Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Der Große Seydlitz 1908 - Deutsch-Südwestafrika

:: Der Große Seydlitz 1908 - Deutsch-Südwestafrika ::

Deutsch-Südwestafrika

[824 000 qkm, etwa 180 000 E.]

Lage und Grenzen. Deutsch ist die 1500 km lange Küstenstrecke von 17 1/4° bis 28 3/4° an der atlantischen Küste Südafrikas, ausgenommen die britische Walfischbai unter dem 23. Parallel, und die britischen Küsteninselchen. Im S. begleitet die Grenze den Oránje-, im N. zum Teil den Kunéne-Fluß, im O. folgt sie erst dem 20., dann, ostwärts ausbiegend, dem 21. Meridian und dringt mit einem schmalen Streifen bis an den Sambési, der aber hier nicht schiffbar ist, und über den 25. Meridian vor. Angrenzende Gebiete sind im N. die portugiesische Kolonie Angóla, im S. die britische Kapkolonie, im O. Britisch-Bezschuanaland mit der (nur im W. deutschen) Kalahári-Steppe.

Bodengestalt und Bewässerung. Hinter der sandigen, hafenarmen und von Dünen (s. Fig. S. 514) erfüllten Küstenebene, die mehrere Tagesreisen breit ist, erhebt sich in beträchtlicher Breite der Hochrand Südafrikas, der im Omatako bis zu 2680 m ansteigt und vielfach die dem Süden des Erdteils eigentümlichen steilwandigen Tafelberge zeigt. Die innere Hochfläche senkt sich langsam nach der Kalahári-Steppe.
Auf dem Hochland treten drei Gebiete hervor:

a) Das Groß-Námaland im S.m mit den beiden Karas-Bergen, die bis 2000 m ansteigen, das Jagdgebiet der Hottentotten, die hier 1903 den Aufstand begonnen haben.

b) In der Mitte das Dámara-Land, eine wild bewegte Gebirgslandschaft, die im Anas-Gebirge zu 2130 m ansteigt. Dornbuschwälder, die sich in der Regenzeit in prächtigen Blütenwuchs hüllen. Hier liegen noch die besten Bedingungen zur Ansiedlung vor. S.ö. von 20 + 18° der 100 km lange Waterberg, der einige Quellen aussendet (s. Fig. 205, S. 515). Hier wurde im August 1904 die Entscheidungsschlacht gegen das Hereró-Volk geschlagen (s. Fig. S. 518, 4).


Der östliche Waterberg

c) Im N. das tropische Ambo-Land, wasserreich und fruchtbar.

Außer dem auch nicht schiffbaren Kunéne, dem Oránje und dem Sambesi mit seinen Nebenflüssen, im äußersten Osten, sind abgesehen von den wenigen Regenjahren ständig wasserführende Flüsse nicht vorhanden. Die zahlreichen, totliegenden Strombetten werden zwar bisweilen von Gewitterregen gefüllt, aber nur selten erreicht ihr Wasser die Küste, und kaum vermögen in ihnen ein paar Wasserlachen ihr Dasein zu fristen, wenn auch der unterirdische Lauf durch Graben aufzufinden ist.

Klima, Pflanzen und Erzeugnisse. Der ständige Südwestwind, der sich über der polaren Küstenströmung stark abgekühlt hat, ist nicht imstande, der wüstenähnlichen Küste Regen zu bringen, auch im kühleren Binnenlande fällt dieser spärlich, nur im Ambo-Lande reichlicher. Im Binnenlande dauert die kühle Trockenzeit von Mai bis September, die heiße Sommerzeit mit Tropenregen von Oktober bis April. Da bei der großen Trockenheit auch drückende Hitzegrade weniger vorkommen, so ist das Klima im allgemeinen gesund, und Deutsche könnten sich hier in Menge niederlassen, falls ihnen die Dürre geregelte Ackerbestellung erlaubte. Indes die Trostlosigkeit der Küste, wo die Häfen ihr Trinkwasser vom Kaplande kommen lassen müssen und wo nur an den unterirdischen Flußläufen einige seltsame Pflanzen gedeihen, hat der richtigen Wertschätzung des Besitzes früher doch etwas zu sehr im Wege gestanden. Die Wüste geht nach etwa 70 km in Buschland mit feinblätterigen Akazien und mit Mimosen über, deren Schoten ein vorzügliches Viehfutter bieten. Der größte Teil des Hinterlandes liefert mit seinem langen, gelben, aber kräftigen Gras eine gute Viehweide, die vor der Rinderpest Rindvieh selbst zur Ausfuhr und großartige Zugochsen lieferte, und mit Fangdämmen und Talsperren, welche die sonst nutzlos versickernden Gewitterregen auffangen, kann manches er5reicht werden. Eifriges Quellensuchen und Tiefbohren haben viele artesische Brunnen ans Licht gelockt, und hierauf stützen sich die Kleinsiedlungen unserer Landsleute. Dattelpalmen gedeihen bestens, und für die gewinnbringende Straußenzucht sind alle Bedingungen vorhanden. Viel jagdbares Wild. Die Küstenströmung birgt einen unermeßlichen Fischreichtum, der noch gar nicht ausgenutzt wird, dazu Tausende von Robben, wogegen der Walfang erloschen ist. Neben der Viehzucht sind die Bodenschätze, vor allem das Kupfer, das an vielen Stellen gefunden wird, für die Zukunft der Kolonie ausschlaggebend. Die Schätze der Otáwi-Gruben, n.w. von 20 + 18°, werden seit 1906 durch eine 510 km lange Bahn nach Swakopmund befördert. - Alles, was die braven Krieger der deutschen Truppen im Kriege von 1904-1907 erlitten haben an Durst, Hunger, Hitze, Malaria und Typhus, an denen es auch hier nicht fehlt, hat sie nicht gehindert, in dem seltsamen, weiten, durch Bewegungsfreiheit lockenden Lande sich dauernd niederzulassen, und viele, die ihrem Beispiel folgen, strömen zu und heilen die Wunden, die der Krieg dem beginnenden Wohlstande geschlagen hatte. Ausfuhr: Felle und Häute, Straußenfedern, Hörner, Guano. Die Einfuhr dient vor allem den Bedürfnissen der Deutschen. Die verwaltung der Kolonie bedarf seit dem Hereró-Aufstande noch eines starken Zuschusses.


Sanddünen an der Küste

Die spärliche Bevölkerung ist recht bunt gemischt. Es lassen sich vier Hauptgruppen unterscheiden:

1. Die ehemals weiter verbreitete Urbevölkerung besteht aus

a) den armseligen Buschmännern, die ganz in den Osten verdrängt sind; b) den viehzüchtenden Hottentotten (oder Koi-Koin), die wie jene eine durch merkwürdige Schnalzlaute gekennzeichnete Sprache reden. Zu ihnen gehören die Bondelswarts, d.i. Schwarzbündel, nahe dem Oránje. Die Hottentotten haben sich im Kriege als sehr gefährliche Feinde erwiesen, jetzt scheinen sie bis auf etliche Räuberbanden zur Ruhe gebracht zu sein. - Ihre Sprache reden auch die zu den Negern gehörigen Berg-Dámara (35 000), im Hauptteile des N., dem gebirgigen Dámara-Lande, ein bisher von den Hottentotten und den Hereró geknechteter Volksstamm.

2. Die von Norden her eingedrungenen Bántu-Neger, darunter

a) die rinderzüchtenden Hereró, im Dámara-Lande; sie sind durch den Krieg als Volk zugrunde gerichtet, ihre Überreste hausen in überwachten Lagern und sollen allmählich an die Arbeit gewöhnt werden, deren die Kolonie gleichwohl nicht entraten kann; b) die am meisten gehobenen Woambo, im Ambo-Lande, die sogar Ackerbau treiben.

3. An 2000 unternehmungslustige Bastarde, Mischlinge von Weißen und Hottentotten, schlanke, schöne Leute, ziemlich in der Mitte der Kolonie.

4. Weiße, derunter

a) Buren, die von ihren Sitzen im Osten ausgeschwärmt sind und von denen manche holländische Ortsnamen herrühren, b) 1906: 6372 Europäer, darunter gegen 4000 Deutsche, so viel wie in allen anderen Schutzgebieten zusammen, dazu sein 1907 noch eine Schutztruppe von 4000 M.


Windhuk

Ortschaften. Die Erwerbung der Umgegend von Angra Pekéna, jetzt Lüderitz-Bucht, im Jahre 1883 ist ein Verdienst des Bremer Kaufmanns A. Lüderitz; 1884 wurde sie als erstes der deutschen Schutzgebiete vom Reich in Schutz genommen und 1890 der jetzige Umfang des Ganzen durch Vertrag mit England festgestellt. - Angra Pekéma, Sandwich [ßénduitsch]-Hafen, die britische Walfischbai, früher das einzige Eingangstor des Landes, und andere Landungsplätze leiden durch Versandung und Mangel an Trinkwasser. Tsoakhaub oder Swakopmund, n. nahe der Walfischbai, sit erst durch die 1907 vollendete Landungsmole zu einem brauchbaren Hafen geworden, und seine 382 km lange, von deutschen Eisenbahntruppen erbaute Bahn nach Windhuk hat die Kriegführung den Deutschen überhaupt erst ermöglicht. Lüderitz-Bucht ist der beste Hafen des S. geworden; seine Bahn nach Ketmanshoop, dem Hauptorte des s. Innern, bereits fertig und eröffnet. - Die Ortschaften im Berglande sind zahlreich, aber klein; unter ihnen befinden sich viele Stationen der Rheinischen Missionsgesellschaft, so im Dámara-Land Otjimbingwe, von denen aus ein Teil der Eingeborenen bekehrt ist. - Sitz des Landeshauptmanns ist das 1625 m hoch gelegene Windhuk, d.i. holländisch = Windspitze, nahe der Breite der Walfischbai unter 22 1/2°. Hier fallen jährlich 41 cm Regen, mittlere Jahreswärme + 20°. Der Ort macht äußerlich den Eindruck eines freundlichen Gebirgsstädtchens in grüner Landschaft und hat gut bepflegte und beleuchtete Straßen (s. Fig. 206, S. 515).


Karte Deutsch-Südwestafrikas von 1914 (Klicken zum Vergrößern)

16. März 2006 - 18:23
( Jagdpanther )

:: Kommentar ::
Es liegen noch keine Kommentare vor.

Kommentar hinzufügen
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net