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:: Österreich-Ungarns Fahrzeuge - Vorgeschichte ::

Österreich-Ungarns Fahrzeuge - Vorgeschichte


Der Austrodaimler

Nach den Niederlagen von Solferino (1859) und Köngiggrätz (1866) hatte Österreich-Ungarn keine Kriege mehr geführt. Das Heer war zunehmend zu einem modernisierungsbedürftigen Kasernenheer verkommen. Außerdem stand für es auch relativ wenig Geld zur Verfügung. Zusätzlich war Kaiser Franz-Joseph seit 1848 im Amt und stand der neuen Erfindung des Automobils sehr skeptisch gegenüber. Auch die anderen Offiziere des Heeres waren nicht gerade taufrisch und hielten somit eher an althergebrachten Mitteln der Heerführung fest. Somit waren hier die Voraussetzungen für gepanzerte Fahrzeuge nicht gerade die besten. Lediglich ein „Freiwilliges Automobil- und Kraftfahrerkorps“ gab es.

Dieses setzte sich aus Privatpersonen zusammen, welche ihr eigenes Automobil mitbringen mußten, um dieser Einheit angehören zu dürfen. Dies hört sich zwar für uns heute sehr befremdlich an, doch auf diese Weise hatte man ein recht einfaches, angenehmes und vor allem ungefährliches Leben beim Heer, denn die Hauptaufgabe bestand darin, Offiziere von A nach B zu fahren oder den Nachschub mit Gütern zu ermöglichen. Die Uniform der Angehörigen des "Freiwilligen Automobil- und Kraftfahrerkorps" unterschied sich gänzlich von denen der anderen Truppenteile. Sie trugen eine hellblaue Uniform und vor allem als einzige Angehörige des Heeres eine Schirmmütze. Dies kam daher, dass die Chauffeure der damaligen Zeit diese Mütze als Kopfbedeckung trugen.


Der Austrodaimler (Quelle: "Stahl und Eisen im Feuer")

Der Austrodaimler:

Bereits 1903 entwickelte Ing. Paul Daimler (der Sohn des berühmten Firmengründers und Erfinders) den ersten betriebssicheren Vierradantrieb. Diesen setzte er nicht nur in den (ebenfalls auf den Bildern zu sehenden) Artilleriezugmaschinen, sondern auch im so genannten „Austrodaimler“ (benannt nach der österreichischen Tochtergesellschaft der Firma Daimler) ein. Die offizielle Bezeichnung war jedoch "Daimler-Straßenpanzer Baujahr 1905". Dieses Fahrzeug konnte Steigungen von bis zu 25 % überwinden und besaß einen 30 PS starken Benzinmotor, welcher es ihm erlaubte, eine Marschgeschwindigkeit von 24 km/h zu erreichen (Spitzengeschwindigkeit soll 45 km/h gewesen sein). Es wurde ein geräumiger, 360° drehbarer Turm in verschiedenen Ausführungen erprobt: Halboffen oder geschlossen, mit einer oder zwei MG-Scharten. Bewaffnet werden sollte er mit MGs vom Typ Schwarzlose. Die Panzerung war gleichmäßige 3 mm stark, was dem Fahrzeug ein Gesamtgewicht von 2 Tonnen einbrachte und es auf eine Distanz von bis zu 300 m gegen Handfeuerwaffen und Granatsplitter schützte. Die Sitze sowie die Lenkung konnten versenkt werden. Bei normaler Fahrt waren sie ausgefahren, wodurch ungehinderte Sicht ermöglicht wurde; bei Feindkontakt konnten die Sitze per Hebeldruck versenkt werden. Als Besatzung waren 5 Mann vorgesehen (3 Mann im Turm sowie ein Fahrer mit Beifahrer). 1906 durfte der "Austrodaimler" dann an einem Kaisermanöver teilnehmen.


Zitat „Stahl und Eisen im Feuer“ (vgl. Quellen):

„Schönfeld (Anm.: Heinrich Graf Schönfeld, der Fahrer) wurde mit dem Fahrzeug zur Schlußkritik auf den so genannten „Feldherrnhügel“ beordert. Nach Beendigung der Besprechungen forderte Kaiser Franz Joseph die Herren der Manöverleitung auf, den Panzerwagen vorführen zu lassen. In der begreiflichen Aufregung wurde vergessen, mit Rücksicht auf die zahlreichen mit ihren Pferden anwesenden Berittenen eine entsprechende Warnung zu geben. Als nun der immerhin recht geräuschvolle Motor ansprang und Graf Schönfeld Gas gab, scheuten ob dieses leichten Kanonenschnellfeuers die Pferde, nahmen Reißaus und zahlreiche Exzellenzen, hohe Militärs und Pferdewärter wurden gezwungen, teils über den Hals teils über die Kruppe den Pferderücken zu räumen. Angesichts dieses Tumultes war seine Majestät sehr indigniert und meinte zu seiner höchsten Umgebung: „so etwas sei für die militärische Verwendung nicht zu brauchen“.“

 

Dies war der offizielle Grund, weswegen das Fahrzeug nicht angenommen wurde (inoffiziell könnte man auch annehmen, dass der Preis von 27.000 Kronen dem Österreich-Ungarischen Kriegsministerium einfach zu hoch war). Der Wagen wurde danach an Frankreich verkauft und vom französischen Heer in Marokko eingesetzt. Hier verliert sich dann seine Spur.


Das Motorgeschütz (Quelle: http://www.doppeladler.com/kuk/burstyn.htm)

Das Burnstyn Motorgeschütz:

Oberleutnant Burnstyn unternahm 1903 eine Fahrt auf einem Torpedoboot. Dabei kam er auf die Idee, ein solches Gefährt für den Einsatz an Land zu entwickeln.

Er hielt jedoch Räder für ungeeignet, da sie im Schlamm einsinken würden. So wollte er eine Idee eines anderen österreichischen Offiziers übernehmen. Dieser hatte, um zu verhindern, dass große Geschütze einsinken, eine mit Platten versehene Kette an den Rädern der Geschütze befestigt. Burnstyn wollte eine solche Kette auf mehrere Räder aufziehen und umlaufen lassen. Jedoch ließ sich die amerikanische Firma Holt bereits 1904 gleislegende Ketten patentieren, weswegen er für seine Erfindung ein Drahtgeflecht als Ersatz verwenden wollte (Anm.: Dieses Geflecht hätte jedoch den Belastungen nicht standgehalten). 1911 legte er seinen Entwurf dem Österreich-Ungarischen Kriegsministerium vor. Dieses wies in jedoch als unbrauchbar und zu teuer ab (wahrscheinlich hatte man es sich gar nicht wirklich angesehen, da es „nur“ von einem Oberleutnant kam). Burnstyn ging daraufhin in das moderne Deutschland und hoffte, dass man ihm dort mehr Gehör schenken würde.

Doch auch hier wies man ihn ab. Dennoch ließ er sich sein Fahrzeug patentieren:

 

„Aus der Patentschrift 252 815:

Panzerkraftwagen, geeignet, sich mit motorischer Eigenkraft nicht nur auf Straßen, sondern auch auf unwegsamen Gelände fortzubewegen, gekennzeichnet durch gefederte Raupenketten zur Fortbewegung, durch heb- und senkbare Räder zur Fahrt auf Straßen sowie durch Ausleger, die den Wagen befähigen, auch breite Gräben zu überschreiten“

 

So fortschrittlich dieser Entwurf auch gewesen sein mag, wies er doch auch erhebliche Mängel auf. Neben dem bereits erwähnten Kettenproblem sollte der Fahrer mit Rücken zur Fahrtrichtung sitzen (ev. mit Periskop) und die Ausleger, mit welchen die Gräben überstiegen werden sollten, hätten leicht abgeschossen werden können.

Quellen:
  • R.Hauptner – P.Jung: “Stahl und Eisen im Feuer“ Wien 2003 Verlagsbuchhandlung Stöhr.
  • http://www.doppeladler.com/kuk/burstyn.htm
 


09. April 2006 - 19:18
( Kaiserjäger Goldi )

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