Kamerún
[Mit rund 500 000 qkm fast so groß wie das Deutsche Reich ohne Schlesien, 3,5 Mill. E.]
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Lage und Grenzen. Deutsch ist die Küste zwischen den beiden Guinéa-Teilen im innersten Winkel des Busens von Biafra, vom Rio del Rey bis zum Kampo-Flusse; sie ist mit 320 km etwa so lang wie die Ems. Von der Kampo-Mündung läuft die Grenze nach O., an der anderen Seite nordwärts auf Jola zu, die ehemalige Hst. des Sudan-Reiches Adamaua, umgeht diese mit einem kleinen, nach N.W. offenen Bogen und erreicht die Südwestecke de Tsád-Sees, da, wo ihn der 14. Meridian schneidet. Auf diesem Mittelpunkt des gesegneten Sudan weist wie ein Pfeil auf gespanntem Bogen die Spitze des Busens von Biáfra, und hierin liegt die künftige Bedeutung unseres Gebietes für den Welthandel. Nach dem Vertrage mit Frankreich (1884) erreicht die Ostgrenze den Sanga, im Gebiete des Kongo, läuft dann abgesehen von großen Winkel zwischen 9 und 10° N in Wellenlinien am 15. Meridian nach N. und schließlich am Unterlauf des Schari bis an den Tsád. Durch die w. Grenzlinie sind die alten Negerreiche Adamaua und Bornu zerschnitten worden, so daß nunmehr von Deutsch-Adamaua (s. Fig. S. 514) und Deutsch-Bornu die Rede sein kann.
Bodengestalt und Gewässer. Durch die nachdrücklichen Unternehmungen der letzten Jahre nach N. hin ist das Gebiet des Tsád erforscht und auch großenteils besetzt worden. Die ganze Kolonie gliedert sich in sechs ungleich große Teile:
a) Die große innere Hochebene, deren aus Urgestein bestehender Rand je weiter nach S. hin, desto näher an die Küste tritt, 300-400 m höher als die Bayrische Hochebene. Ihren Rand umsäumt das feuchte, dumpfe, halbdunkle Blättergewölbe des Urwaldes, das mit Pflanzenleichen, beindicken Lianen, Riesenwurzeln und Wurzelpfeilern den Fuß hemmt und lange das Eindringen der Forscher gehindert hat. Es durchziehen die lichte Hochebene mit w. Laufe zwei große Flüsse, der Njong und der Lom, dieser mit den beiden Quellflüssen Mbam und Sánaga; beide werden an den Hochlandsrändern mehrfach durch Schnellen und Fälle (darunter die schönen, über 30 m hohen Edea-Fälle des Lom) gestört. N.ö von 7+13 liegt in Brockenhöhe im Graslandund auf der dritten Bodenstufe das Hochland von Ngáumdere. Es bildet die Wasserscheide der nach allen Richtungen ablaufenden Flüsse, und der Besitz jener Stadt ist darum von hervorragender Wichtigkeit für Handel und Krieg.
b) Die Küstenebene vom Kampo bis an das Kamerún-Gebirge verbreitert sich stark nach N. zu. Am meisten fällt auf dem Kartenbild ins Auge der wie ein Ahornblatt ausgezackte Kamerún-Busen, nach dem auch das Gebirge und die ganze Kolonie benannt ist. Es ist eine haffartige Weitung, die durch die ungestüme Welle des Ozeans aufgerissen ist und welche die Küstenflüsse mit ihren Deltas wieder zuzuschütten streben. Die bedeutendsten sind der Wuri und der Mungo, beide zum Teil schiffbar.
c) Auf kreisrundem Sockel erhebt sich das großartige Kamerún-Gebirge, ein erloschener Vulkan von 4070 m Höhe, mit etwa 30 Kratern, der letzte in der Vulkanreihe, die, auf den benachbarten Guinéa-Inseln anhebend, de Golf diagonal durchquert. Sein Fuß, der an der Küste in mehrere gute Häfen zerklüftet ist, wird vom tropischen Urwald umgürtet, bis 2300 m reicht die Besiedlung, während der Gipfel manchmal Schnee trägt. Bei den Eingeborenen heißt er Mongoma-Loba, d.i. der Götterberg (S. Fig. 202, S. 513.)
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d) Die kleine Küstenebene n.w. vom Götterberg ist wiederum ein Gewirr von Flußdeltas, die wie im S. merkwürdigerweise fast sämtlich miteinander verbunden sind.
e) Das Manenguba-Gebirge, um die Gradkreuzung 6+350, über 2100 m, und das Gebiet des Bénue, etwa zwischen dem 7. und dem 10. Parallel. Der Bénue bildet mit seinen Nebenflüssen die neste Fahrstraße nach dem Guinéa-Busen, und zwischen ihm und dem Tsád tritt zur Regenzeit eine Wasserverbindung ein (s. S. 96).
f) Das Gebiet des Schári, das Dreieck n. vom 10°., ist sehr fruchtbar und erzeugt viel Baumwolle und Kautschuk. Deutsch-Bornu hingegen ist dürr und pflanzenarm. Der Tsád, 20 000 qkm, schrupft an allen Seiten, zumal im NO., ein und ist hier mit zahllosen Inseln bedeckt.
Das Klima des Küstenlandes ist bei einer wenig schwankenden Durchschnittswärme von +25° C für Europäer verderblich; namentlich die vom Brackwasser umspülten Mangrove-Dickichte hauchen giftige Dünste aus, und die gefahren des Gallenfiebers und der Dysenteire (Ruhr) gestatten dem Weißen höchstens einen dreijährigen Aufenthalt. Das Hochland ist etwas gesunder, und die Hitze wird oft durch Kälteschauer unterbrochen. An der Küste fallen beträchtliche Regenmengen, in der Stadt Duala die siebenfachen wie im norddeutschen Flachlande (55 cm), und zwar in der Regenzeit während des Höhenstandes der Sonne von Mai bis Oktober. Bei der Pflanzug Debundscha, an der Südwestseite des Kamerún-Berges, fallen 1045 cm - eine der größten Regenmengen der Erde. Die Nährfrucht der Küstenstämme sind die brotliefernden, gurkenförmigen Früchte des Bananenbaumes oder Pisangs, der mit seinen schön geschnittenen Blättern der unzertrennliche Begleiter der tropischen Palme ist; auf dem Hochlande werden sie ersetzt durch die üblichen Getreidearten Innerafrikas, wie Durra und Reis. Reich ist die Tierwelt. Im Urwald treten Schimpanse und Gorilla auf, Schlangen mannigfaltigster Art, Leopard, Hyäne und große Wildschweine, auf den Grasfluren des Hochlandes Antilopen, Büffel und hier wie dort Elefanten in großen herden. Die Ausfuhr von Elfenbein betrug 1905 wieder 1,2 Mill. M. Den Wert des Landes aber bedingt seine unerschöpfliche Fruchtbarkeit, die es zur Perle der Guinéa-Länder macht und seine Zukunft als Pflanzungskolonie sichert, falls es gelingt, den Neger zu stetiger Arbeit zu bewegen, und wenn die große Aufgabe gelöst wird, Kautschukpflanzen und Baumwolle in großem Maße anzupflanzen. - Gegenstände der aufblühenden Ausfuhr sind namentlich der aus dem Safte der Landolphia-Lianen gewonnene Kautschuk, Palmöl, Palmkerne, Elfenbein, Kakao. Eingeführt werden dieselben Waren wie in Togo. Stark verlangt wird im salzarmen Adamaua und in anderen Hinterländern Salz, das fast als Geld gilt und von den Briten auf dem Bénue oder von den Tuárik aus der Sáhara mit Karawanen zugeführt wird. Das Geld vertreten hier außer den Maria-Theresia-Talern (s. S. 587) die im Indischen Ozean gewonnenen, 2,6 cm langen Kaurimuscheln, von denen 2000 Stück etwa 3 M werten. Die Zölle, Steuern und Hafengelder der Kolonie haben sich 1898-1907 von 0,7 auf 2,3 Mill. M gesteigert; Reichszuschuß 2,9 Mill. M. - Nicht weniger als 14 deutsche und auswärtige handels- und Kolonisationsgesellschaften haben den Plantagenanbau rührig in Angriff genommen. Um den Baumwollbau zu heben, ist eine Bahn von Duala nach den Manenguba-Bergen im Bau. Ihre Fortführung bis in die Nordspitze kann einst der Lebensnerv der Kolonie werden.
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Die Volkszahl übersteigt vermutlich noch 3 1/2 Mill. 1906 waren vorhanden 896 Weiße, darunter 773 Deutsche, die Schutztruppe nebst der Polizeitruppe zählte 1449 Mann, meist Haússa. Der S. ist besetzt von den Bántu-Negern Südafrikas.
An der Küste wohnen die "Zwischenhändler-Stämme", die den gewinnbringenden und darum sehr verteuernden Durchgangshandel aus dem Binnenland immer noch nicht haben fahren lassen, Am bekanntesten unter ihnen sind geworden die Duala an der Wuri-Mündung, die einen beweis ihrer Begabung geliefert haben durch die Erfindung der "Trommelsprache", mittels deren sie sich auf große Entfernungen hin verständigen können. Ihre "Kings" sind nur Häuptlinge ziemlich volkreicher Dörfer (Bell, Akwa usw.). - Die Stämme des Hochlandes sind stärker an Kopfzahl, selbstbewußter und oft kriegslustig, so die Fan an der Südgrenze, die Jaúnde am oberen Njong und die von Morgen und Zintgrass erkundeten, nach der Küste dränenden Bali an der Nordwestgrenze. - Im Urwald hausen Zwergstämme.
Der N. gehört den unternehmungslustigeren und höher entwickelten Sudán-Negern, den Haússa und den mit ihnen gemischten Fulbe, die sich von Adamaua her über die schwächeren, oft ihre Wohngebiete wechselnden Bántu schieben und größere Staaten mit ansehnlichen Städten, so Tibáti und Ngombe, gründen. Mit den Fulbe ist der Islam, dem die heidnischen Negervölker so leicht verfallen, schon fast bis an den 4. Parallel vorgedrüngen.
Ortschaften. Gegründet wurde das Schutzgebiet 1884 durch Nachtigal, der gleich darauf dem mörderischen Klima erlag und in der früheren Hst. Duala, am Wuri, begraben liegt. Die Faktoreien der n. Küste gehören zumeist der Handelsgesellschaft "Nord-Kamerun", der Aufenthalt ist für die Weißen nicht mehr ganz so ungesund, seitdem sie auf dem Festland luftigere Behausungen angelegt haben. Die Hamburger Afrikanische Dampfschiffahrts-Aktien-Gesellschaft betreibt die "Woermann-Linie", deren Dampfer Hamburg über Togó in etwa 22 Tagen erreichen. - An der Felsenküste des Götterberges der Hafen Viktoria, verbunden durch eine Schmalspurbahn mit der Hst. Buea, 963 m hoch, gesunder auf dem Kamerún-Berge gelegen; am schönen, kleinen Elefantensee Johann-Albrechtshöhe (früher Barombi-Station). - Die am weitesten nach S.O. gelegene Station ist Molundu, im S.W. die Kampo-Station, die nördlichsten, unter 12°N, nur noch 60 km vom Tsád, der Hauptort für Deutsch-Bornu, Dikoa, und Kusseri, am Schari. Nahe der schmalsten Stelle der Kolonie der belebte und wohlgeordnete Markt Garúa, stets mit den Benue-Dampfern zu erreichen. - Bezirkshauptort für den Süden ist Kribi, dei Groß-Batanga, wie Viktoria für den Norden.
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Karte von Kamerun (Klicken zum Vergrößern)
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