Frontline18
    Frontline18    |    BF1918    |    History    |    Forum [ ? ] User Online    |    Login    German English
Geschichte
Suchen
Buddyliste [0/0]
Du musst eingeloggt sein um die Buddyliste zu nutzen.
FL18 - Frontline18 .:. Die Tragödie des Luftschiffs L19

:: Die Tragödie des Luftschiffs L19 ::

Die Tragödie des Luftschiffs L19

Nach 10 Monaten Dienst in Dresden wurden Kapitänleutnant Odo Loewe und L19 zum Luftschiffhafen Tondern in Nordschleswig (heute Dänemark) abkommandiert. Bereits zwei Tage später liefen L19 und acht weitere Luftschiffe aus, um Angriffe auf Süd- und Mittelengland (möglichst auch Liverpool) zu fliegen.
Am 31. Januar 1916 kurz nach 12.00 Uhr verließ das Luftschiff-Geschwader zusammen mit L19 Tondern mit Kurs Südwest. Bereits nach wenigen Kilometern geriet das Geschwader in ein heftiges Unwetter und in dichten Nebel. Durch Kälte, Schnee und Regen vereisten die Schiffe, wodurch sie schwerer wurden; zusätzlich erlitten fast alle neun Luftschiffe Motorenschäden an ihren Maybach-Motoren. L20 konnte mit Mühe eine Höhe von 2000 Metern halten und gerade so einen Angriff auf Loughborough und Burton-on-Trent durchführen, sie musste danach unverzüglich nach Tondern zurückehren, wo L20 tags darauf auch landete.

Um 19.20 Uhr erreichte L19 die Küste bei Sheringham. Trotz der Motorenprobleme und der Vereisung des Schiffes wollte Kapitänleutnant Loewe den Angriff auf Liverpool durchführen. Englischen Berichten zufolge soll L19 kurz nach Mitternacht mit der Bombardierung von Industrieanlagen zwischen Birmingham und Wolverhampton begonnen haben. Englische Quellen berichten, das L19 Schleifenfahrten und unverständliche Kursänderungen vorgenommen haben soll. Diesen Berichten zufolge kann man davon ausgehen, das L19 mit Kompassproblemen und Motorschäden zu Kämpfen hatte. Dies erklärt auch den zehntündigen Aufenthalt über englischem Boden.
Wie später bekannt wurde, waren bei L19 drei der vier Motoren und damit auch die Funkanlage ausgefallen. So konnte Kommandant Loewe erst am 1. Februar nachts um 03.53 Uhr um Peilwerte anfragen. Von den Peilstationen in Nordholz und Brügge wurde eine Position zwischen Norwich und King´s Lynn ermittelt. Um 05.37 Uhr funkte Kommandant Loewe einen Situationsbericht.

Als am 1. Februar um 14.00 Uhr noch immer keine Spur von L19 aufzufinden war (alle anderen acht Luftschiffe waren zu diesem Zeitpunkt bereits zurück), wurde beim Kommando der Hochseeflotte um Hilfe nachgefragt. Um 16.20 Uhr, als gerade die ersten Torpedoboote ausgelaufen waren, wurde in der Peilstation Nordholz ein Funkspruch aufgefangen:

“FT-Anlage war unklar, zeitweise 3 Motoren unklar, Standort etwa Borkum, Wind ungünstig. L19”

Die Peilstationen mussten aber feststellen, das sich L19 nicht wie von der Besatzung angenommen über Borkum befand, sondern ca. 22 sm nördlich der holländischen Insel Ameland. Die Peilstationen funkten sofort die neuen Positionsbestimmung zu L19 hinaus. Da man jetzt die Position von L19 wusste und die günstige Wetterlage eine Gefährdung der Heimreise ausschloss, wurden die bereits ausgelaufenen Torpedoboote zurückbeordert.

Als am 2. Februar um Mitternacht L19 weiter vermisst blieb, wurde erneut Hilfe bei der Hochseeflotte angefordert. Zerstörer fanden 12 Seemeilen nördlich von Borkum einen Treibstofftank von L19, aber die suche nach dem Luftschiff selbst blieb erfolglos.
Noch am selben Tag erfuhr das Flottenkommando davon, das die tieffliegende L19 bei nebeligem Wetter über Ameland in Abwehrfeuer geraten war. Es beschädigte die Gaszellen, und L19 wurde manövrierunfähig auf die Nordsee hinaus getrieben.
Am 3. Februar fing die deutsche Heeresfunkstelle bei Lille eine Meldung auf, aus der hervorging, daß ein englischer Fischdampfer das Wrack der L19 mit zahlreichen Überlebenden 110 Seemeilen östlich von Flameborough Head gesichtet hatte. Im Morgengrauen des 2. Februar 1916 hatte der Fischdampfer den Havarieort verlassen, nachdem der Kapitän mit den Überlebenden gesprochen hatte und ihnen jegliche Hilfe verweigert hatte. Stunden später ertrank die Besatzung von L19 in den eisigen Fluten der Nordsee.

Im August 1916 – sechs Monate nach dem Untergang der L19 - wurde an der schwedischen Kattegatküste nahe Göteborg eine Flaschenpost an Land gespült. Diese Flaschenpost enthielt die letzten Logbucheintragungen von Kommandant Odo Loewe, und Abschiedsbriefe der Besatzung an ihre Angehörigen. In einem der Briefe wurde der englische Fischdampfer, der ihnen die Hilfe verweigert hatte, beim Namen genannt: es war die King Stephen aus Grimsby.

Inhalt der Flaschenpost

Letzte Logbucheintragung von Kommandant Odo Loewe:

“Mit fünfzehn Mann auf der Plattform und dem First des in etwa 3°Ost schwimmenden Körpers des L19 versuche ich eine letzte Berichterstattung. Dreifache Motorhavarie, leichter Gegenwind auf der Rückfahrt verspäteten die Rückkehr und brachten mich in Nebel, dieser nach Holland, wo ich erhebliches Gewehrfeuer erhielt, es wurde schwer, gleichzeitig drei Motorpannen. Am 2. Februar 1916 nachmittags, etwa ein Uhr - ist wohl die letzte Stunde. Loewe”

Persönliche Briefe
Der Kommandant, Kapitänleutnant Loewe, an seine Frau:

“2.2.16, mittags 12 Uhr. Letzte Stunde auf Plattform im Verein mit meinen Leuten in etwa 3° östlicher Länge gedenke ich Dein! Verzeih mir alles, erziehe unsere Kinder. Dein Odo.”

Anmerkung: Bei den dunklen Stellen auf dem Brief handelt es sich um Blutflecken!

Steuermannsmaat Hans Dreyer an seine Mutter und seine Braut:

“Meine herzliebste Ada und Mutter, Schwiegermutter und Vater und Schwägerinnen. 1.2.16, 11 Uhr nachts. Motoren alle versagt, letzte Stunde, lebt wohl. Liebe Ada, sei meiner Mutter ein gutes Kind. Euer aller Hans”

Ein zweiter Gruß des Steuermannsmaats Hans Dreyer:

“Meine L. Ada und Mutter! Es ist 11 Uhr morgens, den 2.2. Wir leben alle noch, aber nichts zu essen. Heute morgen war ein Fischdampfer, ein englischer, da, dieser wollte uns nicht retten. Er hieß King Steffen aus Grimsby. Der Mut sinkt, der Sturm nimmt zu. Euer auch noch im Himmel an Euch denkender Hans”

“Um 1/2 12Uhr haben wir gemeinschaftlich gebetet und von einander Abschied genommen Euer Hans”

Leutnant zur See Erwin Braunhof an seinen Vater:

“Nordsee 2.II.16. 2 Tage u. 2 Nächte umhergeschwommen, keine Hilfe ! Grüße Dich. Ein engl. Dampfer wollte uns nicht retten. Erwin”

Obermaschinistenmaat Otto Kruse an seine Eltern:

“Wir treiben 2 Tage auf der Nordsee. Gleich ist vorbei. Ich danke Euch noch vielmals für Eure Liebe.Herzliche Grüße Euer Otto”

F.T.-Obermaat Uhle an seine Gattin:

“Nordsee, Mittwoch 2.II.16. Mein liebes Frauchen! Nachdem wir nun schon 30 Stunden mit dem Meer kämpfen, ist unsere letzte Stunde gekommen. Wir haben eben gebetet und so übergebe ich auch Dich und Walter Gott. Lebt wohl! Euer Papa

Segelmachermaat Andreas Busch an seine Gattin und sein Kind:

“Meine liebe Frau und mein lb. Alwin. Leider will es Gott daß wir uns nicht iwedersehen. Liebste Frau, ich glaube unsere lb. Eltern nehmen sich Euch an. Auf Wiedersehen in der ewigen Seligkeit. Nochmals viele herzl. Grüße Euch allen Andreas”

Obermaschinenmaat Georg Baumann an seine Frau:

“Die letzten Grüße an Dich und Kinder. Dein tr. Georg”

Der Obermaschinenmaat Georg Baumann hat eine weitere Nachricht an seine Familie seiner Thermosflasche anvertraut, die von einem schwedischen Schiff aufgefischt wurde:

“Liebe Grete und Kinder! Befinde mich augenblicklich in großer Gefahr, bin mit unserem Schiff ins Meer gefallen. Liebe Grete! Bis zur letzten Stunde auf Rettung hoffend, ist es anders bestimmt, nun, so ist es Gottes Wille. Getreu bis in den Tod, grüßt und küßt Dich und die Kinder herzlichst Dein treuer Georg”

Reaktionen und Nachspiel

Als die Tragödie von L19 offiziell bekannt wurde, war die Empörung darüber auf deutscher sowie auf englischer Seite groß. Nach der Havarie des Luftschiffs mußte die Besatzung (nach internationalem Seerecht) als in Not geratene Seeleute behandelt werden. Es gab eine internationale Pflicht, solche Seeleute zu retten, egal welcher Nation. Der Fischdampfer King Stephen und sein Kapitän, William Martin, wurden geächtet. Die Deutsche Hochseeflotte hatte Order, das Schiff zu entern, falls es gefunden werden sollte.

Als am 23. April 1916 die deutsche Hochseeflotte mit dem Beschuss von Great Yarmouth begann, wurde die King Stephen vom deutschen Torpedoboot G41 aufgebracht. Die Besatzung bestritt die unterlassene Hilfeleistung, da sie angeblich erst später an Bord gekommen sei. Sie alle wurden gefangen genommen, der Fischdampfer versenkt.


Die Besatzung von L19
Text: HELLCAT
Bilder und Briefquelle: Zeppelin Museum Tondern

07. Januar 2004 - 23:56
( HELLCAT )

Deutsche Foren >> Kommentare > Die Tragödie des Luftschiffs L19
Antwort erstellen
 Autor Thema: Die Tragödie des Luftschiffs L19
User gelöscht
10.01.2004 um 01:24 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 65

Ein sehr beeindruckender Artikel in gewohnter und außerordentlicher Qualität.

MfG
Bjoern
 
Sgt. Hellsing II
10.01.2004 um 01:27 QuoteProfileSend PM

Clan: -XI- Panzer_Raise
Postings: 119

Hellsing
Ich stimme Bjoern zu... Großen respekt
__________________
Ein Schrei wenn ich eure Welt betrete, ein Schrei-Gesang wenn ich sie wieder verlasse.
- Zerstörerischer Dämon -
 
Die Bärtige
10.01.2004 um 20:00 QuoteProfileSend PM

Clan: -|PBF|- Funteam
Postings: 132

313. Panzerknacker Regiment "Murmler"
Sehr beeindruckend der Text. Er macht mich aber zugleich auch sehr betroffen. Wenn man sich vorstellt, dort draussen auf der Nordsee im tiefsten Winter bei eisigen Luft- und Wassertemperaturen auf seinen unausweichlichen Tod warten zu müssen, nachdem sogar eine Rettung möglich gewesen wäre. Schließlich sind 12 Leute mehr an Bord eines Fischkutters kein Problem. Selten hat man solche "lebendigen" Quellen wie diese Flaschenpost und die Thermosflasche. Ich brauche mir nur vorstellen, als kleiner Junge über so einen kurzen Brief nur vom Tod meines geliebten Vaters erfahren zu müssen, schrecklich. Von den Frauen und Eltern ganz zu schweigen. Wer möchte schon seine eigenen Kinder zu Grabe tragen müssen? Ich hoffe uns allen bleibt ein solches Kriegschicksal erspart.

Im Gedenken an die Opfer der Tragödie um L19...

Die Bärtige
__________________
"Im Hafen sind Schiffe besser aufgehoben, aber dafür wurden sie nicht gemacht"
-Epiktet-

Member im PlanetBattleField (-|PBF|-) Funteam (Battlefield-Funteam)

Member im Fliegendes SuizidKommando (=FSK=) Funteam (Black Hawk Down-Funteam)

 
Sgt. Hellsing II
10.01.2004 um 22:04 QuoteProfileSend PM

Clan: -XI- Panzer_Raise
Postings: 119

Hellsing
Die King Stephen und ihre Besatzung sollen verflucht werden, und das wurdensie auch... Daß wahrscheinlichste ist, das die schlimmste Bestrafung für die Besatzung der King Stephen, der Moment war indem all der verächtende Hass der Familien auf sie traf... Schrecklich muß es gewesen sein all die umhilfe schreienden Menschen in dem eisigen Gewäßern leiden zu sehen...

Da es keinen Gott gibt sage ich somit: Im Jenseits werdet ihr antreffen...

...Hellsing...
__________________
Ein Schrei wenn ich eure Welt betrete, ein Schrei-Gesang wenn ich sie wieder verlasse.
- Zerstörerischer Dämon -
 
Out$!der
12.01.2004 um 23:37 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 50

Arme Kerle...das muss so furchtbar sein, auf den unausweichlichen Tod zu warten...
 
Kaiserjäger
13.01.2004 um 12:35 QuoteProfileSend PM

Clan: Kommando Sniper Feuersturm
Postings: 370

Es muss schrecklich gewesen sein langsam auf den nahen Tod zu warten, aber gleichzeitig steigt in mir die Wut auf wenn ich lesen muss das ein britisches Schiff die deutschen Seeleute nicht gerettet hat, sie hätten wenigstens, wo sie wieder zu Hause waren der Polizei oder dem Militär/Marine bescheid sagen können das auf dem Meer deutsche Soldaten sind. Da kann ich nur sagen: Diese Schweine!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
__________________
Jedesmal wenn ich einen Engländer abgeschossen habe ist mein Jagdsinn für eine Viertelstunde besänftigt.
 
Out$!der
14.01.2004 um 15:36 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 50

Mmmh...eins ist mir noch aufgefallen...es steht da, dass am 23.April 1916 die King Stephen versenkt wurde, wegen der Sache mit L19. Aber wie soll das gehen, wenn erst im August 1916 bekannt wurde, dass die King Stephen dieser Dampfer von damals war?
 
Jagdpanther
14.01.2004 um 15:59 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 3348

He's watching YOU...
Die Nachricht hatte die Deutschen wohl schon auf andere Weise erreicht, vermutlich über die Berichterstattung in den englischen Medien.
Mich würde interessieren, was mit der Besatzung der King Stephen geschah... wurde sie vor Gericht gestellt oder ging sie in Kriegsgefangenschaft?
__________________
Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
Die Bärtige
14.01.2004 um 20:53 QuoteProfileSend PM

Clan: -|PBF|- Funteam
Postings: 132

313. Panzerknacker Regiment "Murmler"
Die sind wohl alle gefangengenommen worden. So steht es ja zumindest im Text drin, oder?
__________________
"Im Hafen sind Schiffe besser aufgehoben, aber dafür wurden sie nicht gemacht"
-Epiktet-

Member im PlanetBattleField (-|PBF|-) Funteam (Battlefield-Funteam)

Member im Fliegendes SuizidKommando (=FSK=) Funteam (Black Hawk Down-Funteam)

 
HELLCAT
14.01.2004 um 21:40 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 997

HELLCAT
Out$!der hat folgendes geschrieben:
Mmmh...eins ist mir noch aufgefallen...es steht da, dass am 23.April 1916 die King Stephen versenkt wurde, wegen der Sache mit L19. Aber wie soll das gehen, wenn erst im August 1916 bekannt wurde, dass die King Stephen dieser Dampfer von damals war?




Am 3. Februar fing die deutsche Heeresfunkstelle bei Lille eine Meldung auf, aus der hervorging, daß ein englischer Fischdampfer das Wrack der L19 mit zahlreichen Überlebenden 110 Seemeilen östlich von Flameborough Head gesichtet hatte. Im Morgengrauen des 2. Februar 1916 hatte der Fischdampfer den Havarieort verlassen, nachdem der Kapitän mit den Überlebenden gesprochen hatte und ihnen jegliche Hilfe verweigert hatte. Stunden später ertrank die Besatzung von L19 in den eisigen Fluten der Nordsee.


Im dieser Meldung muss wohl auch der Name des Fischdampfers gefallen sein.
__________________

 
Pette
13.10.2006 um 16:21 QuoteProfileSend PM

Clan: Kein Clan
Postings: 8

Ich weiß nicht , also ich hätte die Besatzung der King Stephen mit ihrem Schiff versenkt .
Das mag zwar auf unterschiedliche Meinungen treffen , wäre aber die gerechte Strafe .
 
[ Antwort erstellen ]
  WebSystem © 2003 by Griffon · DOTLAN · info @ dotlan.net · www.dotlan.net