 1905 war es soweit - die von Südwesten herandampfende russische Flotte traf in der Straße von Tsushima zwischen Japan und Korea auf die japanische Flotte unter Admiral Togo. Die Russen besaßen mehr Linienschiffe, waren jedoch an Zahl und Ausbildungsstand ihrer Besatzungen den Japanern unterlegen. Außerdem waren sie durch eine größere Anzahl langsamer alter Schiffe belastet und an Geschwindigkeit unterlegen. Die Japaner hingegen waren technisch in bestem Zustand, wohlgeübt und schossen nach den modernsten aus Deutschland stammenden Schießverfahren. Die Russen bildeten eine einfache Kiellinie, während die Japaner einmal mehr eine schnelle Division aus Panzerkreuzern und eine langsamere aus Linienschiffen bildeten, die getrennt operierten. Im Verlauf der Schlacht zeigte sich, daß die Japaner den Russen in jeder Hinsicht überlegen waren: sie nutzten ihre höhere Geschwindigkeit aus, um die Russen auszumanövrieren, und kreuzten mehrfach vor Bug und Heck der russischen Linie - ein Manöver, das als "Crossing the T" bekannt ist und dem Vorbeigehen hinter Bug oder Heck eines Schiffes in früheren Tagen vergleichbar ist: man fährt mit der eigenen Schlachtlinie an Bug oder Heck der gegnerischen Linie vorbei. Auf diese Art können alle eigenen Schiffe den Gegner beschießen, während dieser sich kaum wehren kann. Die Russen kämpften tapfer, verloren aber ein Schiff nach dem anderen und mußten fliehen. Ein großer Teil der moralisch zerrütteten Flotte ergab sich den Siegern, nur wenige Schiffe (unter ihnen der Kreuzer Aurora, der später noch Geschichte schreiben sollte) konnten entkommen. Die Japaner hatten nun die totale Seeherrschaft im Gelben Meer inne und konnten genug Nachschub in die Mandschurei bringen, um die Russen auch an Land zu besiegen.


Die japanischen Linienschiffe vor Tsushima, 1905

Die Dreadnought

Noch während die Seeschlacht von Tsushima ausgefochten wurde, brachen sich neue technische Entwicklungen die Bahn. Schon seit längerem ging man im Linienschiffbau neue Wege, die schwere und die Mittelartillerie wurden vielfach um eine "halbschwere" Artillerie ergänzt, mit der man hoffte, sich gegen größere Schiffe einen Vorteil zu sichern. Auch erwies sich das klassische Linienschiff als eigentlich zu klein, es war anfällig gegen schweres Wetter und konnte bei hohem Seegang nur höchst eingeschränkt kämpfen. In mehreren Ländern gleichzeitig - nämlich in Japan, England und den USA - arbeitete man an einem neuen Linienschifftypus, der die alten übertreffen sollte. Statt der halbschweren Artillerie, die mehr Probleme schuf als sie löste (u.a. verursachten die unterschiedlichen Geschützleistungen große Schwierigkeiten bei der Feuerleitung), sollte eine einheitliche schwere Artillerie geschaffen werden, die die der alten Linienschiffe mehrfach überstieg. Auch sollte eine Geschwindigkeit von 20 Knoten erreicht und die Panzerung verstärkt werden. Dazu mußte die Größe des Schiffes wachsen, um die stärkeren Maschinen und die zusätzlichen schweren Geschütze aufzunehmen. Das erste Schiff dieser neuen Generation war die britische Dreadnought, die 1905 fertiggestellt wurde. Sie besaß bereits eine einheitliche schwere Artillerie von zehn 30,5 cm-Geschützen, die in alle Richtungen feuern konnten, und war außerdem das erste große Kriegsschiff, das mit dem neuartigen Turbinenantrieb ausgerüstet war, welcher ihr eine Geschwindigkeit von 20 Knoten verlieh. Mit etwa 20.000 ts war es fast doppelt so groß wie ein früheres Standardlinienschiff. Dieses Schiff setzte international neue Maßstäbe, das alte Linienschiff hatte sich überlebt - die Zukunft gehörte den neuen Großkampfschiffen oder auch "Dreadnoughts". Die alten Linienschiffe waren den neuen Schlachtschiffen weit unterlegen, mit einem Schlag waren sie alle entwertet. Die Deutschen, die im Rüstungswettlauf mit den Briten weit zurückgelegen hatten, sahen jetzt die Chance, mit den neuen Schiffen einen Neustart des Wettlaufs zu wagen. Bereits 1908 besaßen die Deutschen mit der Nassau ihren ersten eigenen Dreadnought, und die anderen Seemächte zogen bald nach.


SMS "Rheinland" von 1908, einer der ersten deutschen Dreadnoughts

Der Schlachtkreuzer

Etwa zur gleichen Zeit wie die Entwicklung des Großkampfschiffes fand eine weitere Umwälzung statt. Die Briten bauten einen neuen Typ von Kampfschiff, eine Art Super-Panzerkreuzer, der alle bis dahin gebauten Panzerkreuzer ausstechen sollte. Er sollte schneller, größer und besser bewaffnet sein und so jeden gegnerischen Panzerkreuzer niederzwingen können. Die Engländer konstruierten dazu ein Schiff von ähnlicher Größe wie ein Schlachtschiff und auch mit ähnlicher Bewaffnung (acht 30,5 cm-Geschütze sowie eine leichte Mittelartillerie). Statt der bei Linienschiffen üblichen schweren Panzerung wurde jedoch eine starke Turbinenmaschine eingebaut, welche dem neuen Schiff eine Geschwindigkeit von 25 Knoten verlieh - schneller als jeder Panzerkreuzer und auch schnell genug, um jedem Schlachtschiff zu entkommen. Die Panzerung war gerade ausreichend, um den Waffen von Panzerkreuzern standzuhalten, man gedachte, schwerer bewaffneten Schiffen davonzulaufen und hielt die hohe Geschwindigkeit des Schiffes für einen ausreichenden Schutz. Mit diesem neuen Schiff, das Invincible getauft wurde, waren - ähnlich wie bei den Linienschiffen mit Erscheinen des Schlachtschiffes - alle Panzerkreuzer der Welt mit einem Schlag entwertet; der neue Schiffstyp, den die Briten "Schlachtkreuzer" getauft hatten, war ihnen allen überlegen. Nicht alle Marinen der Welt folgten dieser Entwicklung, nur Deutschland und Japan bauten in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ebenfalls Schlachtkreuzer. Die Japaner folgten dabei zunächst weitgehend den britischen Vorgaben, ihr erster Schlachtkreuzer wurde sogar in England gebaut. Die Deutschen gingen einen anderen Weg: auch sie wollten auf eine hohe Geschwindigkeit nicht verzichten, jedoch war diese nicht jeden Preis wert. Man opferte einen Teil des Geschwindigkeitsvorteils, um bessere Schutzeinrichtungen - vor allem eine vollwertige Panzerung - einbauen zu können. Um Gewicht zu sparen, waren die deutschen Schlachtkreuzer auch etwas leichter bestückt als ihre britischen Gegenstücke. Man erhielt damit praktisch leichte, schnelle Schlachtschiffe - eine gänzlich andere Philosophie als die der Briten, die schnelle, schwerbewaffnete Kreuzer vorsah. Bereits 1908 wurde der erste deutsche Schlachtkreuzer, die Von der Tann, in Dienst gestellt.


HMS "Princess Royal", einer der stärksten Schlachtkreuzer bei Kriegsbeginn 1914

Die Skagerakschlacht

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges belauerten sich die deutsche und die britische Marine in der Nordsee. Die Briten trauten sich nicht in die Nähe der deutschen Stützpunkte und riskierten keine Seeschlacht, sie begnügten sich mit einer Blockade der Nordseeausgänge außer Reichweite der Deutschen. Die Hochseeflotte konnte es ihrerseits nicht wagen, sich zu weit von ihren Stützpunkten zu entfernen, da sie sonst Gefahr lief, von den überlegenen Briten von der Heimat abgeschnitten und vernichtet zu werden. Um die Briten in ihre Reichweite zu locken, führten die Deutschen Küstenbeschießungen an der Ostküste Englands mit Schlachtkreuzern durch, um die Briten herauszulocken und in die Arme der Hochseeflotte, die weiter draußen stand, zu ziehen. Bei einem solchen Ausfall der Deutschen gerieten das Gros der britischen und der deutschen Flotte am 31. Mai 1916 im Skagerak vor der dänischen Küste aneinander.

Zuerst begegneten sich die Schlachtkreuzer beider Seiten, welche den Kern der schnellen Aufklärungsstreitkräfte bildeten und den Schlachtflotten vorausfuhren. Die Deutschen waren zahlenmäßig unterlegen, nahmen das Gefecht aber dennoch an und versenkten in rascher Folge die beiden Schlachtkreuzer Queen Mary und Indefatigable - die schweren Granaten durchschlugen die unzureichende Panzerung und brachten bei unglücklichen Treffern die Munitionskammern zur Explosion, was das gesamte Schiff sprengte. So sehr sie sich auch bei der Verfolgung gegnerischer Kreuzer und Panzerkreuzer bewährt hatten, den feindlichen Schlachtkreuzern mit ihrer viel schwereren Bewaffnung waren sie nicht gewachsen. Die Briten zogen sich zurück, auf den Rückhalt ihrer Schlachtflotte zu, während die Deutschen glaubten, nur Teile der britischen Flotte vor sich zu haben und auf dem Fuße folgten. Die deutschen Schlachtkreuzer gerieten nun mit dem britischen Gros aneinander, wobei einer von ihnen (die Lützow) außer Gefecht gesetzt wurde und später verloren ging, es gelang ihnen aber, mit der Invincible einen weiteren britischen Schlachtkreuzer zu versenken. Die beiden Schlachtflotten tauschten nun Salven aus, kein Schiff erlitt aber ernsthafte Schäden. Die Briten versuchten ein "Crossing the T"-Manöver, dem sich die Deutschen jedoch durch eine simultane 180°-Wende entziehen konnten. Die Briten bemerkten dies zu spät, und die Deutschen konnten sich in der fallenden Dunkelheit absetzen. Während der Nacht gerieten sich die Flotten noch einmal ins Gehege, beide Seiten verloren in Gefechten während der Dunkelheit einige Schiffe durch Artillerie- oder Torpedoangriffe auf kürzeste Entfernung. Die Deutschen büßten dabei das ältere Linienschiff Pommern durch Torpedotreffer ein.

In diesem Gefecht hatte sich gezeigt, daß die Schlachtschiffe beider Seiten den Anforderungen einer Seeschlacht gewachsen waren - keines von ihnen war verloren gegangen. Lediglich die britischen Schlachtkreuzer waren Sorgenkinder, gleich drei von ihnen waren vernichtet worden. Man hatte sich auf hohe Geschwindigkeit statt auf Panzerung verlassen und war unsanft eines Besseren belehrt worden, spätere englische Schiffe dieser Art waren deutlich besser geschützt. Die deutschen Schlachtkreuzer wiesen dagegen den Weg in die Zukunft zum schnellen Großkampfschiff des Zweiten Weltkrieges, das sowohl gut bewaffnet als auch schnell und gut geschützt war. Trotz schwersten gegnerischen Feuers und zahlreicher Treffer waren sie bis auf einen alle einsatzbereit geblieben, und im Gegensatz zu den Briten, deren Schlachtkreuzer auf einen Schlag mit Mann und Maus hochgegangen waren, gelang es bei der Lützow, die Besatzung zu retten.


Die Grand Fleet verläßt Scapa Flow auf dem Weg in die Skagerakschlacht

Letzte Entwicklungen

In der Nordsee blieb es bis zum Kriegsende beim Patt zwischen den Schlachtflotten, der Krieg wurde an Land entschieden. Neue Entwicklungen wie das Motorschnellboot und das Flugzeug kündigten das Ende der großen Schlachtflotten an, auch wenn dies erst im Zweiten Weltkrieg offensichtlich werden sollte. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war ein vorläufiger Höhepunkt im Schlachtschiffbau erreicht worden, bevor der Washingtoner Vertrag zur Rüstungsbeschränkung auf See das allgemeine kostspielige Wettrüsten beendete. Erst am Vorabend des Zweiten Weltkrieges sollte eine letzte Generation von gepanzerten Großkampfschiffen aufkommen, welche die Götterdämmerung des Panzerschiffes darstellten. Sie führten die Typen von Schlachtkreuzer und Schlachtschiff zusammen: die Antriebsleistung dieser Schlachtschiffe stieg dergestalt an, daß sie praktisch die Rolle der Schlachtkreuzer übernahmen und diese überflüssig machten. Jedem bekannte Namen wie Bismarck, Iowa und Yamato kennzeichneten diese letzte Blüte des Großkampfschiffes. Gegen die wachsende Übermacht des Flugzeuges mußten die stählernen Kolosse jedoch klein beigeben: auch das mächtigste Schlachtschiff war hilflos gegen eine Massenattacke aus der Luft, wie die Vernichtung von Schiffen wie Prince of Wales, Tirpitz und Yamato klar bewies. Die Entwicklung der Raketen im Krieg tat ein Übriges: auch das kleinste Schiff konnte nun Waffen tragen, die den Riesengeschützen der Schlachtschiffe ebenbürtig waren und die obendrein eine größere Reichweite hatten. Eine Flotte kleiner, mit Raketen bewaffneter Schiffe konnte zum Preis eines einzelnen Großkampfschiffes gebaut werden. Das Panzerschiff hatte sich überlebt: in der Welt der Flugzeugträger und Atomwaffen spielte es keine Rolle mehr.


Die japanische "Yamato" (1940), das größte und stärkste Schlachtschiff aller Zeiten

16. April 2005 - 03:23
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil II: Von Lissa zum Skagerak
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 Autor Thema: Die Entwicklung des Panzerschiffes - Teil II: Von Lissa zum Skagerak
mysquirrel
03.07.2005 um 02:34 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 1759

Die beiden Artikel sind echt Toll und sehr Lesenswert.
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Sentenza
03.07.2005 um 11:54 QuoteProfileSend PM

Clan: 0
Postings: 1344

*zustimm*
gut zu lesen und sehr informativ
__________________
See the most beautiful jetfighter aircraft in action.

 
Parabellum
03.07.2005 um 12:32 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Jep, vollste Zustimmung. Der Artikel ist einfach genial.

Als ich ihn zum ersten mal von Jagdpanther zum durchlesen bekommen habe, traute ich mich danach garnicht mehr an die Tastatur um selber noch was zu schreiben...
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Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
nA
03.07.2005 um 19:17 QuoteProfileSend PM

Clan: 0
Postings: 3500

Ich finds auch toll und schließ mich euch an...
 
=DFL= Feldwebel Schultz
03.07.2005 um 22:19 QuoteProfileSend PM

Clan: DFL - L´Legion Etrangere
Postings: 2407

Legion Etrangere
Guter Artikel. Sehr guter Artikel. Bin fast fertig mit dem ueber die "Rolf Krake".
Ich schick ihn am besten an Para als Dateianhang an eine PM...
Auch wenn er sich mit diesem hier nicht messen kann. Falls jemand ein Paar brauchbare
Bilder von der "Krake" hat, immer her damit. Leider ist da mein Material recht begrenzt...
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Bill Kilgore
04.07.2005 um 12:28 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 1547

Tolle Artikel! Interessante Epoche! Ich hab da noch ein paar fragen, aber jetzt muss ich mich erstmal sammeln

zu Tsushima hab ich noch was Gefunden:
http://www.waffenhq.de/specials/tsushima.html
__________________
The problem with America is stupidity. I'm not saying there should be a capital punishment for stupidity, but why don't we just take the safety labels off of everything and let the problem solve itself?

 
Parabellum
04.07.2005 um 13:54 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Nett, wenn auch an manchen Stellen etwas seltsam.
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Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
Kaiserjäger Goldi
02.08.2005 um 01:20 QuoteProfileSend PM


Clan: [BEF]
Postings: 6163

Viribus Unitis
ein wirklich toller artikel!
kilgore der artikel is auch sehr gut.
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