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FL18 - Frontline18 .:. Aufklärungsballons im Ersten Weltkrieg

:: Aufklärungsballons im Ersten Weltkrieg ::

Aufklärungsballons im Ersten Weltkrieg

Von der Mongolfiere zum Militärballon

Eigentlich sind Ballons eine recht alte Erfindung. Bereits in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts experimentierten Jacques Charles sowie die Brüder Jacques und Joseph Montgolfier mit Gas- und Heißluftballons und führten 1784 auch mit nur 10 Tagen Abstand die ersten bemannten Flüge damit durch. Allerdings dauerte es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, bis aus den Ballons mehr als ein technisches Spielzeug wurde.
Ihre ersten ernsthaften Nutzer waren Meteorologen, die damit Wetterbeobachtungen auf große Distanz durchführten und Wolken und Luftströmungen untersuchten. Besonders bei der Entdeckung der großen "Jetstreams" (Starkwindbänder innerhalb der Troposphäre), die erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges theoretisch erklärt werden konnten, spielten bemannte und unbemannte Ballonbeobachtungen eine wichtige Rolle.

Der erste Militärballon wurde von dem US-Amerikaner Thaddeus Lowe entwickelt und 1861 Präsident Lincoln vorgeführt. Dieser war so beeindruckt davon, daß er Lowe ein Ballonfahrer-Korps für die Potomac-Armee aufstellen ließ, welches im Laufe des Sezessionskrieges insgesamt sieben Gasballons von 425 cbm bis 900 cbm einsetzte. In den Schlachten von Yorktown, Fredericksburg und Fair Oaks dienten sie zur Feindbeobachtung und Artillerieleitung.
Bedingt durch Lowes Streitlustigkeit und den Kommandowechsel im Unionsheer von General McClellan auf General Grant - der von den Ballons überhaupt nichts hielt - wurden die Mittel des Ballon-Korps im Laufe des Jahres 1863 jedoch immer mehr gekürzt und die Einheit schließlich im August 1863 aufgelöst. Zuvor hatte jedoch ein junger Leutnant der württembergischen Armee, der als Kriegsbeobachter in Amerika weilte, noch Gelegenheit in einem der Ballons mit aufzusteigen. Der Name des tief beeindruckten Mannes war Ferdinand von Zeppelin...

Sieben Jahre darauf, im Deutsch-Französischen Krieg, hatten Ballons erneut die Gelegenheit, eine militärisch bedeutsame Rolle zu spielen. Basierend auf den Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkrieges warb Preußen den bekannten englischen Ballonfahrer Henry Coxwell als Berater an und erwarb zwei Ballons. Die Ballons waren auch bei den Belagerungen von Straßburg und Paris anwesend, technische Probleme verhinderten jedoch einen wirksamen Einsatz. Auf der Gegenseite wurden Ballons als Transportmittel eingesetzt, um wichtige Personen und Post aus dem eingeschlossenen Paris in den freien Teil Frankreichs zu bringen. Zwischen September 1870 und Februar 1871 verließen so insgesamt 66 Ballons mit 164 Personen, 381 Brieftauben und 2,5 Millionen Briefen die französische Hauptstadt, ohne daß die Deutschen viel dagegen tun konnten.

Von da an wurden Aufklärungsballons ein fester Bestandteil der meisten Heere, wenn auch die wenigsten Befehlshaben klare Vorstellungen von ihrem Einsatz hatten. In den meisten Fällen dienten sie als "fliegende Feldherrnhügel", von denen aus ein Adjutant dem Heerführer während einer Schlacht ein grobes Lagebild vermittelte.


Französischer Kugelballon um 1908

Der Weg zum modernen Drachenballon

Bis zum Ende des Jahrhunderts hatte die Logistik der Militärballons nahezu ihre endgültige Form erhalten: Das Traggas wurde im Feld in speziellen Generatorwagen erzeugt, indem man Zink mittels Ätznatron zersetzte, und dann in Stahlflaschen an die Ballonabteilungen geliefert. Dadurch sparte man sich im Vergleich zur früher üblichen direkten Befüllung des Ballons aus dem Generator die mühsame Aufbau- und Vorwärmzeit und erhielt eine bessere Traggasqualität. So konnte ein normaler 600 cbm-Ballon binnen vier Stunden nach dem Eintreffen am Aufstiegsort einsatzbereit sein. Auch der Auf- und Ablaßvorgang wurde durch die Einführung von Dampf-, und später Motorwinden deutlich beschleunigt. So ließen sich nun bis zu 7 m/s Höhenänderung erreichen.

Ein großes Problem blieb aber bis 1897 bestehen: Die allgemein gebräuchlichen Kugelballons waren extrem windempfindlich. Zum einen drehten sie sich bei Wind gerne um die eigene Achse, zum anderen tanzten sie oft im Wind auf und ab. Dadurch waren Kugelballons ab einer Windgeschwindigkeit von etwa 30 km/h praktisch nicht mehr zu gebrauchen.
Die Abhilfe kam 1897 in Gestalt des Drachenballons, der von den beiden Offizieren Parseval und Bartsch von Sigsfeld entworfen wurde. Dieser war von länglicher Form – 15 m Länge und 6,30 m Durchmesser bei der 600 cbm-Ausführung - mit einem großen Steuersack am hinteren Ende, der wie das Seitenruder eines Flugzeugs wirkte und den Ballon am Drehen hinderte. Im hinteren Teil des Ballonzylinders befand sich ein "Ballonet", ein durch eine Stoffwand luftdicht abgetrennter Raum, der vom Wind gegen den Druck des Traggases aufgeblasen wurde und so die Hülle immer prall hielt. Durch diese beiden Merkmale besaßen die Fesselballons des "Systems Parseval-Sigsfeld" (wie die offizielle Bezeichnung lautete) eine hohe Richtungsstabilität und boten dem Wind durch ihre aerodynamischere Form weniger Angriffspunkte.


Deutscher Ballon System Parseval-Sigsfeld

Einsatz im Krieg

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges besaßen fast alle großen Heere zumindest eine Handvoll Fesselballons zur Gefechtsfeldbeobachtung. Die überwältigende Mehrheit davon waren vom deutschen System Parseval-Sigsfeld. Lediglich Frankreich setzte nach einer zeitweiligen Auflösung der Ballonwaffe 1911-14 noch die alten Kugelballons ein. Solche Ballons konnten üblicherweise auf eine Höhe von rund 800 m steigen, jedoch schränkte die schlechte Qualität der damaligen Ferngläser den sinnvollen Beobachtungsradius auf nur 4-5 km ein. Später im Krieg sank die Prallhöhe durch schlechtere Traggasqualität und Abnutzung der Ballonhüllen auf nurmehr 500-600 m. Einige Ballonbeobachter – die ja meist Kavallerieoffiziere waren – versuchten das auszugleichen, indem sie auf den schweren Ballonkorb verzichteten und statt dessen nur auf einem an Seilen aufgehängten Reitsattel aufstiegen.

Allerdings war die Erfolgsbilanz der Aufklärungsballons anfangs ausgesprochen mager, denn für den Bewegungskrieg waren die Füll- und Aufbauzeiten schlichtweg zu lang. Manche Befehlshaber fürchteten auch, durch den Einsatz der weithin sichtbaren Ballons ihr Absichten zu verraten und untersagten ihn daher völlig. Außerdem standen überhaupt nur wenige Ballons zur Verfügung: Deutschland hatte bei Kriegsbeginn lediglich 20 und die Zahl verringerte sich durch Unfälle und Feindeinwirkung bis Februar 1915 auf einen absoluten Tiefstand von 9!

Mit dem Erstarren der Frontlinien in den Schützengräben änderte sich jedoch alles, denn nun stieg die Bedeutung exakter Aufklärungsergebnisse rapide: Lage und Zustand der feindlichen Stellungen mußte bestimmt werden, um Angriffe an der richtigen Stelle anzusetzen und nicht unnötig Soldaten zu opfern. Dazu genügten die punktuellen Aufklärungsergebnisse der Flieger nicht, sondern es wurden zeitnahe Beobachtungen und Raumaufnahmen benötigt. Hierfür wurden Ballons bald mit Fernsprechern und langbrennweitigen Kameras (bis zu 120 cm Brennweite) ausgerüstet.


Korb eines deutschen Fesselballons mit Kodak-Ballonkamera

1916-18: Entwicklung des Caquot-Ballons

Im Laufe des Jahres 1916 begann die Zahl der eingesetzten Fesselballons auf beiden Seiten der Front rapide zu steigen. Allein Deutschland hatte Ende 1916 etwa 130 Stück an der Westfront. Seit dem Frühjahr dieses Jahres wurden die Ballons auch zunehmend koordiniert eingesetzt und ihre Aufklärungsergebnisse zentral ausgewertet. Dadurch waren die höheren Stäbe in der Lage, Angriffsvorbereitungen des Feindes frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Verständlicherweise war das dem jeweiligen Feind nicht gerade recht und so entwickelte sich ein erbitterter Kampf um die Fesselballons, bei der feindliche Flieger mit Brandmunition und später sogar Raketen die Ballons vom Himmel zu holen versuchten, während die eigenen Jagdflugzeuge und Flugabwehrkanoniere sie verteidigten. Die Anfang des Krieges praktisch ignorierten Fesselballons war Mitte 1916 zum heißumkämpften Fokus der Kampfflieger beider Seiten geworden!

Durch die rapide gestiegene Bedeutung der ballongestützten Aufklärung war auch Frankreich unter Zugzwang geraten, seine veralteten Kugelballons abzuschaffen. Da die Franzosen zudem schon seit Beginn des Krieges eine qualitativ hochstehende Bildaufklärung betrieben, waren ihnen ihre unruhigen Ballons ein besonderer Dorn im Auge. Die Drachenballone des Systems Parseval-Sigsfeld waren da schon besser, aber auch sie standen nicht so ruhig am Himmel wie es wünschenswert gewesen wäre. Die Beobachter mußten schon einen starken Magen haben, um bei dem typischen Geschaukele des Ballons mehrere Stunden einsatzfähig zu bleiben.
Daher entwickelte der französische Hauptmann Albert Caquot 1916 einen neuen Typ von Fesselballon, der mit drei kleinen Steuersäcken versehen war, die zueinander um 120 Grad versetzt waren. Dieser Ballontyp erwies sich in der praktischen Erprobung als in der Luft sehr stabil. Er war sogar so erfolgreich, daß er in der Folge nicht nur auf Seiten der Entente den Parseval-Sigsfeld-Ballon komplett ersetzte. Auch das deutsche Heer kopierte einige erbeutete Caquot-Ballons und übernahm den Typ als "System AE" für die eigene Ballontruppe. 'AE' heißt in diesem Falle "Aufklärungsballon, englisch", da die Vorlage ein erbeuteter Ballon der britischen Armee war.< br> Tatsächlich war der Caquot-Ballon so erfolgreich und bedienungsfreundlich, daß er bis zum Ende der militärischen Ballonfahrt im Zweiten Weltkrieg im Einsatz blieb. Selbst heutige Fesselballone zu Werbezwecken sind in der Regel Caquot-Ballons, da sich dieser Typ nach dem Entleeren völlig zusammenfalten läßt und daher einfach zu transportieren ist.


Französischer Caquot-Ballon

1916-18: Einsatz als Sperrballons

Zum Schluß muß noch eine weitere Verwendung von Fesselballons angesprochen werden, die im Zweiten Weltkrieg noch mehr Bedeutung erlangen sollte: Der Sperrballon. Darunter verstand man einen niedervolumigen Ballon, der auf etwa 2.500 bis 3.000 m Höhe aufgelassen wurde, um Flieger zum Ausweichen zu zwingen. Mehrere davon geeignet um das Zielobjekt verteilt zwangen den Gegner dazu, sein Ziel entsprechend hoch anzufliegen. Dadurch wurde einerseits die Genauigkeit beim Bombenwurf verringert, andererseits konnte die Luftabwehr das Flugzeug früher erkennen und länger unter Feuer nehmen.
In England ging man noch einen Schritt weiter und entwickelte sogenannte "Aprons" ("Schürzen"). Das waren etwa 900 m lange Kabel, die zwischen zwei Ballons gespannt wurden. Ein dritter hielt es in der Mitte. Daran waren 300 m lange Klavierdrähte befestigt, die am freihängenden unteren Ende mit Gewichten beschwert wurden. Auf diesem Wege ließ sich mit nur drei Ballons ein fast einen Kilometer breites Stück des Anflugweges sperren.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges endete die Entwicklung des Fesselballons zu Aufklärungszwecken effektive. Durch den technischen Fortschritt in Flugzeugbau und Nachrichtentechnik wurde er immer weiter verdrängt, bis ihm nur noch Nischenaufgaben, wie die Artilleriebeobachtung bei Belagerungen, verblieben. Auch der allgemein viel mobilere Krieg zu Lande trug einen beträchtlichen Anteil an dieser Entwicklung. Demgegenüber stand eine stetig wachsende Bedeutung von Sperrballons gegen Flieger. In unserer Zeit ist der Fesselballon schließlich nahezu vollständig aus der militärischen Nutzung verschwunden. Lediglich die Vereinigten Staaten experimentieren noch mit ballongestützten Frühwarnradars, die gegenüber den AWACS-Flugzeugen den Vorteil einer wesentlich höheren Standzeit (bis zu mehrere Wochen) haben.


AE-Ballon des kaiserlichen Heeres

09. November 2005 - 19:18
( Parabellum )

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