Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Der Große Seydlitz 1908 - Deutsch-Neuguinéa

:: Der Große Seydlitz 1908 - Deutsch-Neuguinéa ::

Deutsch-Neuguinéa

[240 000 qkm, an 400 000 E.]

Auch in der Südsee ist das Reich zum erstenmal 1884 als Schutzherr aufgetreten. Das Neuguinéa-Gebiet umfaßt jetzt außer vielen kleineren Inselwelten drei Hauptgebiete: A. Kaiser-Wilhelmsland, B. Bismarck-Archipel und Salomon-Inseln, C. Marianen und Karolinen, dazu die Marschall-Inseln. Sitz des Gouverneurs für das ganze Gebiet ist Herbertshöhe, am Nordrande von Neu-Pommern im Bismarck-Archipel. Für die benachbarten Teile A und B gilt zunächst folgendes:

Klima. In diesen Ländern herrscht die wenig schwankende, dabei feuchte Treibhauswärme von 26° C. Vorwiegend weht über sie der S.O.-Passat, jedoch wird im s. Sommer die Luft als N.W.-Monsun nach dem überhitzten Australfestland abgelenkt, und von dieser Luftströmung werden namentlich im w. Kaiser-Wilhelmsland (künftig K. W. L.) ganz beträchtliche Regenmengen ausgeschüttet. Die Küstenstrecken des K. W. L. leiden hier und da stark unter dem Malariafieber, während das Innere und die übrigen Inseln im ganzen gesund zu sein scheinen.

Die eingeborene Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus Papúa, von zumeist fast schwarzer Hautfarbe, mit wollig aussehendem Haupthaar, das sie auf Neuguinéa zu einer gewaltigen, mit allerlei Schmuck besteckten Perücke aufzubauen lieben. Scheu gegen Weiße, feindselig untereinander, schließen sie sich nur zu Dorfgemeinden zusammen oder siedeln sich, so auf Neuguinéa, in einsamen Pfahlbauten an den Gestaden an. Der Menschenfraß ist im K. W. L. und auf den ö. Inseln, namentlich auf Neumecklenburg, noch arg im Schwange, da die Eingeborenen außer von Fischen und Vögeln und sehr spärlich vorhandenen Schweinen und Hunden kaum Fleischnahrung gewinnen. Sie pflanzen Betel- und Kokospalmen an und ernähren sich im übrigen von dem, was ihnen die gütige Natur an Yams, Taro, Zuckerrohr, Bananen usw. in den Mund wachsen läßt. Dabei sind sie aber geweckt und fleißige Handwerker, trotzdem im K. W. L. ihre Werkzeuge und Waffen noch auf dem Standpunkte der Steinzeit stehen; sie verstehen sich auf Töpferei, Holzschneiderei und den Bau der Boote mit Auslegern, mit denen sie geschickt die Korallenriffe durchkreuzen, und zimmern auf den Salomon-Inseln selbst vortreffliche Hochseeboote.


Die Eingeborenen der deutschen Kolonien in der Südsee

A. Kaiser-Wilhelmsland.

Der N.O. von Neuguinéa. Das deutsche Dreieck zieht sich, im W. begrenzt von niederländischen, im S. von britischem Gebiete, vom 141. Meridian, mit der Küste südostwärts sich abschrägend, bis 8° S, also gleich 1/2 Kgr. Preußen, vielleicht 110 000 E.

Bodengestalt und Bewässerung. Die längste Seite des deutschen Dreiecks, die leicht zugängliche, hafenreiche und von wenigen Korallenriffen umsäumte Küste, wird nur durch die Astrolabe-Bai und den Hüon-Golf etwas stärker gegliedert. - Die Küstenebene ist im O. schmal, da das 3500 m hohe Finisterre-Gebirge mit seinen Fortsetzungen bis an die Grenzmarke, den Mitra-Felsen, nahe an die Küste tritt. Dahinter erheben sich Parallelketten, wie das Krätke- und das Bismarck-Gebirge, die bis über 4000 m aufsteigen. Der größte Teil des Innern ist noch nie von einem Weißen berührt worden. Im W. tritt das Gebirge mehr zurück und gibt einer weiten Ebene Raum. Durch sie zieht sich der stark gewundene Kaiserin-Augusta-Fluß, wichtig, weil er schiffbar und bereits 700 km weit, also reichlich in der Länge des Po, von kleinen Dampfern befahren worden ist. Die übrigen Flüsse sind zwar auch wasserreich, aber außer dem Ramú, der, von O her kommend, als Ottilienfluß mündet und unerwarteterweise durch ein besser besiedeltes Land zieht, und dem Gogol, der in die Astrolabe-Bai geht, wegen ihres reißenden Gefälles für die Schiffahrt nicht zu benutzen. Erdbeben sind häufig.

Die erstaunliche Fruchtbarkeit des Bodens und die regelmäßigen Niederschläge befördern einen großartigen Pflanzenwuchs. Die niedrige w. Ebene besteht aus baumarmen Grassümpfen mit Gräsern von doppelter Mannshöhe, in den höheren Lagen folgen dichte Bestände von Sagopalmen und auf dem Gebirge selbst zusammenhängender Urwald, in dem die Banianenstämme die Palmen hoch überragen, Waldbohnen mit großen, feuerroten Blüten sich um die Baumriesen schlingen und die zierlich geschweiften Kronen üppiger Baumfarne auf einem Teppich zartester Moose sich erheben. - Das Tierleben ist am stattlichsten vertreten in der herrlich bunten Vogelwelt (Paradies- und Nashornvögel, Krontauben, Papageien und Kakadus), hingegen sind Säugetiere (Beutelratten, Fliegende Hunde) nur sehr spärlich zu finden. - Da die Eingeborenen Erzeugnisse für den Handel kaum liefern, mit fremden Arbeitern aber, die von China, Java und Neupommern eingeführt werden, für den Anbau fast aller tropischen Nutzpflanzen, namentlich von Kautschuk, Tabak und Baumwolle, günstige Erfahrungen gesammelt sind, so ist die Entwicklung des Landes von den Pflanzungen zu erwarten. Die Ausfuhr besteht zumeist aus Kopra, die Einfuhr in Lebens- und Genußmitteln für Weiße.

Ortschaften. Da das Eindringen in das Innere erschwert wird durch den dichten Pflanzenwuchs, steile gebirge, die Verschiedenheit der Sprachen und den Mangel an Lebensmitteln, so ist nur die Küste einigermaßen bekannt. Das europäische Leben sammelt sich um die beutelförmige Astrolabe-Bai. An ihrem Nordende und einer ausgezeichneten Hafenbucht liegt Friedrich-Wilhelmshafen. Am inneren Ende der Bai dehnen sich die Pflanzungen der Astrolabe-Gesellschaft um die Hafenstädte Stephansort und Konstantin-Hafen aus. - Diese Häfen werden angelaufen von der Neuguinéa-Linie des Norddeutschen Lloyd, deren Dampfer auch die folgende Gruppe bedienen und eine Verbindung mit Sydney und Singapore herstellen.

B. Bismarck-Archipel und Salomon-Inseln.

Die drei Hauptinseln des Bismarck-Archipels: Neupommern, Neumecklenburg und Neuhannover laufen hufeisenförmig um die Gradkreuzung 5 + 150. Vor der Öffnung des Hufeisens liegen die Admiralitäts-Inseln. 47 000 qkm, 200 000 E.

Neupommern, die s. Hauptinsel, fast von Pommerns Größe, hat einst mit Neuguinéa zusammengehangen, mit den nördlichen hebt der sogenannte Innere Inselgürtel an, der in weitem Abstande das Australfestland begleitet. Die Inseln sind überwiegend durch Vulkanismus entstanden, enthalten noch tätige Feuerberge, die über Brockenhöhe hinausgehen, und vulkanisches Trümmergestein, mit Korallenkalk gemengt, wie auch die Küsten breit von Korallenriffen umsäumt sind. Im höheren Teile hochstämmiger, schweigender Urwald, an den Küsten die ungesunden Mangroven-Dickichte (s. Bunttafel bei S. 94). Die prächtig bunte Vogelwelt erinnert an Neuguinéa. Das Klima ist viel günstiger als im Kaiser-Wilhelmslande.

Der europäische Betrieb beschränkt sich zumeist auf Neupommerns n. Ende, die Gazelle-Halbinsel, und hier wieder auf die Station Herbertshöhe, gekennzeichnet durch drei erloschene Vulkane, wo eine englische Firma die größte Kokospalmenpflanzung der Südhalbkugel besitzt, und das benachbarte Inselchen Matupi. Der Sitz des Gouvernements soll demnächst nach dem benachbarten Simpson-Hafen verlegt werden. Die freundliche Bevölkerung leistet den deutschen Pflanzern leidliche Dienste, so daß Kopra, dazu etwas Perlmutter und Trepang, ausgeführt werden können. - Die Bewohner von Neumecklenburg, einer Insel von der Gestalt eines Revolvergriffes, die an Größe Mecklenburg-Schwerin ziemlich gleichkommt, sind kräftig, kriegerisch, gesangliebend, auch fleißig, durch Mißbrauch von seiten weißer Händler mißtrauisch geworden, aber durch die Anlegung des 200 km langen Weges quer durch die Insel wurden die Stammesfehden unterdrückt.

Die deutschen Salomon-Inseln, ziemlich in der Mitte des Trapezes 9/10 + 150/160 südostwärts ziehend, bestehen aus der Hauptinsel Bougainville, dem viel kleineren Buka und zahlreichen Eilanden. 10 000 qkm, 50 000 E.

Auf den Salomon-Inseln sind ältere Gesteine Zeugen ihres höheren Alters, doch hat auch bei ihrer Bildung der Vulkanismus eine große Rolle gespielt, hier aufbauend, dort zerstörend. Einige Gipfel, unter denen der Balbi mit 3100 m aufsteigt, sind noch in geringem Maße tätig. Die Berge sind mit Urwald bedeckt, der Boden fruchtbar. Breite Korallenriffe bauen sich weit ins Wasser hinaus, aber nicht einmal die Küste ist hinreichend erforscht, denn die Bewohner, die von Buka ausgenommen, verhalten sich Weißen gegenüber feindselig und unnahbar.

C. Karolinen und Marianen.

Diese beiden Inselgruppen, 1899 durch Kauf erworben, sind von ihren früheren Besitzern nach der Königin Maria Anna und dem Könige Karl II. von Spanien, die erste von den Entdeckern auf der Fahrt Magelhaens' 1521 auch Ladronen, d.i. Diebesinseln, benannt worden. Nur die größte Insel, Gúam in den Marianen (514 qkm), gehört der Union. Die Karolinen laufen durch 23 Längengrade zwischen den Philippinen und den Marschall-Inseln und zwischen dem Äquator und 10° N von W. nach O., die Marianen in einem nach W. geöffneten Bogen durch das Gradtrapez 10/20 + 140/150. So sind 2588 qkm Landes (etwa = Sachsen-Meiningen) über eine Meeresfläche ausgesät, die von den Balearen bis Kreta und von Sardinien bis nach Bremen reichen würde. Der Wert dieser Eilande besteht für uns im wesentlichen nur darin, daß sie unser Südseegebiet in günstiger Weise abrunden und Stützpunkte für die Verbindung mit der Kolonie in China schaffen. Das Klima ist tropisch feucht, aber nicht ungesund. Die wohlgestalteten, anstelligen Bewohner, deren Zahl zunimmt, gehören zum Mischstamme der Mikronesier, d.i. Kleininsel-Bewohner (s. Fig. 212, S. 519). Handelswerte liefern die Kokosernte und der Fang von Trepang, Schildkröten usw. Fast alle unsere polynesischen Inseln haben noch unter den Folgen des vernichtenden Orkans von 1905 zu leiden.

Die Karolinen, etwa 700 an der Zahl, sind von einiger Bedeutung durch Ackerbau, Pflanzenwelt und Häfen und ernähren 41 700 Bewohner. Sie sind überwiegend Korallengebilde und zum Teil echte Atolle. Im W. liegt abgesondert die Gruppe der Palau-Inseln. Ihre größte ist Baobeltaob, aus dessen vulkanischem Gesteine die Schiffer der Karolinen ihre merkwürdigen "Geldsteine" brechen, die, bsi zu 2 m im Durchmesser, als "Sparkassen" um die Häuser herum aufgestellt werden. Von den fünf größeren, vulkanischen, waldbedeckten und paradiesisch schönen Inseln liegen Jap und Pónape nahe den beiden Endpunkten der eigentlichen Karolinen-Kette. Jene, wie ein Komma geformt, 220 qkm groß, erhebt sich aus einem Korallenkranze bis zur Höhe des Drachenfels, Pónape,, 350 qkm, trägt einen Vulkan, der, mit Urwald und Kokoshainen bedeckt, zu 870 m ansteigt. Eine Kokospalme wird hier nach 5-6 Jahren ertragsfähig und liefert 30 Jahre hindurch eine Nußernte im Werte von 2 M jährlich.

Die Marianen, 15 an der Zahl, sind zumeist kaum mannshohe Korallenriffe im wildbrandenen Ozean, dessen furchtbare Stürme dann und wann ein solches Atoll einfach wegblasen. Die größte deutsche (185 qkm) und zu 410 m ansteigende Insel ist Saipan, der Sitz der Verwaltung, wie Jap und Pónape in den Karolinen. Die alte Bevölkerung ist im Verzweiflungskampfe gegen die Spanier völlig zugrunde gerichtet, ein "Brandmal der Zivilisation", wie Adolf Bastian (+ 1906) sagt, aber die Inseln sind von Gúam und den Karolinen aus neu besiedelt worden.

Marschall-Inseln.

Diese Gruppe ist erst seit 1906 dem Bezirke der Ostkarolinen angegliedert worden.

Zwischen dem 161. und dem 173. Meridian, dicht n. vom Äquator, sind zwei parallele Reihen von 33 Inselchen, n.ö. die Raták- und s.w. die Ralík-Gruppe, zusammen noch nicht halb so groß wie Rügen, über einen Meeresraum von der Größe des Kgr. Preußen verstreut. Sie sind sämtlich flach, nur das s. vom Äquator gelegene Nauru ragt 70 m empor und birgt große Phosphatlager. Auch auf diese pflanzenarmen Korallen-Eilande hat die von Mittelamerika kommende Meeresströmung die Kokospalme verpflanzt; sie lieferte 1905 für 0,7 Mill. M Kopra zur Ausfuhr und ernährt neben dem Brotfruchtbaum und dem Fischfange die Bewohner, braune Polynesier, schlank von Wuchs, gastfreundlich, kühne Schiffer mit höchst geschickt aus Stäben entworfenen Karten. Das Fehlen von Quellwasser zwingt sie, das Regenwasser sorgfältig in Gruben aufzufangen. Die bedeutendste Insel ist Jabor, ein Teil des aus zahllosen Einzelinseln bestehenden Atoll-Vierecks von Jaluit [dschalút].


Deutsche Schutzgebiete in der Südsee (Klicken zum Vergrößern)

Kaiser-Wilhelmsland und der Bismarck-Archipel (Klicken zum Vergrößern)

16. März 2006 - 18:22
( Jagdpanther )

:: Kommentar ::
Es liegen noch keine Kommentare vor.

Kommentar hinzufügen
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net