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Diese Geschichte handelt von einer Ausgrabung im Jahre 1984 auf den
Schlachtfeldern von Verdun in der Nähe von Ravin de la Poudriere ("Pulverschlucht")
im Jahre 1984.
Sie beginnt im heißen Juni und Juli 1916:
Am Abend des 22. Juni, während der Vorbereitungen für den großen Angriff,
brachte die deutsche Artillerie mehr als 200.000 Giftgasgranaten in das Gebiet
um Souville/Poudriere. Mit diesem heftigen Beschuß hoffte das deutsche
Oberkommando alle französischen Kanonen, Nachschubconvois mit Nahrungsmitteln
und Munition und auch alle Unterstützungstruppen vernichten zu können. Es wurde
kein oder nur sehr geringer Widerstand erwartet. Trotz des ständiges Beschußes
und der überall einschlagenden Granaten rollte jedoch der französische
Nachschub. Die Truppen trugen Gasmasken und suchten Deckung in den Kratern,
welche die deutschen Geschütze schlugen. So wurden trotz aller Schwierigkeiten
Nachschub für die Knochenmühle von Verdun geliefert.
Ravin de la Poudriere gehörte zu diesem Sektor und wurde von den Franzosen
als Feldlazarett und Munitionsdepot genutzt. Im Verlaufe des deutschen
Großangriffes wurde dieser Bereich, nach schweren Gefechten rund um den Ort
Fleury in der Nähe vom Douaumont, von deutschen Truppen erobert. In dieser
letzten Phase der Schlacht gelang es den deutschen Truppen, nach Verdun
durchzubrechen. Erst schwerste Gegenangriffe, vor allem durch marokkanische und
senegalische Truppen, konnten die Front wieder stabilisieren.
Die Geschichte setzt sich 1984 fort, als eine Gruppe junger und
enthusiastischer Archäologen diesen Teil des Schlachtfeldes besuchte. Im
Verlaufe dieser Ausgrabungen wurde unter anderem ein französicher Soldat
gefunden. Leider waren die Überreste nur sehr spärlich, so daß zu vermuten
steht, daß der Soldat einen direkten Granattreffer erhielt. Bei seinen
sterblichen Überresten fanden wir eine Menge an Material, so das wir davon
ausgehen, daß der Soldat im Nachschubbereich tätig war.
Unter anderem wurden folgende Gegenstände gefunden:
- 400 Patronen 8mm Lebel ball D
- 6 Paar Schuhe
- Behälter mit Fleisch
- 4 Flaschen (Wasser oder Wein)
- 1 Adrian Helm (zumindest was davon übrig war)
- 20 Citron Handgranaten
- 1 Vivien Bessier Gewehrgranate
- 1 Lebel Gewehr St Etienne Mod 1886
- 1 Steingutbecher
Es ist nicht wirklich sicher, das alle Funde wirklich zu dem Soldaten
gehören. Jedoch wurde alle Stücke im direkten Umfeld seiner Leiche gefunden.
Der Becher war mit Erde gefüllt und hat uns zu diesem Zeitpunkt nicht weiter
interessiert. Als wir später die Fundstücke säuberten, entdeckten wir im Becher
eine kleine Flasche mit weißen Tabletten darin. Die Flasche war eingebettet in
ein schwarzes Pulver, wohl Teersalbe, eine damals gebräuchliche Salbe gegen
Wunden und kleinere Verletzungen. Ich brachte den Becher komplett mit in die
Niederlande, wo wir eine genauere pharmakologische Untersuchung des Inhaltes
durchführten.
Die Resultate der Tests waren doch überraschend. Statt, wie erwartet Morphium
zu enthalten, waren die kleinen Pillen Chinin (ein Mittel gegen Fieber). Das
schwarze Puder war wie erwartet der Rest der getrockneten Teersalbe.
Die Auflösung:
Dieser Soldat versuchte seine wertvolle Medizin zu schützen, indem er diese in
die weiche Salbe drückte, um sie sicher zu lagern. Offenbar hatte das Chinin
einen sehr hohen Wert für ihn. Weil nun Chinin in der Hauptsache zur Behandlung
von Malaria eingesetzt wurde und in diesem Bereich der Front fast nur
marokkanische Soldaten zum Einsatz kamen, kann man davon ausgehen, das es sich
um einen solchen gehandelt hat. Der Tod ereilte ihm auf dem Schlachtfeld und
zerstörte seinen Körper. Die für ihn unendlich wertvolle Medizin hingegen
überdauerte, dank seiner Vorkehrungen, die Zeiten.
Die sterblichen Überreste des Soldaten wurden im Beinhaus von Verdun
bestattet, wo er seine letzte Ruhe zusammen mit seinen Kameraden, die ebenfalls
in Verdun gefallen sind, gefunden hat.

Steingutbecher und Flasche mit Inhalt
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