Der Krieg in Serbien
Prolog: Der serbische Traum vom Balkangroßreich
Der geplante Krieg gegen Serbien war auch vor den Schüssen von Sarajewo bereits eines der interessantesten Betätigungsfelder für den österreichisch-ungarischen Generalstab, nicht zuletzt da die Serben unablässig Zwietracht im Vielvölkerreich zu sähen versuchten und danach trachteten, die dort lebenden Serben mit dem aus türkischer Unterdrückung auferstandenen Heimatland zu vereinen. Erst 1817 war Serbien infolge eines langjährigen Aufstandes als autonomes Fürstentum im osmanischen Reichsverband nach über 400 Jahren türkischer Herrschaft wieder zu eigener Staatlichkeit gelangt, hatte 1878 nach dem Frieden von San Stefano die vollständige Unabhängigkeit erreicht und in den Balkankriegen sein Gebiet um das Kossovo und Makedonien erweitert. Jetzt ersehnte man auch den Anschluß der in Bosnien und Dalmatien lebenden Landsleute an die Heimat. Die Ambitionen mancher Serben reichten sogar noch weiter als der bloße Traum vom Großserbien: man hoffte, alle slawischen Völker des Südens (auch die Bulgaren) vor allem auf Kosten Österreich-Ungarns unter serbischem Banner zu einen und mit einem von der Adria bis zum Schwarzen Meer reichenden Großreich zum unumstrittenen Herrn des Balkans aufzusteigen. Dieses Streben, das von Teilen der Bevölkerung unterstützt wurde, war als "südslawische Bewegung" oder "Jugoslawismus" (Jugoslawien bedeutet Süd-Slawien) bekannt. Schon 1908 wäre es nach der Annexion des de jure noch türkischen Bosnien durch die Österreicher fast zum Krieg gekommen, da Serbien seine eigenen Großreichspläne durchkreuzt sah und mobilisierte, was auch die Russen und Briten auf den Plan rief. Nur die Besonnenheit der Politiker und die Tatsache, daß Frankreich sich zu schwach für einen Waffengang fühlte, verhinderte damals den Krieg.
Nach den Balkankriegen 1912 und 1913 herrschte trotz der riesigen Gebietsgewinne Serbiens - das Staatsgebiet wurde mit dem Erwerb des Kossovo und Makedoniens mehr als verdoppelt - doch Enttäuschung, weil man die Adria nicht erreicht hatte. Der fanatische Nationalstolz und Chauvinismus der serbischen Eliten führte zur Gründung des alle obengenannten Ziele verfechtenden extrem nationalistischen Geheimbundes "Schwarze Hand" im Jahr 1911 durch den serbischen Obersten Dimitri Jevic, auch "Apis" (der Stier) genannt, der mit seiner Camarilla nationalistischer Offiziere bereits beim Sturz und der Ermordung des serbischen Königs Alexander I. im Jahr 1903 eine tragende Rolle gespielt hatte. Das kriegsauslösende Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand wurde von einem im Auftrag der "Schwarzen Hand" stehenden Serben verübt und war von den höchsten serbischen Ofiziers- und Politikerkreisen unterstützt worden. Man hoffte, damit ein Fanal für den Aufstand der Serben zu setzen und wenn möglich einen Krieg anzuzetteln, der Österreich schwächen und die Annexion der von Südslawen bewohnten Gebiete zulassen würde.
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Oberst Dimitri "Apis" Jevic, der Gründer des Geheimbundes "Schwarze Hand" und Mitinitiator des Attentats von Sarajewo
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Die ersten Schüsse fallen
Die ersten Schüsse des Krieges fielen bereits vor den eigentlichen Kriegserklärungen, und zwar bei einem Schußwechsel zwischen Serbien und Österreich-Ungarn. Am Abend des 28. Juli 1914 beschoß die serbische Festung Kalimegdan an der Donau nahe Belgrad den österreichisch-ungarischen Schleppdampfer Joseph, der Fluß bildete die Grenze zwischen beiden Ländern. Der nahebei liegende österreichische Donaumonitor Temes eilte zur Hilfe und erwiderte den serbischen Beschuß. Gegen 23 Uhr am selben Abend erschienen zwei weitere österreichische Monitore auf dem Schauplatz, die Szamos und die Bodrog, und eröffneten ebenfalls das Feuer. Die nahe Semlin auf der österreichischen Seite liegende Donaubrücke wurde von den Serben gesprengt.
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Serbien und Montenegro 1907 (Klicken zum Vergrößern).
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Serbien und Montenegro 1914 (Klicken zum Vergrößern). Man beachte die beträchtliche Vergrößerung des Staatsgebiets
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Der erste österreichische Angriff
Für den Kriegsfall sah die k.u.k. Generalität mehrere verschiedene Szenarien vor: im Falle eines Krieges gegen Rußland sollte sich die Hauptmacht der Armee (vier Armeen und eine Armeegruppe in den Staffeln A und B) gegen Polen und die Ukraine wenden, um dem erwarteten Ansturm der russischen Dampfwalze zuvorzukommen, während an der Balkanfront gegen das mit Rußland verbündete Serbien defensiv gekämpft werden sollte, die "Minimalgruppe Balkan" umfaßte nur zwei schwache Armeen. Zunächst machte man sich Hoffnungen, eine Eroberung Serbiens und Montenegros könnte noch vor Kriegseintritt Rußlands gelingen, und umwarb die neutralen Balkanmächte Bulgarien und Rumänien mit Bündnisangeboten. Entsprechend wurden Teile der "B-Staffel" an die Balkanfront gezogen, um eine offensive Kriegführung gegen Serbien zu ermöglichen. Dies zog allerdings eine Schwächung der gegen Rußland aufmarschierenden Kräfte nach sich, die sich böse rächen sollte. Bis zum 9. August bezog auch die serbische Streitmacht mit ihren drei Armeen einschließlich der Armeegruppe Uzice und etwa 360.000 Mann entlang der Grenze Stellung, die Montenegriner brachten ebenfalls die fünf Divisionen ihres Milizheeres mit insgesamt 40.000 Mann in Position.
Zunächst besaßen die Österreicher eine beträchtliche zahlenmäßige Überlegenheit, doch ihre Angriffe auf die Serben wurden sämtlich unter teils erheblichen Verlusten abgewiesen, und die katastrophale Situation in Galizien zwang die Angreifer, Truppen von der Balkanfront wegzuverlegen. Eine versuchte Blockade der montenegrinischen Küste durch die österreichisch-ungarischen Seestreitkräfte wurde durch die Ententemächte aufgehoben. Die Serben und Montenegriner konnten vorerst aufatmen, allerdings hatten auch sie in ihrem fanatischen Abwehrkampf erhebliche Verluste erlitten. Die Gebundenheit der Mittelmächte an anderen Fronten führte zu einer zehnmonatigen Kampfpause, in der es nur wenige Aktionen beider Seiten gab. Die Österreicher zogen sich über die Donau zurück und machten vorerst keinen Versuch mehr, Serbien ernsthaft anzugreifen.
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Serbische Soldaten
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Intermezzo
Trotzdem blieb die Lage für die Serben weiterhin kritisch: obwohl die Militarisierung der serbischen Bevölkerung sehr stark war (das serbische Heer machte auch im Frieden gut 10% der Gesamtbevölkerung aus), war die Armee nur höchst unzureichend mit modernen Waffen ausgerüstet. Nicht einmal genügend Uniformen gab es - teilweise wurden sogar österreichische Uniformen ausgegeben, die man Toten und Gefangenen abgenommen hatte. Die heftigen Kämpfe hatten viel Material verschlissen, und Ersatz war kaum zu bekommen. Auch raffte kurz nach Abflauen der Kämpfe eine verheerende Flecktyphusepidemie Zehntausende serbischer Soldaten hinweg. Zudem waren auch die Verluste durch die gegnerischen Attacken verheerend gewesen, so daß man sich genötigt sah, auch Männer über sechzig Jahre zum Wehrdienst einzuziehen, sogar Frauen griffen zur Waffe. Die Ententemächte schickten allerdings bald frischen Nachschub nach Serbien, zunächst über die Donau von Rußland aus, später dann über das Meer. Auch entsandten sowohl Engländer als auch Franzosen Geschütze und Truppen, um die serbischen Abwehrkräfte zu stärken und eine "Orientarmee" auf dem Balkan aufzustellen, die den Mittelmächten in die Flanke fallen sollte.
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Der serbische Generalstabschef Radomir Putnik
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Deutsche Feldzugspläne
Inzwischen hatten allerdings die Deutschen eigene Pläne für einen Balkanfeldzug entworfen, bereits Ende März 1915 lag der fertige Plan der OHL vor. Er sah eine Umfassung und Zerschlagung der serbischen Armeen im Norden des Landes vor und bezog auch bulgarische Armeen in die Planung mit ein, denn das von beiden Parteien heftig umworbene Bulgarien mit der stärksten Armee aller Balkanländer hatte sich zwischenzeitlich insgeheim den Mittelmächten angenähert. Es versprach sich von diesem Schritt die Schaffung des erträumten Großbulgariens, das ihm im Zweiten Balkankrieg 1913 nicht zuletzt von den Serben verdorben worden war. Allerdings hing Bulgarien, das noch immer unter den Nachwirkungen der Balkankriege litt, in hohem Maße von Rüstungslieferungen der Mittelmächte ab. Ein Geheimvertrag zwischen Bulgarien und den Mittelmächten verpflichtete das Land, auf Wunsch Deutschlands und Österreichs in den Krieg einzutreten.
Währenddessen hatten die Russen die Serben zu einem Angriff auf die Südflanke Österreichs gedrängt, der ihre schwer ringenden Armeen entlasten sollte. Die Serben hatten dies aber abgelehnt und statt dessen Albanien besetzt, angeblich um einer Expansion Italiens vorzubeugen - am 11. Juli 1915 marschierten sie in Tirana ein. Unterdessen liefen die Vorbereitungen zum Angriff auf Serbien in Österreich und Bulgarien auf Hochtouren, die Bulgaren zögerten allerdings mit der endgültigen Unterzeichnung des Bündnisvertrages bis zur völligen Bereitschaft ihrer bewaffneten Kräfte. Eine Eroberung Serbiens wäre für die Mittelmächte von hoher strategischer Bedeutung: die Bedrohung ihrer Südflanke durch die Serben wäre beseitigt, und man besäße eine feste Landverbindung mit den Türken, die auf Nachschub deutscher und österreichischer Rüstungsgüter angewiesen waren. Auch besäße man damit ein deutliches Übergewicht auf dem Balkan, was Rumänien und Griechenland zum Kriegseintritt auf Seiten der Mittelmächte bewegen könnte. Nicht weniger schwer wogen die Erwägungen auf alliierter Seite: mit einer Kontrolle des Balkans wäre eine zusätzliche Front geschaffen, auf der man die Überlegenheit an Material und Personal ausnutzen und den Mittelmächten in die Flanke fallen könnte. Entsprechend wurden die noch neutralen Staaten des Balkans heftig mit diplomatischen Mitteln umworben. Anfang Oktober landeten die ersten Einheiten der alliierten Orientarmee unter Verletzung der griechischen Neutralität in Thessaloniki, um die Serben zu unterstützen. Gleichzeitig beendeten österreichische, deutsche und bulgarische Armeen ihre Vorbereitungen zum Angriff.
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Der deutsche Oberbefehlshaber der Offensive gegen Serbien Generalfeldmarschall August von Mackensen
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Die Zerschmetterung Serbiens durch die Mittelmächte
Am 7. Oktober 1915 war es dann soweit: die wegen Krisen an der Ost- und Westfront immer wieder aufgeschobene Offensive der Mittelmächte gegen Serbien, Montenegro und das besetzte Albanien brach endlich los. Den Oberbefehl führte der deutsche Generalfeldmarschall August von Mackensen. Nach Artillerievorbereitung und schwerem Beschuß Belgrads überschritten Pioniere Donau und Save und bildeten Brückenköpfe, Belgrad wurde nach zweitägigen heftigen Kämpfen, denen über 5000 Einwohner zum Opfer fielen, am 9. Oktober erobert. Am 14. Oktober erklärte auch Bulgarien Serbien den Krieg und fiel den Serben unter Oberbefehlshaber General Jekow in die Flanke, ihre strategische Lage wurde hoffnungslos. Deutsche, Österreicher und Bulgaren trieben die Reste der sich verzweifelt wehrenden serbischen Armeen in südwestlicher Richtung vor sich her, es gelang ihnen, die Bahnlinie nach Konstantinopel zu sichern und somit die ersehnte Landverbindung zu den Osmanen herzustellen. Die serbische Führung erteilte den Befehl, daß die Armeen das unhaltbare Land verlassen und sich den Ententetruppen im Süden anschließen sollten, um sich der Gefangennahme durch die siegreichen Mittelmächte zu entziehen. Die Evakuierungen nahmen extreme Formen an, neben zahlreichen Zivilisten und allen auch nur annähernd Wehrfähigen wurden auch 30.000 Knaben zwischen zwölf und achtzehn Jahren auf dem Rückzug mitgenommen, um mit ihnen zukünftige Soldaten nicht in Feindeshand fallen zu lassen.
Allerdings konnten die sich schließlich fluchtartig zurückziehenden Serben auch dank des Standhaltens der Montenegriner im unwegsamen Bergland des Westens der drohenden Umklammerung entziehen, jedoch erlitten sie schwerste Verluste und waren völlig erschöpft. Die Nachschubwege der Mittelmächte wurden mit fortschreitendem Vorrücken immer länger, und die unzureichenden Verkehrswege taten ein Übriges, ihr Vorwärtskommen zu verlangsamen. So entschlüpften ihnen die Serben immer wieder, bei denen nun praktisch jeder Mann unter Waffen stand, der nur irgendwie ein Gewehr halten konnte. Trotzdem waren bei Erreichen des Kossovo gerade 300.000 Mann von ihnen übrig, nicht einmal ein Drittel der Stärke vor Beginn der Offensive. Entlastungsangriffe der Briten und Franzosen gegen die vorrückende bulgarische 2. Armee blieben erfolglos, so daß ihnen nur der Rückzug blieb. Ein Vorstoß nach Süden auf die Orientarmee zu war unmöglich, weil gegnerische Armeen den Weg versperrten, so daß nur der Weg durch die Berge zur Adriaküste blieb. Der montenegrinische Widerstand brach allerdings ohne Hilfe von außen schließlich zusammen, Montenegro und der größte Teil des besetzten Albaniens wurden Anfang 1916 trotz russischer Entlastungsangriffe an der Ostfront und italienischem Eingreifen über die Adria von der österreichischen 3. Armee im Zusammenwirken mit der k.u.k. Flotte erobert, und die serbische Armee war in der wenig beneidenswerten Lage, aus ihrem Land vertrieben zu werden. Die Zustände auf dem Rückzug waren unmenschlich, es gab weder Nahrung noch Medikamente, und außerdem begleiteten zahlreiche fliehende Zivilisten das Heer und komplizierten die Versorgungslage weiter. In den winterlichen Bergen des Kossovo und Albaniens fanden Zehntausende den Tod durch Kälte, Hunger, Auszehrung, Angriffe albanischer Stämme oder Krankheiten; die Fliehenden durchlitten alle Schrecken der Hungersnot und Unmengen von Leichen säumten die Rückzugswege.
Die Überlebenden wurden Mitte Januar 1916 von der sie erwartenden italienischen Flotte unter Führung von Kronprinz Alexander und Generalissimus Putnik auf die griechische Insel Korfu übergesetzt, außerhalb des Zugriffs der Mittelmächte. Sie hatten über 90% ihrer ursprünglichen Stärke eingebüßt und beinahe alles Material zurücklassen müssen. Knapp 155.000 Serben, die am Ende ihrer Kräfte waren, blieben noch übrig, von ihnen waren gerade 30.000 Soldaten. Auch 15.000 montenegrinische Soldaten waren entkommen, ein Verlust von über 60% der ursprünglichen Stärke. Von den 30.000 zwangsevakuierten serbischen Jungen waren gerade 9000 übriggeblieben, die anderen waren auf der Flucht umgekommen, und innerhalb von 24 Stunden nach Ankunft auf Korfu starben 2000 weitere an Entkräftung und Krankheiten. Den Erwachsenen ging es nicht viel besser, auch bei ihnen starben täglich Tausende dahin. Es sollte Monate dauern, bis aus den kläglichen Überresten der serbischen Truppen wieder kampffähige Verbände wurden.
Im Zuge der Offensive auf dem Balkan kam es zu einem zeitweiligen Zerwürfnis zwischen Deutschen und Österreichern über die zu setzenden Prioritäten auf dem Balkan, es ereigneten sich sogar Schießereien zwischen den Verbündeten.
Die Entente verlor keine Zeit und begann sofort, auf griechischem Boden und unter Verletzung der griechischen Neutralität eine neue Balkanfront gegen die Mittelmächte aufzubauen. Auch wurden die Reste der serbischen Streitkräfte reorganisiert und neu bewaffnet. Bereits im Mai standen wieder 80.000 serbische Soldaten im Feld, zusammen mit Franzosen und Engländern bildeten sie die Orientarmee, welche etwa 460.000 Mann stark war und bereits im August 1916 einen ersten, allerdings weitgehend erfolglosen Angriff gegen die Bulgaren startete. Dieser sollte die auf Seiten der Entente in den Krieg eingetretenen Rumänen unterstützen, allerdings erholten sich die Mittelmächte rasch von ihrem Schock und zerschlugen die rumänischen Armeen in kurzer Zeit (siehe auch Der Krieg in Rumänien).
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Die serbische Armee auf dem Rückzug
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Das Blatt wendet sich
Im Jahr 1917 kam es zu einer Vielzahl von Ansätzen der Orientarmee gegen die Streitkräfte der Mittelmächte auf dem Balkan, die aber sämtlich deren Stellungen nicht zu erschüttern vermochten. Trotz teilweise erbitterter Kämpfe in Makedonien und im Strumatal drangen die alliierten Angriffe im unwegsamen Bergland nicht durch, und der einzige Erfolg war die Bindung der Verteidiger in ihren Stellungen. Erst im Jahr 1918 kam wieder Bewegung in die Balkanfront. Im ersten Halbjahr passierte wenig, nach entscheidender Verbesserung ihrer Versorgungsinfrastruktur (auch durch den zwischenzeitlichen Kriegseintritt Griechenlands auf Seiten der Entente) und dem Eintreffen zahlreichen Nachschubs an Material und Personal, auch durch Italiener, konnte die Balkanfront aber endlich an eine entscheidende Offensive denken. Am 15. September 1918 griff die erheblich verstärkte Orientarmee die bulgarischen Positionen in Makedonien an und durchbrach die Frontlinien, so daß sich Bulgarien genötigt sah, einen Waffenstillstand zu schließen. Damit ging auch die Verbindung mit der Türkei verloren, die ihrerseits zusammenbrach und um Frieden bat. Diese Kettenreaktion machte die Lage auf dem Balkan letztlich unhaltbar, so daß auch die österreichischen und deutschen Armeen schließlich die Waffen strecken mußten.
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7. November 1918: Nach der Kapitulation der Österreicher treten der serbische Generalleutnant
Simovic und der österreichische Vizemarschall Housek in Herceg Novi vor die Presse
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Kriegsfolgen und Epilog
Die Serben wurden für ihre Mühen reich belohnt: Bulgarien mußte einige Territorien an das Königreich abtreten, und die südslawischen Gebiete Österreich-Ungarns (Kroatien, Krain/Slowenien, Bosnien-Herzegowina und die ungarische Voiwodina) wurden dem herbeigesehnten südslawischen Reich, dem unter serbischer Führung neu errichteten "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" zugeschlagen; Montenegro wurde kurzerhand rechtswidrig annektiert. Der eigentliche Initiator des Krieges und Gründer der "Schwarzen Hand", Dimitri "Apis" Jevic, erlebte all das nicht mehr: er war während der Eroberung Serbiens 1915 mit seinen Spießgesellen in österreichische Gefangenschaft geraten und nach einem Prozeß zu langjähriger Kerkerhaft verurteilt worden, dort starb er noch vor Kriegsende an einer Krankheit. Der Preis für den Traum vom Großreich war allerdings horrend gewesen: die Verluste der Serben allein an Soldaten beliefen sich auf etwa 125.000 Mann, davon etwa 65% durch Krankheiten wie die erwähnte Typhusepedimie - eine gewaltige Zahl verglichen mit der Bevölkerung.
Das neue Reich war allerdings nie ein freier Bund der südslawischen Völker, sondern stand stets unter serbischem Primat und entwickelte sich schließlich zu einer serbischen Diktatur, in der die anderen Nationalitäten zunehmend unterdrückt wurden. Lediglich Bulgarien blieb der Allianz der Balkan-Slawenvölker fern. Bei der erneuten Besetzung des seit 1929 Jugoslawien (man beachte die Streichung der Kroaten und Slowenen aus dem Staatsnamen) genannten Staates im Zweiten Weltkrieg durch die Deutschen entzweiten sich die Volksgruppen endgültig. Die Kroaten dienten sich den nationalsozialistischen Eroberern an und ließen die Serben und kommunistischen Guerillas für erlittene Schmach fürchterlich bluten, was diese nach der Niederlage der Deutschen ihrerseits mit schrecklichen Greueltaten vergalten. Einzig die kluge Politik des Kroaten Tito vermochte das Land bis zu seinem Tod 1980 leidlich zusammenzuhalten, danach nahmen schleichend chauvinistisch-großserbische Tendenzen überhand, die mit den fürchterlichen Untaten der Jugoslawienkriege das im Ersten Weltkrieg blutig erstrittene Reich der Südslawen endgültig auseinanderbrechen ließen.
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Königlich Jugoslawisches Wappen (1918-1941). Man beachte die Wappen Serbiens (oben links),
Kroatiens (oben rechts) sowie Krains / Sloweniens (unten) sowie die im byzantinischen Stil
gehaltene Krone, die auf die orthodoxen Wurzeln des dominierenden serbischen Volkes hinweist.
Auch der Doppeladler und das serbische Wappen sind oströmischen Ursprungs
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