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FL18 - Frontline18 .:. U-Bootkrieg und Handelskrieg

:: U-Bootkrieg und Handelskrieg ::

U-Bootkrieg und Handelskrieg

Die Bedeutung des Handelskrieges

Der Kampf um die Kontrolle der Weltmeere war schon immer auch ein Kampf um die Kontrolle des Handels. Nicht nur strategische Erwägungen geboten eine Beherrschung der See, auch wirtschaftliche Gesichtspunkte machten sie äußerst vorteilhaft. Nicht nur konnte man damit dem Feind Angriffe über das Meer verwehren, man konnte ihn auch als wirtschaftlichen Konkurrenten ausschalten und ihm wichtige Handelseinnahmen und Importgüter vorenthalten, was seine Position schwächte. Immerhin stellten - und stellen - Schiffe die einfachste Möglichkeit dar, große Mengen von Gütern schnell über große Entfernungen zu transportieren, noch heute werden über 80% des weltweiten Warenverkehrs per Schiff abgewickelt. Bereits in den Napoleonischen Kriegen hatte England mit Hilfe seiner starken Flotte die Seeherrschaft erlangt und Frankreich vom Welthandel abgeschnitten, was das Land wirtschaftlich an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Die Franzosen versuchten ihrerseits, durch die Kontinentalsperre die Engländer vom europäischen Handel auszuschließen. Jedoch war die Kontinentalsperre nie ganz vollständig, Rußland trieb immer noch Handel mit dem Erzfeind. Um die Russen zur Aufgabe des Handels mit den Engländern zu zwingen, begann Napoleon seinen verhängnisvollen Rußlandfeldzug, der den Anfang vom Ende des Napoleonischen Reiches darstellte. Der Handelskrieg hatte also erhebliche Auswirkungen auf den Kriegsverlauf.


Eine britische Fregatte um 1800. Diese Schiffe jagten gegnerische Handelsschiffe

Blockade gegen die Mittelmächte

Auch im neuen Krieg beabsichtigten die Engländer, ihre Feinde vom Handel abzuschneiden, und errichteten eine Seeblockade gegen Deutschland und Österreich. Jedoch war eine Blockade nicht mehr so einfach wie zur Zeit Napoleons, die Waffentechnik hatte sich erheblich weiterentwickelt, und sowohl Deutschland als auch Österreich besaßen eine wohlausgebildete Kriegsflotte. Früher hatten die Blockadeschiffe unmittelbar vor den gegnerischen Flottenbasen gelegen und ihnen die Ausfahrt verwehrt, während Handelsstörer auf den Weltmeeren Jagd auf feindliche Handelsschiffe machten. Das war jetzt nicht mehr so ohne weiteres möglich, der Blockadeflotte drohten unmittelbar vor der gegnerischen Küste Gefahr durch Minen, Torpedoboote und Luftangriffe, außerdem war zumindest die deutsche Flotte stark genug, die Engländer zu einer richtigen Seeschlacht herauszufordern. Deshalb wählten die Briten eine andere Taktik: sie riegelten die Zufahrten zur Nordsee mit ihrer Flotte ab und schlossen die Deutschen damit vom Atlantik aus. Das gleiche geschah den Österreichern: der Ausgang der Adria wurde für jeden Verkehr nach Österreich gesperrt. Damit waren die Mittelmächte vom Weltmeer abgeschnitten.

Zugleich führten beide Seiten einen intensiven Kreuzerkrieg gegen die feindliche Handelsschiffahrt. Deutsche Kreuzergeschwader, die in den überseeischen Kolonien stationiert waren, richteten beträchtlichen Schaden an, konnten sich aber gegen die feindliche Übermacht nicht lange halten und wurden bald vernichtet. Die Weltmeere standen nun unter der Kontrolle der Entente, und sie hatte freien Zugang zu den Weltmärkten. Das galt allerdings nicht für Rußland: die Deutschen beherrschten die Ostsee, während die Türken das Schwarze Meer für jeden Verkehr sperrten. So waren die wichtigsten russischen Häfen ebenfalls blockiert, was ihre Verbündeten daran hinderte, sie zu unterstützen. Allerdings war die Blockade nicht vollständig: über die Eismeerhäfen und die Transsibirische Eisenbahn erreichten kleine Mengen an Nachschub doch Rußland. Aber es war zu wenig, um den Russen effektiv zu helfen.

Auch gegen Deutschland war die britische Blockade nicht vollständig: über neutrale Staaten konnten die Deutschen immer noch einige Güter einführen. Zudem waren sie erfolgreich bei der Entwicklung von Ersatzstoffen, die fehlende Ressourcen teilweise ersetzten und es ihnen ermöglichten, den Krieg weiterzuführten. Die Einfuhr von kriegswichtigen Gütern war jedoch außerordentlich schwierig; die Engländer beschränkten den neutralen Seeverkehr nach Nordeuropa mit Hilfe ihrer Kreuzergeschwader und durchsuchten jedes Schiff nach Konterbande. Die Deutschen wollten diese Kontrolle natürlich verhindern, um ungehindert kriegswichtige Güter einführen zu können, zudem suchten sie nach Möglichkeiten, ihrerseits den gegnerischen Seehandel zu stören. Durch die feindliche Blockade schied die Entsendung von Überwasserhandelsstörern weitgehend aus, sie wären mit großer Wahrscheinlichkeit vom Gegner entdeckt worden. Lediglich bewaffnete Handelsschiffe, sogenannte Hilfskreuzer, schafften als harmlose Neutrale getarnt den Durchbruch und richteten einigen Schaden bei ihren Kreuzfahrten an. Die Reichweite der deutschen Schlachtflotte war zu gering, um außerhalb der Nordsee effektiv operieren zu können, und außerdem drohte die Übermacht der feindlichen Flotte, die sie von ihren Basen abschneiden und vernichten konnte. Jedoch gab es noch eine dritte Möglichkeit: die U-Boote.


SMS Emden, einer der erfolgreichsten deutschen Handelsstörer in Übersee
(Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Eine neue Waffe

Die U-Boote waren zur Zeit des Ersten Weltkrieges eine völlig neue Waffe, deren Möglichkeiten noch gänzlich unerprobt waren. Vielversprechend war allerdings, daß es bislang keine geeigneten Kampfmittel gegen ein getauchtes U-Boot gab. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es noch keinen militärischen Einsatz eines modernen Unterseebootes gegeben, und sie wurden als völlig ungeeignet für den Handelskrieg angesehen. Zu Beginn des Krieges sahen das auch die Deutschen so, und der erste Einsatz von U-Booten in der Nordsee richtete sich denn auch nicht gegen die Handelsschiffahrt, sondern gegen die Blockadegeschwader. Dabei versenkte das deutsche U-Boot U 9 innerhalb einer Stunde die drei britischen Panzerkreuzer Aboukir, Cressy und Hogue, ein deutlicher Beweis dafür, was diese Waffe leisten konnte. Im Februar 1915 begannen die deutschen U-Boote, rund um die britischen Inseln Jagd auf feindliche Handelsschiffe zu machen. Es standen dafür zu Anfang insgesamt 24 Boote zur Verfügung. Das Seegebiet um England herum wurde zum Kriegsgebiet erklärt, innerhalb dessen jedes feindliche Handelsschiff mit Aufbringung oder Versenkung zu rechnen hatte.


22. September 1915: U 9 vernichtet drei britische Panzerkreuzer auf einen Schlag
(Quelle: www.kaiserliche-marine.de)

Die erste U-Boot-Offensive

Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Kaiserlichen Marine vier Haupttypen von U-Booten: a) sogenannte U-Kreuzer mit großem Aktionsradius, die mit einigen Geschützen ausgerüstet waren, aber nur relativ wenig Torpedos mitführten, b) mittlere U-Boote mit einer Größe zwischen 600 und 900 Tonnen, die 10 bis 16 Torpedos oder 34 bis 36 Minen mit sich führten, c) UB-Boote zwischen 125 und 500 Tonnen mit vier Torpedos an Bord, d) UC-Boote mit 150 bis 400 Tonnen, die vorwiegend als Minenleger benutzt wurden.

Die Hauptstützpunkte der U-Boote lagen in der Deutschen Bucht, als Ausbildungszentren dienten Kiel und Danzig in der sicheren Ostsee. Auch im Mittelmeer operierten deutsche und österreichische U-Boote, als Stützpunkte dienten Pola und Cattaro an der Adriaküste. Im März 1915 wurde die Flandern-Flottille eingerichtet, die von den besetzten belgischen Häfen Oostende und Zeebrügge aus vornehmlich mit UB- und UC-Booten agierte. Die an der deutschen Küste stationierten Boote suchten meist in der Nordsee nach Beute oder fuhren um Schottland herum in das Gebiet der Western Approaches westlich von England, wo sich ein großer Teil des Schiffsverkehrs konzentrierte. Die Boote der Flandern-Flottille befuhren den Kanal und die Themse-Mündung oder gingen durch die Straße von Dover in das Gebiet der Western Approaches. Die erste U-Bootunternehmung gegen den englischen Handelsverkehr war sehr erfolgreich, in jedem Monat wurden Handelsschiffe mit zusammen 100.000 BRT versenkt.


Ein deutsches U-Boot stoppt ein britisches Handelsschiff

Der Lusitania-Zwischenfall

In die Zeit dieser ersten größeren U-Boot-Offensive fiel auch der Lusitania-Zwischenfall. Am 7. März 1915 wzrde der britische Passagierdampfer nahe der Südküste Irlands von U 20 versenkt, unter den zahlreichen Toten waren auch 128 Amerikaner. Die USA reagierten mit einer scharfen Protestnote, in welcher der Angriff als Mord auf hoher See bezeichnet wurde. Die Amerikaner forderten Garantien für die Sicherheit von US-Bürgern sowie die Immunität von Passagierschiffen. Die Deutschen wiesen die Note zurück und erklärten, das Schiff habe Kriegsmaterial an Bord gehabt und sei ein legitimes Ziel gewesen. Bis heute ist der Zwischenfall nicht restlos aufgeklärt. Tatsache ist aber, daß die Lusitania explizit auch für militärische Zwecke gebaut worden war und auf ihrer letzten Fahrt große Mengen Munition mit sich führte. Auch hält sich die Theorie, die britische Admiralität habe das Passagierschiff gezielt vor die Rohre eines deutschen U-Bootes gelenkt, um einen internationalen Zwischenfall hervorzurufen und Amerika zum Eintritt in den Krieg gegen Deutschland zu bewegen.
In den USA war die Empörung groß, jedoch war man auf einen Krieg nicht vorbereitet. Im August 1915 forderte die Versenkung des Dampfers Arabic durch ein deutsches U-Boot erneut amerikanische Opfer. Aufgrund von Protesten und Kriegsdrohungen seitens der USA nahmen die Deutschen Passagierschiffe ausdrücklich von den Angriffen aus und verlegten den Schwerpunkt ihrer U-Bootoperationen vorerst ins Mittelmeer.
Die erste U-Boot-Offensive von 1915 hatte keiner Seite einen entscheidenden Vorteil gebracht. Die Briten konnten den verlorengegangenen Handelsschiffsraum durch Neubauten ersetzen. Die deutschen Verluste hatten sich in Grenzen gehalten, und die Zahl der einsatzbereiten Boote nahm ständig zu: Ende 1915 standen 68 U-Boote bereit.


Die Lusitania sinkt nach dem Angriff von U 20

Der U-Boot-Krieg 1916

Anfang 1916 überprüften die Deutschen ihre U-Boot-Kriegführung. Von einer weiteren Ausweitung der Aktionen wurde bis auf Weiteres abgesehen. Leider kam es wieder zu Reibereien mit den Amerikanern: im März versenkte UB 29 den französischen Dampfer Sussex, dabei wurden drei Amerikaner verletzt. Die USA drohten mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, wenn Deutschland nicht den U-Boot-Krieg nach den Regeln des Völkerrechts führen würde. Die Deutschen reagierten darauf mit dem "Sussex-Versprechen";, in welchem sie sich dazu verpflichteten, den U-Boot-Krieg fortan streng nach Prisenordnung zu führen. Dies verlangte das Anhalten und Durchsuchen von Schiffen und verpflichtete zu Maßnahmen für die Sicherheit von Besatzung und Passagieren. Admiral Scheer, der einen solchen Handelskrieg nach Prisenordnung für inneffektiv hielt, berief die U-Boote zurück und plante statt des Angriffs auf Handelschiffe den Einsatz gegen die britische Flotte. Von Mai bis September versuchten die Deutschen, die Engländer in U-Boot-Hinterhalte zu locken. Die Hochseeflotte unternahm Raids gegen Städte an der englischen Ostküste, wobei sie die Überwasserschiffe als Köder benutzte, um die feindliche Flotte in U-Boot-Aufstellungen zu locken. Bei einer solchen Aktion kam es am 31. Mai 1916 auch zur Skagerakschlacht. Jedoch war das Vorgehen insgesamt wenig erfolgreich, nur einige britische Kreuzer wurden versenkt. Währenddessen zeigte der U-Boot-Krieg im Mittelmeer erste Wirkungen: die Engländer verlegten ihre Hauptschiffahrtsroute vom Suezkanal weg um das Kap der Guten Hoffnung herum, um der erheblichen Bedrohung durch deutsche und österreichische U-Boote im Mittelmeer auszuweichen. Diese Route war zwar viel länger als die durch den Suezkanal, aber auch sicherer.


Ein österreichisches U-Boot versenkt einen französischen Dampfer im Mittelmeer,
zeitgenössische Postkarte

Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg

Ende 1916 setzte sich beim deutschen Oberkommando allmählich die Ansicht durch, daß, wollte Deutschland den Krieg gewinnen, die größte Hoffnung in der U-Boot-Waffe lag. Feldmarschall Paul von Hindenburg, der das Oberkommando über das Feldheer führte, nahm an, daß Deutschland dabei sei, den Krieg zu verlieren, weil es ihn nicht gewinnen konnte. Die zu diesem Zeitpunkt bestehende Pattsituation war nicht mehr lange durchzuhalten. Die erfolglose Großoffensive bei Verdun hatte die Personalreserven erschöpft, und die britische Blockade führte zu einem immer größeren Mangel an Lebensmitteln und kriegswichtigen Gütern. Mit dem Hunger stieg die Kriegsmüdigkeit an, und es stand zu befürchten, daß die Bevölkerung irgendwann moralisch zusammenbrechen und die Fortsetzung des Kampfes verweigern könnte. Die U-Boot-Waffe war das einzige Kriegsmittel, das man noch nicht voll ausgeschöpft hatte. man hoffte, mit einer totalen Blockade der britischen Inseln England auszuhungern und zum Ausscheiden aus dem Krieg zu zwingen. Ohne die britische Unterstützung würden sich die anderen Gegner Deutschlands dann nicht mehr lange halten können, zumal die deutsche Flotte sie dann ihrerseits blockieren könnte.

Admiral Holtzendorff, der Chef des Admiralstabes, sandte am 22. Dezember 1916 eine Lagebeurteilung an Hindenburg, die davon ausging, daß bei einem Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges gegen alle England ansteuernden Schiffe im Februar 1917 England bis zum Juni in die Knie gezwungen werden könnte. Die U-Boote könnten der britischen Schiffahrt solche Verluste beibringen, daß die restlichen Schiffe zu einer Versorgung der Insel nicht mehr ausreichten � immerhin mußte England 80% seiner Lebensmittel von außen einführen. Mögliche Gegenmaßnahmen schreckten den Admiral dabei nicht. Ein Eingreifen der USA hielt er für unwahrscheinlich, und falls es doch stattfände, käme es wohl zu spät. Die Einführung eines Konvoisystems durch die Briten hielt er ebenfalls für nicht sehr wahrscheinlich, da diese es bei den Verlusten der Vergangenheit wohl schon implimentiert haben müßten, wenn sie sich etwas davon versprochen haben sollten. Außerdem glaubte er, die gesteigerte Zahl und technische Leistungsfähighkeit der deutschen U-Boote würde ausreichen, um etwaige Fortschritte der Briten bei der U-Boot-Abwehr auszugleichen. Die deutsche Regierung ließ sich von seinen Ausführungen überzeugen und nahm damit das Risiko eines Kriegseintrittes der USA in Kauf, die angedroht hatten, bei einem uneingeschränkten U-Boot-Krieg Partei für England zu ergreifen. Am 1. Februar 1917 begannen die 82 deutschen U-Boote damit, jedes England ansteuernde Schiff ohne Warnung anzugreifen, egal ob englisch oder neutral. Daraufhin trat Amerika in den Krieg ein. Es war eine Ironie der Geschichte, daß einen Monat nach der Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges in Rußland die Revolution ausbrach, die schließlich zum Zusammenbruch der russischen Armee und zum Waffenstillstand im Osten führte. Hätten die Deutschen auf den uneingeschränkten U-Boot-Krieg verzichtet, wären die Amerikaner vermutlich nicht in den Krieg eingetreten und hätten den erschöpften Franzosen 1918 nicht beistehen können; der Krieg hätte ganz anders enden können.


USS Texas, ein neuer Gegner für die deutsche Flotte

Die britische U-Boot-Abwehr

Ursprünglich ging die britische Admiralität davon aus, daß besondere Maßnahmen gegen U-Boote zum Schutz der Handelsschiffahrt nicht vonnöten wären, da die Deutschen ihre Boote vorerst nur gegen Kriegsschiffe einsetzten. Man glaubte, der beste Schutz gegen U-Boote bestünde in der Fortsetzung der Blockade, der Überwachung der Schiffahrtswege und der Bekämpfung der Basen, von denen die U-Boote aus operierten. Die Briten begannen entsprechend damit, die U-Boot-Basen aus der Luft anzugreifen, und entsandten zusätzliche Kriegsschiffe und Luftschiffe in die von ihnen patroullierten Gewässer. Man entschied, daß die Einführung eines Konvoisystems wie in den Kriegen gegen Frankreich ein Jahrhundert zuvor nicht erforderlich war. Man befürchtete erhebliche Einbußen an Transportkapazität durch die Verzögerungen und logistischen Schwierigkeiten eines Konvoisystems, außerdem nahm man an, daß die neutrale Konkurrenz schnell einen großen Teil der Transporte übernehmen würde, wenn man der britischen Handelsschiffahrt Beschränkungen auferlegte. Zudem war man der Ansicht, daß Konvois nur eine unnötige Häufung von Zielobjekten bildeten, viel langsamer fuhren, die Kollisionsgefahr erhöhten und die Transportkapazität schwächten.

Als die Deutschen 1915 mit ihrer ersten U-Boot-Offensive gegen die britische Handelsschiffahrt begannen, reagierten die Briten zunächst mit den üblichen Maßnahmen. Sie verstärkten die Sicherung der Seegebiete und die Minenräumverbände. Da es aber kaum möglich war, das gesamte Gebiet um die Britischen Inseln herum zu überwachen, richteten sie verbindliche Routen für ihre Handelsschiffe ein, die durch Kriegsschiffe gesichert waren. Dabei berücksichtigten sie jedoch nicht, daß auch die deutschen Boote so leichter Ziele fanden. Die Anwesenheit von Sicherungsschiffen zeigte ihnen, daß hier mit Beute zu rechnen war. Sie brauchten nur den Sicherungsfahrzeugen aus dem Weg zu gehen und sich auf die Lauer zu legen, bis ein Handelsschiff vorbeikam. Auf diese Weise versenkten die Deutschen bis Anfang 1916 1660 Schiffe. Durch die Praxis, die Handelsschiffe so lange warten zu lassen, bis eine Route durch das Kriegsgebiet von den Sicherungskräften für benutzbar erklärt wurde, trat gleichzeitig ein Kapazitätsverlust von 30% bei der alliierten Schiffahrt ein.

Währenddessen versuchten die Briten alles, um mit der neuen Gefahr für ihre Handelsschiffe fertigzuwerden. Größere Frachter erhielten Geschütze, um mit aufgetauchten U-Booten fertigzuwerden. Jedoch betrachteten die Deutschen solche Dampfer gemäß dem geltenden Völkerrecht als Kriegsschiffe, die nicht nach Prisenordnung angegriffen werden mußten. So wurden viele derartige Schiffe ohne Warnung durch getauchte U-Boote versenkt.
Am schwierigsten war das Aufspüren von U-Booten, die sich unter Wasser befanden. Zwar wurde ein Unterwasserhorchgerät bereits 1915 erfunden, es dauerte aber bis Ende 1917, bis es einigermaßen effektiv war. Ein weiteres Problem war die Bekämpfung der getauchten Boote. Nach vielen erfolglosen Versuchen erfand man schließlich die Wasserbombe, einen sprengstoffgefüllten Kanister, der durch einen Druckünder auf eine bestimmte Wassertiefe eingestellt werden konnte, in der er dann explodierte. Anfangs waren diese Bomben klein, und sie wurden nur in geringen Stückzahlen den Sicherungsfahrzeugen zugeteilt; zwischen zwei und vier Stück. Erst Anfang 1918 war der Nachschub ausreichend, so daß z.B. Zerstörer 30 bis 40 Wasserbomben mitführten. Eine weitere Bekämpfungsmaßnahme waren die sogenannten Q-Schiffe oder auch U-Boot-Fallen. Sie waren umgebaute Handelsschiffe, die mit getarnten Geschützen ausgestattet waren. Stoppte ein U-Boot das Schiff, ließ man es herankommen, enttarnte dann die Geschütze und versenkte as Boot an der Oberfläche. Diese Maßnahme erzeugte einige Verluste unter den U-Booten, wurde aber mit Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges wirkungslos, als die Deutschen dazu übergingen, Schiffe ausnahmslos ohne Warnung anzugreifen. Zusätzlich wurden Netz- und Minensperren eingerichtet, Flugzeuge und Luftschiffe führten Aufklärungsflüge durch. Trotz all dieser Maßnahmen stiegen die durch U-Boote verursachten verluste an Schiffsraum immer mehr an, die bisherigen Bekämpfungemethoden erwiesen sich als zu wenig wirksam. Im September 1916 etwa operierten in einem kleinen Abschnitt des englischen Kanals drei deutsche U-Boote. Gleichzeitig waren im selben Seegebiet nicht weniger als 572 britische Fahrzeuge zu ihrer Bekämpfung aufgeboten: 49 Zerstörer, 48 Torpedoboote, sieben Q-Schiffe und 468 bewaffnete Hilfsfahrzeuge. Dennoch entkamen alle drei U-Boote unbehelligt, nachdem sie dreißig Handelsschiffe versenkt hatten. Die Versenkungsziffern stiegen immer höher, Ende 1916 versenkten die deutschen U-Boote pro Monat etwa 150 Schiffe. Hohe Offiziere, unter ihnen Admiral Jellicoe, sagten den Zusammenbruch Englands voraus, wenn nicht eine wirksame Bekämpfungsmethode gefunden würde.


Das Q-Schiff HMS First Prize versenkt das deutsche U-Boot U 93

Die Wende

Durch den uneingeschränkten U-Bootkrieg stiegen die Versenkungen von England ansteuernden Handelsschiffen in schwindelnde Höhen, jeden Monat ging Schiffsraum in der Größenordnung von 600.000 bis 800.000 BRT verloren. In Großbritannien wurden Lebensmittel knapp, und die Kriegsindustrie sah ihren Nachschub bedroht; ein Zusammenbruch Englands zeichnete sich ab. Eine Revolution im Seekrieg stand bevor: erstmals hatte es eine unterlegene Seemacht vermocht, einer überlegenen Seemacht, die aber von Übersee-Einfuhren abhing, mit Hilfe der neuen U-Boot-Waffe eine Niederlage beizubringen.
Die Antwort der Briten bestand darin, gegen erhebliche Widerstände endlich das Konvoisystem einzuführen. Es hatte sich nach Experimenten herausgestellt, daß Handelsschiffe im Geleit erheblich sicherer waren, als wenn sie einzeln fuhren. Die Verluste durch die U-Boote fielen dramatisch ab, nachdem das Konvoisystem überall eingeführt worden war. Dazu kamen zusätzliche amerikanische Geleitschiffe und endlich auch wirkungsvolle Ortungs- und Bekämpfungsmethoden. Innerhalb einiger Monate waren die deutschen U-Boote kein ernstzunehmendes Problem mehr, insbesondere da immer mehr von ihnen von alliierten Geleitfahrzeugen versenkt werden konnten. So endete der U-Boot-Krieg im Ersten Weltkrieg für Deutschland mit einer Niederlage.

Das U-Boot hatte sich während des Krieges vom experimentellen Spielzeug zu einer furchtbaren Waffe gemausert, die Englands Seereich beinahe zum Zusammenbruch gebracht hätte. Nach dem Waffenstillstand mußte Deutschland alle U-Boote verschrotten oder ausliefern und durfte keine mehr besitzen. Erst die Nationalsozialisten begannen 1935 mit dem Aufbau einer neuen U-Boot-Waffe, die im Zweiten Weltkrieg mit neuen Taktiken und Techniken England erneut an den Rand des Untergangs führen sollte.


Das Marineehrenmal in Laboe bei Kiel, errichtet zum Gedenken an
die gefallenen deutschen Seemänner des Ersten Weltkrieges

07. April 2004 - 14:56
( Jagdpanther )

Deutsche Foren >> Kommentare > U-Bootkrieg und Handelskrieg
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 Autor Thema: U-Bootkrieg und Handelskrieg
Jvonne
09.04.2004 um 10:59 QuoteProfileSend PM

Clan: Jagdstaffel 99
Postings: 593

Zitat:
Unglücklicherweise traf der Torpedo der U 20 exakt das Munitionslager, was zu einer starken Explosion führte;

der torpedo traf einen der vier maschienenräume , kaltes wasser brachte den glühenden dampfkessel zum explodieren ,
hab ich mal in einem film gesehn , war glaub ich stern tv.
__________________

http://sexygirls.nanox.de/pics/Jvonne/
 
Jagdpanther
10.04.2004 um 10:42 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 3348

He's watching YOU...
Die Ursache der Explosion ist bis heute nicht ganz geklärt, ich schätze aber, die Kessel hätten das SChiff nicht derart zerfetzt. Wahrscheinlich war es doch die im Laderaum befindliche 75mm-Artilleriemunition...
__________________
Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
Jvonne
10.04.2004 um 11:51 QuoteProfileSend PM

Clan: Jagdstaffel 99
Postings: 593



Spurensuche
Die Untersuchung der Wrackteile und die Auswertung des Foto- und Videomaterials zeigen eindeutig, dass die an Bord der Lusitania mitgeführte Munition nicht explodiert ist. Die Frachträume sind weitgehend intakt. Ballard findet jedoch Hinweise, die in eine andere Richtung deuten: Kohle.
Neben dem Wrack liegen überall Kohlestücke auf dem Meeresboden verteilt. Ballards Theorie: Nach der langen Überfahrt sind die Bunker fast leer. Der Torpedoeinschlag wirbelt große Mengen Kohlestaub auf, der sich zu einer mit Sauerstoff aufgeladenen, höchst reaktiven Mixtur wandelt. Ein kleiner Funke genügt, um das schwebende Gemisch explodieren zu lassen.

Des Rätsels Lösung
Als das Tauchteam jedoch das Einschlagloch des Torpedos findet, verwirft der Forscher die Kohle-Theorie. Die Sprengöffnung im Rumpf der Lusitania ist etwa sechs Meter breit und drei Meter hoch. Durch dieses Loch können 100 Tonnen Wasser pro Sekunde in das Schiff strömen.
Zunächst füllen sich die fast leeren Kohlebunker. Das Schiff erhält etwa 15 Grad Schlagseite. Dadurch fließt das eiskalte Wasser aus dem Mastbunker in den Kesselraum Nr.1, trifft auf die glühend heiße Kesselwand und löst augenblicklich eine Dampfexplosion aus. Durch die zweite Explosion nehmen mehrere Schotten Schaden. Die Wasseraufnahme beschleunigt sich und nach 20 Minuten ist der Stolz der englischen Cunard-Reederei versunken








[Editiert von Jvonne am 10.Apr.2004 um 11:55]
__________________

http://sexygirls.nanox.de/pics/Jvonne/
 
von Fuchs
10.04.2004 um 12:08 QuoteProfileSend PM

Clan: Jagdstaffel 99
Postings: 536

FuxX
Jap diese Theorie ist mir auch geläufig und finde ich sehr glaubwürdig.
__________________

Hauptmann Daniel von Fuchs
Kommandierender Offizier
Jagdstaffel 99
 
Tom_Ate
10.04.2004 um 12:36 QuoteProfileSend PM

Clan: nnGa
Postings: 1

Die Umstände bezgl. des Untergangs der Lusitania scheinen ja heut zu Tage geklärt. Vor 5-8 Jahren war das noch anders, da waren in der Tat die Kohlestaubtheorie und die Waffenarsenaltheorie (wobei diese schon länger widerlegt wurde, da die Waffen nicht explodiert sind, hat man bei Frackuntersuchungen heraus gefunden) die meist vertretenen. Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass die Lusitania gesunken ist, weil es einfach kein Kriegsschiff war und eben keine ausreichende Panzerung besaß.
Egal ob die Kessel explodiert wären oder nicht, das Schiff wäre unweigerlich gesunken und das auch nicht sehr viel langsamer, sicherlich hätte es nicht so schnell Schlagseite gegeben und alle Rettungsboot hätten zu Wasser gelassen werden. Robert D. Ballard hat ja nun aber bewiesen, dass die zweite Explosion von den Kesseln stammt.
Davor gab es auch noch Theorien, dass das Uboot mehrfach gefeuert hätte.

Aber ich wollte noch Bezug nehmen zu den Theorien bezgl. der britischen Admiralität. Es sind keine Theorien, es gilt mittlerweile auch als sicher, dass der erste Lord der Admiralität, Sir Winston Churchill, wusste, dass vor Liverpool ein deutsches Uboot auf "Dampferabfangkurz" war. In diesem Zusammenhang ist auch das Zimmer 40 in London zu nennen.

Was dem Artikel vlt. noch gut getan hätte, wenn man auf die Rolle von Admiral Alfred von Tirpitz weiter eingegangen wäre, weil nur durch ihn der Flottenausbau so stark voran getrieben wurde und durch ihn der uneingeschränkte U-Boot Krieg propagiert wurde.
Ansonsten klasse Artikel. Danke.
 
heni2000
10.04.2004 um 13:37 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
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heni2000
warum hatten die Kriegschiffe die mit Dampf betrieben waren immer noch solche takelagen?
__________________



 
Jagdpanther
10.04.2004 um 16:49 QuoteProfileSend PM


Clan: Team Battlefield 1918
Postings: 3348

He's watching YOU...
Die Masten hatten neue Aufgaben erhalten: zum Aufziehen von Sígnalflaggen, zum Tragen der Antennendrähte der Funkausrüstung und auch für die Ausgucks, die vor der Erfindung des Radars sehr wichtig wraen.
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Im Krieg verrohen die Sitten. Warum soll man eine Tür aufschließen, wenn man auch mit dem Sturmgeschütz dagegenfahren kann?


 
heni2000
12.04.2004 um 14:05 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
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heni2000
EY EY Käpten
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Admiral Graf Spee
14.04.2004 um 17:23 QuoteProfileSend PM

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HEHE ;Ich habe ein U-Boot bei mir zuhause ,,,nein kein echtes----- im M 1/40 Ferngesteuert , U-995 vom typ VII C is echt geil das ding aber auch mortz teuer 2000 euro .
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Ich ......dein Kamerad
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"Man muss das Wahre immer wiederholen,weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von Einzelnen, sondern von der Masse.In Zeitungen und Enzyklopedien,auf Schulen und Universitäten,überall ist der Irrtum obendrauf,und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität,die auf seiner Seite ist ."

Goethe am 16.Dezember 1828 zu Eckermann
 
heni2000
15.04.2004 um 15:12 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
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heni2000
was machst du wenn das teil mal verseuft?
2.hat es hat es uran bestückte torpedos an board?
3. hat die maschaft nicht gemuetert?
__________________



 
Admiral Graf Spee
15.04.2004 um 15:27 QuoteProfileSend PM

Clan: t.A.T.u.
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Weder noch , die bastzung bestet aus Servos ,ja die suren manchmal
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"Man muss das Wahre immer wiederholen,weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von Einzelnen, sondern von der Masse.In Zeitungen und Enzyklopedien,auf Schulen und Universitäten,überall ist der Irrtum obendrauf,und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität,die auf seiner Seite ist ."

Goethe am 16.Dezember 1828 zu Eckermann
 
heni2000
16.04.2004 um 10:25 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
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heni2000
so jetzt kanst du mir bitte diese 2 wörter erklären
Zitat:
Servos und suren

suren ist damit surren gemeint?
__________________



 
Admiral Graf Spee
16.04.2004 um 14:32 QuoteProfileSend PM

Clan: t.A.T.u.
Postings: 3314

Ach ja natürlich

also ei Servo ist eine ,,ruder-machine ,, die macht bewegungen für z.B. ein Ruder hin und her-hin und her verstehst du ?
Is für die Fernsteuerung .
Und surren heist so viel wie brummen oder summen pas auf ich zeig s dir SO : zrzrzrzrzrz oder zzzzzzzz oder rrrrrrrrrrrrrr
verstehst du
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Goethe am 16.Dezember 1828 zu Eckermann
 
heni2000
17.04.2004 um 11:55 QuoteProfileSend PM

Clan: Schweizer
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heni2000
ok habs kapiert das mit dem suren und surren hab ich mir ja gedacht aber das mit der servo habe ich nicht gewusst

danke
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