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| FL18 - Frontline18 .:. Französisches Gebirgsgeschütz 65 mm Schneider-Ducrest Mle 1906 |
 | :: Französisches Gebirgsgeschütz 65 mm Schneider-Ducrest Mle 1906 :: |  |
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Französisches Gebirgsgeschütz 65 mm Schneider-Ducrest Mle 1906
Vor dem Ersten Weltkrieg war die französischen Gebirgsartillerie vorwiegend in den afrikanischen Kolonien stationiert. Ihre leichten zerlegbaren Geschütze konnten dort in der teilweise völlig wegloser Wildnis im Landesinneren wesentlich leichter transportiert werden, als die berühmten 75mm Mle 1897 der Feldartillerie. Als dann jedoch in Westeuropa der Krieg zunehmend in den Gräben stecken blieb, stieg der Bedarf an Geschützen an der Front immer weiter an, so daß schließlich auch die Kompanien der Gebirgsartillerie heimgerufen wurden, um sich mit ihren knapp 120 Geschütze in das Feldheer einzureihen. Da die Hauptwaffe dieser Formationen ein sehr moderner Entwurf war und noch dazu etwa die doppelte Rohrerhöhung der '75' besaß, was in begrenztem Rahmen Steilfeuer gegen deutsche Gräben zuließ, nahm man sogar ihre Produktion wieder auf um den französischen Mangel an Haubitzen auszugleichen.
Das Geschütz von dem hier die Rede ist, ist die Canon de 65 de montagne Mle 1906, eine der innovativsten aber auch kompliziertesten Waffen des Ersten Weltkrieges. Sie wurde von dem französischen Artillerieoberst Ducrest um 1905 entwickelt, mit dem Ziel ein möglichst leichtes Schnellfeuergeschütz für die Gebirgstruppen zu bauen. Das Endergebnis seiner Arbeiten erfüllte diese Zielvorgabe mit Leichtigkeit: Kein anderes Geschütz vergleichbarer Feuerkraft konnte bis heute das geringe Gewicht von knapp 400kg in Feuerstellung unterbieten! Das Geheimnis lag dabei im Rücklaufsystem und der ungewöhnlichen Lafette.
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65 mm Schneider-Ducrest Gebirgsgeschütz in Transportstellung
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Ducrest verwendete in seinem 65 mm Gebirgsgeschütz einen sogenannten "differentiellen Rücklauf", eine Technik die zwar schon länger bekannt war, aber wegen seiner mechanischen Komplexität keine Popularität genoß. Bei diesem System wird das Geschützrohr vor dem Laden gegen den Zug der beiden Vorholzylinders auf die hinterste Stellung der Rücklaufbremsen zurückgefahren und dort arretiert. Im Moment des Abfeuerns löste sich diese Verriegelung und das Rohr lief mit hoher Geschwindigkeit nach vorne. Der eigentliche Schuß wurde erst kurz bevor das Rohr in seiner vordersten Lage ankam abgefeuert, so daß ein Großteil des Rückstoßes von der bewegten Masse des vorschnellenden Rohres absorbiert wurde.
Was danach noch an Rückstoß übrigblieb, wurde bei niedrigen Roherhöhungen von einem konventionellen Erdsporn absorbiert. Bei großen Erhöhungen dagegen kam ein recht ungewöhnlicher Mechanismus in der Lafette zum tragen: Die Schildzapfen des Geschützes saßen jeseits auf der Spitze einer 'A'-förmigen Konstruktion. Der vordere Arm des 'A' lag auf der Radachse auf, der hintere Arm auf dem Lafettenschwanz. Dazwischen war eine starke Schraubenfeder - quasi der Querstrich des 'A'. Jeder Rückstoß auf die Lafette drückte also die beiden Arme des 'A' auseinander gegen den Zug der Feder dazwischen. Zusammen reichten beide Systeme aus, um bei großer Rohrerhöhung den Rückstoß vollständig zu absorbieren, so daß man den Lafettenschwanz auch komplett abnehmen konnte. Gerade im Hochgebirge oder in Grabenstellungen, wo oft nur wenig Platz zum Aufstellen eines Geschützes war, machte man von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch.
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Ein Schneider-Ducrest Mle 1906 fertig zum Feuern
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Bei allen Vorteilen der 65 mm Mle 1906 sollte man aber nie vergessen, daß eine derart überkomplizierte Konstruktion auch immer sehr fehleranfällig ist. Schon die geringsten Ungenauigkeiten bei der Herstellung konnten beispielsweise bewirken, das daß Rohr beim Vorlauf verkantete und sich der Schuß bei stehendem Rohr und zuwenig Spielraum für den Rohrrücklauf löste.
Auch gibt es eine Reihe von Berichten über Fälle, in denen das Rohr an seinem vordersten Punkt anschlug, ohne daß sich ein Schuß löste. Durch sein geringes Gewicht kippte das Geschütz dann vornüber und vergrub sich mit der Mündung im Dreck. Wenn sich dann der Schuß doch noch verspätet löste, war die Katastrophe vorprogrammiert...
Tatsächlich waren jedoch derartige Unfälle erstaunlich selten und die Waffe genoß durchaus eine gewisse Popularität, da sie sich zerlegt in vier Bauteile leicht zu jedem beliebigen Ort des Schlachtfeldes tragen ließ. Das war gerade in den vordersten Linien ein beträchtlicher Vorteil und die 65 mm Gebirgskanonen diente den Soldaten an der Front oft auch als "Antwort" auf die zahlreich eingesetzten Minenwerfer der deutschen Pioniere.
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Eine Ansicht des Verschlusses, zusammengesetzt aus zwei alten Postkarten
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Fast unbekannt ist, daß ein französisches Detachment unter Befehl von Capitaine Rosario Pisani mit vier Geschützen dieses Typs die gesamte Artilleriestreitmacht der Arabischen Revolte unter Thomas E. Lawrence ("Lawrence of Arabia") darstellte. Die Franzosen schlossen sich Lawrence im September 1917 an und blieben ihm bis zum Ende des Krieges in Palästina im September 1918 unterstellt. Eine schöne Beschreibung ihres Einsatzes findet sich in dem Artikel The French Soldiers in the Arab Revolt - Some Aspects of their Contribution im "Journal of the T. E. Lawrence Society".
Nach dem Krieg wurden die verbliebenen 65 mm Mle 1906 überwiegend zur Infanterieunterstützung bei den französischen Kolonialtruppen eingesetzt. Ein Teil wurde auch an die neuaufgestellte polnische Armee verkauft. Sowohl in Frankreich, als auch in Polen blieben einige Geschütze bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges im Einsatz und wurden dann von der deutschen Wehrmacht als Gebirgskanone 221(f) weiterverwendet.
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| Technische Daten |
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Kaliber: 6,5 cm
Rohrlänge: 1,35 m
Geschützgewicht: 400 kg
Geschoßgewicht: 3,81 kg
Seitenrichtbereich: 6°
Höhenrichtbereich: -9,5° bis +35°
Mündungsgeschwindigkeit: 330 m/s
Reichweite: 5,5 km
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