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FL18 - Frontline18 .:. Deutsches Unterseeboot Typ 'UC'

:: Deutsches Unterseeboot Typ 'UC' ::

Deutsches Unterseeboot Typ 'UC'

Historischer Hindergrund

Ähnlich wie die an anderer Stelle beschriebenen UB-Boote waren auch die UC-Boote als kleine Küsten-U-Boote für die Kriegführung im Englischen Kanal von der eroberten belgischen Küste aus vorgesehen. Im Gegensatz zu ihrem Schwestertyp, welche mit Torpedorohren ausgerüstet war, trugen die UC-Boote jedoch stets Minen als Hauptbewaffnung. Wegen der sehr ähnlichen Anforderungen waren die beiden Typen in zu weiten Teilen baugleich, die UC-Boote basierten fast immer auf den Plänen der UB Typen, und oftmals kamen dieselben Teile und Einrichtungen auf beiden Typen zum Einsatz.


'UC 5' vom Typ UC-I im Trockendock

Projekt 35a: Der Typ UC-I

Trotz der ablehnenden Beurteilung der U-Boot-Inspektion (UI) wurde am 17. Oktober 1914 vom Reichsmarineamt (RMA) verfügt, daß zwei Versuchsboote von 150 ts Verdrängung mit reiner Minenarmierung nach Projekt 35a in Bau gegeben werden sollten, und zwar ein U-Boot bei der Germania Werft Kiel und das andere bei der AG Weser in Bremen. Als Bauzeit wurden nur vier Monate gefordert. Die Klärung der Minenwurfeinrichtung und die Konstruktion einer für U-Bootzwecke geeigneten Mine (UC/120) beanspruchte wegen der grundsätzlichen Neuheit dieser Materie in der UI einige Zeit. Im Grunde wurde von der UB-I Konstruktion ausgegangen, nur das Vorschiff musste völlig neu entworfen werden, um den nötigen Platz für die sechs Minenschächte zu schaffen. Um das Legen der Minen auch in Fahrt zu ermöglichen, wurden diese schräg angeordnet, was jedoch zu Problemen mit der Druckfestigkeit des Vorschiffes führte. Am 21. November 1914 waren die Pläne fertig und die Aufträge für die Boote konnten vergeben werden. Da jedoch die Germania Werft keine Kapazitäten mehr frei hatte, musste eine neue Werft für den U-Bootbau herangezogen werden. Man entschied sich für die Vulcan Werft in Hamburg, welche sich schon mehrfach um U-Boot Aufträge beworben hatte. Am 23. November 1914 wurden UC 1-UC 10 bei der Vulcan Werft und UC 11-UC 15 bei der AG Weser in Auftrag gegeben. Das erste Boot konnte am 26. April 1915 abgeliefert werden.
UC 1-UC 11 wurden mit der Bahn nach Flandern, UC 12-UC 15 nach Pola verlegt. Die Boote erwiesen sich als sehr nützlich, doch waren sie letzlich zu klein, um wirklich von Wert zu sein. Sie waren recht erfolgreich, eine ganze Anzahl Kriegsschiffe sowie zahlreiche Handelsschiffe sanken auf ihren Minen. UC 1 war wohl das erfolgreichste Boote dieses Typs, denn es versenkte 38 Handels- und 4 Kriegsschiffe durch seine Minen. Interessant ist auch das Schicksal von UC 2, UC 8 und UC 12, die alle drei während des Krieges in feindliche Hände gerieten: Erstere sank im Juli 1915 nach Kollision mit dem Frachter SS Cottingham, wurde danach von den Briten gehoben und öffentlich ausgestellt. Zweitere lief 1915 an der holländischen Küste auf Grund und wurde von den Niederländern als M 1 beschlagnahmt und unter eigener Flagge in Dienst gestellt. UC 12 schließlich sank 1916 bei der Explosion einer eigenen Mine in der Adria, von den Italienern geborgen und als X 1 übernommen. Nach Kriegsende wurden die überlebenden Boote ausgeliefert und Anfang der 20er verschrottet.


'UC 31' (Typ UB-II) zur Zeit der Kapitulation im November 1918

Projekt 41: Der Typ UC-II

Mit der fast völligen Einstellung des U-Bootkrieges im Herbst 1915 rückte die Bedeutung von Minen U-Booten wieder in den Vordergrund. Da der Typ UC-I jedoch dieselben Mängel wie der Typ UB-I zeigte, beschloß man ein neues Minen-U-Boot zu konstruieren. Als Projekt 41 legte die UI im Sommer 1915 einen größeren Entwurf für ein Minen-U-Boot mit einer Naßlagerung von 18 UC/200 Minen in sechs Schächten im Vorschiff vor, das darüber hinaus noch zwei Bug- und ein Hecktorpedorohr sowie ein 8,8 cm Deckgeschütz erhalten sollte. Im Juli 1915 waren die Pläne fertig und die ersten Boote dieses neuen Typs wurden bestellt, und zwar: UC 16-UC 24 bei Blohm & Voss und UC 25-UC 33 bei Vulcan. Ende 1915 wurden weitere Boote bestellt (UC 34-UC 48), denen im Januar 1916 eine dritte Bestellung (UC 49-UC 79) folgte. Die Boote erwiesen sich als gute Konstruktionen, aber auch sie zeigten noch gewisse Mängel. Sie waren sehr erfolgreich, nicht nur durch Minen, sondern auch mit Torpedos. Eines der erfolgreichsten Boote dieses Typs war UC 47, das 52 Handels-und ein Kriegsschiff mit 65.884 BRT versenkte. Nach Friedensschluß mußten die Überlebenden wiederum ausgeliefert werden, sie wurden Anfang der 20er Jahre abgewrackt.


'UC 71' vom Typ UC-II

Projekt 41a: Der Typ UC-III

Nach den großen Verlusten an UC-Booten brauchte man dringend neue Boote dieses Typs, da jedoch die UC-II Boote einige Mängel aufwiesen, beschloss man einen neuen Typ zu konstruieren. Hauptgrund für die Neuentwicklungen waren:

1. Die wenig befriedigenden Taucheigenschaften
2. Die nasse Brücke infolge der Deckstorpedorohre
3. Die starke Zugluft im Boot (was zu Personenschäden führte)

Im Bestreben, die genannten Mängel zu beseitigen, entstand eine neue Bootsform, bei der die Back zum Turm hin abfiel. Die Torpedorohre wurden auf die Höhe des Turmes zurück genommen, dadurch wurde die Spritzwasserbelästigung der Brückenwache aufgehoben, aber die Torpedorohre erzeugten einen unangenehmen Schaumstreifen. Außerdem wurde die Anzahl der Flutschlitze erhöht, was die Tauchzeit auf zwanzig Sekunden verkürzte. Im Juli 1917 waren die Pläne fertig und 39 Boote dieses Typs wurde bestellt, und zwar: UC 80-UC 86 bei der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven, UC 87-UC 89 bei der AG Weser und UC 90-UC 118 bei Blohm & Voss Hamburg. Anfang 1918 und im Juli 1918 wurde weitere Boote dieses Typs geordert (UC 119-UC 192), welche jedoch nicht mehr fertiggestellt werden konnten und nach Kriegsende auf den Werften abgewrackt wurden. Die überlebenden Boote dieses Typs mussten an die Sieger ausgeliefert werden, welche sie Anfang der 20er Jahre verschrotteten. Die Boote selbst erzielten aufgrund des nahen Kriegsendes kaum noch Erfolge.


'UC 94' vom Typ UC-III im Februar 1919 unter italienischer Flagge

Schlussbetrachtung

Die UC-Boote stellten eine recht interessante U-Boot-Gattung dar, sie stellten den ersten Typ von speziellen Minen-U-Boote dar, der in Massen gebaut wurde (der erste dedizierte U-Minenleger überhaupt war die russische Krab von 1912). Es steht außer Zweifel, dass die Boote dem Welthandel einigen Schaden zufügten, aber letztendlich konnte ihr Einsatz die Niederlage Deutschlands nicht verhindern.

Technische Daten
UC I
UC II
UC III
Verdrängung: 170 ts/180 ts 420 ts/480 ts 490 ts/570 ts
Länge: 34,0 m 49,4 m 56,5 m
Breite: 3,2 m 5,2 m 5,5 m
Tiefgang: 3,0 m 3,7 m 3,8 m
Besatzung: 14 26 32
Bewaffnung: sechs 100cm-Minenrohre
(12 Minen)
sechs 100 cm-Minenrohre
(18 Minen)
drei 50 cm-TR (2 Bug außen, 1 Heck;
7 Torpedos)
eine 8,8cm L/30
sechs 100 cm-Minenrohre
(14 Minen)
drei 50 cm-TR (2 Bug außen, 1 Heck;
7 Torpedos)
eine 8,8cm L/30 oder 10,5cm L/45
Antrieb: ein Daimler 6zyl-Diesel
(90 ePS) und ein Elektromotor (175 WPS) auf einer Wellen
zwei MAN, Daimler oder Körting 6zyl-Diesel
(500 ePS) und zwei Elektromotoren (460 WPS) auf zwei Wellen
zwei MAN 6zyl-Diesel
(600 ePS) und zwei Elektromotoren (770 WPS) auf zwei Wellen
Fahrstrecke: 780 sm/5 kn über Wasser
(50 sm/4 kn getaucht)
7.300-10.000 sm/5 kn über Wasser
(54 sm/4 kn getaucht)
9.900 sm/7 kn über Wasser
(40 sm/4,5 kn getaucht)

Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von Björn "Makin" Busse.


20. Oktober 2005 - 19:15
( Team FL18 - Frontline18 )

Deutsche Foren >> Kommentare > Deutsches Unterseeboot Typ 'UC'
Antwort erstellen
 Autor Thema: Deutsches Unterseeboot Typ 'UC'
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Parabellum
18.11.2005 um 14:33 QuoteProfileSend PM


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4711-tom hat folgendes geschrieben:
Warum sind für 99% von euch die Akten nicht zugänig? Sie stehen allen offen, es muß natürlich Interesse und Arbeitseinsatz vorhanden sein. Ich war mein Leben lang berufstätig (mittleres Einkommen) mit Familie, habe aber immer ne Woche oder so Zeit gefunden um Archive aufzusuchen. Es geht wenn man will.

Meine Erfahrungen zu dem Thema sind leider extrem ernüchternd: Ich wohne nahe München und bindeshal von einigen großen Archiven (Deutsches Museum, Bayerische Staatsbibliothek, Bayerisches Armeemuseum) garnicht so weit weg. Die Praxis sieht leider anders aus:

- Im Deutschen Museum kommt man als Durchschnittsbesucher nur an einen mageren Präsenzbestand ran. Für den Rest braucht man eine begründete Genehmigung.

- In der StaBi muß man den genauen Titel des gesuchten Buches oder Dokumentes kennen. Tut man das nicht, so wird man nur an schränkeweise Microfiches mit Indices verwiesen.

- Im Bay. Armeemuseum durfte ich noch nicht mal Photos der Ausstellungsstücke für einen Artikel machen

- Das DHM in Berlin hat mich bei einer schriftlichen Anfrage kurzerhand mit einer Antwort a la "schauen sie in die allgemein käuflichen Bücher" abgespeist

Ich weiß ja nicht, wie das von 20 oder 30 Jahren war, aber heutzutage wird zumindest so jemandem wie mir von den entsprechenden Einrichtungen nur die kalte Schulter gezeigt.
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Makin
18.11.2005 um 15:47 QuoteProfileSend PM

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Use the Dark Side and you are stronger than everything
Könnten wir mal zum eigentlichen Thema, den U-Booten des UC Typs zurückkehren bitte!!



[Editiert von Makin am 18.Nov.2005 um 16:10]
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Parabellum
18.11.2005 um 16:17 QuoteProfileSend PM


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4711-tom hat folgendes geschrieben:
Leider geht es hier nicht so ab wie z.B. in den USA or GB.

Hm, stimmt. Im NMM habe ich bei meinem Englandurlaub sehr nette Leute vorgefunden. Da kann ich mir sowas gut vorstellen. Der Punkt geht an Dich!

4711-tom hat folgendes geschrieben:
Na ja und Wien! War bei Dr. Jung ( ich glaub er ist verstorben) vom Heeresmuseum. War unheimlich locker und hielfsbereit.

Hehe, das HGM ist eine Klasse für sich. Total hilfsbereit die Leute da, aber auch irgendwie ohne Plan: In den letzten fünf Jahren war ich dreimal da und teilweise habe ich auf die gleiche Frage drei verschiedene Antworten bekommen.


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Makin
18.11.2005 um 17:52 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
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Weil sie für nicht geeignet hielt, Einwellenantrieb, zu geringer Fahrbereich, zu schwache Hülle
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Parabellum
18.11.2005 um 18:18 QuoteProfileSend PM


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4711-tom hat folgendes geschrieben:
Mal am Rand: Fragen wie Copyright (ich fange nicht wieder an!), Archive, und ähnliches müßten wohl ne eigene Rubrik bekommen. Vieleicht läßt sich dann dort manches einfacher abhandeln.

Gerne! Fang einfach einen neuen Thread zu dem Thema an, denn Du bist ja wohl der, der am meisten dazu sagen kann.
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Makin
18.11.2005 um 19:42 QuoteProfileSend PM

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Use the Dark Side and you are stronger than everything
So was haltet ihr jetzt von meinem Artikel?


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Teddy40
19.11.2005 um 00:01 QuoteProfileSend PM

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8) Warum ruhte das Verfahren gegen KL Rücker vor dem Reichsgericht noch im Jahre 1925

Die ganze Sache war erst Anfang 1927 für Rücker erledigt.

Im Prinzip wegen (kurz):

Artikel 228 des Friedensvertrag von Versailles

Er war U-Boot-Kommandant und sein Name erscheint auf der ersten Auslieferungsliste wegen angeblicher besonders grausamer Versenkung des englischen Fischdampfers „Victoria“ am 1. Juni 1917

Die Alliierten hatten sich zunächst nur dazu bereit erklärt, dass eine Anzahl Probefälle vor dem Reichsgericht in Leipzig abgewickelt werden solle. Die Alliierten würden die Durchführung dieser Gerichtsverfahren abwarten; was sie dann wegen der Behandlung der übrigen auf der Auslieferungsliste stehenden Fälle zu tun beabsichtigen, hänge davon ab, ob sie mit dem Ergebnis der Rechtsprechung des Reichsgerichts zufrieden seien oder nicht. Daraus folge sinngemäß, dass die Alliierten sich keineswegs verpflichtet fühlten, die in ihrer Hand befindlichen, auf der Auslieferungsliste stehenden Kriegsgefangenen jetzt auszuliefern.

Klar ausgedrückt: Rücker diente den Engländern als Geisel

Sogar der damalige Papst hat sich für zwei Kriegsgefangene (Rücker und ???) eingesetzt.
Er wurde dann auf Ehrenwort freigelassen:

Ich verpflichte mich ehrenwörtlich, nach meiner Freilassung aus britischer Gefangenschaft unverzüglich nach Deutschland zurückzukehren und mich dort zur Verfügung des Reichsgerichtes in Leipzig zu halten.
Weiter verpflichte ich mich ehrenwörtlich, auf Verlangen der Britischen Regierung unverzüglich nach Groß-Britannien zurückzukehren, und Deutschland nicht eher zu verlassen, als bis ich von dieser Verpflichtung entbunden bin.

Das Reichgericht stellt das Verfahren gegen Rücker am 01.03.1926 ein, die Engländer akzeptierten erst im Dezember 1926, so war Rücker Anfang 1927 ein freier Mann.


PS.: Wie gesagt nur kurz, die gesamte Sache ist etwas komplexer.

[Editiert von Teddy40 am 19.Nov.2005 um 00:09]
 
Parabellum
19.11.2005 um 08:31 QuoteProfileSend PM


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Die gute alte Parole! Wußte garnicht, daß es dieses Konzept 1914-18 noch gab.
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Teddy40
19.11.2005 um 10:09 QuoteProfileSend PM

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Ups, die Versenkung war am 01.06.1915 (nicht 1917)

Gruß
Teddy
 
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