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FL18 - Frontline18 .:. Die Besatzungsherrschaft der Mittelmächte auf dem Balkan

:: Die Besatzungsherrschaft der Mittelmächte auf dem Balkan ::
Die Besatzungsherrschaft der Mittelmächte und die Nachkriegszeit auf dem Balkan

Im Zuge des Vormarsches im Osten fielen große Gebiete des Russischen Reiches, später auch der größte Teil Rumäniens und Albaniens sowie Serbien und Montenegro in die Hände der Mittelmächte. Für diese Gebiete mußte eine Besatzungsverwaltung eingerichtet werden, die je nach Region unterschiedlich gehandhabt wurde. Da es keine Vorkriegsplanungen für diesen Fall gab und auch keine Zukunftspläne für die eroberten Gebiete existierten, zeichnete sich die Übernahme der Verwaltung durch die Invasoren durch Improvisation und Pragmatismus aus. In erster Linie hoffte man, die besetzten Gebiete wirtschaftlich zur Entlastung der eigenen Heimatfront nutzen zu können und die dortige Bevölkerung für den Arbeitseinsatz in der Kriegswirtschaft nutzbar zu machen. Die oft rücksichtslose Durchsetzung dieser Interessen belastete das Verhältnis zwischen den Besatzungstruppen und der Bevölkerung nachhaltig.

Von großer Tragweite für die Diskussion über die Frage, was nach Kriegsende mit den besetzten Gebieten geschehen sollte. Die vorgeschlagenen Lösungen reichten von weitgehenden Annexionen über die Bildung von Marionettenstaaten bis hin zur Bildung föderaler Strukturen unter Einschließung der besetzten Gebiete als eigene Teilstaaten.

[b]Serbien


In der Folge der totalen Niederlage der serbischen Armeen und der vollständigen Besetzung des serbischen Territoriums setzten die Mittelmächte ein strenges Okkupationsregime ein. Das Land wurde in eine österreichische und eine bulgarische Besatzungszone aufgeteilt, die jeweils eigene Militärverwaltungen einrichteten. Die Serben leisteten gegen die Besatzer aktiven Widerstand, der von diesen brutal niedergehalten wurde. Es kam dabei immer wieder zu Repressalien wie Hinrichtungen und Deportationen, bei denen mehrere Tausend Serben den Tod fanden. Durch Krieg und Besatzungsherrschaft wurde Serbien schwer geschädigt, nach Kriegsende fanden die heimkehrenden serbischen Soldaten ein verwüstetes und ausgesogenes Land vor, dessen Bevölkerung auf drei Viertel der ursprünglichen Zahl reduziert war. Letzteres ging allerdings auch auf die chaotischen Verhältnisse und die Fluchtbewegung im Gefolge der serbischen Niederlage 1915/16 zurück. Die harte Besatzungsherrschaft in Verbindung mit dem militärischen Sieg, auch wenn er von anderen errungen wurde, trug nicht zuletzt dazu bei, den aggressiven Nationalismus und Chauvinismus von Teilen des serbischen Volkes zu stärken. Diese Entwicklung verschaffte sich trotz einer Zeit der Unterdrückung unter Tito in der Zeit der Jugoslawienkriege Ende des 20. Jahrhunderts vernehmbar Luft und ist auch heute noch stark präsent, insbesondere angesichts des Scheiterns großserbischer Pläne in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, aber auch im Kosovo. Diese chauvinistischen Tendenzen verursachten bei den Angegriffenen ihrerseits wieder entsprechende Gegenbewegungen, die in den 40er Jahren in Form der kroatischen Ustascha-Bewegung Form annahm, aber auch heute im rabiaten Nationalismus fanatisierter Kroaten und Albaner fortlebt.

Montenegro

Der kleinste der Balkanstaaten vermochte nur ein geringes militärisches Gewicht in die Waagschale zu werfen, seine im Milizsystem organisierte und schlecht ausgerüstete Armee zählte nur etwa 40.000 Mann. Dennoch gelang es ihr, den Österreichern standzuhalten, bis die Lage ob des Zusammenbruches Serbiens und einer massiven Großoffensive der österreichisch-ungarischen Armeen unhaltbar wurde. Ein Großteil der Armee wurde gefangengesetzt, der König Nikola mußte kapitulieren und ins Ausland fliehen. Das Land fiel unter österreichische Besatzungsherrschaft, dessen Militärgouvernement dem Feldmarschalleutnant Freiherr von Weber unterstand. Die Verhältnisse in Montenegro waren dabei ähnlich wie in anderen Teilen des Balkans. Nach dem Rückzug der Österreicher im Oktober 1918 wurde das Land von den Siegern dem neu zu bildenden Südslawenreich zugeschlagen, das später Jugoslawien hieß.

Albanien

Im Gegensatz zu den anderen Balkanvölkern entwickelten die Albaner erst spät eigenen nationalen Ehrgeiz, als die osmanische Herrschaft auf der Halbinsel allmählich schwächer wurde. Nach den Balkankriegen 1912/13 organisierte sich ein albanischer Nationalrat, welcher die Unabhängigkeit des Landes erklärte. Diese wurde auch von den anderen Balkanstaaten und den Großmächten anerkannt, auf deutsch-österreichisches Betreiben wurde ein Vetter des deutschen Kaisers, Wilhelm zu Wied, als Fürst von Albanien installiert. Er konnte sich aber nicht gegen die lokalen Machthaber durchsetzen und verließ bereits 1914 wieder das Land, das zu weiten Teilen in Anarchie zurücksank. Nach Kriegsausbruch verhielt sich Albanien zunächst neutral, wurde jedoch schon bald von den Serben besetzt. Mit Anlaufen der Großoffensive der Mittelmächte gegen Serbien und Montenegro Ende 1915 wurden die Serben allerdings auch aus Albanien vertrieben, italienische und französische Truppen besetzten den Süden des Landes und der nördliche Teil, etwa 60% des Landes, war unter österreichischer Kontrolle. Die Österreicher versuchten, durch eine milde Besatzungspolitik und den Bau von Schulen und anderer Infrastruktur die Albaner für sich zu gewinnen, auch stellte man ihnen eine Wiederherstellung der albanischen Souveränität in Aussicht, was allerdings natürlich nach der österreichischen Niederlage hinfällig wurde.

Bei der Friedenskonferenz 1919 waren die Albaner nicht einmal zu den Gesprächen eingeladen worden, sie ergaben sich aber nicht in ihr Schicksal und wählten Italien zum Sachwalter ihrer Interessen, der sie auf der Konferenz vertreten sollte. Tatsächlich dachten England und Frankreich bereits über eine Aufteilung zwischen Jugoslawien und Griechenland nach, andere Pläne sahen weitgehende griechische Gebietsgewinne und einen Reststaat als italienische Marionette vor. Durch geschicktes Lavieren zwischen den Siegermächten gelang es den Albanern, ihre Unabhängigkeit ohne territoriale Abstriche zu halten, allerdings begab man sich damit in eine gewisse Abhängigkeit zu Italien. Die Besatzungstruppen verließen das Land, die Italiener mußten erst durch einen zermürbenden Kleinkrieg vertrieben werden. Die provisorische Regierung, welche nach einer gemeinsamen Konferenz aller albanischen Gruppierungen 1918 erstanden war, konnte sich jedoch nicht konsolidieren – bis 1928 wechselten die Regierungen schnell einander ab, ohne das Land wirklich unter Kontrolle zu bringen. Erst danach gelang es dem nordalbanischen Clanführer Ahmed Zogu, sich zum König krönen zu lassen, allerdings nur mit Hilfe Mussolinis, in dessen Abhängigkeit das Albanien zunehmend geriet. Folgerichtig wurde das Land dann 1939 von Italien annektiert.

Rumänien

Nach dem überstürzten Kriegseintritt und der Eroberung eines Großteils des Landes leisteten die Reste der rumänischen Armee mit russischer Unterstützung in der Bukowina und in Moldawien entschlossenen Widerstand, den die Mittelmächte nicht zu brechen vermochten. Erst mit dem Zusammenbruch Rußlands waren auch sie zu einer Kapitulation gezwungen, die am 17. November 1917 unterzeichnet wurde. Der Frieden von Bukarest vom 7. Mai 1918 diktierte harte Bedingungen: Rumänien sollte Territorien an Österreich und Bulgarien abtreten sowie erhebliche wirtschaftliche Reparationen an die Mittelmächte leisten, zudem würde das Land unter ihrer Militärherrschaft bleiben. Als die Mittelmächte jedoch ihrerseits zusammenbrachen, trat die rumänische Armee zumindest dem Namen nach noch einmal in den Krieg ein, bis die Deutschen im Dezember 1918 endgültig abzogen. Rumänien wurde reich belohnt und konnte mit dem Erwerb von Siebenbürgen, dem Banat und Moldawiens sein Staatsgebiet fast verdreifachen.

17. Januar 2006 - 20:22
( Jagdpanther )

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