Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Der Kampf der "Königsberg" - Belagerung im Dschungel

:: Der Kampf der "Königsberg" - Belagerung im Dschungel ::

Der Kampf der Königsberg - Belagerung im Dschungel

Im Jahr 1914 operierten verschiedene deutsche Kriegsschiffe auf der Ostafrikanischen Station von Daressalam aus. Das kampfkräftigste Schiff war der 1907 in Dienst gestellte Kleine Kreuzer SMS Königsberg, der zur recht modernen Stettin-Klasse gehörte, aber eine relativ schwache Bewaffnung von zehn 105 mm-Geschützen besaß. Britische Kreuzer waren zu diesem Zeitpunkt bereits meist mit schwereren und weiterreichenden 152 mm-Geschützen ausgerüstet. Immerhin brachte es die Königsberg auf eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten, und ihr Fahrbereich war mit etwa 5000 Seemeilen bei 800 Tonnen Zuladung an Kohlen recht groß. Die Besatzung bestand aus etwa 350 Mann, das Kommando führte Fregattenkapitän Max Looff (* 1874 in Straßburg).
Daneben gab es noch das Vermessungsschiff Möwe und die Dampfer Somali, Feldmarschall und König, die bei Kriegsausbruch zu Troßschiffen umgerüstet wurden. Die Möwe bekam den Befehl, in Daressalam aufzulegen und einen Dampfer als Hilfskreuzer auszurüsten, jedoch scheiterte dies am Mangel eines geeigneten Schiffs und dem geringen Munitionsvorrat für die Waffen. Die Besatzung des Schiffes trat als "Marinekorps Möwe" der Schutztruppe bei und zeichnete sich in den Jahren des Kampfes an Land aus. Es blieb also der Königsberg überlassen, den Seekrieg in diesem Gebiet weitgehend allein zu führen.


SMS 'Königsberg' an der ostafrikanischen Küste

Kurz vor Kriegsausbruch lag die Königsberg in Daressalam, während der Kleine Kreuzer SMS Geier sich in den Gewässern vor Ostafrika aufhielt. Dieses Schiff war allerdings völlig veraltet und vermochte nach längerer Irrfahrt Hawaii zu erreichen, wo es interniert wurde. Die Königsberg blieb zunächst in Daressalam, wo sie bereits vor Ausbruch der Feindseligkeiten vom britischen Kapgeschwader - die drei alten Kreuzer Astrea, Hyacinth und Pegasus unter Konteradmiral King-Hall - erwartet wurde. Es gelang Kapitän Looff aber, in der Nacht des 1. August 1914 aus dem Hafen zu schlüpfen und den langsameren blockierenden Kreuzern in der fallenden Dunkelheit davonzulaufen. Eine großangelegte Suchaktion de Briten blieb dank der von den Deutschen geschlagenen Haken erfolglos, und die Königsberg konnte sich im Golf von Aden mit dem Troßschiff Somali treffen, dem ebenfalls die Flucht aus Daressalam geglückt war. Dies geschah alles wohlgemerkt noch vor Ausbruch des Krieges.

Zwar gab es zwischen den kriegführenden Nationen ein Abkommen, die Kampfhandlungen nicht auf die Kolonien auszudehnen, die Briten beschossen aber bereits am Abend des 5. August den Dampfer König sowie die Funkstation im Hafen von Daressalam. Die Königsberg hörte über Funk von der Kriegserklärung und versuchte zunächst, ihren Kohlevorrat zu ergänzen - an Bord befanden sich nur noch 200 Tonnen. Am 6. August traf der Kreuzer die beiden deutschen Dampfer Goldenfels und Zieten, wenig später auch auf die Ostmark, diese hatten aber nur wenig Kohle an Bord. Ein aufgebrachter britischer Dampfer, die City of Winchester - die erste britische Prise im Krieg - brachte nur wenig Kohlen, erst beim Zusammentreffen mit der Somali am 14. August konnte man die Brennstoffvorräte auffüllen. Währenddessen hatten die Briten Daressalam beschossen, worauf die Möwe sich selbst sprengte, um nicht in Feindeshand zu fallen. Die Königsberg wandte sich den Gewässern um Madagaskar zu, fand aber keine Beute und verbrauchte viel Brennstoff, ohne noch viel Ersatz zu haben. Mittlerweile war eine ganze Reihe von britischen und verbündeten Kriegsschiffen hinter dem deutschen Kreuzer her, darunter mehrere britische Kreuzer und Panzerkreuzer.


Die 'Königsberg' und das Troßschiff 'Somali' auf hoher See

Am 30. August lief die Königsberg in den Haupthafen an der Westküste von Madagaskar, nach Majunga, ein. Dort gab es allerdings keine Beute, auch die Funkstation war zu unbedeutend, so daß man unverrichteter Dinge wieder abzog. Am 1. September versuchte man nahe der Aldabra-Inseln wieder Kohlen von der Somali zu übernehmen, was sich im hohen Seegang aber schwierig gestaltete, nur 200 Tonnen konnten übernommen werden, wobei es zu Schäden an Bord beider Schiffe kam. Zudem bedurfte die Maschinenanlage der Königsberg einer dringenden Überholung, und es gab in ganz Ostafrika keinen deutschen Hafen mehr, der nicht vom Feind bedroht wurde. Man kam zu dem Ergebnis, daß der Mündungsbereich des Rufiji-Flusses, der erst im Frühjahr von der Möwe vermessen worden war, einen idealen Schlupfwinkel darstellte. Auf den Seekarten der Gegner war der Fluß als seichter angegeben, als es tatsächlich der Fall war - scheinbar zu flach für die Königsberg - , und somit würde man das Schiff dort nicht so schnell vermuten. Zudem waren den beiden schiffbaren Mündungen des Flusses - dem Kikunja-Arm und der Simba-Uranga-Mündung - Barren vorgelagert, die nur bei sehr hoher Flut von größeren Schiffen überfahren werden konnten (fünf Meter Tiefgang). Die Königsberg steuerte zunächst die Flußmündung an und befand die örtlichen Verhältnisse für geeignet, Fregattenkapitän Looff befahl das Heranschaffen von Kohlen und Proviant sowie die Befestigung der Flußmündung. Beides glückte, ohne die Aufmerksamkeit der Briten zu erwecken, und die Königsberg hatte nun einen geheimen Stützpunkt.

Am 19. September verließ der Kreuzer vollausgerüstet den Schlupfwinkel mit Kurs auf Sansibar, wo angeblich ein gegnerischer Kreuzer liegen sollte. Dabei fuhr die Somali mit Oberleutnant zur See Herrn als Lotse voraus, der Steuermann des Dampfers kannte die ostafrikanische Küste wie seine Westentasche und ermöglichte das Passieren der gefährlichen Riffe vor Sansibar bei Dunkelheit, eine meisterliche navigatorische Leistung. Bei Hellwerden am 20. September stand die Königsberg bereits in der Hafeneinfahrt Sansibars, versenkte das entgegenkommende Lotsenboot und überraschte den dort liegenden alten britischen Kreuzer Pegasus, sie eröffnete das Feuer auf eine Entfernung von 11.000 m. Die deutschen Salven lagen sofort im Ziel, ohne daß die Briten viele Treffer anbringen konnten. Nach 45 Minuten war die Pegasus kampfunfähig und man hißte die weiße Flagge, was auf der Königsberg zuerst niemand bemerkte, erst etwas später wurde das Feuer eingestellt. Die Pegasus kenterte, 38 Mann der Besatzung waren gefallen und 55 verletzt. Die Königsberg zog sich zurück und täuschte beim Verlassen des Hafens Minenwerfen vor, indem sandgefüllte Tonnen über Bord geworfen wurden. Eine der beiden Hafeneinfahrten galt nun als vermint und wurde bis Ende des Krieges gemieden. Der Angriff des Kreuzers löste auf der Insel Panik aus, weiße Flaggen wurden gehißt, und die Briten zerstörten ein Leuchtfeuer, um es den Deutschen nicht in die Hände fallen zu lassen.


HMS 'Pegasus', der glücklose Jäger der 'Königsberg'

Nach der Vernichtung der Pegasus verschwand die Königsberg, als hätte das Meer sie verschluckt - sie hatte sich in ihren geheimen Stützpunkt zurückgezogen, der nun von Marine- und Landsoldaten bewacht wurde. Zwei Tage nach der Attacke auf Sansibar vollführte der deutsche Kreuzer SMS Emden in Madras auf Ceylon eine ähnliche Unternehmung und führte überaus erfolgreich Handelskrieg im Indischen Ozean, was dem Ruf Englands als unbestrittener Herrin der See schweren Schaden zufügte. Das forderte die britische Admiralität heraus, die nach dieser Pleitenserie alles daransetzte, die lästigen Störenfriede zur Strecke zu bringen. Drei moderne Kreuzer, die Chatham mit Kommodore Drury-Lowe an Bord, die Weymouth und die Dartmouth, von denen jeder der Königsberg weit überlegen war, nahmen die Suche auf. Zunächst entdeckte man nichts, da das Rufiji-Delta als nicht schiffbar galt, und die Briten zerbrachen sich die Köpfe über den Aufenthalt der Königsberg. Dann aber fielen den Briten bei der Durchsuchung des deutschen Dampfers Präsident, der im Hafen von Linda (Kenia) lag, Schiffspapiere in die Hände, die als Empfangsort für Kohle den Liegeplatz der Königsberg bezeichneten - den Ort Ssalale am Rufiji. Deutsche Gründlichkeit führte also zur Entdeckung des hochgeheimen Schlupfwinkels.

Währenddessen hatte die Königsberg große Schwierigkeiten. Die Maschinenanlage war durch einen Schaden an einem der Kolben fast unbrauchbar geworden, und bestimmte Teile, die ersetzt werden mußten, konnten nur in Daressalam gegossen werden. Es begann ein Wettlauf - würden die Maschinenteile die Königsberg rechtzeitig erreichen, um ihr ein Auslaufen zu ermöglichen, bevor der britische Blockadering die Flußmündung verschloß? Am 30. Oktober gelang es einer Landungsabteilung der Chatham, den Aufenthaltsort der Königsberg festzustellen, am selben Tag trafen auch die Maschinenteile ein - zu spät, die Blockade war geschlossen und der Kreuzer konnte den Fluß nicht mehr verlassen.


Wegen der starken Gezeiten fiel die 'Königsberg' auf dem Rufiji gelegentlich beinahe komplett trocken

Mittlerweile hatten die Deutschen den Ankerplatz befestigt. Für die Verteidigung der Flußmündung stand die "Abteilung Delta" zur Verfügung, eine Abteilung von zunächst etwa 50 Freiwilligen, die sich vorwiegend aus Seeleuten von deutschen Dampfern rekrutierten und von Korvettenkapitän a.D. Schoenfeld kommandiert wurden, der als Farmer in Deutsch-Ost-Afrika lebte. Unter größten Schwierigkeiten, denn die tropischen Wetterbedingungen im feuchten Sumpf machten den Europäern sehr zu schaffen, und wegen des mangelnden Proviants konnte man nur wenige einheimische Helfer einstellen, legte man durch den sumpfigen Dschungel der beiden schiffbaren Flußarme ein Fernsprechnetz an und besetzte die vorgeschobene Insel Mafia mit einer etwa 20 Mann starken Vorausabteilung, mit der eine Lichtsignalverbindung bestand. Die Briten begannen währenddessen mit dem Vermessen und Ausbojen des Flußbettes, um ihren Kreuzern eine gefahrlose Einfahrt zu ermöglichen, kamen aber nicht recht voran: was die am Tag schafften, wurde nachts durch die Abteilung Delta wieder zunichte gemacht, deren Stellungen immer weiter ausgebaut wurden. Die Briten schickten Späher aus, um darüber Näheres zu erfahren. Die Königsberg lag jetzt weit stromauf, außerhalb der Reichweite der britischen Schiffe - um den Kreuzer zu bekämpfen, mußten sie den Fluß hinauffahren.

Am 1. November begannen die Engländer mit einem dreitägigen Bombardement der Stellungen an Land, der Somali und der Königsberg. Die Somali wurde dabei in Brand geschossen und versank, während die Königsberg unversehrt blieb. Sie verlegte aber ihren Ankerplatz um einen Kilometer stromaufwärts, so daß sie nun im Süßwasser zu liegen kam. Das hatte den Vorteil, daß man nicht mehr im Mangrovensumpf lag, sondern an einem festen Flußufer. Die Blockadeflotte hatte mittlerweile Verstärkung in Form kleinerer Hilfsfahrzeuge erhalten, welche den Fluß ohne weiteres befahren konnten.


Der Weg der 'Königsberg' flußaufwärts und ihre beiden Liegeplätze.
Eine animierte Version dieser Karte findet sich auf The War Times Journal.

Am 4. November drang eine britische Flottille aus zwei Dampfern und vier armierten Dampfbooten in die Simba-Uranga-Mündung, ein. Einer der Dampfer versenkte sich als Sperrschiff selbst, allerdings in einer Position, die das Auslaufen der Königsberg nicht behindert hätte. Zwischen britischen Landungstruppen und der Abteilung Delta kam es währenddessen zu einem heftigen Gefecht. Am 22. November brachten die Briten erstmals ein Flugzeug zum Einsatz, und die Blockade nahm an Schärfe noch zu. Allerdings blieben auch die Deutschen nicht untätig, Fregattenkapitän Looff hielt den Gegner durch Täuschungsmanöver wie Scheinfunkverkehr, Einsatz der Scheinwerfer, Reisigfeuer und Leuchtkugeln während der Dunkelheit, ständig auf Trab - jede Nacht erwarteten die Blockadestreitkräfte den Ausbruch der Königsberg.

Der 10. Januar 1915 sah die Einnahme der dem Delta vorgelagerten Insel Mafia durch die Briten. Die Insel war durch einen deutschen Offizier, zwei deutsche Unteroffiziere und zwanzig Askaris besetzt und wurde nach heftigem Bombardement durch eine riesige Übermacht (sechs Kompanien indischer und anderer Kolonialtruppen) überrannt. Für die Königsberg war das ein herber Schlag, man bekam jetzt keine Nachrichten mehr von der Insel, und der Gegner konnte die Blockade enger ziehen. Am 1. März wurde die Blockade auf die gesamte Küste Deutsch-Ost-Afrikas ausgedehnt, um Kohletransporte zu verhindern.


HMS 'Humber', das Schwesterschiff der beiden Monitore 'Mersey' und 'Severn'

Am 13. April traf der Dampfer Rubens aus Deutschland mit einer Ladung aus Kohlen, Waffen, Munition und Nachschub für die Schutztruppe vor der Mansabucht ein. Der alte britische Kreuzer Hyacinth zwang ihn zwar durch sein Feuer zur Selbstversenkung im flachen Wasser, jedoch konnte der größte Teil der Ausrüstung unversehrt geborgen werden. Die Briten machten keinen Versuch, das Löschen der Ladung zu behindern, da von den Deutschen lancierte falsche Funkmeldungen sie überzeugten, die Bucht sei vermint. Ein großer Teil des Materials und der Besatzung des Dampfers kam dem bewaffneten deutschen Dampfer Goetzen auf dem Tanganjikasee zugute, ein anderer ging ins Rufijidelta zur Königsberg. Im Mai und Juni versuchten die Briten mehrfach Luftangriffe auf den Liegeplatz des Kreuzers, die jedoch ohne Schwierigkeiten abgewiesen wurden.

Den Briten wurde allmählich klar, daß die Königsberg nicht ausbrechen würde, sondern darauf aus war, die Blockadestreitkräfte solange als möglich zu binden. Man trachtete also danach, den Störenfried durch einen Angriff von See her auszuschalten. Der Plan sah vor, zwei Monitore mit geringem Tiefgang heranzubringen, die den Fluß hinauflaufen und die Königsberg in ihrem Versteck angreifen sollten. Nach monatelanger Vorbereitung begann bei Hellwerden am 6. Juli der erste britische Generalangriff, der von dem Kreuzer Weymouth und vier bewaffneten Walfangbooten über den Kikunja-Arm sowie von den Kreuzern Hyacinth und Pioneer sowie den beiden aus Malta herangebrachten flachgehenden Monitoren Severn und Mersey über die Simba-Uranga-Mündung vorgetragen wurde. Von den Kreuzern gedeckt, liefen die Monitore den Fluß hinauf und eröffneten das Feuer. Die Deutschen waren allerdings nicht untätig gewesen und hatten den Liegeplatz der Königsberg stark befestigt, u.a. hatte man Haubitzen herbeigeschafft. Auch die Abteilung Delta bereitete den Briten große Schwierigkeiten, während sie ein von Flugzeugen geleitetes Feuer auf den deutschen Kreuzer unterhielten. Die Königsberg erwiderte das Feuer, wurde aber selbst mehrfach getroffen, und es gab Verwundete und Tote, über 600 Granaten schlugen in unmittelbarer Nähe des Schiffes ein. Aber auch die Briten erlitten Verluste, die beiden Monitore erhielten mehrere schwere Treffer, die Geschütze außer Gefecht setzten und die Bedienungen töteten. Das Feuer der Königsberg wurde übrigens nicht von Bord aus gelenkt, sondern von einem günstigeren Leitstand an Land. Um 16.00 Uhr zogen sich die Angreifer zurück.


Zwei Photos der zerstörten 'Königsberg'

Der nächste Angriff am 11. Juli fiel um einiges heftiger aus, diesmal waren nicht weniger als einundzwanzig britische Schiffe daran beteiligt. Bereits 20 Minuten nach Feuereröffnung hatte sich die aus der Luft gelenkte Artillerie der beiden Monitore auf die Königsberg eingeschossen, und sie wurde schwer getroffen. Die vorderen Geschützbedienungen fielen aus, und Fregattenkapitän Looff wurde mehrfach schwer verwundet. Auch war der Munitionsvorrat mittlerweile so zusammengeschrumpft, daß man mit den Granaten haushalten mußte. Im Achterschiff brach gegen 13.15 Uhr ein schwerer Brand aus, der zum Fluten der Munitionskammern zwang, und gegen 13.40 Uhr war jeder weitere Widerstand sinnlos. Allerdings gelang es, eines der Beobachtungsflugzeuge abzuschießen. Das Schiff wurde um 14.00 Uhr durch Zündung der Torpedos gesprengt und die Besatzung an Land gebracht, wegen der geringen Wassertiefe sank der Kreuzer nur bis zum Oberdeck. Gegen 15.00 Uhr zogen die Briten ab, und die Bergungsarbeiten konnten beginnen. 23 Mann der Besatzung waren gefallen und 35 verwundet. Unter anderem wurden die zehn 105 mm-Geschütze gerettet, die der Schutztruppe zur Verfügung gestellt wurden. Die verbliebene Besatzung des Schiffes nahm als "Abteilung Königsberg" weiter an der Verteidigung Deutsch-Ost-Afrikas teil.

Die Blockade des Kreuzers hatte über mehrere Monate eine große Zahl an britischen Schiffseinheiten gebunden. Unter ihnen befanden sich:

    - Linienschiff Goliath
    - Kreuzer Cornwall
    - Kreuzer Chatham
    - Kreuzer Dartmouth
    - Kreuzer Weymouth
    - Kreuzer Hyacinth
    - Kreuzer Pyramus
    - Kreuzer Pioneer
    - Kreuzer Fox
    - Kreuzer Pegasus
    - Monitor Mersey
    - Monitor Severn
    - Hilfskreuzer Kinfauns Castle
    - und andere Hilfsschiffe

Zu Ehren des in Ostafrika gesunkenen Schiffes wurde ein neuer Kreuzer
des Bauprogrammes 1913 SMS 'Königsberg (II)' getauft.

Am 1. März 1919 trafen die letzten fünfzehn Überlebenden der Besatzung, unter ihnen Fregattenkapitän Looff, zusammen mit den Überresten der deutschen Schutztruppe in Berlin ein. Looff starb 1954, und das Wrack der Königsberg wurde erst 1963 von der tansanischen Regierung verschrottet. Die Überreste der Somali liegen dagegen noch heute an Ort und Stelle.

Kleiner Kreuzer Königsberg (Stettin-Klasse) - Technische Daten
Abmessungen
Verdrängung: 3.390 ts normal, 3.810 ts maximal
Länge über alles: 114,8 m
Breite: 13,2 m
Tiefgang: 5,2 m
Besatzung: 322

Bewaffnung
zehn 10,5 cm L/40
acht 5,2 cm L/55
zwei 45 cm Torpedorohre (seitlich)

Panzerung
Deck: 30 mm
Kommandoturm: 100 mm
Geschützschilde: 50 mm

Antrieb
zwei Dreifach-Expansionsmaschinen auf zwei Wellen, 11 Marinekessel
Brennstoffvorrat: 820 t Kohle
Reichweite: 5.750 sm bei 12 kn

Leistung
Gesamtleistung: 12.000 PSi
Höchstgeschwindigkeit: 23 kn

Weitere Schiffe dieser Klasse: Stettin, Nürnberg, Stuttgart


Daressalam, Sansibar und das Rufijidelta (zum Vergrößern bitte klicken)
Hinweis: Die Seite www.deutsche-schutzgebiete.de war für die Erstellung dieses Artikels von großem Wert, Dank auch an Parabellum für die Auswahl zahlreicher Bilder.

14. Juni 2005 - 00:18
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Der Kampf der "Königsberg" - Belagerung im Dschungel
Antwort erstellen
 Autor Thema: Der Kampf der "Königsberg" - Belagerung im Dschungel
mysquirrel
08.07.2005 um 00:37 QuoteProfileSend PM


Clan: Kein Clan
Postings: 1758

Echt guter Artikel.

Kaum zu glauben das die Briten soviele Schiffe aufbieten mussten...
__________________



 
=DFL= Feldwebel Schultz
08.07.2005 um 16:30 QuoteProfileSend PM

Clan: DFL - L´Legion Etrangere
Postings: 2407

Legion Etrangere
Ist ne echt interressante Begebenheit. Hab ein gutes Buch drüber.
Sehr gut, weiter so...
__________________

 
Parabellum
08.07.2005 um 17:43 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

mysquirrel hat folgendes geschrieben:
Kaum zu glauben das die Briten soviele Schiffe aufbieten mussten...

Das ist auch der Hauptgrund, warum die Kriegsmarine im 2.WK noch Großkampfschiffe und Kreuzer in den Atlantik schickte, obwohl U-Boote und Hilfskreuzer viel mehr Handelsschiffe versenkten: Nichts erzeugt soviel Panik und lenkt den Gegner so gut ab, wie das Wissen, daß ein feindliches Dickschiff irgendwo da draußen ist und jederzeit zuschlagen kann!
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
Tommson
11.07.2005 um 10:34 QuoteProfileSend PM

Clan: GebJgBtl. 231
Postings: 355

Warum wurde schon 1913 eine SMS Königsberg II geplant obwohl die Königsberg erst 2 Jahre später sank?
Blick ich jez grad nicht ganz durch...
 
=DFL= Feldwebel Schultz
11.07.2005 um 10:41 QuoteProfileSend PM

Clan: DFL - L´Legion Etrangere
Postings: 2407

Legion Etrangere
Der Kreuzerkrieg, ausgefochten fern der Heimat, erzielte bemerkenswerte Erfolge.
Schliesslich aber waren die Kreuzer in der Ferne völlig ohne Support, und mussten letztendlich
einfach irgendwann an Munitionsmangel, Kohlenmangel oder fehlender Werftunterstützung eingehen. Sei es als zerschossenes Wrack, als Beuteschiff, oder Interniert.
Ich vermute,das einfach berechnend geplant.
Passt zur Denkweise meines Avatars...
__________________

 
Parabellum
11.07.2005 um 11:01 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Frontline18
Postings: 5411

Im Bauprogramm 1913 waren vier neue Kleine Kreuzer eingeplant, die vorerst nur die Etatnamen 'Ersatz Gazelle', 'Ersatz Niobe', 'Ersatz Nymphe' und 'Ersatz Thetis' trugen - benannt nach jenen Kleinen Kreuzern der alten Gazelle-Klasse (Stapellauf '99-'02), die sie nach der Fertigstellung ersetzen sollten. Welche Namen sie später tragen sollten, war noch nicht offiziell festgelegt worden, da ein Schiff traditionell seinen Namen erst bei Stapellauf erhält (ausgenommen russische Schiffe, die ihn bei der Kielweihe erhalten).

Als dann für das Typschiff 'Ersatz Gazelle' im Dezember 1915 der Stapellauf anstand, hatte schon längst der 1. Weltkrieg begonnen und mehrere Kreuzer waren gesunken. Daher wurde beschlossen den neuen Kleinen Kreuzern der Bauprogramme 1913 und 1914 die Namen verlorener Kreuzer zu geben, um diese und ihre Besatzungen damit zu ehren.
So wurde aus der lange vor dem Verlust des ostafrikanischen Stationskreuzers auf Kiel gelegten 'Ersatz Gazelle' mit dem Stapellauf SMS Königsberg.

Der Zusatz '(II)' hinter dem Namen wurde übrigens damals nie verwendet und ist nur in modernen Nachschlagewerken üblich, um keine Verwechslungen mit der alten Königsberg zu verursachen.

Die neue Königsberg wurde übrigens im August 1916 in Dienst gestellt und trat dann zur II. Aufklärungsgruppe. Am 17. November 1917 nahm sie an der Zweiten Schlacht in der Deutschen Bucht teil. Nach Kriegsende wurde sie als Reparation an Frankreich abgegeben, wo man sie in Metz umtaufte. Aufgrund des akuten Kreuzermangels der französischen Marine blieb sie dort bis 1933 in aktivem Dienst, diente dann weitere drei Jahre als Schulschiff, bevor sie schließlich 1936 verschrottet wurde.

[Editiert von Parabellum am 11.Jul.2005 um 11:07]
__________________
Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Napoléon Bonaparte)
 
[ Antwort erstellen ]
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net