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FL18 - Frontline18 .:. Deutsches Schlachtschiff der "König"-Klasse

:: Deutsches Schlachtschiff der "König"-Klasse ::

Deutsches Schlachtschiff der "König"-Klasse


SMS König (zeitgenössische Postkarte, Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Die Entwürfe für diese Klasse von vier Schiffen (König, Großer Kurfürst, Markgraf und Kronprinz) entstanden im Konstruktionsamt der deutschen Marine in den Jahren 1909 und 1910. Sie waren eine Weiterentwicklung der vorhergehenden Kaiser-Klasse und ihr in vieler Hinsicht sehr ähnlich. Jedoch verfügten sie statt der zwei Türme mittschiffs an den Längsseiten beidseits der Aufbauten lediglich über einen zentralen Turm in der Mittschiffslinie. Das wurde auch deshalb möglich, weil die weiterentwickelten Maschinen weniger Platz beanspruchten und der Raum in der Mittschiffslinie nicht mehr für sie benötigt wurde. Der mittlere Turm konnte ohne Behinderungen nach beiden Breitseiten feuern, anders als bei der älteren Kaiser-Klasse, deren diagonal aufgestellte Türme manchmal durch die Aufbauten behindert wurden. Jedes Schiff kostete etwa 45 Millionen Goldmark.

Ursprünglich sollte die König-Klasse neben ihren beiden Turbinenmaschinen auch einen Dieselmotor erhalten, um größerer Reichweiten zu erzielen. Jedoch konnten die notwendigen Motoren nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden, so daß statt ihrer ein dritter Satz Turbinen eingebaut wurde. Die König-Klasse war die letzte Klasse deutscher Schlachtschiffe, die mit 30,5 cm-Geschützen als schwere Artillerie ausgestattet wurde. Die nachfolgende Baden-Klasse erhielt bereits die neuen 38 cm-Geschütze, allerdings nur noch acht statt der zehn bei der König-Klasse. Das war aber unvermeidbar, da die neuen Waffen mehr Platz beanspruchten. Die große Kalibersteigerung glich diese Reduzierung aber mehr als aus. Außerdem konnte der eingesparte Raum für stärkere Maschinen verwendet werden.


Ansicht der König von Steuerbord vorn

Die Schiffe der König-Klasse galten als besonders gelungen. Sie lagen ruhig im Wasser, was ihrer Treffsicherheit und Seefähigkeit sehr zugute kam. Alle wurden kurz vor oder kurz nach Kriegsausbruch in Dienst gestellt und kämpften im 3. Schlachtgeschwader zusammengefaßt in der Skagerakschlacht am 31. Mai 1916 mit. Ihre 30,5 cm Hauptbatterie besaß zwar ein kleineres Kaliber als die der zeitgleichen britischen Baumuster, die bereits 34,3 cm-Geschütze führten. Allerdings war die Durchschlagkraft der deutschen 30,5 cm-Granaten kaum geringer als die der britischen 34,3 cm-Geschosse, und ihre Schußfolge war schneller. Zudem stellte sich während der Skagerakschlacht heraus, daß die britischen Granaten schwerwiegende Fehler aufwiesen: ihr Zeitzünder funktionierte nicht richtig, so daß die Geschosse bereits beim Auftreffen auf die Panzerung explodierten. Die deutschen Granaten dagegen zündeten erst nach Durchschlagen der Panzerung und verursachten verheerende Schäden im Inneren der getroffenen Schiffe, während die Deutschen meist nur oberflächliche Beschädigungen erlitten. Diesen Mangel vermochten die Briten während des ganzen Krieges nicht abzustellen.

Zudem verfügten die deutschen Großkampfschiffe allgemein über einen sehr gut ausgebildeten Unterwasserschutz. Sie besaßen Torpedoschotts, die die Wirkung von Treffern unter der Wasserlinie - etwa durch Minen- oder Torpedotreffer - erheblich minderten, und waren außerdem in viele wasserdichte Abteilungen unterteilt. Die Briten legten weniger Wert auf einen so raffinierten Schutz, wie auch ihre Flotte in mancher Hinsicht eher nach dem Prinzip "Masse statt Klasse" funktionierte. Das wirkte sich im Krieg allerdings schädlich aus. So gingen zahlreiche britische Großkampfschiffe durch Minentreffer verloren, z.B. das Schlachtschiff Audacious, das im Oktober 1914 bei Schottland auf einer Minensperre sank - eine einzige Mine hatte genügt. Dagegen blieben deutsche Schiffe nach solchen Vorfällen meist einsatzbereit oder konnten doch aus eigener Kraft die Basis erreichen. Der Schlachtkreuzer Goeben etwa erhielt 1918 in der Ägäis drei Minentreffer und konnte selbständig in den Bosporus zurücklaufen. Auch das Schlachtschiff Bayern erlitt bei der Landungsunternehmung gegen die baltischen Inseln 1917 einen Minentreffer, konnte aber seine Operationen ungestört fortsetzen.

Neben dem Einsatz in der Skagerakschlacht nahmen die vier Schiffe der König-Klasse auch am Unternehmen Albion teil, der deutschen Landung auf den baltischen Inseln im Oktober 1917. Dabei erhielten Großer Kurfürst und Markgraf Minentreffer, die sie allerdings nur unwesentlich beschädigten und sie nicht an der Ausführung ihrer Kampfaufträge hinderten. Alle Schiffe beschossen mit ihrer schweren Artillerie Ziele an Land, um den Invasionstruppen den Weg zu bahnen. König und Kronprinz drangen nach Freiräumung der Minensperren in der Irbenstraße in den Rigaer Meerbusen vor und stellten einen russischen Flottenverband aus den zwei Linienschiffen Grasdanin und Slava und dem Panzerkreuzer Bajan. Die Slava wurde schwer beschädigt und mußte sich selbst versenken, die anderen Schiffe erlitten zwar ebenfalls Treffer, entkamen aber zwischen den Minenfeldern des Moonsundes ihren Verfolgern.

Nach dem Waffenstillstand wurden alle Schiffe der König-Klasse zusammen mit dem Rest der Hochseeflotte nach Scapa Flow gebracht und dort interniert. Sie alle versenkten sich am 21. Juni 1919 selbst, um zu verhindern, daß die Flotte unter den Siegern aufgeteilt wurden. 1962 wurden die Wracks der Schiffe der König-Klasse zum Abwracken verkauft, doch nur die Großer Kurfürst wurde tatsächlich verschrottet. Die anderen Schiffe liegen noch am Boden der Bucht von Scapa Flow und sind ein beliebtes Ziel für Sporttaucher.


Rißzeichnung der König
Technische Daten
Abmessungen
Verdrängung: 28600 t
Länge über alles: 175,4 m
Länge (Wasserlinie): 174,7 m
Breite: 29,5 m
Tiefgang: 9,19 m
Besatzung: 1136

Bewaffnung
30,5 cm L/50: 10 (5x2)
15 cm L/45: 14
8,8 cm Flak: bis zu 10
50 cm Torpedorohre: 5 (unter Wasser)

Panzerung
Deck: 30 mm
Gürtel: 350 mm
Kommandoturm: 300 mm
Türme: 300 mm

Antrieb
Wellen: 3
Turbinen: 3
Typ: Parsons

Leistung
Gesamtleistung: 43300 wps
Höchstgeschwindigkeit: 21,0 Knoten
Reichweite: 8000 sm bei 12 Knoten


30. Dezember 2003 - 21:21
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > Deutsches Schlachtschiff der "König"-Klasse
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 Autor Thema: Deutsches Schlachtschiff der "König"-Klasse
Die Bärtige
03.01.2004 um 19:58 QuoteProfileSend PM

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313. Panzerknacker Regiment "Murmler"
Interessanter Artikel! Hier tauchten erstmals für mich unbekannte Namen auf bei den Schiffen. Der Infogehalt ist nicht zu unterschätzen.

Wie darf man sich denn die Torpedoschotts unterhalb der Wasserlinie vorstellen. Waren das einzelne Abteilungen der einzelnen Decks?
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"Im Hafen sind Schiffe besser aufgehoben, aber dafür wurden sie nicht gemacht"
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Jagdpanther
03.01.2004 um 20:15 QuoteProfileSend PM


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He's watching YOU...
Ein Torpedoschott war ein Panzerschott hinter der eigentlichen Bordwand. Wurde die Bordwand durchschlagen, diente der Zwischenraum dazu, die Explosionswucht des Torpedos verpuffen zu lassen. Zusätzlich gab es häufig noch eine "Torpedowulst", d.h. ein hohler Wulst wurde unter der Wasserlinie um das Schiff gelegt, um genügend Zwischenraum zwischen Außenhaut und Torpedoschott zu schaffen. So blieb bei einem Treffer der eigentliche Schiffskörper unbeschädigt. Der Zwischenraum zwischen Außenhaut und Torpedoschott mußte ausreichend groß sein, um genug Platz für das Verpuffen der Explosionswirkung zu haben, was anfangs häufig vergessen wurde. Der Zwischenraum war seinerseits unterteilt.
Britische Schiffe hatten häufig keine Torpedoschotts, oder sie waren nicht ausreichend stabil. DieMarlborough etwa (s. Iron Duke-Klasse) besaß zwar ein solches Schott, aber es wurde durch einen Torpedotreffer mühelos durchschlagen. Die neueren deutschen Schiffe dagegen waren wesentlich besser geschützt gegen alle Arten von Unterwasserschäden.
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Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
Die Bärtige
04.01.2004 um 01:59 QuoteProfileSend PM

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313. Panzerknacker Regiment "Murmler"
Danke für die Erläuterung. Jetzt hab ich ne Vorstellung davon. Doch wenn man so wirksame Abwehrmethoden schon im Ersten Weltkrieg entwickelt hatte, warum waren die U-Boote im 2. Weltkrieg noch so effektiv? Hatten die Engländer denn nix gelernt?
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Jagdpanther
04.01.2004 um 02:03 QuoteProfileSend PM


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Erstens hatten die Engländer zwischen den Kriegen kaum neue Großkampfschiffe gebaut, weil der Erste Weltkrieg sie finanziell ruiniert hatte. Die alten Schiffe mit ihrem mangelhaften Unterwasserschutz blieben also im Dienst und fielen deutschen U-Booten relativ leicht zum Opfer, so etwa die Barham. Zweitens waren natürlich auch die Torpedos verbessert worden, und drittens wurde die Schlacht im Atlantik weitgehend zwischen U-Booten auf der einen und Eskorten und Handelsschiffen auf der anderen Seite ausgetragen. Bei letzteren reichte häufig schon ein Torpedo, um sie in Stücke zu reißen - ein Unterwasserschutz war bei ihnen sinnlos.
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Gamma
04.01.2004 um 02:51 QuoteProfileSend PM

Moderator

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Eben die "wirksamen" UBoot Abwehrstrategien liessen die Allierten im Glauben für eine Uboot Gefahr gerüstet zu sein. Ebenso eine Fehleinschätzung, wie die am Beginn des Krieges vorherrschende Meinung das Flugzeugträger eine geringere Rolle als Schlachtschiffe spielen würden.

Die ersten Tests mit dem Vorläufer des Sonars wurden in England im Jahre 1938 gemacht, wenn mich nicht alles täuscht gabs da sogar ein Manöver der Flotte. Das Gerät wurde jedoch wegen der geringen UBoot Gefahr und leichten Mängeln nicht weiterentwicklet. Erst als die deutschen Boote den Handelskrieg massiv begannen, erinnerte man sich der Idee und begann sie wieder zu verfolgen.
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Dicke Kinder sind schwerer zu kidnappen!
 
Die Bärtige
05.01.2004 um 15:07 QuoteProfileSend PM

Clan: -|PBF|- Funteam
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313. Panzerknacker Regiment "Murmler"
Dass Handelsschiffe und Eskorten ohne Zerstörer den U-Booten schutzlos ausgeliefert waren, hat sich ja gezeigt. Auch die Weiterentwicklung der Torps war abzusehen. Warum haben die Engländer dann nicht ihr Sonar fertig entwickelt? Die Gefahr die von U-Booten ausging mag noch so gering eingeschätzt worden sein, solche Früherkennungssysteme konnten aber den Mangel der schlechten bzw. nicht vorhandenen Maßnahmen zur Torpedoabwehr wesentlich ausgleichen.

Ich habe in einigen Artikeln hier gelesen, dass einige Kreuzer, Panzerkreuzer und Schlachtkreuzer mit Torpedos ausgestattet waren. Wurden diese über Unterwasserluken, ähnlich den der U-Boote, verschossen oder wurden sie über der Wasserlinie gestartet, wie bei den Torpedobooten?
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Jagdpanther
05.01.2004 um 16:15 QuoteProfileSend PM


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Die Torpedos waren mehrheitlich unter der Wasserlinie montiert, meistens schossen sie nach den Seiten. Einige Schiffe besaßen jedoch auch Torpedorohre, die nach vorn schossen. Später verzichtete man meistens auf die Unterwassertorpedorohre, da sie Schwachpunkte im Rumpf darstellten. Man setzte die Torpedos dann in Rohrsätzen auf das Oberdeck oder ließ sie ganz weg.
Daß die Engländer gegen die U-Boote so schlecht gerüstet waren, könnte daran liegen, daß das Konvoisystem im Ersten Weltkrieg so effektiv gewesen war. Vielleicht konnte man sich nicht vorstellen, daß die U-Boote Wege finden würden, auch durch Eskorten geschütze Konvois erfolgreich anzugreifen. Aber die Rudeltaktik und die leistungsgesteigerten Boote machten dies möglich...
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Jagdpanther
05.01.2004 um 21:35 QuoteProfileSend PM


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Artikel noch mal leicht überarbeitet... die Kaiser-Klasse hatte gar nicht sechs Türme, habe ich festgestellt *schäm*, sondern nur fünf. Entsprechend wurde kein Turm eingespart, sondern nur neu positioniert.
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Jagdpanther
15.04.2004 um 15:26 QuoteProfileSend PM


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Artikel noch mal leicht überarbeitet und ein zusätzliches Kapitel über Unternehmen Albion eingefügt.
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Seydlitz
04.02.2005 um 13:52 QuoteProfileSend PM

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Kleine Erläuterung, warum es überwiegend ältere Schlachtschiffe bei den Engländern gab:

1921 einigten sich die Seemächte England, USA, Japan, Frankreich und Italien auf ein Abkommen zur Begrenzung der Seerüstung, dem sogenannten "Washington-Vertrag".

Dieser Vertrag beinhaltete ein starke Reduzierung der enlischen Flotte und beendete die Hochrüstung der Flotten der USA und Japans. Gleichzeitig wurde ein Baustop für Großkampfschiffe beschlossen so das die Nelosn und die Rodney die letzen Großkampfschiff waren, die laut Vertrag fertiggestellt werden durften.

Erst nach Vertragsablauf - und einer mißglückten Verlängerung des Baustopps für Schlachtschiffe - wurden wieder ab mitte der 30er Jahre Großkampfschiffe gebaut.

Gruß,

Andreas
 
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